Glas anomaler Dispersion

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Gläser mit anomaler Dispersion oder anomaler Teildispersion sind optische Gläser mit ungewöhnlicher Dispersion. Das heißt, der Verlauf der Brechzahl über der Wellenlänge des Lichts weicht deutlich von dem der meisten anderen optischen Gläser ab. Man unterscheidet unter anderem Langkrongläser, die im kurzwelligen Bereich eine relativ große Teildispersion besitzen, verglichen mit anderen Gläsern mit etwa gleicher Brechzahl und Abbe-Zahl, sowie Kurzflintgläser, deren Dispersion bei kurzer Wellenlänge relativ niedrig ist. Solche Gläser werden in Linsen für Apochromate eingesetzt, um die chromatische Aberration dieser Objektive zu reduzieren (genauer: das Sekundäre Spektrum zu reduzieren oder zu beseitigen).

Mit „Special low dispersion glass“ (SLD glass), „extraordinary low dispersion glass“ (ELD glass) werden Gläser mit besonders geringer Dispersion bezeichnet. Andere Gläser in dieser Kategorie sind „extra-low dispersion glass“ (ED glass), „ultra-low dispersion glass“ (UL glass).[1]

Vor der Verfügbarkeit dieser Gläser wurden Linsen aus kristallinem Calciumfluorid hergestellt. Jedoch erforderte die geringe Brechkraft von Calciumfluorid stark gekrümmte Linsen, welche deshalb eine starke sphärische Aberration besaßen. Fluorid war zudem wenig formstabil und zerbrechlich. Glas mit Anteilen von Thoriumdioxid hatte die gewünschte hohe Brechkraft und geringe Dispersion und wurde bereits vor 1940 verwendet, aber die vom Thorium ausgehende Radioaktivität führte zur Suche nach Alternativen: Der Firma Kodak gelang um 1940 die Entwicklung eines thoriumfreien Glases, welches jedoch eine gelbe Färbung aufwies.

Bei der Firma Leitz wurde entdeckt, dass sich Lanthanoxid bei Verwendung weiterer Zusätze zur Vermeidung einer Kristallisation als Ersatz von Thoriumoxid eignet. Ein weiteres Glas mit hervorragenden Eigenschaften besitzt einen großen Anteil an Zirkondioxid, aufgrund des hohen Schmelzpunktes muss es in Platingefäßen hergestellt werden.

Eine Alternative zu Calciumfluorid sind Fluorphosphatgläser, bei denen ein Teil des Fluorids durch Metaphosphate unter dem Zusatz von Titandioxid stabilisiert wird.

Die hohen Herstellungskosten dieser Gläser resultieren aus der notwendigen Reinheit der zur Herstellung verwendeten Substanzen und den bereits erwähnten Schwierigkeiten bei der Fertigung.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.vistek.ca/buyingguides/cameralenses/lensspec.aspx