Giuseppe Belli (Soprankastrat)

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Giuseppe Belli als Licida in L'Olimpiade von Hasse
Giuseppe Belli als Licida in L'Olimpiade von Hasse

Giuseppe Belli, auch Giovanni Belli (* in Florenz; † 19. Januar 1760 in Neapel) war ein Soprankastrat am sächsischen Hof.

Leben[Bearbeiten]

Belli war bereits durch Reskript vom 21. Juli 1752 mit 1400 Talern Jahresgage engagiert worden, um den Kastraten Giovanni Bindi als secundo uomo zu ersetzen, der 1750 gestorben war. Vom 1. Januar 1753 an erhielt er 2200 Taler. Er ging während des Siebenjährigen Krieges nach Italien zurück und starb Anfang 1760 in Neapel.

Man beachte, dass in den meisten Sekundärquellen der Vorname Giovanni angegeben wird. Dies beruht offensichtlich auf einem Versehen des ansonsten sehr genau arbeitenden Moritz Fürstenau, von dem die meisten Nachfolger einfach abgeschrieben haben. In den überlieferten Originallibretti[1] ist Giuseppe angegeben. Da man annehmen kann, dass die Zeitgenossen wohl besser wussten, wie der Sänger mit Vornamen hieß, ist davon auszugehen, dass Giuseppe stimmt.

Während seiner Zeit in Dresden wirkte er unter anderem an folgenden Opernaufführungen Johann Adolph Hasses mit:

  • Arminio (Erstmals 1745 in Dresden, WA zum Karneval 1753) – Erstengagement Bellis
  • Solimano (5. Februar 1753 in Dresden) - als Acomate
  • L'eroe cinese (7. Oktober 1753 in Hubertusburg) - als Minteo
  • Artemisia (6. Februar 1754 in Dresden) - als Idaspe
  • Ezio (Zweite Vertonung, 20. Januar 1755 Dresden) - als Varo
  • Il re pastore (Erste Fassung am 7. Oktober 1755 in Hubertusburg; zweite Fassung am 7. Oktober 1762 in Warschau) - als Agenore
  • L'Olimpiade (Erste Fassung am 16. Februar 1756 in Dresden; zweite Fassung am 26. Dezember 1764 in Turin) - als Licida

Ernst Ludwig Gerber erzählt, dass er durch Arie Consola il genitore des Licida[2][3] „jedermann zu Thränen gerührt“ habe.[4] Hofsteuerrat Gottlieb Wilhelm Rabener nannte ihn 1756 in einem Brief an Gellert den „göttlichen“ Belli, den es neben der „unsterblichen“ Pilaja unbedingt in Dresden zu halten gelte.

Beide, Belli und die Sängerin Caterina Pilaja, gingen jedoch zurück nach Italien und traten dort wieder auf. Johann Joachim Winckelmann berichtet in einem Brief an Francke vom 30. September 1758:

„Des Abends gehe ich in die Opern, welche in den Städten von Italien auch den ganzen Sommer durch gehalten wird. Mich deucht, ich bin in Dresden: Denn die Pilaja singet, und Lenzi und seine Frau tanzen. Der schöne, ja der schönste Belli singet zu Lucca.“[5]

Belli hatte weiterhin Kontakt mit Hasse, der ebenfalls aus Dresden geflohen war, als die Preußen es besetzt hatten, und sollte auch weiterhin für ihn singen. Laut Libretto[6] hat Giuseppe Belli 1759 in Hasses Achille in Sciro (nach Metastasio), der am 4. November 1759 in Neapel Premiere hatte, die Titelrolle gesungen. Auch im Libretto der für den 20. Januar 1760 in Neapel geplanten Aufführung der gänzlich neu komponierten (üblicherweise dritte Fassung genannten) Oper Artaserse ist Belli noch als Sänger angegeben. Einen Tag vor der Premiere jedoch starb Belli. Am 28. Januar 1760 fand die Trauerfeier in der Kirche San Giovanni dei Fiorentini statt, bei der zahlreiche „Signori Virtuosi di Musica Napoletani“ teilnahmen. Die musikalische Leitung der Trauerfeier lag in den Händen des Hofkapellmeisters Giuseppe de Majo.[7]

Winckelmann, der sich zu dem Zeitpunkt in Italien aufhielt, war ob des Todes von Belli regelrecht in Trauer. Da er auch in diesem Brief wiederum auf die besondere Schönheit Bellis abstellt, könnte man meinen, er habe eine Vorliebe für den Sänger geteilt, wie man es auch Rabener nahelegen könnte. In einem Brief an Baron von Stosch schrieb Winckelmann:

„Der schöne, ja der schönste Belli ist gestorben, wie Sie wissen werden ... Ich traure vielleicht eben so viel um ihn, als sie.“[8]

Nach Fürstenau[9] war Belli in Dresden auch der „Liebling der Dresdener Damen“.

Literatur[Bearbeiten]

  • Moritz Fürstenau: Zur Geschichte der Musik und des Theaters am Hofe der Kurfürsten von Sachsen und Könige von Polen. Kuntze, Dresden 1862, URN nbn:de:bvb:12-bsb10598568-7, S. 273.
  • Christian Felix Weiße (Hrsg.): Gottlieb Wilhelm Rabeners Briefe. Dyck, Leipzig 1772, S. 249 f. (Digitalisat in der Google-Buchsuche).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Giuseppe Belli – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. so z.B. zu Eroe Cinese, Solimano, Artemisia, Ezio oder Re Pastore bzw. "Der im Schäfer verborgene König"
  2. Consola il genitore bei youtube.com
  3. in Hasses L'Olimpiade von 1756, Uraufführung 16. Februar 1756 Dresden, Akt 3., Szene 7
  4. Dass Belli das Publikum namentlich in L'Olimpiade zu Tränen gerührt haben soll, berichtet auch Eduard Bernsdorfs Neues Universal-Lexikon der Tonkunst. Dresden: Schaefer, 1856: Bd. 1, S. 363 (Digitalisat in der Google-Buchsuche). Der Verweis auf Gerber findet sich bei Fürstenau.
  5. J. J. Winckelmann: Brief an Johann Michael Francke (1717-1775) vom 30. September 1758 aus Florenz, zitiert nach: J. Schultze, H. Meyer (Hrsg.): Winkelmann's Werke. Bd. 9: Briefe 1747-1761. Berlin: Schlesinger, 1824, S. 308 (Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  6. Libretto der Hasse-Oper Achille in Sciro, Neapel 1759
  7. Hans-Bertold Dietz: The Dresden-Naples Connection 1737-1763: Charles of Bourbon, Maria Amalia of Saxony, and Johann Adolf Hasse. In: International journal of musicology vol. 5, 1997, ISSN 0941-9535, S. 95–144, hier S. 124 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  8. J. J. Winckelmann: Brief an Baron Philipp von Stosch (1691-1757) vom 6. Februar 1759 [recte 1760] aus Rom - zitiert nach: J. Schultze, H. Meyer (Hrsg.): Winkelmann's Werke. Bd. 9: Briefe 1747-1761. Berlin: Schlesinger, 1824, S. 336 (Digitalisat in der Google-Buchsuche). Winckelmann datierte den Brief wohl irrtümlich auf 1759, vgl. Johann Joachim Winckelmann: Briefe: Kritisch-Historische Gesamtausgabe, Band 2. Walter de Gruyter, Berlin 1954, S. 393 (eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche).
  9. Moritz Fürstenau: Beiträge zur Geschichte der Musik und des Theaters am sächsischen Hofe während der Regierung August's III. 1733–1763. Leipziger Zeitung - Wissenschaftliche Beilagen 1856, S. 483–484 (Digitalisat in der Google-Buchsuche)