Gladiator (Film)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Filmdaten
Deutscher Titel Gladiator
Originaltitel Gladiator
Logo Gladiator 2000.png
Produktionsland Vereinigtes Königreich,
Vereinigte Staaten
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 2000
Länge Kinofassung:
  • DVD: 149 Minuten

Extended Special Edition:

  • DVD: 164 Minuten
  • Blu-ray Disc: 171[1] Minuten
Altersfreigabe FSK 16[2]
JMK 14
Stab
Regie Ridley Scott
Drehbuch David Franzoni,
John Logan,
William Nicholson
Produktion David Franzoni,
Branko Lustig,
Douglas Wick
Musik Lisa Gerrard,
Hans Zimmer,
Klaus Badelt
Kamera John Mathieson
Schnitt Pietro Scalia
Besetzung
Synchronisation

Gladiator ist ein mit fünf Oscars prämierter Monumentalfilm aus dem Jahr 2000. Er entstand unter der Regie von Ridley Scott und spielte weltweit ca. 457 Millionen US-Dollar ein. Allein in Deutschland sahen ihn bis Anfang 2001 rund 3,4 Millionen Menschen im Kino. Das US-Kinomagazin Empire listet die von Russell Crowe verkörperte Figur des Maximus Decimus Meridius auf Platz 35 der 100 wichtigsten Filmfiguren der Kino-Filmgeschichte.[3]

Handlung[Bearbeiten]

Im Mittelpunkt des Filmes steht der erfolgreiche und hoch geschätzte römische Feldherr Maximus Decimus Meridius zur Zeit des Kaisers Mark Aurel. Mark Aurel sieht sein Ende nahen und möchte Rom dem Volk wieder zurückgeben, also das Kaisertum abschaffen und die Republik wiederherstellen. Diese Aufgabe will er seinem Feldherrn der nördlichen Provinzen, Maximus, übergeben, ihn als seinen politischen Nachfolger ausersehen.

Mark Aurels leiblicher Sohn Commodus wird ins Feldlager nach Germanien gerufen und erfährt dort von seinem Vater, dass nicht er der Thronfolger werden soll. Darüber bitter enttäuscht erstickt Commodus seinen Vater, bemäntelt dessen Tod als „natürlich“ und erhebt sich selbst zum Römischen Kaiser. Maximus aber verweigert Commodus die Gefolgschaft, weil er Commodus’ Taten, den Mord am Vater und den Verrat am römischen Volk, erkennt.

Commodus befiehlt daraufhin den Prätorianern die Hinrichtung bzw. Ermordung von Maximus und seiner Familie. Aber Maximus kann die Prätorianer überwältigen, wird beim Kampf verletzt und flüchtet nach Hause, nach Turris Julia (heute: Trujillo, Provinz Cáceres, Spanien) in der römischen Provinz Lusitania. Dort angelangt findet er seine Frau verbrannt und erhängt, seinen achtjährigen Sohn gekreuzigt und sein Haus niedergebrannt vor.

Nachdem er seine Familie begraben hat, verliert er schwer verletzt die Besinnung. Sklaven-Händler nehmen ihn mit, verschleppen ihn nach Afrika (Zucchabar) und verkaufen ihn als Sklaven an die Gladiatorenschule von Antonius Proximo, einem ehemaligen Gladiator. Als Gladiator ist er ähnlich erfolgreich wie als Feldherr. Unter dem Pseudonym Der Spanier erwirbt er sich rasch den Respekt seiner mitkämpfenden Gladiatoren sowie die Begeisterung der Massen. Die Gladiatorentruppe wird nach Rom engagiert, als Commodus vorgeblich zu Ehren seines verstorbenen Vaters Gladiatorenspiele im Kolosseum ansetzt.

Gladiatoren, die Lieblinge des Publikums werden, haben die Chance, frei gelassen zu werden. Dies ist das Ziel von Maximus. Nach einem erfolgreichen Kampf tritt Kaiser Commodus persönlich in die Arena und verlangt von Maximus die Erklärung seiner Identität. Maximus nimmt den Helm ab und Commodus muss erkennen, dass sein tot geglaubter Rivale um die Gunst seines Vaters ihm gegenüber steht. Maximus will Rache für die Ermordung seiner Familie. Jetzt trachtet er Commodus nach dem Leben.

Maximus steigt zum Idol der Massen auf. Zudem besucht ihn seine frühere Geliebte und Schwester des Kaisers Lucilla. Sie betreibt seine Verbindung zu Senator Gracchus. Commodus spürt, dass der vom Volk geliebte Maximus sein Kaisertum bedroht. Commodus’ Sehnsucht nach Anerkennung durch das römische Volk, die erotische Liebe zu seiner Schwester und der wache sechste Sinn einer psychopathischen Machtgier treiben ihn an. Doch Berater raten ihm, Maximus nicht in der Arena töten zu lassen, damit dieser nicht zum Volkshelden wird.

Gracchus, Lucilla und Maximus planen einen Staatsstreich. Sie wollen zusammen mit Gleichgesinnten Commodus absetzen und nach dem Wunsch des verstorbenen Kaisers Mark Aurel die Republik wiederherstellen. Maximus soll im Übergang seine ehemaligen Truppen befehligen und so die senatorische Macht absichern. Doch Lucillas kleiner Sohn Lucius verplappert sich, und so erfährt Commodus von den Umsturzplänen. Maximus kann aus der Gladiatorenschule fliehen, gerät jedoch sofort danach in eine Falle und in weiterer Folge in erneute Gefangenschaft. Commodus sieht nun seine Chance. Er will seine eigene Dynastie begründen und dazu seine Schwester zur Inzucht erpressen.

Um Maximus endgültig zu überwinden, inszeniert er einen Schaukampf zwischen ihm und sich selbst im Kolosseum. Maximus schwächt er zuvor durch einen Dolchstich in die Seite. Als Commodus im Kampf sein Schwert verliert, verweigert ihm der Prätorianerführer Quintus die Hilfe. Maximus gewinnt das Duell mit letzter Kraft, stirbt aber unmittelbar danach. Ein Ehrenzug trägt ihn aus der Arena, angeführt vom freigelassenen Gracchus und gefolgt von seinen befreundeten Gladiatoren und Quintus. Commodus lässt man im Staube liegen. Maximus’ Vermächtnis, die Rückführung der Macht in die Hände des Senats, hat nun eine Chance.

Beschreibung[Bearbeiten]

Gladiator war der erste Monumentalfilm mit antiker Thematik seit den 1960er Jahren. Seine Handlung griff zahlreiche Elemente aus Der Untergang des Römischen Reiches aus dem Jahr 1963 auf. In diesem Film unter der Regie von Anthony Mann spielten Sophia Loren als Lucilla, Alec Guinness als Mark Aurel und Christopher Plummer als Commodus. Eine Maximus vergleichbare Gestalt namens Livius wurde von Stephen Boyd dargestellt, hierbei handelte es sich jedoch um einen Militärtribun.

Gladiator nutzte die rasante Entwicklung computergestützter visueller Effekte Ende der 1990er Jahre, um das antike Rom stark idealisiert wiedererstehen zu lassen. Dennoch konzentriert der Film sich zugleich auf das Schauspiel von Crowe und Phoenix sowie einer ganzen Reihe Schauspieler der vermeintlichen alten Garde wie Richard Harris, Derek Jacobi oder David Hemmings, die aus dem Film einen klassischen Schauspielfilm machen. Oliver Reed starb während der Dreharbeiten. Das Drehbuch wurde umgeschrieben, so dass dessen Figur nun einen Heldentod sterben darf. Seine verbleibenden Szenen ergänzte man durch am Computer generierte Bilder und Körperdoubles.

Film und historische Fakten[Bearbeiten]

Gladiator greift auf historische Personen, Ereignisse und Kulturen des Römischen Reichs zurück. Für einen Historienfilm typisch wurden dabei Änderungen und Verfälschungen der geschichtlichen Fakten zugunsten von Dramaturgie, Inszenierung und dem populären und idealisierten Bild der Epoche vorgenommen.

Inszenierung[Bearbeiten]

Pollice Verso von Jean-Léon Gérôme 1872

Nach Scott und seinem Produktdesigner wurde die Idee eines „römischen“ Filmes besonders vom Gemälde Pollice verso des Historienmalers Jean-Léon Gérôme inspiriert. Weitere, teils vom Jugendstil beeinflusste Historienmaler des ausgehenden 19. Jahrhunderts, wie Sir Lawrence Alma-Tadema, dienten Scott ebenfalls als Vorbild: „Die größten Fotografen waren die Maler, die diese historischen Zeiten darstellten, vornehmlich aus dem 19. Jahrhundert.“[4]

Scott war auch von den alten historischen Monumentalfilmen der 50er und 60er Jahre fasziniert, besonders von Spartacus, Quo Vadis und Ben Hur.[5] Dies wird sowohl in der Ausstattung als auch in den Monumentalszenen deutlich. Wie in den alten Monumentalfilmen nimmt Scott zudem Anleihen bei Leni Riefenstahls Inszenierung zu „Triumph des Willens[6] u. ä. So wird Commodus bei seiner Ankunft in Rom von tausenden angetretenen Prätorianern auf einem gewaltigen Vorplatz vor dem Palast empfangen – aber einen Platz dieser Größe gab es in der Innenstadt Roms nicht. Das einzig dafür geeignete Marsfeld lag zur dargestellten Zeit vor den Toren Roms. Es war aber im 2. Jahrhundert n. Chr. bereits so stark überbaut, dass auch hier fraglich ist, ob eine Machtdemonstration in diesem Ausmaß dort stattfinden konnte.[7]

Weiter ließ sich Scott vom Film Der Soldat James Ryan inspirieren, besonders von der Landung in der Normandie. Zudem werden Eindrücke aus dem Vietnamkrieg deutlich.[8]

Eine Hinrichtungsszene folgt ganz dem Muster moderner militärischer Erschießungen, nur dass die Gewehre durch Pfeil und Bogen ersetzt sind (anachronistischerweise lautet das Kommando zur Erschießung trotzdem „Fire!“). Eine solche Hinrichtungsmethode gab es in der Antike nicht; in der Kaiserzeit wurde üblicherweise das Schwert benutzt.[9]

Handzettel, wie sie als Veranstaltungsankündigung in einer Szene in Rom zu sehen sind, gab es damals nicht, da weder billiges Papier noch die Technik für Massendruck zur Verfügung stand.

Scott hat die Gladiatorenspiele im Film freizügig inszeniert. Sie gleichen im Film einem Gemetzel ohne Regeln, bei dem es darauf ankommt, dass möglichst viel Blut spritzt. Der historisch belegte Gladiatorenkampf lief dagegen nach festen strengen Regeln ab, wurde von Schiedsrichtern beaufsichtigt und endete auch nicht immer tödlich. Raubkatzen wurden nicht im Gladiatorenkampf, sondern bei Hinrichtungen und Tierhetzen im Amphitheater eingesetzt.[10]

Architektur[Bearbeiten]

„Dies ist eine exakte Replik dessen, wie es ausgesehen hat, in Dimension wie in der Architektur“, verkündet Scott zum Kolosseum auf der DVD-Version von Gladiator (Dreamworks und Universal Pictures, 2000). Und sein Produktionsdesigner Artur Max fügt hinzu: „Wir waren sehr genau – ich würde sagen, besessen genau.“[11]. Das zu großen Teilen computeranimierte „Kolosseum“ vermittelt ausgezeichnet die Atmosphäre, aber einige Details passen nicht: Die kegelförmigen Granitsäulen an den Arenarändern sind Wendemarken eines Circus. Dagegen fehlt das große Gitter vor den Tribünen zum Schutze des Publikums vor angreifenden Raubkatzen. Der Flug über die Stadt bis zum Amphitheatrum Flavium, das im Film fälschlicherweise bereits „Kolosseum“ (eine mittelalterliche Wortfindung) genannt wird, ist von dem 1937 unter Benito Mussolini angefertigten Modell abgefilmt und zeigt Rom einhundert Jahre nach der Handlung zur Zeit Konstantins des Großen. Auch in der restlichen „rekonstruierten“ antiken Stadt finden sich weitere Ungereimtheiten und historische Fehler.[12]

Kostüme und Ausstattung[Bearbeiten]

Historisch sind die Kostüme so gut wie nie korrekt. Unter anderem tragen die Legionäre Fantasiehelme sowie Unterarmbänder, die es so nie gegeben hat.[13] Seit den frühen Monumentalfilmen dienen diese Unterarmbänder allerdings als typisches Signalzeichen, wenn „Antike“ vermittelt werden soll.[14] Etwas befremdlich wirken auf Fachleute die wie stereotype Steinzeitmenschen gekleideten Germanen. Mark Aurels Tochter wiederum trägt ein nur leicht antikisierendes Gewand und teilweise orientalische Hennamalereien, die es nie im alten Rom gegeben hat.[15] Ein weiteres Beispiel für Scotts Umgang mit dem historischen Ausgangsmaterial findet sich dann in den dargestellten Gladiatorenkämpfen: Die Gladiatoren kämpfen in Fantasieuniformen unterschiedlicher Zeitalter gegeneinander und nutzen Waffen verschiedener mittelalterlicher Völker.[16] Russell Crowe trägt während seines ersten Kampfes im Kolosseum gar einen futuristischen Helm.[17] Kopien historischer Originalausrüstungen, über die man heute sehr detailliertes Wissen besitzt, wurden zumeist nicht genutzt.[18]

Schwere Wurfgeschosse wurden damals nur im Stellungskrieg eingesetzt – und dann auch sicher nicht in der gezeigten „Brandbomben-Variante“, die bewusst an diverse Vietnamfilme erinnert. Der gezeigte Urwald in Germanien ist ein teilweise kahlgeschlagener, forstwirtschaftlich genutzter Fichtenbestand; eigentlich herrschten dort ausgedehnte Laubwälder vor. Historisch unzutreffend ist auch Maximus' Angaloppieren vor der großen Schlacht: Den ihn begleitenden deutschen Schäferhund gab es zu dieser Zeit noch nicht. Die Rossstirn seines Pferdes stammt aus dem Spätmittelalter.[19] Der Thronsessel des Commodus schließlich ist die Kopie eines napoleonischen Thrones aus klassizistischer Zeit.[20]

Geschichte[Bearbeiten]

Die durch die Schlacht zu Beginn des Films angebliche „abgeschlossene Eroberung Germaniens“ hat es nie gegeben. Nach dem Scheitern der römischen Vorstöße nach Germanien unter Augustus (siehe Varusschlacht) gab es zur Zeit Mark Aurels nur die zwei relativ kleinen römischen Provinzen Germania inferior und Germania superior, während der größte Teil des germanischen Siedlungsgebietes als „freies“ (Germania libera) oder „großes“ Germanien (siehe Magna Germania) nicht unter römischer Herrschaft stand. Allerdings führte Mark Aurel tatsächlich einen langen Krieg gegen germanische Stämme und konnte die römische Grenze in schweren Kämpfen sichern. Die vom Kaiser wahrscheinlich angestrebte Eroberung des Markomannenreiches im heutigen Böhmen scheiterte aber nach einigen Anfangserfolgen, auch wenn einige Quellen behaupten, man habe 180 kurz vor der Einrichtung von zwei neuen Provinzen gestanden. In dieser Hinsicht schließt der Film also immerhin an die antike Überlieferung an.

Der im Film angedeutete Inzest zwischen Commodus und seiner Schwester ist dagegen eine freie Erfindung der Autoren, wohl angelehnt an das Kaiser Caligula und seiner Schwester Drusilla nachgesagte inzestuöse Verhältnis.

Gladiator erzählt im letzten Akt den Tod des Commodus historisch falsch, inspiriert vom 1964 entstandenen Film Der Untergang des Römischen Reiches. Das Motiv des Schwertkampfes zwischen Commodus und dem Filmhelden von 1964, Livius, wird in Gladiator neu interpretiert. Die Wahrheit ist aber, dass Commodus – der als „Herkules“ in Scheinkämpfen aufzutreten vermochte – den antiken Quellen zufolge vom Ringer Narcissus getötet wurde, den die Konkubine des Commodus, Marcia, angeheuert hatte, weil dieser sie anlässlich des Saturnalienfestes im Jahre 192 mutmaßlich hinrichten lassen wollte. Der Tod ereilte ihn in seinem Palast, nicht aber öffentlich im Kolosseum.

In Teilen zwar nachvollziehbar, aber dennoch nicht historisch, ist der im Film dargestellte Gedanke des Kaisers Mark Aurel, seinen fähigsten Feldherrn anstelle seines leiblichen Sohnes zum Nachfolger zu ernennen. Mark Aurel war der letzte der so genannten Adoptivkaiser (Nerva, Trajan, Hadrian, Antoninus Pius und eben Mark Aurel). Aufgrund ihrer Kinderlosigkeit erhoben die vier erstgenannten jeweils einen fähigen General oder Verwaltungsbeamten – wie im Falle des Antoninus Pius – zu ihrem Erben. Dazu muss jedoch relativierend gesagt werden, dass zwischen den Adoptivkaisern zum Teil verwandtschaftliche Beziehungen bestanden. Jedenfalls ließ Mark Aurel in Wirklichkeit niemals einen Zweifel daran, dass sein Sohn als Nachfolger vorgesehen war: Bereits als Fünfjähriger wurde dieser im Oktober 166 zum Caesar, also zum Thronfolger, erhoben; 175 wurde er princeps iuventutis, 176 feierte er gemeinsam mit Mark Aurel einen Triumph, und seit 177 war er als Augustus Mitherrscher seines Vaters. Er besaß also 180 bereits seit knapp drei Jahren alle Rechte und Vollmachten eines Kaisers. Als Mark Aurel starb, war die Nachfolgefrage daher längst geklärt. Der „Philosophenkaiser“ Mark Aurel starb in Wirklichkeit im Jahre 180 nahe Wien (Vindobona) an der Pest und nicht durch die Hand seines Sohnes und Mitkaisers. Commodus regierte danach über zwölf Jahre als Alleinherrscher (der Film suggeriert hingegen eine Herrschaft von allenfalls einigen Monaten).

Maximus bezeichnet sich im Film als „Spanier“ (engl. „Spaniard“) und wird auch von anderen so genannt. Er soll also vermutlich aus einer Gemeinde in einer der drei Provinzen auf der iberischen Halbinsel stammen, deren Einwohner das römische Bürgerrecht besaßen. Seine Familie könnte zum Ritterstand gehören. Maximus dürfte sich über verschiedene militärische Funktionen schließlich zum Armeekommandeur hochgearbeitet haben, dem bei Bedarf (also nur befristet) Armeen für eine spezielle Aufgabe anvertraut wurden. Seine Bezeichnung als Tribun wäre allerdings sehr ungewöhnlich; richtiger wären Präfekt, Prokonsul oder Legat (im englischen Original wird er schlicht "General" genannt). Ähnliche Karrieren sind in der Zeit Mark Aurels tatsächlich belegt. Historisches Vorbild für die Gestalt des Maximus dürften mehrere historische Personen gewesen sein: Feldherren wie Tiberius Claudius Pompeianus, der tatsächliche Ehemann Lucillas, oder Marcus Nonius Macrinus (Konsul im Jahre 154),[21] aber auch der Ringer Narcissus, der Commodus im Dezember 192 tötete.

Auch die am Ende des Films suggerierte Erneuerung der freien res publica hat es nie gegeben, und sie wurde vom Senat, der 192 längst nicht mehr ein Hort von Freiheit oder gar „Demokratie” war, auch gar nicht angestrebt (der Film scheint dagegen vorauszusetzen, dass das Publikum irrtümlich Parallelen zwischen dem modernen US-Senat und dem antiken römischen Gremium annimmt). Nachfolger des ermordeten Commodus als Kaiser wurde zunächst Pertinax, der aber nach wenigen Monaten ebenfalls ermordet wurde, woraufhin im Reich ein langer Bürgerkrieg (Zweites Vierkaiserjahr) ausbrach, in dem sich schließlich Septimius Severus als neuer Herrscher durchsetzte. Dieser ließ die damnatio memoriae des Commodus aufheben und beanspruchte sogar, der Sohn Mark Aurels und Bruder des Commodus zu sein.

Name Maximus Decimus Meridius[Bearbeiten]

Der Name Maximus Decimus Meridius ist kein üblicher antiker römischer Name, sondern ein Phantasieprodukt, das vor allem auf assoziative und klangliche Wirkung hin gewählt wurde. Schauspieler Russell Crowe selbst schlug den Namen vor und ersetzte damit den ursprünglich vorgesehenen Namen „Narcissus“, den der Mörder des historischen Commodus trug. Crowe dagegen hielt Narcissus für einen ungeeigneten Heldennamen, da ein Narziss nur sich selbst liebe. Maximus hingegen heißt „der Größte“, und Decimus Meridius deute, so Crowe, eine Herkunft aus traditionsreichem Hause an; es heiße frei übersetzt: der Zehnte aus der gens der Meridianer.[22]

Wertung[Bearbeiten]

Die Filmemacher weisen im Abspann darauf hin, dass es sich hier um eine „fiktive Geschichte“ handelt. So sind vor allem die Biografien der Personen als Bestandteile eines Kunstwerks zu betrachten, nicht als Geschichtsdarstellung. Dennoch betonen sie stets, dass dem Betrachter authentisches römisches Ambiente geboten werde. Da dies nicht stimmt, kommentierte z. B. die historische Beraterin des Films, Prof. Kathleen Coleman von der Universität Harvard: „Historische Authentizität scheint eine etwas periphere Überlegung zu sein.“[23]

Erfolg[Bearbeiten]

Der große Erfolg des Filmes bewirkte, dass weitere Filme mit antiken Themen in Produktion gingen. Troja von Wolfgang Petersen, der die Regie für Gladiator abgelehnt hatte, sowie eine Verfilmung des Lebens Alexanders des Großen durch Oliver Stone – ersterer übertraf sogar das internationale Einspielergebnis von Gladiator (allerdings bei einem deutlich höheren Budget), letzterer war kommerziell nur wenig erfolgreich. Deutsche Fernsehproduktionen waren Held der Gladiatoren, Attila und Die Nibelungen; letztere brachte es zu hohen Einschaltquoten.

Gladiator erhielt eine Reihe von Auszeichnungen. So wurde der Film bei den Academy Awards als bester Film des Jahres ausgezeichnet. Dazu erhielt Russell Crowe die Auszeichnung als bester Schauspieler. Weitere Preise gingen an den Film in den Kategorien Kostümdesign an Janty Yates, für den besten Ton an Ken Weston und die besten Spezialeffekte.

Nominiert waren des Weiteren Joaquín Phoenix, Ridley Scott und Hans Zimmer sowie die Verantwortlichen in den Kategorien Art Direction-Set Decoration, Kamera, Schnitt und Drehbuch.

Kritiken[Bearbeiten]

„Monumentales Epos, das mitfühlend sentimental und zugleich barbarisch brutal eine antike Soap Opera entwickelt, die durch die stupende Rekreation gigantischer Schlachten und phänomenaler Architektur einen Anflug von Größe erhält.“

Lexikon des Internationalen Films

„Gerade in der Schlusssequenz kommt der durch Bild und Ton erzeugten atmosphärischen Dichte die ebenso präzis wie poetisch formulierten Dialoge des Drehbuchs mit ihrer lakonischen Knappheit und ihrem verhaltenen Pathos sehr wirkungsvoll zu Hilfe. Sie sind frei von geschwollener Altertümelei oder aufdringlichen Modernismen und verleihen der Sprache einen überzeugend ‚römischen‘ und zugleich zeitlosen Charakter. Im Zusammenklang mit der herausragenden schauspielerischen Leistung Russell Crowes entsteht so das weitaus gelungenste Finale sämtlicher Monumentalfilme, das sich nicht ohne Erfolg auf die Höhen Shakespearscher Tragödie aufzuschwingen versucht. […] Und noch eines macht der grandiose Schluß erneut klar: Dies ist kein Film über reale geschichtliche Ereignisse und über reale geschichtliche Individuen, sondern über archetypische Personifikationen der dunklen und der lichten Idee von Rom. Und es ist erst recht nicht ein Film über das reale Rom, weder das vergangene, noch das gegenwärtige, sondern über Rom als überzeitlicher Traum.“

Marcus Junkelmann[24]

„Ridley Scott erfindet das Genre zwar nicht neu, liefert aber ein furioses Schlachtenepos im Stil von Mel Gibsons ‚Braveheart‘. Ein Budget von 100 Millionen Dollar hatte Scott für seinen ‚Gladiator‘ zur Verfügung. Das erlaubte ihm, fulminante Kampfszenen und eine bombastische Ausstattung zu bieten. Der australische Hauptdarsteller Russell Crowe vereint schauspielerische Klasse (Oscarnominierung für ‚The Insider‘) und physische Präsenz.“

Carsten Baumgardt[25]

„Ridley Scott [fand] in Gladiator [...] brillante visuelle Lösungen für die mörderische Degeneration des römischen Imperiums [...]. [So führt] Scott den Zuschauern die Brutalität des römischen Eroberungskrieges mit einer Schlachtszene vor Augen [...], deren Ästhetik sich deutlich an die Schützengräben des Ersten Weltkriegs anlehnt[]. Mehr noch: Als der neue Kaiser Commodus triumphal nach Rom zurückkehrt, wird dies visuell den Einzügen Hitlers bei den Nürnberger Reichsparteitagen nachempfunden, wie man sie aus Leni Riefenstahls Filmen kennt. Eindrucksvoller hätte man den tyrannischen Schrecken des vom Cäsarenwahn geschüttelten Römischen Imperiums kaum ins Bild setzen können.“

Andrew James Johnston, 2013.[26]

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Die IMDb verzeichnet für „Gladiator” 24 Filmpreise (in 51 Kategorien) und weitere 27 -nominierungen (in 79 Kategorien) (vgl. IMDb). Eine Auswahl dieser ist hier gelistet:

Oscarverleihung 2001

Golden Globe Awards 2001

British Academy Film Awards 2001

ASCAP Awards 2001

  • Top Box Office Films - Hans Zimmer, Lisa Gerrard

Bogey Awards 2000

  • Bogey Award in Silber (für 2 Millionen Kinobesucher in 20 Tagen)

Synchronisation[Bearbeiten]

Rolle Darsteller Synchronsprecher
Maximus Russell Crowe Thomas Fritsch
Commodus Joaquín Phoenix Nicolas Böll
Lucilla Connie Nielsen Ulrike Möckel
Proximo Oliver Reed Michael Chevalier
Marcus Aurelius Richard Harris Werner Ehrlicher
Gracchus Derek Jacobi Bodo Wolf
Quintus Tomas Arana Bernd Rumpf
Gaius John Shrapnel Lothar Blumhagen
Hagen Ralf Möller Reiner Schöne
Juba Djimon Hounsou Leon Boden
Cassius David Hemmings Bert Franzke
Cicero Tommy Flanagan Bernhard Völger
Falco David Schofield Joachim Kaps
Sklavenhändler Omid Djalili Hans-Jürgen Wolf
Lucius Spencer Treat Clark Nico Sablik

Filmmusik[Bearbeiten]

Der Soundtrack stammt von Hans Zimmer und Lisa Gerrard.

  1. Progeny
  2. The Wheat
  3. The Battle
  4. Earth
  5. Sorrow
  6. To Zucchabar
  7. Patricide
  8. The Emperor Is Dead
  9. The Might Of Rome
  10. Strength And Honor
  11. Reunion
  12. Slaves To Rome
  13. Barbarian Horde
  14. Am I Not Merciful?
  15. Elysium
  16. Honor Him
  17. Now We Are Free

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Längere Laufzeit aufgrund PAL-Beschleunigung
  2. Freigabebescheinigung (PDF; 73 kB) der FSK
  3. Platz 35 von 100 der Greatest Movie Characters of all time Quelle: www.empireonline.com
  4. Ridley Scott zu Douglas Bankston in American Cinematographer, Mai 2000, S. 47f.
  5. Heiko Rosner in Cinema, Juni 2000, S. 34–38.
  6. Gladiator vs Triunfo de la Voluntad, Gegenüberstellung einzelner Einstellungen der Universidad Internacional de la Rioja (Youtube-Video)
  7. Marcus Junkelmann Hollywoods Traum von Rom, S. 270ff
  8. Marcus Junkelmann Hollywoods Traum von Rom, S. 294ff.
  9. Artikel „Todesstrafe“ in: Der Kleine Pauly, Lexikon der Antike, Band 5, S. 879
  10. Marcus Junkelmann Hollywoods Traum von Rom, S. 214ff.
  11. Max in American Cinematographer, Mai 2000, S. 59.
  12. Marcus Junkelmann Hollywoods Traum von Rom, S. 270ff.
  13. Marcus Junkelmann Hollywoods Traum von Rom, S. 195ff.
  14. Marcus Junkelmann Hollywoods Traum von Rom, S. 120.
  15. Marcus Junkelmann Hollywoods Traum von Rom, Seite 117ff
  16. Marcus Junkelmann Hollywoods Traum von Rom, S. 215ff.
  17. Marcus Junkelmann Hollywoods Traum von Rom, S. 242.
  18. Marcus Junkelmann Das Spiel mit dem Tod, Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2000 ISBN 3-8053-2563-0
  19. Marcus Junkelmann Hollywoods Traum von Rom, S. 194ff.
  20. Marcus Junkelmann Hollywoods Traum von Rom, S. 290–291.
  21. Sein Grab wurde 2008 in Rom von Archäologen gefunden; vgl. Gruft des „Gladiator”-Vorbilds gefunden, SPIEGEL Online, 16. Okt. 2008.
  22. Quelle: Audiokommentar Drehbuchautor im Begleitmaterials der Deluxe-Edition DVD „Gladiator“, 2 CDs., Universal Studio, 2000
  23. siehe Junkelmann, Hollywoods Traum...
  24. Marcus Junkelmann: Hollywoods Traum von Rom (s. Literatur), Seite 359–360
  25. http://www.filmstarts.de/kritiken/35601-Gladiator.html
  26. Andrew James Johnston: Robin Hood. Geschichte einer Legende. München: C. H. Beck 2013, S. 119, ISBN 978-3-406-64541-9.

Literatur (umgekehrt chronologisch)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]