Giulietta Guicciardi

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Miniatur aus Beethovens Besitz, möglicherweise Julie Guicciardi

Gräfin Julie („Giulietta“) Guicciardi (* 23. November 1782[1] in Przemyśl, Galizien; † 22. März 1856 in Wien) war eine österreichische Adlige und für eine kurze Zeit Klavierschülerin von Ludwig van Beethoven.

Leben[Bearbeiten]

„Julie“, wie sie in der Familie genannt wurde,[2] kam mit ihren Eltern im Juni 1800 aus Triest nach Wien und wurde dort wegen ihrer Schönheit bald zum Mittelpunkt der Gesellschaft. Sie verlobte sich mit dem jungen Grafen Wenzel Robert von Gallenberg, den sie am 14. November 1803[3] heiratete. Anschließend reiste sie mit ihm nach Neapel, wo sich die Familie viele Jahre aufhielt. In späteren Jahren zählte der Fürst Hermann von Pückler-Muskau zu ihren Verehrern.

Beziehung zu Beethoven[Bearbeiten]

Beethoven lernte Julie durch die Familie Brunsvik kennen. Er war besonders mit den Schwestern Therese und Josephine Brunsvik eng befreundet. Im Herbst 1801 wurde er Julies Klavierlehrer und verliebte sich offenbar in sie. Sie ist wahrscheinlich jenes „zauberische Mädchen“, über das er am 16. November 1801 an seinen Jugendfreund Franz Gerhard Wegeler schreibt: „etwas angenehmer lebe ich jezt wieder, indem ich mich mehr unter Menschen gemacht, du kannst es kaum glauben, wie öde, wie traurig ich mein Leben seit 2 Jahren zugebracht, wie ein Gespenst ist mir mein schwaches Gehör überall erschienen, und ich floh – die Menschen, mußte Misantrop scheinen, und bins doch so wenig, diese Veränderung hat ein liebes zauberisches Mädchen hervorgebracht, die mich liebt, und die ich liebe, es sind seit 2 Jahren wieder einige seelige Augenblicke, und es ist das erstemal, daß ich fühle, daß – heirathen glücklich machen könnte, leider ist sie nicht von meinem stande“.[4] 1802 widmete er ihr als „Giulietta Guicciardi“ die Mondschein-Sonate.

Gegenüber seinem Adlatus und Biographen Anton Schindler bekannte Beethoven im Februar 1823, er sei seinerzeit tatsächlich in sie verliebt gewesen.[5] In seiner 1840 erschienenen Beethoven-Biographie behauptete Schindler, „Giulietta“ sei auch die Adressatin des Briefs an die „Unsterbliche Geliebte“, was sofort (obwohl damals noch nicht publiziert) von ihrer Cousine Therese Brunsvik angezweifelt wurde: „Drei Briefe von Beethoven, angeblich an Giulietta. Sollten es Machwerke sein?“[6] Thereses Zweifel waren nur zu begründet, da sie – im Unterschied zu Schindler und nahezu allen anderen Zeitgenossen – recht gut über die intensive und langandauernde Liebesbeziehung Beethovens zu ihrer Schwester Josephine Brunsvik Bescheid wusste: „3 Briefe von Beethoven ... sie werden wohl an Josephine sein, die er leidenschaftlich geliebt hat.“[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Steblin (2009), S. 96 wies nach, dass Julie Guiccardi nicht, wie bis dato angenommen, 1784, sondern zwei Jahre früher geboren wurde.
  2. Die übliche Bezeichnung „Giulietta“ geht auf den italienischen Titel der ihr gewidmeten Mondscheinsonate zurück, auf der auch Beethoven selbst sich „Luigi van Beethoven“ nennt. (Steblin, 2009, S. 90)
  3. Steblin (2009), S. 145. Ein weiteres Datum, das (wie das ihrer Geburt) immer wieder falsch tradiert wird: Es war nicht der 3. oder 4. November 1803.
  4. Brandenburg (1996), Nr. 70.
  5. Ludwig van Beethovens Konversationshefte, hrsg. von Karl-Heinz Köhler und Dagmar Beck, Band 2, Leipzig 1976, S. 366f.
  6. Thereses Tagebuch, 12. November 1840, in Tellenbach (1983), S. 15. Der Brief an die „Unsterbliche Geliebte“ besteht aus drei Teilen.
  7. Thereses Tagebuch, 15. November 1840, in Goldschmidt (1977), S. 295. Diese „Giulietta-Hypothese“ wird heute nicht mehr diskutiert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Anton Schindler: Biographie von Ludwig van Beethoven. Münster 1840.
  • La Mara: Beethoven und die Brunsviks, Leipzig 1920
  • Harry Goldschmidt: Um die Unsterbliche Geliebte. Ein Beethoven-Buch. Leipzig: Deutscher Verlag für Musik 1977.
  • Harry Goldschmidt: „Beethoven in neuen Brunsvik-Briefen“, in: Beethoven-Jahrbuch, Jg. 1973/77 (1977), S. 97–146.
  • Marie-Elisabeth Tellenbach: Beethoven und seine „Unsterbliche Geliebte“ Josephine Brunswick. Ihr Schicksal und der Einfluß auf Beethovens Werk. Zürich: Atlantis 1983.
  • Sieghard Brandenburg (Hg.): Ludwig van Beethoven: Briefwechsel. Gesamtausgabe. 8 Bände. München: Henle 1996.
  • Beethoven aus der Sicht seiner Zeitgenossen, hrsg. von Klaus Martin Kopitz und Rainer Cadenbach unter Mitarbeit von Oliver Korte und Nancy Tanneberger, München 2009, Band 1, S. 411–414.
  • Rita Steblin: „A dear, enchanting girl who loves me and whom I love“: New Facts about Beethoven’s Beloved Piano Pupil Julie Guicciardi, in: Bonner Beethoven-Studien, Band 8 (2009), S. 89–152.