Girondins Bordeaux

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Girondins Bordeaux
Vereinswappen von Girondins Bordeaux
Voller Name Football Club des
Girondins de Bordeaux
Ort Bordeaux, Frankreich
Gegründet 1. Oktober 1881
Vereinsfarben dunkelblau-weiß
Stadion Stade Jacques-Chaban-Delmas
Plätze 34.200
Präsident Jean-Louis Triaud
Trainer Willy Sagnol
Homepage www.girondins.com
Liga Ligue 1
2013/14 7. Platz
Heim
Auswärts

Der Football Club Girondins de Bordeaux ist ein französischer Fußballverein aus der südwestfranzösischen Stadt Bordeaux, die am Gironde genannten Mündungstrichter des Flusses Garonne liegt – daher hat der Verein seinen Namen. Er wurde um den Jahreswechsel 1881/82 gegründet, seine Fußballabteilung dauerhaft allerdings erst 1919; der Name wechselte aufgrund von Fusionen und wegen eines Konkurses (1991) mehrfach, wobei aber stets der Namensbestandteil "Girondins" erhalten blieb. Die Vereinsfarben sind Dunkelblau und Weiß.

Die erste Fußballmannschaft spielte zunächst im Stade Vélodrome (später in Parc Lescure umbenannt) und heute im Stade Jacques-Chaban-Delmas, das Platz für rund 34.200 Zuschauer bietet. Ab Mai 2015 soll Bordeaux im neugebauten Grand Stade de Bordeaux spielen.[1] Derzeit wird der Verein, dessen Aktienmehrheit der Fernsehprivatsender M6 und damit – über die RTL Group – die Bertelsmann AG besitzt, von Jean-Louis Triaud geführt. Die Ligamannschaft wird ab Sommer 2014 von Willy Sagnol trainiert.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Anfänge[Bearbeiten]

Der Verein wurde am 1. Oktober 1881 als Gymnastik- und Schützenverein gegründet. Unter dem Vorsitz von André Chavois fügte der Club Rudern, Reitsport, Schwimmen und weitere Sportarten zu seinen Aktivitäten hinzu. Erst 1910 und nach starken Nachdruck aus dem Verein, insbesondere durch den Vereinspräsidenten Raymond Brard, wurde Fußball probeweise zu den Aktivitäten hinzugefügt. Das Fußball-Experiment überdauerte nur ein Jahr, und wurde danach erst knapp zehn Jahre später 1919 wieder aufgenommen. Das erste offizielle Spiel wurde 1920 mit 12:0 gegen Section Burdigalienne gewonnen.

Bordeaux erlangte seinen Profifußballstatus am 2. Juli 1936 durch Fusion mit dem benachbarten bordelaiser Sportverein Girondins Gueyenne Sport, der zu dem heute bekannten Club führte. Bordeauxs Aufstieg als Profiteam ging zeitgleich mit der fortschreitenden Professionalisierung der Französischen Fußball Föderation vonstatten, die vor 1932 nicht bestand. Der Verein wurde der zweiten französischen Liga zugeteilt und gab in der Saison 1937/38 sein Debüt. Der erste Trainer des Vereins war der Spanier Benito Diaz. Dieser brachte die spanischen Spieler Santiago Urtizberea und Jaime Mancisidor zum Verein. Letztgenannter diente dem Verein später als Kapitän. Die bekanntesten französischen Spieler des Vereins waren der Stürmer Henri Arnaudeau und der Torwart André Gérard. Das erste offizielle Spiel endete mit 2:1 und fand am 23. Mai 1937 gegen den Alpen-Verein FC Scionzier statt. Das erste Ligaspiel endete mit 2:3 gegen Toulouse. Der erste Sieg konnte gegen Nimes Olympique errungen werden. Die Saison beendete der Verein auf dem 6. Platz der Abschlusstabelle. Der enttäuschende Abschluss führte dazu, dass Bordeaux an der Abstiegsrelegation teilnehmen musste, wo die Mannschaft aber einen respektablen 3. Platz belegen konnte. Ein Jahr später zog Bordeaux in das heutige Stadion Chaban-Delmas um, welches zuvor als Parc Lescure bekannt war. Das Stadion wurde speziell für die Weltmeisterschaft 1938 errichtet und war anschließend für Girondins Bordeaux bestimmt. Zuvor hatte der Verein seine Spiele im Stade Galin ausgetragen, welches heute als Trainingsgelände genutzt wird.

Erfolg und Stabilität[Bearbeiten]

Die Mannschaft mit dem charakteristischen Skapulier auf dem Trikot und mit dem Pokal des Coupe-de-France-Finales 1941

Am 15. Oktober 1940 fusionierte Bordeaux mit dem lokalen Sportclub AS Port und übernahm die bis heute bekannte Tradition des Skapuliers, des Dreiecks im Vereinswappen und auf den Trikots. Unter dem neuen Namen Bordeaux ASP lief der Verein mit dem Skapulier im Finale des Coupe de France des Jahres 1941 auf. Das im besetzten Frankreich durchgeführte Spiel wurde im Stadion in Saint-Ouen ausgerichtet und endete 2:0 gegen SC Fives mit Urtizberea als doppeltem Torschützen.[3] Der Sieg im Coup de France war der erste große Triumph des Vereins. Bereits 1943 stand man wieder im Finale des Coupe de France gegen Olympique Marseille. Das Spiel wurde jedoch mit 2:0 verloren.[4] Es war die erste Finalniederlage in einer Serie von sieben Niederlagen, die bis in die 80er Jahre andauern sollte. Nach der Befreiung Frankreichs stieg Bordeaux wieder in den Ligabetrieb ein und stieg in die erste Liga auf, nachdem sie zuvor einen 2. Platz in der Saison 1948/49 belegten. Nach der Saison engagierte der damalige Trainer André Gérard den Niederländer Bertus de Harder. Durch die Spieler de Harder, Édouard Kargu und Camille Libar errang Bordeaux in der Folgesaison 1949/50 den ersten Ligatitel seiner Vereinshistorie in der ersten Saison seiner Erstligazugehörigkeit.[5] Der Verfolger Lille konnte mit sechs Punkten distanziert werden. Der Erfolg berechtigte den Verein an der Teilnahme des Coupe Latine, in dem er im Finale 3:3 gegen Benfica Lissabon spielte und erst in der Nachspielzeit des WIederholungsspiels durch das einzige Tor des Tages unterlag.

Zwei Saisons nach ihrem Titelgewinn manefestierte Bordeaux ihren Titelanspruch indem sie hinter OGC Nizza als zweitplatzierte die Saison beendeten. 1952 und 1955 konnte das Coupe de France-Finale erreicht werden. Im ersten Anlauf scheiterten sie dabei erneut am OGC Nizza in einem Match mit acht Toren, fünf davon in den ersten 40 Minuten, mit 5:3.[6] Henri Baillot hatte zwischenzeitlich zum 3:3 ausgeglichen. Im Pokalfinale von 1955 wurde Girondins von Lille mit 5:2 geschlagen, nachdem Lille nach 35 Minuten mit 4:0 in Führung ging.[7] Die Niederlagen des Pokals strahlten auch auf die Liga ab, als Bordeaux in der Saison 1955/56 abstieg. Dem erneuten Aufstieg in der Saison 1959/60 folgte der sofortige Wiederabstieg als Tabellenletzter mit nur 21 Punkten.

