Gitterträger

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Schematische Darstellung
Gitterträger aus Holz
Town québécois: Pont Bordeleau
Kew Railway Bridge, Gitterträger aus Schmiedeeisen
Straßenbrücke von Cubzac

Ein Gitterträger ist ein Träger, der aus einer Vielzahl von Stäben besteht, die diagonal übereinander gelegt und an den Kreuzungspunkten miteinander zu einem Gitter verbunden werden. Die Ober- und Unterkanten werden mit leichten Stäben fixiert. Diese Konstruktionsweise ist eng verwandt mit dem Fachwerkträger. Umgangssprachlich werden heute auch Stahl-Fachwerkträger fälschlicherweise als Gitterträger bezeichnet.

Dieser Träger wurde meist in Holzbauweise ausgeführt, mit leichten Holzlatten und Holznägeln als Verbindungsmittel. Der große Vorteil dieses Trägers war die Verwendung kleinerer Holzlatten anstelle schwerer und teurer Holzbalken. Heute wird diese Konstruktionsweise aufgrund des hohen Arbeitsaufwand nicht mehr verwendet, Brettschichtholz bietet denselben Vorteil, ist aber wesentlich günstiger in der Herstellung.

Holzbrücken[Bearbeiten]

In den USA wurde diese Konstruktionsweise 1820 und 1835 von dem amerikanischen Architekten Ithiel Town als Town’s lattice truss patentiert, in Deutsch als Townscher Lattenträger oder Town’scher Lattenträger bezeichnet. Er kam insbesondere in den USA und in Kanada beim Bau von gedeckten Holzbrücken zum Einsatz. In Québec hat das Ministère de la Colonisation du Québec (in etwa: Landwirtschaftsministerium) 1905 eine kostengünstigere Weiterentwicklung mit schmaleren Latten und metallischen Verbindungen anstelle der Holznägel eingeführt. Dabei wurden die Träger alle 8 Fuß (2,44 m) mit senkrechten Pfosten zur besseren Stabilisierung versehen. Diese als Town québécois bezeichnete Variante wurde bis in die 1950er Jahre gebaut.[1] Es sind auch heute noch zahlreiche Brücken erhalten, bei denen Gitterträger verwendet wurden.

Eisenbrücken[Bearbeiten]

Mit der von Großbritannien ausgehenden verbreiteten Einführung des im Puddelverfahren hergestellten Schmiedeeisens wurde das Prinzip auf schmiedeeiserne Gitterträgerbrücken übertragen. Diese Bauweise wurde ab 1847, überwiegend in den 1860er Jahren und vereinzelt bis ca. 1900 eingesetzt.

Einige der zum Teil noch existierenden schmiedeeisernen Gitterträgerbrücken sind:[2]

Die Bauweise wurde abgelöst durch die Einführung von Stahlträgern, die industriell in großer Menge hergestellt wurden, was die kostengünstigere Herstellung von Fachwerkbrücken erlaubte.

Bei der 1953−1954 wiederaufgebauten, zweigleisigen Urmitzer Eisenbahnbrücke wurde die Konstruktionsweise nochmals bei einer stählernen Brücke eingesetzt.

Hallen[Bearbeiten]

Imperial War Museum, Duxford, mit Gitterträgern unter dem Hallendach

Ein ähnliches Fügungsprinzip liegt Gitter-Schalenkonstruktionen wie zum Beispiel der Multihalle in Mannheim zugrunde. Auch diese bestehen aus leichten Stäben, die an den Kreuzungspunkten fixiert werden, sind aber im Gegensatz zum Gitterträger gekrümmt.

Ein irisches Unternehmen entwickelte ab 1866 den sogenannten Belfast truss, einen Gitterträger mit gebogenem Obergurt als Träger weitgespannter Hallendächer.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gitterträger – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jean Lefrançois: Les ponts couverts au Québec, héritage précieux. 2004, S. 8
  2. In der List of lattice girder bridges in the United Kingdom in der englischen Wikipedia sind eine Reihe weiterer Gitterträgerbrücken aufgeführt.