Giulio Tremonti

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Giulio Tremonti auf dem World Economic Forum 2011

Giulio Tremonti (* 18. August 1947 in Sondrio) ist ein italienischer Politiker, Hochschullehrer und Jurist. Er war insgesamt vier Mal italienischer Finanz- und Wirtschaftsminister unter Silvio Berlusconi, nämlich von Mai 1994 bis Januar 1995, Juni 2001 – Juli 2004, September 2005 – Mai 2006 und Mai 2008 - November 2011.

Politische Karriere[Bearbeiten]

Tremonti ist Professor der Rechtswissenschaft an der Universität Pavia und zudem Fachanwalt für Steuerrecht. Er war auch Gastdozent am Institute of Legal Practice in Oxford. Seine politische Karriere begann er 1987 im Partito Socialista Italiano, in dem er Gianni De Michelis nahestand und Mitarbeiter- und Beraterfunktionen im italienischen Finanzministerium innehatte. 1994 wurde er als Mitglied des zentristischen Patto Segni erstmals in die Abgeordnetenkammer gewählt, schloss sich aber noch im selben Jahr der Forza Italia an und wurde Finanzminister im ersten Kabinett Berlusconi.

Durch seine Freundschaft mit Umberto Bossi, dem Vorsitzenden der Lega Nord, gelang ihm eine Wiederannäherung Berlusconis an die Lega, die im Jahr 2000 zur Gründung des Mitte-Rechts-Bündnisses Casa delle Libertà führte. Tremontis Positionen entsprechen oftmals mehr den Positionen der autonomistischen Lega als denen seiner eigenen Partei, weshalb er schon vielfach als ein Leghista mit dem Parteibuch der Forza Italia bezeichnet wurde. Insbesondere tritt er für föderalistische Reformen sowie für mehr Autonomie der norditalienischen Regionen Lombardei und Venetien ein.

Von 2001 bis 2004 übernahm er in der zweiten Berlusconi-Regierung die Funktion des Finanz- und Wirtschaftsministers, trat dann aber – wegen der massiven Kritik aus den Reihen der Alleanza Nazionale an seiner Haushaltspolitik – zurück.[1] Im September 2005 kehrte er erneut ins Amt zurück, um seinen zurückgetretenen Nachfolger Domenico Siniscalco zu ersetzen und für die Verabschiedung des Haushalts 2006 zu sorgen.[2] Gleichzeitig bekleidete er im dritten Kabinett Berlusconi die Funktion des stellvertretenden Ministerpräsidenten.

Für die 15. Legislaturperiode (2006 – 2008) wurde Tremonti zu einem der Vizepräsidenten der Abgeordnetenkammer gewählt. Im vierten Kabinett Berlusconi war Tremonti nochmals Finanz- und Wirtschaftsminister, zum Ende der Amtszeit hin traten die politischen Gegensätze zwischen Berlusconi und Tremonti immer deutlicher zutage.

Im Januar 2009 hat Tony Blair, britischer Premierminister von 1997 bis 2007, ihn als "den gebildetsten Wirtschaftsminister in Europa" bezeichnet[3].

Er ist auch Vorsitzender des italienischen Aspen Institute und schreibt gelegentlich Beiträge für den Corriere della Sera.

Literatur[Bearbeiten]

  • La fiera delle tasse. (In: "The Bills' Fair", 1991)
  • Il federalismo fiscale. (1994)
  • Il fantasma della povertà. (In: "The Phantom of Poverty", 1995)
  • Le cento tasse degli italiani. (In: "The Hundred Taxes of Italians", 1996 / mit G. Vitaletti)
  • Lo Stato criminogeno. (1997)
  • Rischi fatali – L’Europa vecchia, la Cina, il mercatismo suicida: come reagire. (In: "Fatal risks: Old Europe, China, the Suicide Market: How to React", 2005)
  • La paura e la speranza - Europa: la crisi globale che si avvicina e la via per superarla. Mondadori, Mailand (2008) ISBN 978-88-04-58066-9

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Berlusconi nach Minister-Rücktritt unter Druck. - Nach dem Rücktritt von Wirtschafts- und Finanzminister Giulio Tremonti gerät die italienische Regierung unter Druck. Die EU-Finanzminister erwarten von Berlusconi einen drastischen Sparplan. faz.net 3. Juli 2004
  2. handelsblatt.com: Überraschungscoup in Rom
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatMarco Zatterin: Ci vuole un legal standard Tremonti chiede un'intesa globale per la trasparenza dell'economia. In: La Stampa Archivio. La Stampa, 9. Januar 2009, abgerufen am 11. März 2009 (italienisch): „Certo lo ha lusingato Tony Blair, l'ex premier britannico che lo ha definito «il piu' colto fra i ministri economici».“

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Giulio Tremonti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien