Giropay

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giropay
Logo von giropay
Rechtsform Gesellschaft mit beschränkter Haftung (Deutschland)
Gründung 2005
Sitz Frankfurt am Main
Leitung Andreas Schmid, Joerg Schwitalla
Branche Finanzdienstleistung
Website www.giropay.de

giropay ist ein Online-Bezahlverfahren von Teilen der deutschen Kreditwirtschaft, das auf der Überweisung mittels Online-Banking basiert und speziell für die Anforderungen des E-Commerce optimiert wurde. Darüber hinaus bietet der Dienst über der Marke giropay-ID eine KJM-konforme Online-Altersverifikation an.

Struktur[Bearbeiten]

giropay wurde im Februar 2006 von Teilen der deutschen Kreditwirtschaft gegründet. Auf Basis der Online-Überweisung verspricht giropay Käufern ein einfaches, schnelles und sicheres Bezahlen im Internet. Verkäufer sollen durch den Erhalt einer sofortigen Zahlungsgarantie von der Bank des Käufers ihr Zahlungsausfallrisiko vollständig ausschalten können.

Abb. 1: klassisches Onlinebanking im Internet

Die giropay GmbH wurde von der Postbank, der Star Finanz (einer Tochtergesellschaft des Sparkassenrechenzentrums Finanz Informatik) sowie der Fiducia IT und der GAD (Rechenzentren des genossenschaftlichen Finanzverbundes, also der Volksbanken Raiffeisenbanken) gegründet. Aufgabe der giropay GmbH ist es u. a. Nutzungsbedingungen (Rules & Regulations) für Nutzer festzulegen. Der Vertrieb gegenüber Händlern erfolgt über sogenannte Acquirer (letztlich Lizenznehmer).

Abb. 2: Beispiel für Einkauf im Internet mit Online-Überweisung, z.B. giropay

Ein giropay-Kunde benötigt für die Bezahlung von Onlinekäufen keine gesonderte Registrierung oder zusätzliche Software. Voraussetzung zur Nutzung an giropay ist ein für das Online-Banking per PIN/TAN-Verfahren freigeschaltetes Girokonto. HBCI-Chipkarten werden nicht unterstützt.[1] Darüber hinaus muss das Kreditinstitut des Kunden an giropay teilnehmen, was aktuell über 1.500 Banken und Sparkassen tun. Unter anderen bieten die Postbank, die Sparkassen, die Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie comdirect, DKB und weitere Regionalbanken giropay an. Im Gegensatz zu giropay steht Sofortüberweisung Kunden unabhängig davon, bei welcher Bank sie ihr Girokonto haben, offen.[2]

Ein Händler, der seinen Kunden giropay als Bezahlverfahren anbieten möchte, benötigt von einem Acquirer, ähnlich wie bei der Kreditkarte, einen Akzeptanzvertrag. Lösungen zur technischen Integration in den Online-Shop werden vom Acquirer und/oder von sogenannten Payment-Service-Providern (PSP) angeboten. Beim Direktvertrieb erfolgt alles aus einer Hand: Acquirervertrag und technische Integration werden von der GiroSolution angeboten.

Ablauf Bezahlvorgang[Bearbeiten]

Die Bezahlung erfolgt direkt vom Girokonto des Kunden. Zu diesem Zweck wählt er in einem entsprechenden Online-Shop die Zahlungsart giropay aus und muss dort zusätzlich die Bank benennen (z. B. durch Eingabe der Bankleitzahl oder BIC), bei der er sein Girokonto führt. Bei Online-Shops mit hinterlegten, persönlichen Kundenprofilen entfällt dieser Schritt, falls der Kunde in seinem Profil die Bankleitzahl bzw. BIC hinterlegt hat. Sobald der Kunde im Online-Shop auf Bezahlen klickt, wird er automatisch zur Login-Seite seines Online-Bankings weitergeleitet, wo er sich mit seinen bekannten Daten (Kontonummer oder Anmeldename plus PIN) einloggt. Nach erfolgreichem Login präsentiert sich ihm direkt eine mit allen Daten ausgefüllte Online-Überweisung, die nicht mehr veränderbar ist. Durch Eingabe einer Transaktionsnummer (TAN) autorisiert der Kunde nun die Zahlung. Auf der Logout-Seite werden nochmals die Daten der Überweisung angezeigt und der Kunde wird zurück zum Online-Shop geleitet.[3]

Die Nutzung von giropay ist für den Käufer grundsätzlich kostenlos. Ein weiterer Vorteil für den Käufer ist die sehr hohe Sicherheit, denn er gibt dem Händler oder einem anderen Dritten nur die Bankleitzahl bekannt. Alle persönlichen und sicherheitsrelevanten Daten (Kontonummer, PIN, TAN) gibt er im geschützten Dialog des Online-Banking mit seiner Bank an. Um dem Händler die Sicherheit geben zu können, dass die Zahlung ankommt, muss im Gegensatz zu anderen Verfahren keinem Dritten die Möglichkeit einer Kontostandsabfrage oder Bonitätsprüfung eingeräumt werden.

Wichtiges Merkmal des Verfahrens ist, dass der Händler als Zahlungsempfänger nach der erfolgreichen giropay-Überweisung sofort eine unwiderrufliche Zahlungsgarantie von der Bank des Käufers erhält. Obwohl die Überweisung über die normalen Clearing-Wege abgewickelt wird, hat der Online-Händler also sofort eine Garantie, dass der Warenwert seinem Konto gutgeschrieben wird. Anders als bei Lastschriften, ELV oder Kreditkartenzahlungen entfällt demnach das Zahlungsausfallrisiko bei diesem Verfahren. Das hat gleichzeitig für den Käufer den Vorteil, dass der Händler risikolos die Ware sofort versenden kann.

Nutzung für Kunden[Bearbeiten]

Über 35 Mio. Kunden[4] in Deutschland können bereits heute giropay für die Bezahlung von Ware und/ oder Dienstleistungen im Internet nutzen. Kunden, die giropay nutzen wollen, benötigen lediglich ein Online-Banking-Girokonto bei einer teilnehmenden Bank oder Sparkasse. Eine extra Registrierung für die Nutzung von giropay ist nicht notwendig, da Kunden ganz einfach die Online-Banking-Daten (PIN und TAN) der jeweiligen Bank oder Sparkasse nutzen.

Banken, die ihren Kunden die Bezahlung per giropay ermöglichen, sind derzeit die Postbank [5], die Kreditinstitute der Sparkassen-Finanzgruppe einschließlich der Deutschen Kreditbank, die Genossenschaftsbanken (Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie die GLS Gemeinschaftsbank und viele PSD-Banken), die Comdirect Bank, die Merkur Bank, die MLP AG, die Cronbank, das Bankhaus Ellwanger & Geiger, die Bank Schilling & Co., das Bankhaus Bauer sowie die CVW Privatbank AG.[6]

Nutzung für Händler[Bearbeiten]

Seit 2012 ist es Händlern möglich, direkt auf www.giropay.de einen Akzeptanzvertrag für giropay abzuschließen. Hierfür bedient sich die giropay GmbH des Acquirers GiroSolution. Händler können sich direkt einen Akzeptanzvertrag mit einem individuelles Angebot erstellen lassen und erhalten diverse kostenlose Plug-ins für Standardshopsoftware zum Download.

Darüber hinaus können Akzeptanzverträge derzeit bei insg. 11 Acquirern abgeschlossen werden: EVO Payments International, Postbank, B+S Cardservice, VR-Bank Westmünsterland, WGZ Bank, DZ Bank, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich, Wirecard, ConCardis, PPRO Financial und GiroSolution. Die Acquirer arbeiten wiederum mit diversen Payment-Service-Providern (PSP) zusammen, um giropay auch technisch in die Online-Shops zu implementieren. Einige Acquirer bieten die technische Integration jedoch auch selbst an - ohne einen gesonderten PSP.

Die Entgelte, die der Händler für die Nutzung von giropay zu tragen hat, sind je nach Acquirer individuell vereinbart. Zur preislichen Orientierung: Im Direktvertrieb auf www.giropay.de verspricht der Acquirer GiroSolution ein maximales Entgelt von 0,95 % vom Umsatz, min. 0,33 Euro pro Tx zzgl. PSP-Entgelt (Stand 30. Dezember 2014).

Sicherheit[Bearbeiten]

giropay nutzt die Sicherheitsstandards des Online-Banking der teilnehmenden Banken und Sparkassen. Als Legitimationsverfahren ist derzeit primär das PIN-TAN-Verfahren umgesetzt, wobei hierbei iTAN, mTAN oder alle anderen optimierten TAN-Verfahren (z.B. chipTAN)[7] genutzt werden können.

Im Gegensatz zu Angeboten Dritter ist giropay ein von Banken legitimiertes Verfahren. Der Käufer gibt seine persönlichen Bankdaten (PIN und TAN) ausschließlich auf den Seiten seiner Bank ein. Die Stiftung Warentest rät dazu: „Machen Sie sich vor Transaktionen im Internet immer klar, dass Betrüger mit PIN und TAN Ihr Konto plündern können.“[8]

Bei giropay verzichtet der Kunde durch Eingabe seiner TAN auf das Widerrufsrecht seiner Überweisung. Eine Rückbelastung, wie bei Zahlungen mit Kreditkarten und im Lastschriftverfahren, ist nicht möglich. Deshalb muss der Kunde auf Verfahren der Erstattung zurückgreifen, die vom Online-Händler angeboten werden [9].

Internationalisierung[Bearbeiten]

Die beiden Online-Überweisungsverfahren giropay aus Deutschland und eps Online-Überweisung aus Österreich haben ihre beiden Systeme miteinander vernetzt[10]. Damit stellen die beiden bisher rein nationalen Bezahlverfahren eine Interoperabilität zwischen ihren Systemen her, die es Händlern erlaubt über das bereits jeweils schon angebundene Verfahren, das andere über dieselbe Schnittstelle zu nutzen. Für den Händler bietet dies den Vorteil, dass er nun nicht mehr zwei Bezahlverfahren jeweils einzeln technisch und vertraglich integrieren muss, sondern dies über eine Schnittstelle und einen Akzeptanzvertrag erledigen kann. Durch die Vernetzung der beiden Bezahlverfahren eröffnet sich Händlern die Möglichkeit, insgesamt bis zu 40 Millionen Online-Banking-Kunden in Deutschland und Österreich zu adressieren.

eps Online-Überweisung aus Österreich funktioniert exakt so wie giropay - Für Händler und Kunden gleichermaßen: Händler erhalten wie bei giropay eine Zahlungsgarantie von der Bank des Käufers und sind somit zu 100% vor Zahlungsausfällen geschützt. Kunden nutzene eine Bezahlmethode, bei der sie sensible Daten wie PIN und TAN ausschließlich auf den Seiten Ihrer Bank eingeben. An eps in Österreich nehmen nahezu alle Banken und Sparkassen teil.

Die Interoperabilität wurde von beiden Verfahren offen gehalten, sodass sich weitere europäische Online-Überweisungsverfahren über die Integration der definierten Schnittstelle hieran beteiligen können.

giropay-ID[Bearbeiten]

giropay-ID ist ein Online-Altersverifikationssystem, das es Kunden ermöglicht, ihre Volljährigkeit gegenüber Online-Anbietern nachzuweisen. giropay-ID basiert dabei wie das Bezahlverfahren giropay auf dem Online-Banking mit PIN und TAN und wird nur von teilnehmenden Banken und Sparkassen in Deutschland unterstützt. Anstelle einer Überweisung (wie bei der Bezahlung mittels giropay) beauftragt der Kunde bei giropay-ID seine Hausbank, dem Händler mitzuteilen, dass er volljährig ist[11]. Händler können ihren Kunden auch eine Kombination aus Online-Altersverifikation mit giropay-ID und Online-Überweisung mit giropay anbieten. In diesem Fall wird in nur einem Schritt mit einer TAN die Abfrage der Volljährigkeit und gleichzeitig die Bezahlung der Ware durchgeführt.

giropay-ID teilt dem Online-Shop keine persönlichen Daten wie z.B. Ihr Geburtsdatum mit, sondern lediglich, ob der Kunde volljährig (ü18) ist oder nicht. Diese Daten liegen der teilnehmenden Hausbank des Kunden vor, da er sich bei der Kontoeröffnung seines Girokontos mit einem amtlichen Ausweisdokument (Personalausweis oder Reisepass) legitimiert hat.

giropay-ID ist ein Online-Altersverifikationssystem, welches den Anforderungen des aktuellen Jugendschutzes entspricht und daher von der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM) [12] positiv bewertet wurde.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ihre Fragen zu giropay: Unterstützt giropay auch die HBCI-Chipkarte? abgerufen am 24. Januar 2012
  2. H. Peitsmeier: In: FAZ vom 8. Juni 2012, Wirtschaft, S. 19
  3. So funktioniert giropay. In: youtube. Abgerufen am 14. Mai 2013.
  4. http://www.giropay.de/das-unternehmen/news/news-single-view/datum/2014/06/16/beliebtheit-von-online-banking-waechst-mehr-als-35-millionen-nutzer-koennen-sicher-mit-giropay-onli.html
  5. giropay. In: Postbank. Abgerufen am 14. Mai 2013.
  6. Banken-Check. In: giropay. Abgerufen am 6. Dezember 2012.
  7. Sicherungsverfahren. In: Sparkassen. Abgerufen am 14. Mai 2013.
  8. Stiftung Warentest: Sofortueberweisung.de ist umstritten, in: Finanztest: 03/2010 (online abgerufen am 4. Februar 2013)
  9. giropay. In: DKB. Abgerufen am 14. Mai 2013.
  10. http://www.giropay.de/das-unternehmen/news/news-single-view/datum/2014/07/16/giropay-und-eps-ermoeglichen-sicheres-grenzueberschreitendes-bezahlen-per-online-ueberweisung.html
  11. http://www.giropay.de/fuer-kaeufer/giropay-id-fuer-kaeufer/so-funktioniert-giropay-id.html
  12. http://www.kjm-online.de/service/pressemitteilungen/archiv/detailansicht/article/kjm-pressemitteilung-192012-mehr-sicherheit-im-netz-kjm-bewertet-weiteres-altersverifikations-kon.html

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]