Giuliano Pisapia

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Giuliano Pisapia (2012)

Giuliano Pisapia (* 20. Mai 1949 in Mailand) ist ein italienischer Jurist und parteiloser Politiker. 2011 wurde er als erster Kandidat des Mitte-Links-Lagers seit 18 Jahren zum Bürgermeister Mailands gewählt.

Giuliano Pisapia ist der Sohn des Anwalts und Linkspolitikers Gian Domenico Pisapia, der als „Vater“ der reformierten italienischen Strafprozessordnung von 1989 bekannt ist. Er studierte Jura und Politikwissenschaft und arbeitete als Strafverteidiger. Er war auch vor dem Obersten Kassationshof tätig. In dieser Funktion verteidigte er unter anderen den PKK-Führer Abdullah Öcalan und vertrat die Familie des 2001 erschossenen Genua-Demonstranten Carlo Giuliani als Nebenkläger.

Pisapia veröffentlichte rechtswissenschaftliche Fachartikel und Beiträge zu juristischen Nachschlagewerken und Digesten, publizierte aber auch in den großen Tageszeitungen des Landes.

Giuliano Pisapia begann sein politisches Engagement in den 1970er Jahren bei der linksradikalen Partei Democrazia Proletaria (DP). 1996 wurde er als Unabhängiger auf der Liste der Rifondazione Comunista (RC), in der die DP inzwischen aufgegangen war, ins italienische Abgeordnetenhaus gewählt. Während der Regierungskrise 1998 sprach er, abweichend von der RC-Linie, Ministerpräsident Romano Prodi das Vertrauen aus, anschließend war er fraktionslos. Während dieser Legislatur war er Vorsitzender des Justizausschusses. 2001 wurde er für weitere fünf Jahre wiedergewählt. Im Juli 2006 wurde er zum Vorsitzenden einer Studienkommission des Justizministeriums zur Reform des Strafrechts berufen, die bis Ende März 2008 arbeitete.

Bereits im Juni 2010 erklärte er seine Kandidatur für die Mailänder Bürgermeisterwahl am 15.-16. Mai 2011. Unterstützt von den Linksparteien RC + Comunisti Italiani sowie Sinistra Ecologia Libertà (SEL) nahm er am 14. November 2010 an der Vorwahl teil, die die Demokratische Partei (PD) zur Findung eines gemeinsamen Mitte-Links-Kandidaten abhielt. Mit etwa 45 % setzte er, und nicht der PD-Favorit Stefano Boeri, sich durch und war somit gemeinsamer Kandidat von PD, SEL, RC+CI, Italia dei Valori, Radikalen, Grünen und diversen Bürgerinitiativen. Im ersten Wahlgang schnitt Pisapia überraschend deutlich stärker ab als Amtsinhaberin Letizia Moratti von der rechten Partei Volk der Freiheit (PdL) und verpasste mit 48,04 % nur knapp die absolute Mehrheit. Trotz eines darauf folgenden ultra-populistischen Wahlkampfes von Seiten des Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi[1] und seiner PdL setzte er sich in der Stichwahl am 29.-30. Mai mit 55,1 % gegenüber Moratti durch.[2]

Am 29. April 2011 heiratete Giuliano Pisapia die Journalistin Cinzia Sasso, mit der er zuvor bereits 20 Jahre zusammengelebt hatte.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Der Mailänder Berlusconi drohte am 23. Mai, mit dem „Linksextremisten“ Pisapia würde Mailand zu einer „islamischen Stadt voller Zigeuner“, ("Mailand wird eine islamische Stadt": Berlusconi warnt vor "Zigeunern", n-tv, 23. Mai 2011, abgerufen am 26. Januar 2012)
  2. Schlappe für Berlusconi bei Kommunalwahlen. news.ch. 30. Mai 2011. Abgerufen am 30. Mai 2011.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Giuliano Pisapia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien