Gjirokastra

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Gjirokaster)
Wechseln zu: Navigation, Suche
Gjirokastra
Gjirokastra (Albanien)
Paris plan pointer b jms.svg

40.06944444444420.158333333333190-480Koordinaten: 40° 4′ N, 20° 9′ O

Basisdaten
Staat: Albanien
Qark: Gjirokastra
Kreis: Gjirokastra
Höhe: 190-480 m ü. A.
Fläche: 5,25 km²
Einwohner: 19.570 (2011)
Agglomeration: keine (2011)
Bevölkerungsdichte: 3.728 Einwohner je km²
Zeitzone: MEZ (UTC+1)
Telefonvorwahl: (+355) 84
Postleitzahl: 6001-6003
Kfz-Kennzeichen: GJ
Struktur und Verwaltung (Stand: 2011)
Gemeindeart: Bashkia
Gliederung: keine
Bürgermeister: Flamur Bime (PS)
Zentrale Kreuzung in der Altstadt
Blick auf die durch die UNESCO geschützte Altstadt

Die Stadt Gjirokastra ([ɟiɾoˈkastɾa], albanisch auch Gjirokastër [ɟiɾoˈkastəɾ], griechisch Argyrókastro Αργυρόκαστρο („Silberburg“), türkisch Ergiri, italienisch Argirocastro) liegt im Süden Albaniens und ist Hauptort des gleichnamigen Kreis und des Qark. Die Einwohnerzahl belief sich im Jahr 2011 laut Volkszählung auf 19.570 Einwohner.[1]

Gjirokastra zählt seit 2005 zum UNESCO-Welterbe, sie ist eine der ältesten Städte des Landes und wichtiges kulturelles Zentrum Südalbaniens.

Die Stadt ist Geburtsort des ehemaligen Diktators Enver Hoxha und des international bekanntesten albanischen Autors Ismail Kadare.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geographie

Die älteren Stadtteile liegen steil am Hang des Mali i Gjerë, während die neueren Quartiere am Fuß des Berges im Drinos-Tal angelegt wurden. Durch die Stadt fließen einige kleinere Bäche. Bis zur griechischen Grenze sind es nur etwa 36 Kilometer.

Bis nach Tepelena im Nordwesten sind es rund 28 Kilometer und bis nach Libohova im Südosten rund 18 Kilometer auf Straße.

[Bearbeiten] Klima

In Gjirokastra und im ganzen Tal herrscht mediterran-kontinentales Klima.

Monatliche Durchschnittstemperaturen und -niederschläge für Gjirokastra
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
Max. Temperatur (°C) 13 13 15 18 23 27 30 30 27 23 18 15 Ø 21
Min. Temperatur (°C) 5 5 7 9 13 16 18 19 16 13 10 6 Ø 11,4
Niederschlag (mm) 159 134 99 64 43 15 8 18 91 145 195 204 Σ 1.175
Sonnenstunden (h/d) 4 5 6 7 9 11 11 11 8 6 4 3 Ø 7,1
Regentage (d) 13 13 10 13 7 2 3 2 9 12 17 18 Σ 119
Wassertemperatur (°C) 15 15 15 16 18 21 23 26 25 23 20 16 Ø 19,4
Luftfeuchtigkeit (%) 82 76 73 75 71 66 61 65 73 78 81 81 Ø 73,5
T
e
m
p
e
r
a
t
u
r
13
5
13
5
15
7
18
9
23
13
27
16
30
18
30
19
27
16
23
13
18
10
15
6
Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez
N
i
e
d
e
r
s
c
h
l
a
g
159
134
99
64
43
15
8
18
91
145
195
204
  Jan Feb Mär Apr Mai Jun Jul Aug Sep Okt Nov Dez


[Bearbeiten] Geschichte

Der Burgfelsen, der das ganze Tal dominiert, wurde vermutlich schon im 3. Jahrhundert v. Chr. besiedelt. Erstmals mit Mauern befestigt wurde die Anlage im 6. Jahrhundert, als andere Orte im Drinos-Tal wie Antigoneia langsam an Bedeutung verloren. Die erste schriftliche Erwähnung von Gjirokastra stammt aus dem Jahr 1336. Zwischenzeitlich hatte sich langsam eine Siedlung rund um die schutzbietende Burg gebildet. 1417 wurde Gjirokastra von den Osmanen erobert. Die beherrschende Familie blieben aber weiterhin die Zenebishi, die bald nach der türkischen Eroberung zum Islam übergetreten waren. Ende des 16. Jahrhunderts waren die Christen noch immer in der Mehrheit. In einem Defter von 1583 wurden knapp 80 muslimische und über 230 christliche Haushalte gezählt. Im Laufe des 17. Jahrhunderts kehrte sich dieses Verhältnis um.

Ali Pascha Tepelena baute die Burg von Gjirokastra Ende des 18. Jahrhunderts stark aus und ließ einen zehn Kilometer langen Aquädukt errichten, der die Festung mit Wasser versorgte. Die Wasserleitung wurde 1932 zerstört. Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reichs war die Stadt wie der ganze Nord-Epirus heftig umstritten. Griechische, albanische, italienische und deutsche Truppen kämpften im ersten Balkankrieg, im Ersten Weltkrieg, in der Zwischenkriegszeit und im Zweiten Weltkrieg um die Vorherrschaft in der Stadt und in der Region. Gjirokastra entwickelte sich in der Folge zum Zentrum Südalbaniens. Seit dem Zusammenbruch des kommunistischen Regimes in Albanien leidet die Stadt unter einer starken Abwanderung. Insbesondere griechisch-stämmige, aber auch viele ethnische Albaner haben das Land verlassen. Die Unruhen gegen die Regierung im Jahr 1997 waren in Gjirokastra besonders heftig.

[Bearbeiten] Kultur und Sehenswürdigkeiten

Ausblick von der Stadtburg Richtung Norden

Gjirokastra ist auch bekannt unter dem Namen „Stadt der Steine“, da die meisten Dächer der alten Häuser mit Steinen bedeckt sind. Die unteren Geschosse der Häuser gleichen oft kleinen Trutzburgen, während die oberen Wohn-Etagen mit Holzverkleidungen, Balkonen und Fenstern ausgestattet sind. Das Stadtbild wird von der typischen Balkanarchitektur geprägt, wie man sie in ähnlich geschlossener Form auch z.B. in Berat (Mittelalbanien) und Ohrid (Mazedonien) antrifft. Die kunstvoll gepflasterten Straßen wurden im 18. Jahrhundert von den Osmanen gebaut.

Die Kommunisten hatten die kompakte und weitläufige Altstadt genauso wie Berat zur „Museums-Stadt“ erklärt, was sie unter besonderen Schutz stellte. Viele Häuser werden nur schlecht unterhalten und verfallen allmählich. Wenigstens wurden die Schäden im Bazar aus dem Jahr 1997 wieder ausgebessert. Gut erhalten sind auch die Basar-Moschee und das Ethnologische Museum. Bereits 1988 wurde die Aufnahme der Museumsstadt von Gjirokastra in die UNESCO-Liste des Weltkulturerbes beantragt, aber wegen einiger moderner Bauten, die den Charakter der Altstadt störten, abgelehnt. Die Eintragung erfolgte dann 2005 als ein seltenes Beispiel einer gut erhaltenen Stadt aus der Zeit der Osmanen. Sie biete ein außergewöhnliches Zeugnis für die von der islamischen Kultur geprägte Gesellschaft. 2008 wurde die Welterbestätte um die Altstadt von Berat erweitert.

Alle fünf Jahre findet in der Burg von Gjirokastra das bedeutende Nationale Folklorefestival statt. Es treten Musikgruppen aus allen von Albanern bewohnten Gebieten auf.

An der Eqerem-Çabej-Universität in Gjirokastra werden gewisse Studiengänge in Griechisch angeboten.

Der lokale Fußballklub KS Luftëtari Gjirokastra spielt in der zweiten Liga.

[Bearbeiten] Umgebung

Erwähnenswert sind Sofratika und Antigoneia - zwei römisch-griechische Ausgrabungsstätten: Das römische Theater in Sofratika liegt an der Straße zwischen Gjirokastra und Griechenland und wurde in den 1970ern ausgegraben. In den letzten Jahren wurde nichts zur Erhaltung getan, und so ist es verlassen und Schafe weiden darin.

Eine bedeutende, kaum ausgegrabene Großstadt des Altertums von Griechen und Römern ist Antigoneia - benannt nach der Frau des griechischen Gründers Pyrrhus. Gelegen an strategisch günstiger Stelle - am gegenüberliegenden Berghang von Gjirokastra hoch oben in den Bergen - kontrollierte es das Tal. Ausgegraben wurden hier einige Wohnhäuser, Reste von Tempeln, Säulen und ein altes Mosaik. Es gibt Gerüchte, dass hier Unmengen von Gold liegen sollen und nachts und bei Regen sind schon Grabräuber gesichtet worden. Erst zirka 5 % sind freigelegt und die Zufahrt erfordert einen Allradgeländewagen.

[Bearbeiten] Persönlichkeiten

Der frühere albanische Diktator Enver Hoxha wurde 1908 in Gjirokastra geboren. In seinem wiederaufgebauten Geburtshaus ist heute das Ethnographische Museum untergebracht. In anderen Landesteilen wurde oft behauptet, dass er seine Heimatstadt besonders bevorzugt habe.

Ismail Kadare (* 1936), berühmtester albanischer Schriftsteller, stammt ebenfalls aus Gjirokastra. In seinem Buch Chronik in Stein beschreibt er die Ereignisse in der Stadt zur Zeit des Zweiten Weltkriegs.

Weitere hier geborene Persönlichkeiten:

[Bearbeiten] Literatur

  • Ferit Duka: Pofili i një qyteti shqiptar të kohës osmane: Gjirokastra gjatë shek. XV-XVI. (dt. Das Profil einer albanischen Stadt in osmanischer Zeit. Gjirokastra im 15. und 16. Jahrhundert) In: Studime Historike, Jg. 2002, S. 7-28.
  • Ismail Kadare: Chronik in Stein. DTV, München 1999. ISBN 3-423-11554-8

[Bearbeiten] Weblinks

 Commons: Gjirokastër – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Instat (Hrsg.): Population and Housing Census in Albania 2011: Preliminary Results. Tirana Dezember 2011 (Online-Version (PDF)).
Meine Werkzeuge
Namensräume

Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen