Girlie

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Der Begriff Girlie entstammt einem Trend der 1990er Jahre und beschreibt eine junge, mädchenhafte Frau, die sich unkonventionell, oft körperbetont, kleidet und selbstbewusst, teilweise auch frech-provozierend, auftritt.[1] Das Alter von Girlies liegt gewöhnlich zwischen 13 und 23 Jahren.

Begriffsherkunft[Bearbeiten]

Der Begriff stammt ursprünglich aus dem Englischen, kam dort in den 1990er Jahren auf und heißt dort „Girly Girl“, wurde aber im Deutschen als „Girlie“ übernommen. Erstmals als Wort in einem deutschen Wörterbuch beschrieben wurde der Begriff 1995 von Schönfeld.[1]

Girlie-Bewegung[Bearbeiten]

Ein bedeutender Vorgänger war die Riot-Grrrl-Bewegung, die aus der Punk-, Hardcore- oder Grunge-Szene entstand und, beeinflusst durch Idole wie Courtney Love, die typische Girlie-Mode vorwegnahm und diese kombinierte mit einer radikalen Ablehnung der vorhandenen Frauenrollenmuster. Die Girlie oder auch die Girl-Power-Bewegung stellte dann die nachfolgende entschärfte und kommerzialisierte Variante dieser Vorgängerbewegung dar.[2] Besonders im Musikbereich wurde der Girlie-Kult kommerzialisiert, sei es bei Musiksendern wie MTV oder bei Popsängerinnen oder Bands. Begonnen hat dieser Trend in der Popkultur der 1980er Jahre in den USA mit dem Slogan Express Yourself. Madonna als typischer Wegbereiterin folgte in den 1990er Jahren eine entsprechende Bewegung.[3] Dieser Trend wurde dann von vielen Mädchen adaptiert. Das Alter von Girlies liegt in der Regel zwischen 13 und 23.[4] Die Modeindustrie hat passend zum Girlie-Trend bestimmte Mode wie z. B. Kopftücher oder T-Shirts kreiert.[5] Die dominierenden Farben sind Rosa, Hellblau sowie sonstige zarte Farben, welche die Weiblichkeit betonen sollen. Typische Bekleidungsmuster sind z. B. Springerstiefel in Kombination mit Blümchenkleid und dazu Zöpfe mit Maikäferspange.[4] Das Girlie wird zur umworbenen Kundin im entsprechenden Markttrend, der zunehmend Einfluss auf die Waren und Medienwelt ausübt.[3]

Kontroverse[Bearbeiten]

Aus feministischer Sicht stellt das Girlie-Phänomen einen Rückschritt dar, in der das Girlie wieder zur Komplizin frauendiskriminierender Strukturen eines patriarchalischen Systems werde und damit auf einer Stufe stehe mit den Frauengenerationen vor der Emanzipationsbewegung.[6] Die gesellschaftspolitisch und sozial desinteressierten Girlies betrieben nur die erlaubte Emanzipation, und ihre Revolte sei eine Scheinrevolte, die auf die Möglichkeit einer Veränderung verzichte.[4] Auf jeden Fall stelle der konsum- und lustorientierte Frauen- und Mädchentrend eine radikale Abkehr der feministischen Werte der 1970er Jahre dar.[3] Auffallend ist der zeitliche Abstand von 20 Jahren, der den Spiegel bewog, von „Emmas Tochter“ zu schreiben, die den in die Jahre gekommenen Feminismus durch einen neuen Frauentyp ablöse.[7] McRobbie sieht deshalb die Girlie-Kultur wie deren feministische Kritikerinnen im Kontext eines „generationsspezifischen Antagonismus“, das heißt eines typischen Generationenkonfliktes durch die Einführung konträrer Werte bei der jungen Generation, und meint, dass diese Problematik bewirke, dass aus der feministischen Perspektive der Mütter die Kraft dieser Bewegung unterschätzt würde. Dabei sei gerade dieses männlich lümmelhafte und umgekehrt sexistische Verhalten von Girlies ein Anzeichen für einen vollzogenen, unumkehrbaren sozialen Wandel.[8]

Bekannte Girlies[Bearbeiten]

Die Liste umfasst einige Frauen, die sich zeitweise oder überdauernd als Girlie betrachteten beziehungsweise in dieser Art vermarktet wurden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Wilfried Breyvogel: Eine Einführung in Jugendkulturen. VS Verlag, 2005, ISBN 3810035408.
  •  Dieter Herberg, Michael Kinne, Doris Steffens: Neuer Wortschatz. Neologismen der 90er Jahre im Deutschen. In: Schriften des Instituts für Deutsche Sprache. Walter de Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3110177501.
  •  Angela McRobbie: Muskelpakete und Schwänze. Die Bedeutung der Girlie Kultur. In: Anette Baldauf, Katharina Weingartner (Hrsg.): Lips Tits Hips Power? Popkultur und Feminismus. Folio, Wien, Bozen, ISBN 3-85256-077-2.
  •  Gabriele Rohmann: Mädchen in Jugendkulturen. In: Tagung Dornbirn. 9. Januar 2008, S. 6f (koje.at, abgerufen am 26. März 2008).
  •  Eike Schönfeld: alles easy. Ein Wörterbuch des Neudeutschen. 3 Auflage. C.H. Beck, 1995, ISBN 3406392261.
  •  Gabriele Steckmeister: Komplizinnen. In: Peter Heinrich Jochen Schulz zur Wiesch (Hrsg.): Wörterbuch zur Mikropolitik. VS Verlag, 1998, ISBN 3810020133, S. 135-136.
  •  Angela Volkmann: Eva wo bist du? Die Geschlechterperspektive im Religionsunterricht am Beispiel einer Religionsbuchanalyse zu biblischen Themen. Königshausen & Neumann, 2004, ISBN 3826026411.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b  Dieter Herberg, Michael Kinne, Doris Steffens: Neuer Wortschatz. Neologismen der 90er Jahre im Deutschen. In: Schriften des Instituts für Deutsche Sprache. Walter de Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3110177501, S. 140.
  2.  Gabriele Rohmann: Mädchen in Jugendkulturen. In: Tagung Dornbirn. 9. Januar 2008, S. 6f (koje.at, abgerufen am 26. März 2008).
  3. a b c d e Ulrike Fielgers: Gesellschaft Girl Power. Geschichte nrw.de 2008. Zugriff am 25. März 2008
  4. a b c  Angela Volkmann: Eva wo bist du? Die Geschlechterperspektive im Religionsunterricht am Beispiel einer Religionsbuchanalyse zu biblischen Themen. Königshausen & Neumann, 2004, ISBN 3826026411, S. 65.
  5.  Wilfried Breyvogel: Eine Einführung in Jugendkulturen. VS Verlag, 2005, ISBN 3810035408, S. 152.
  6.  Gabriele Steckmeister: Komplizinnen. In: Peter Heinrich Jochen Schulz zur Wiesch (Hrsg.): Wörterbuch zur Mikropolitik. VS Verlag, 1998, ISBN 3810020133, S. 135-136.
  7.  Dieter Herberg, Michael Kinne, Doris Steffens: Neuer Wortschatz. Neologismen der 90er Jahre im Deutschen. In: Schriften des Instituts für Deutsche Sprache. Walter de Gruyter, Berlin 2004, ISBN 3110177501, S. 141.
  8.  Angela McRobbie: Muskelpakete und Schwänze. Die Bedeutung der Girlie-Kultur. In: Anette Baldauf, Katharina Weingartner (Hrsg.): Lips Tits Hips Power? Popkultur und Feminismus. Folio, Wien, Bozen, ISBN 3-85256-077-2, S. 278.