Giuseppe Alberigo

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Giuseppe Alberigo (* 21. Januar 1926 in Varese; † 15. Juni 2007 in Bologna[1]) war ein italienischer römisch-katholischer Theologe und Kirchenhistoriker.

Vita[Bearbeiten]

Giuseppe Alberigo wurde 1948 an der der Katholischen Universität Mailand zum Doktor der Rechtswissenschaft promoviert und arbeitete dann als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Centro di documentazione in Bologna. Er forschte zur Rechts- und Kirchengeschichte. 1951 wurde er zum Professor an der Universität Modena berufen. 1954 ging er an die Universität Florenz, wo er bis 1967 wirkte.

Nachdem Alberigo schon 1962 auch Leiter des Istituto per le scienze religiose in Bologna geworden war, erhielt er 1967 einen Ruf auf den Lehrstuhl für Kirchengeschichte der Universität Bologna. Für diese Funktion hatte sich Alberigo durch eine Studie über das Trienter Konzil qualifiziert, die er während eines zweijährigen Forschungsaufenthalts bei Hubert Jedin an der Universität Bonn angefertigt hatte.

1999 erhielt Alberigo die Ehrendoktorwürde der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. 2002 verlieh ihm die Katholisch-Theologische Fakultät der Julius-Maximilians-Universität Würzburg die Ehrendoktorwürde.

Er war lange Zeit Mitglied des Direktionskomitees der theologischen Zeitschrift Concilium (weitere Redaktionsmitglieder z. B. Hans Küng, Karl Rahner).

Alberigo verstarb 2007.[2]

Werk und Wirken[Bearbeiten]

Giuseppe Alberigo wurde weltweit bekannt durch seine Studien zum Zweiten Vatikanischen Konzil, besonders durch die von ihm 1995-2001 herausgegebene fünfbändige Geschichte dieser Kirchenversammlung. Ab dem Jahr 2000 erscheint eine deutsche Übersetzung. Es gibt Übersetzungen in zahlreiche weitere Sprachen.

Alberigo stellte besonders den Aspekt des Bruches heraus, der das Zweite Vatikanum geprägt habe. Es gelte daher, in diesem „Geist des Konzils“ an einer weiteren und fortschreitenden Erneuerung der Kirche zu arbeiten (sog. „Hermeneutik des Bruches“). Dabei stellt er tendenziell diesen „Geist“ über den Wortlaut der Konzilsdokumente. Demgegenüber vertreten Kritiker Alberigos eine Hermeneutik der Kontinuität, die sich darauf beruft, dass das Konzil den historischen Zusammenhang zur Tradition wahren wollte und dass deshalb die weitere Entwicklung der Kirche die gesamte Tradition in die theologische Reflexion einbeziehen müsse. Alberigo verfasste auch mehrere Studien zum Wirken von Papst Johannes XXIII. Er war Verfasser und Herausgeber weiterer zahlreicher Bücher und Aufsätze.

Werke[Bearbeiten]

(Auswahl von Werken, die in deutscher Übersetzung vorliegen)

  • Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils (1959-1965). 5 Bände, Mainz 2000-2007.
  • Johannes XXIII. Mainz 2000.
  • Geschichte der Konzilien vom Nicaenum bis zum Vaticanum II. Wiesbaden 1998.
  • Dekrete der Ökumenischen Konzilien. 3 Bände, Paderborn 2000-2002.
  • Die Fenster öffnen. Das Abenteuer des Zweiten Vatikanischen Konzils. Zürich 2006.

Wertung[Bearbeiten]

Aufgrund seiner Publikationen erwarb sich Alberigo in manchen Kreisen der Forschung den Ruf eines weltweit führenden Historikers des Zweiten Vatikanischen Konzils. In der jüngsten Auseinandersetzung um die Hermeneutik dieses Konzils äußerten sich aber auch kritische Wertungen der Kirchengeschichtsdeutung Alberigos, besonders durch Walter Brandmüller, dem Herausgeber der fast vierzigbändigen Reihe Konziliengeschichte[3] und durch die italienischen Mediävisten Claudio Leonardi und Girolamo Arnaldi.[4]

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Vgl. den Nachruf von Alberto Melloni in The Catholic Historical Review, Vol. 93, No. 4.
  2. Vgl. die Meldung über Alberigos Tod, abgerufen am 17. Juni 2007
  3. Vgl. die bibliographische Liste des Gesamtwerks in http://www.uni-bamberg.de/kgpatr/leistungen-organisationsebene-universitaet/forschung/konzilienforschung/konziliengeschichte/.
  4. Vgl. Armin Schwibach: Das Wesen der Kirche wird ideologisch verzerrt. Die „Dekrete der Ökumenischen und Allgemeinen Konzilien” in einer fragwürdigen Neuauflage. In: Die Tagespost, 19. Juni 2007, S. 10.