In den 1960er Jahren konnte Bordeaux, mit dem früheren Spieler Salvador Artigas als Trainer, zu alter Stärke zurückfinden. Unter Artigas Regie wurde der Aufstieg in der Saison 1961/62 perfekt gemacht, dem ein respektabler vierter Platz in der Saison 1962/63 folgte. In der Folgesaison war Bordeaux erneut im Finale des Pokals vertreten, in dem man allerdings erneut verlor, diesmal mit 2:0 gegen Olympique Lyon. Beide Tore wurden vom Argentinier Nestor Combin erzielt.[8] Der zweite Platz berechtigte zumindest an der Teilnahme am Messepokal der Saison 1964/65. Nach einem 4:3 nach Hin- und Rückspiel schied man bereits früh gegen Borussia Dortmund aus dem Wettbewerb aus. Vier Jahre später konnte erneut das Coupe de France-Finale erreicht werden - die siebte Teilnahme am Pokalfinale. Auch gegen den AS Saint-Etienne war ihnen nach einem 2:1 kein Triumph vergönnt.[9] Die achte Teilnahme, eine Saison später, brachte keine Änderung. Erneut scheiterte man mit 2:0 gegen Olympique Marseille. [10] Die Mannschaft erlebte trotz des Zugangs von Alain Giresse einen starken qualitativen Niedergang während der 70er Jahre. Die Mannschaft hatte mit sieben verschiedenen Trainern zu arbeiten und landete stetig in der unteren Tabellenhälfte. 1979 wurde der Verein an den einflussreichen und ambitionierten Immobilien-Mogul Claude Bez verkauft, der sich selbst als Präsident einsetzte.

Im Sommer 1983 organisierte der Verein ein Jahrhundert-Turnier. Bordeaux gewann dabei 2:0 gegen den FC Barcelona im Halbfinale des Turniers. Im Finale des eigenen Turniers wurde man allerdings vom VfB Stuttgart geschlagen.

Rückkehr zu alter Größe[Bearbeiten]

Erfolgstrainer der 80er Jahre: Aimé Jaquet

Angeführt durch die Siebziger Jahre Größen Giresse und Gernot Rohr gewann Bordeaux in der Saison 1983/84 seinen ersten Meistertitel seit 1950. Am Ende der Saison war man punktgleich mit dem AS Monaco an der Spitze der Tabelle. Aufgrund des direkten Vergleichs, wurde Bordeaux zum Meister erklärt.[5] In der Folgesaison 1984/85 konnte mit vier Punkte Vorsprung erneut der Meistertitel gegen den Zweitplatzierten FC Nantes errungen werden. Auf europäischer Bühne erreichte man in der Saison 1984/85 das Halbfinale des UEFA Cups nach Siegen über Athletic Bilbao, Dinamo Bukarest und Dnipro Dnipropetrowsk bevor man gegen Juventus Turin verlor. Im 1986er Coupe de France konnte schließlich Olympique Marseille mit 2:1 geschlagen werden. Tigana und Giresse waren die beiden Bordeaux-Torschützen.[11] Der Sieg im Finale des Coupe de France war der erste nach acht Versuchen und der erste Pokalgewinn seit 1941. In der Folgesaison wurde der Pokal erneut gewonnen. Erneut konnte gegen Marseille nach Toren von Phillippe Fargeon und Zlatko Vujovic geschlagen werden.[12] Bordeaux schloss die Saison 1986/87 mit dem Gewinn Meistertitels ab.[13]

Unter der Führung von Claude Bez, der Millionen in den Club pumpte, gelang es dem Verein drei Meisterschaften zu gewinnen, zwei Coupe de France-Titel und im Europapokal von sich zu überzeugen. Während der Bez-Ära gingen aus der Bordeaux-Mannschaft verschiedene französische Nationalspieler hervor, z.B. Bernard Lacombe, Jean Tigana, René Girard, Jean-Christophe Thouvenel und Thierry Tusseau. Bez engagierte zudem den etablierten Trainer Aimé Jacquet.

