Glashütten (Taunus)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Glashütten
Glashütten (Taunus)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Glashütten hervorgehoben
50.2155555555568.4021527777778510Koordinaten: 50° 13′ N, 8° 24′ O
Basisdaten
Bundesland: Hessen
Regierungsbezirk: Darmstadt
Landkreis: Hochtaunuskreis
Höhe: 510 m ü. NHN
Fläche: 27,11 km²
Einwohner: 5244 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 193 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 61479,
65510 (Hasenmühle)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/PLZ enthält Text
Vorwahlen: 06174 (Glashütten und Schloßborn), 06082 (Oberems)Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Vorwahl enthält Text
Kfz-Kennzeichen: HG, USI
Gemeindeschlüssel: 06 4 34 003
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schloßborner Weg 2
61479 Glashütten
Webpräsenz: www.gemeinde-glashuetten.de
Bürgermeister: Thomas Fischer (CDU)
Lage der Gemeinde Glashütten im Hochtaunuskreis
Frankfurt am Main Lahn-Dill-Kreis Landkreis Limburg-Weilburg Main-Taunus-Kreis Rheingau-Taunus-Kreis Wetteraukreis Wiesbaden Bad Homburg vor der Höhe Friedrichsdorf Glashütten (Taunus) Grävenwiesbach Königstein im Taunus Kronberg im Taunus Neu-Anspach Oberursel (Taunus) Schmitten (Hochtaunus) Steinbach (Taunus) Usingen Weilrod WehrheimKarte
Über dieses Bild
Ortsansicht von Glashütten. Im Hintergrund der Glaskopf
Katholische Kirche Glashütten
Evangelische Kirche Glashütten

Glashütten ist eine Gemeinde im Hochtaunuskreis. Die Taunusgemeinde, die aus den drei ehemals selbstständigen Gemeinden Glashütten, Schloßborn und Oberems gebildet wurde, liegt im Naturpark Taunus unweit von Königstein im Taunus.

Geografie[Bearbeiten]

Geografische Lage[Bearbeiten]

Ein wesentlicher Teil des Gemeindegebietes von Glashütten befindet sich in dem schmalen Streifen des Hohen Taunus und umfasst drei Gipfel des Taunushauptkamms: den Butznickel (462 Meter) in der Gemarkung Schloßborn und in der Gemarkung Glashütten den Glaskopf (687 Meter) und mit dem Kleinen Feldberg (826 Meter) den zweithöchsten Taunusgipfel überhaupt.[2] Der Hauptort Glashütten selbst liegt einen Kilometer westlich des Glaskopfes an der Bundesstraße 8, dort wo diese den Limes quert. Der Limes bildet im Gemeindegebiet die nördliche Gemarkungsgrenze von Schloßborn und Glashütten. Der Ortsteil Oberems liegt nördlich des Limes.

Nachbargemeinden[Bearbeiten]

Glashütten grenzt im Norden an die Gemeinden Waldems (Rheingau-Taunus-Kreis) und Schmitten, im Osten an die Stadt Königstein, im Süden an die Städte Kelkheim und Eppstein (beide Main-Taunus-Kreis) sowie im Westen an die Stadt Idstein (Rheingau-Taunus-Kreis).

Gliederung[Bearbeiten]

Glashütten besteht aus den drei Ortsteilen Glashütten, Oberems und Schloßborn.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gebiet der heutigen Gemeinde Glashütten war in der Antike Grenzbereich zwischen der römischen Provinz Germania superior und dem freien Germanien. Mitten durch das heutige Gemeindegebiet verlief der Limes.

Im Frühmittelalter wurde das Gebiet alemannisch und später fränkisch.

Schlossborn wird 1043, Oberems 1294 erstmals urkundlich erwähnt. Das Territorium war im Besitz der Herren von Königstein-Eppstein zunächst zu Lehen von Kurmainz, Oberems später nassauisch.

Der Ort Glashütten geht auf mutmaßlich mehrere Waldglashütten zurück, die sich in den Wäldern zwischen der Siedlung und dem Großen Feldberg befanden. Die Relikte einer derartigen Glashütte sind in der Emsschlucht erhalten.

Am 6. April 1462 wurde Glashütten in die Kämpfe der Mainzer Stiftsfehde verwickelt. Zu einem der wichtigsten Verbündeten Adolfs von Nassau zählte Graf Eberhard von Königstein-Eppstein. Der Historiker Karl Menzel berichtet von einem Angriff der Truppen Diether von Isenburgs auf die „wohlbefestigte Stellung der Gegner“ (gemeint ist vermutlich die Burg Königstein), doch sahen sich die Verbündeten bereits am 9. April 1462 »nach großen Verlusten genötigt, den Rückzug anzutreten. Die Zerstörung der Glashütte hätte Adolf großen wirtschaftlichen Schaden gebracht.

Mit dem Ende des Alten Reiches 1806 wurde das gesamte Gemeindegebiet nassauisch, dann preußisch.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Am 31. Dezember 1971 schlossen sich Glashütten und Oberems freiwillig zur Gemeinde Glashütten zusammen, am 1. August 1972 wurde Schloßborn per Landesgesetz im Rahmen der Gebietsreform in Hessen nach Glashütten eingegliedert.[3][4] Ortsbezirke wurden in Glashütten nicht gebildet.

Politik[Bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen der Gemeinde Glashütten wurde von Heinz Ritt gezeichnet und am 30. April 1974 durch das hessische Innenministerium genehmigt. Es zeigt ein Schild gespalten durch eine aufsteigende, geschweifte Spitze mit einem goldenen Löwenkopf in von goldenen Schindeln bestreutem blauem Feld, vorne in Gold ein blauer Turm, hinten in Gold ein bewurzelter blauer Baum.

Die Elemente des Wappens verweisen auf die einzelnen Ortsteile. Der Turm bezieht sich auf Schloßborn und seine frühere mittelalterliche Burg. Der Baum referenziert auf das frühere Glashütter Siegel und die Bedeutung als Erholungsgebiet. Der nassauische Löwe steht für Oberems, das im Gegensatz zu den beiden anderen Ortsteilen seit dem Hochmittelalter nicht mehr zu Kurmainz, sondern zum Fürstentum Nassau-Usingen gehörte.

Infrastruktur[Bearbeiten]

Glashütten liegt an der Bundesstraße B8 (Emmerich - Passau).

Der Ort ist im ÖPNV über Buslinien des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) erreichbar.

Durch den Ort führt der Deutsche Limes-Radweg. Dieser folgt dem Obergermanisch-Raetischen Limes über 818 km von Bad Hönningen am Rhein nach Regensburg an der Donau.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Glashütten ist Ziel von Tagesausflüglern aus dem ganzen Rhein-Main Gebiet. Sehenswürdigkeiten in der Gemeinde sind:

Waldglashütte Emsbachschlucht[Bearbeiten]

Reste der Waldglashütte Emsbachschlucht

Die Reste der Waldglashütte Emsbachschlucht finden sich auf dem schluchtartig verengten Talgrund des Emsbaches (1 km Steilabstieg vom Wanderparkplatz Rotes Kreuz am Feldbergkastell). Die Glashütte bestand auf ca. 300 m² Fläche aus einem Haupt- und vier Nebenöfen. Ihr Bestehen wird der Zeit um 1450 zugeordnet.[5] Im Jahre 2000 fanden an der Anlage Ausgrabungen[6] statt. Im Folgejahr 2001 erfolgte eine Konservierung[7] zu Anschauungszwecken.

Der größte Arbeitsofen stand im Norden (ca. 7 x 4 m) mit mehreren fensterartigen Öffnungen. Im Inneren standen auf den ca. 1,7 × 0,6 Meter großen Hafenbänken bis zu drei Hafenöfen mit der geschmolzenen Glasmasse; durch die Öffnungen holten sich die Glasmacher davon. In den übrigen Öfen wurden die Gefäße allmählich abgekühlt oder sie dienten der Trocknung von Rohstoffen. Es gab auch Strecköfen für die Flachglasproduktion. Im Hauptofen benötigten die Glashersteller Temperaturen bis 1200 °C; in den übrigen kühleren Öfen reichten 400 °C aus. Geheizt wurde mit Buchenscheiten.

Limes[Bearbeiten]

Nordwestlich vom Hauptort Glashütten befindet sich das Kleinkastell am Maisel. Es handelt sich hierbei um ein eintoriges steinernes Bauwerk von knapp 0,7 ha Größe, das im Zusammenhang mit der Verstärkung des Limes um das Jahr 160 herum angelegt worden sein dürfte. Die Spuren des mit seinem Tor auf den Limes weisenden Lagers sind noch gut im Gelände sichtbar.

Der Limes selbst verläuft quer durch das Gemeindegebiet. Auch das eigentliche Feldbergkastell gehört noch zu Glashütten. Die Nordwestmauer des Kastells liegt auf der Grenze zu Niederreifenberg. Am nördlichen Ortsausgang von Glashütten soll ein "Eingangsportal" zum Limes errichtet werden, das als Anlaufstelle für Limeswanderungen dienen soll.

Weilquelle[Bearbeiten]

Weilquelle

Die Quelle des Baches Weil befindet sich zwar geographisch auf der anderen Seite des Glaskopfes und wird daher von Besuchern Niederreifenberg zugerechnet, befindet sich aber (gerade noch) auf Glashüttener Gebiet.

Wanderwege[Bearbeiten]

Eine Reihe von Wanderwegen erschließt den Taunus rund um Glashütten für Wanderer, Spaziergänger und Fahrradfahrer.

Politik[Bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten]

Die Kommunalwahl am 27. März 2011 lieferte folgendes Ergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften %
2011
Sitze
2011
%
2006
Sitze
2006
Kommunalwahl 2011
 %
40
30
20
10
0
37,9 %
21,0 %
20,7 %
13,4 %
7,1 %
n. k.
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2006
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-7,6 %p
+7,2 %p
+9,4 %p
+1,2 %p
-1,5 %p
-8,6 %p
CDU Christlich Demokratische Union Deutschlands 37,9 9 45,5 14
FWG Freie Wählergemeinschaft 21,0 5 13,8 4
GRÜNE Bündnis 90/Die Grünen 20,7 5 11,3 3
SPD Sozialdemokratische Partei Deutschlands 13,4 3 12,2 4
FDP Freie Demokratische Partei 7,1 1 8,6 3
BLG Bürgerliste Glashütten 8,6 3
Gesamt 100,0 23 100,0 31
Wahlbeteiligung in % 55,0 54,8

Bürgermeister[Bearbeiten]

  • Jutta Nothacker: 1998–2008[8]
  • Thomas Fischer: seit 2008.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Seit 1977 besteht eine Städtepartnerschaft mit der französischen Gemeinde Caromb. 1972 war der Bürgermeister von Caromb, Dr. Gilbert Pellenc, anlässlich der Begründung der Städtepartnerschaft von Königstein und Le Cannet Rochville im Taunus und kam mit den Vertretern von Glashütten ins Gespräch bezüglich einer eigenen Partnerschaft. Am 19. März 1976 wurde der Förderkreis der Gemeindepartnerschaft Glashütten gegründet. Nachdem auf Vereinsebene bereits ein Austausch erfolgte, wurde am 17. September 1977 durch den Bürgermeister von Glashüttem Johann Gottschalk und den Bürgermeister von Caromb, Gilbert Pellenc, die Patenschaftsurkunde unterzeichnet. Traditionellerweise wird seit Anfang der 1990er Jahre jährlich in Glashütten ein provenzalischer Markt abgehalten, auf dem sich Caromb präsentiert. Im Gegenzug sind die Glashüttener jährlich auf dem Weihnachtsmarkt in Caromb Anfang Dezember mit einem Stand vertreten.[9]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus M. Schmitt: Die Glashütte „An der Emsbachschlucht“. Konservierung und Präsentation einer Gesamtanlage. in: Glashütten im Gespräch. Berichte und Materialien vom 2. Internationalen Symposium zur archäologischen Erforschung mittelalterlicher und frühneuzeitlicher Glashütten Europas, S. 195–198, Hrsg.: Peter Steppuhn im Auftrag des Kulturkreises Glashütten e.v., Lübeck, 2003, ISBN 3-7950-0795-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung der hessischen Gemeinden (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Hessisches Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation: Ausschnitt der Topografischen Karte 1:25.000 Kleiner Feldberg
  3. Gesetz zur Neugliederung des Obertaunuskreises und des Landkreises Usingen Vom 11. Juli 1972. In: GVBl. I 1972, 227
  4. K.-H. Gerstenmeier: Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen 1977, S. 265.
  5. Peter Steppuhn: Konservierung – Rekonstruktion – Nachbau. Zur Problematik von Schutz und Präsentation eines archäologischen Denkmals. (pdf)
  6. Glashütte „An der Emsbachschlucht“ Ausgrabung 2000
  7. Konservierte Glasofengrundmauern „An der Emsbachschlucht“
  8. Kurzbiographie von Jutta Nothacker bei hr-online. Abgerufen am 23. Dezember 2011.
  9. Gerd Pfabe: Glashütten–Caromb: 966 km sind ganz schön weit. In: Jahrbuch des Hochtaunuskreises 2009. ISBN 978-3-7973-1110-8, S. 224–226.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Glashütten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien