Gisela Bock (Historikerin)

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Gisela Bock (* 28. Juli 1942 in Karlsruhe) ist eine deutsche Historikerin.

Leben[Bearbeiten]

Bock studierte in Freiburg im Breisgau, Berlin, Paris und Rom. Nach der Promotion 1971 (zur politischen Ideengeschichte der frühen Neuzeit) war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin (für Geschichte Nordamerikas, dann des Nationalsozialismus) an der Freien Universität Berlin bis 1983. Nach der Habilitation 1984 an der Technischen Universität Berlin wirkte sie als Professorin am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz und von 1989 bis 1997 als Professorin für Geschlechtergeschichte an der Universität Bielefeld. Bis zu ihrer Emeritierung 2007 war sie Professorin für Neuere Geschichte an der Freien Universität Berlin.

In den 1970ern engagierte sich Bock in der Frauenbewegung. Sie war maßgeblich an der Kampagne „Lohn für Hausarbeit“ beteiligt und war eine der Pionierinnen in der Entstehung und Institutionalisierung der Frauen- und Geschlechtergeschichte. Ihre bekanntesten Veröffentlichungen sind die theoretischen Aufsätze über Geschlechtergeschichte und das Buch Frauen in der europäischen Geschichte (alle in mehreren Sprachen), außerdem die Untersuchungen zur Zwangssterilisation im Nationalsozialismus, eine Studie über 400.000 Zwangssterilisationen an - nach Auffassung der Nationalsozialisten - "erblich minderwertigen" Männern und Frauen, die im nationalsozialistischen Deutschland vorgenommen wurden. Bock vertritt die Ansicht, dass die Geschlechterpolitik des Nationalsozialismus ebenso von der Rassenpolitik geprägt war wie umgekehrt und dass sein geburtenpolitisches Spezifikum nicht so sehr der Pronatalismus, sondern der Antinatalismus war.

Zusammen mit Karin Hausen und Heide Wunder gab sie die Reihe Geschichte und Geschlechter im Campus Verlag heraus.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

Deutsch[Bearbeiten]

  • Thomas Campanella: politisches Interesse und philosophische Spekulation, Niemeyer, Tübingen 1974
  • Die andere Arbeiterbewegung in den USA 1905-1922: die Industrial Workers of the World, Trikont, München 1976
  • Arbeit aus Liebe – Liebe als Arbeit: zur Entstehung der Hausarbeit im Kapitalismus, zusammen mit Barbara Duden, in Frauen und Wissenschaft. Beiträge zur Berliner Sommeruniversität für Frauen Juli 1976, Berlin 1977
  • Zwangssterilisation im Nationalsozialismus. Studien zur Rassenpolitik und Frauenpolitik, Opladen 1986; Neudruck Münster 2010
  • Geschichte, Frauengeschichte, Geschlechtergeschichte in: Geschichte und Gesellschaft 14, 1988, S. 364-391
  • Ganz normale Frauen: Täter, Opfer, Mitläufer und Zuschauer im Nationalsozialismus, in: Zwischen Karriere und Verfolgung, herausgegeben von Kirsten Heinsohn u.a., Campus, Frankfurt 1997, S. 245-277
  • Die europäische Querelle des Femmes: Geschlechterdebatten seit dem 15. Jahrhundert, herausgegeben mit Margarete Zimmermann, Metzler, Stuttgart 1997
  • Frauen in der europäischen Geschichte, C. H. Beck, München 2000 und 2005 (auch in andere Sprachen übersetzt)
  • Der Nationalsozialismus und die Frauen, in: Der Nationalsozialismus und die deutsche Gesellschaft. Einführung und Überblick Hg. Sösemann. DVA Stuttgart 2002 ISBN 342105617X & WBG Darmstadt 2002 ohne ISBN. Rez.: [1]
  • Genozid und Geschlecht. Jüdische Frauen im nationalsozialistischen Lagersystem (herausgegeben), Campus, Frankfurt 2005
  • Geschlechtergeschichte auf alten und neuen Wegen: Zeiten und Räume, in: Wege der Gesellschaftsgeschichte, herausgegeben von Jürgen Osterhammel, Dieter Langewiesche und Paul Nolte, Vandenhoeck&Ruprecht, Göttingen 2006, S. 45-67
  • Friedrich Meinecke in seiner Zeit: Studien zu Leben und Werk, herausgegeben zusammen mit Daniel Schönpflug, Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2006
  • Frauenrechte als Menschenrechte: Olympe de Gouges’ „Erklärung der Rechte der Frau und der Bürgerin“ in: Themenportal Europäische Geschichte (2009)
  • Friedrich Meinecke. Neue Briefe und Dokumente, herausgegeben zusammen mit Gerhard A. Ritter, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 2012

Englisch[Bearbeiten]

  • Women's History and Gender History: Aspects of an International Debate, in: Gender and History, Volume 1, 1989, S. 7-30
  • Machiavelli and Republicanism, herausgegeben zusammen mit Quentin Skinner und Maurizio Viroli, Cambridge University Press, Cambridge 1990
  • Maternity and Gender Policies: Women and the Rise of the European Welfare States, 1880s-1950s, herausgegeben mit Pat Thane, Routledge, London 1991
  • Beyond Equality and Difference: Citizenship, Feminist Politics and Female Subjectivity, herausgegeben mit Susan James, Routledge, London 1992
  • Ordinary Women in Nazi Germany: Perpetrators, Victims, Followers, and Bystanders, in: Women in the Holocaust, herausgegeben von Dalia Ofer und Lenore J. Weitzman, Yale University Press, New Haven und London 1998, S. 85-100

Literatur[Bearbeiten]

  • Ilse Lenz: Die Neue Frauenbewegung in Deutschland. Abschied vom kleinen Unterschied. VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-531-14729-1.

Weblinks[Bearbeiten]