Wappen wie es von 1992 bis 2001 geführt wurde

Nach den Erfolgen der 80er Jahre konnte die französische Meisterschaft zuletzt in den Jahren 1999 und 2009 nach Bordeaux geholt werden.[5]

In der Saison 2012/13 des Coupe de France konnte Girondins den Zweitligisten Evian TG mit 3:2 schlagen und erneut den Pokal erringen.[5]

Ligazugehörigkeit[Bearbeiten]

Die Girondins gehörten der höchsten Spielklasse (Division 1, seit 2002 Ligue 1 genannt) 1939–1943, 1944–1947, 1949–1956, 1959/60, 1962–1991 und, nach Konkurs und Neugründung, seit 1992 bis heute an. Mit 14 Punktspielsiegen in Folge – vom 28. Spieltag der Saison 2008/09 bis zum dritten Spieltag der Saison 2009/10 einschließlich – haben sie einen neuen Erstligarekord aufgestellt.

Erfolge[Bearbeiten]

Trophäe des Turniers zur Hundertjahrfeier von Girondins Bordeaux

National

International

Kader zur Saison 2014/15[Bearbeiten]

Stand: 28. Juli 2014[14]

Nr. Position Name
1 SlowenienSlowenien TW Ažbe Jug
2 BrasilienBrasilien AB Mariano
5 AB Nicolas Pallois
6 SenegalSenegal AB Ludovic Sané
8 KroatienKroatien MF Grégory Sertic
9 UruguayUruguay ST Diego Rolán
10 SenegalSenegal ST Henri Saivet
11 ArgentinienArgentinien ST Emiliano Sala
12 ST Hadi Sacko
14 MaliMali ST Cheick Diabaté
15 ST Younès Kaabouni
16 TW Cédric Carrasso
17 GabunGabun MF André Poko
18 TschechienTschechien MF Jaroslav Plasil
Nr. Position Name
19 MF Nicolas Maurice-Belay
20 BrasilienBrasilien ST Jussiê
22 AB Julien Faubert
23 ArgentinienArgentinien AB Lucas Orban
24 TunesienTunesien MF Wahbi Khazri
24 MaliMali MF Abdou Traoré
27 AB Marc Planus
29 AB Maxime Poundjé
MF Clément Badin
BeninBenin ST David Djigla
AB Théo Pellenard
TW Jérôme Prior
ST Thomas Touré
ArgentinienArgentinien MF Valentín Vada

Für den Klub wesentliche Spieler und Trainer in der Vergangenheit[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Thierry Berthou/Collectif: Dictionnaire historique des clubs de football français. Pages de Foot, Créteil 1999 – Band 1 (A-Mo) ISBN 2-913146-01-5, Band 2 (Mu-W) ISBN 2-913146-02-3
  • François Trasbot: Girondins de Bordeaux. Alan Sutton, Saint-Cyr-sur-Loire 20112., ISBN 978-2-84253-657-2

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Calendrier 2014-2015 de la Ligue 1 : Bordeaux recevra Montpellier au Grand stade auf suedouest.fr, abgerufen am 28. Juli 2014
  2. Willy Sagnol wird neuer Trainer bei Girondins Bordeaux auf sportal.de, abgerufen am 05. Juli 2014
  3. http://www.lequipe.fr/Football/match/10000000000000000000036454
  4. http://www.lequipe.fr/Football/match/10000000000000000000036554
  5. a b c d http://www.lequipe.fr/Football/HIST_D1.html
  6. http://www.lequipe.fr/Football/match/10000000000000000000036703
  7. http://www.lequipe.fr/Football/match/10000000000000000000036753
  8. http://www.lequipe.fr/Football/match/10000000000000000000036899
  9. http://www.lequipe.fr/Football/match/10000000000000000000036971
  10. http://www.lequipe.fr/Football/match/10000000000000000000037002
  11. http://www.lequipe.fr/Football/match/10000000000000000000037492
  12. http://www.lequipe.fr/Football/match/10000000000000000000037521
  13. http://fussballdaten.de/vereine/girondinsbordeaux/2014/
  14. girondins.com

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Girondins Bordeaux – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien