Glastonbury Festival

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Blick über das Festivalgelände, 2003

Das Glastonbury Festival of Contemporary Performing Arts ist ein auf einer Farm bei Pilton, nahe der Stadt Glastonbury in Somerset im Südwesten Englands, stattfindendes Festival für Musik und darstellende Kunst. Während des Festivals treten Musikgruppen aus allen Bereichen der zeitgenössischen populären Musik auf, von Rockmusik, über Folk, Weltmusik und Jazz, bis hin zu Hip-Hop, Drum and Bass und anderen. Daneben gehören auch Aufführungen aus Theater, Tanz, Comedy und Zirkus zum Programm. Die Veranstaltung findet meist am letzten Wochenende im Juni statt, dauert drei Tage und ist heute eines der weltweit größten Open-Air-Musikfestivals (Besucherzahl 2008: rund 177.000[1]).

Geschichte[Bearbeiten]

Das Gelände kurz vor Beginn des Festivals 1983

Die Ursprünge des Festivals liegen in der Hippie-Ära und sind beeinflusst von deren Ethik. Bis heute zeigen sich Überbleibsel davon wie die Green Futures/Healing Fields-Abschnitte auf dem Festivalgelände oder sein Ruf als Stätte des exzessiven Drogenkonsums. Auf dem Gelände liegt auch ein Megalith-Kreis, allerdings wurde dieser extra für das Festival errichtet, hat also keinen historischen Ursprung.

Das erste Festival auf der Worthy Farm des Milchbauern Michael Eavis in der Nähe des Dorfs Pilton fand am 19. September 1970 als Pilton Pop, Blues & Folk Festival statt. Rund 1500 Zuschauer sahen Auftritte von Marc Bolan, Keith Christmas, Stackridge, Al Stewart und Quintessence, im Eintrittspreis von einem Pfund war freie Milch inbegriffen[2]. Bereits im folgenden Juni fand im Zusammenhang mit der Sommersonnenwende ein zweites Festival, Glastonbury Fayre genannt, statt – organisiert von Andrew Kerr und Arabella Churchill traten bei freiem Eintritt Hawkwind, Traffic, Melanie, David Bowie, Joan Baez, Fairport Convention und Quintessence auf.

Nachdem 1978 ein kleines spontanes Festival stattgefunden hatte, organisierten Bill Harkin und Arabella Churchill 1979 anlässlich des Internationalen Jahr des Kindes das nächste Glastonbury Fayre – das dreitägige Festival unter anderem mit Peter Gabriel, Steve Hillage und der Alex Harvey Band wurde allerdings finanziell zu einem Verlust.

In der Folge entstand das Konzept der Veranstaltung, die seit 1981 Glastonbury Festival heißt, von Michael Eavis organisiert wird und (mit wenigen Ausnahmen) jährlich stattfindet.

Michael Eavis leitet bis heute über seine Firma Glastonbury Festivals Ltd (seit 1981) das Festival, und er legt weiterhin große Teile des Programms fest. In einigen Bereichen und Bühnen hat er die Leitung abgegeben, so wird etwa The Left Field von einigen gewerkschaftsnahen Vereinen organisiert und ein anderes Feld wird von Greenpeace betrieben. Seit 2002 wird die Organisation mit der Veranstalterfirma Festival Republic (damals Mean Fiddler Music Group) geteilt – der Vertrag wird jeweils für fünf Jahre geschlossen, und Eavis erklärte, dass danach jeweils ein Jahr pausiert wird. Eavis spendet alle Gewinne für wohltätige Zwecke, mit der Kooperation seit 2002 entsprechend seinem Anteil von 60 % an den Gesamtgewinnen. Durch eine Vielzahl von Freiwilligen bleiben die Kosten des Festivals gering, jedoch werden eine Reihe von Ständen und die technische Infrastruktur von entsprechend ausgerichteten Firmen bereitgestellt. Eavis erhielt für seinen jahrzehntelangen Einsatz breite Anerkennung, unter anderem mit Ehrendoktorwürden der University of Bath und der University of Bristol, sowie einer Komtur (CBE) des königlich britischen Ritterordens.

Im Jahr 2012 fand das Festival nicht statt.

Das musikalische Spektrum[Bearbeiten]

Jamiroquai, 1993
Pyramid Stage, 2004
Other Stage, 2004

Das Glastonbury Festival ist eines der größten und bekanntesten Rockfestivals in Europa. Mitunter wird es auch als „englisches Woodstock“ bezeichnet. Anders als viele andere Festivals, die entweder auf eine bestimmte Musikrichtung ausgerichtet sind oder lediglich möglichst bekannte Acts präsentieren, ist das musikalische Spektrum des Glastonbury Festivals sehr vielseitig. Neben seit längerem bekannten Stars wie zum Beispiel Led Zeppelin, The Kinks, Paul McCartney, Johnny Cash, T. Rex, Shakira, Robbie Williams und Suzanne Vega oder jüngeren Rock-Acts wie Travis, Lady GaGa, Coldplay, Muse, Oasis und New Order präsentierte das Festival im Lauf der 1990er- und 2000er-Jahre auch eine Reihe Alternative-Acts und Newcomer wie zum Beispiel Jamiroquai, die deutsche Worldmusic-Truppe Dissidenten, die Alternative-Country- und Folk-Musikerinnen Michelle Shocked und Angie Palmer, PJ Harvey oder Nightmares on Wax. Im Jahr 2003 spielten beispielsweise die Manic Street Preachers, Dave Gahan (Depeche Mode), die Sugababes, die Asian Dub Foundation, Pendulum, Radiohead, The Flaming Lips, Los Lobos, Primal Scream, The Skatalites und dutzende weitere Bands in knapp 10 verschiedenen Zelten.
Seit 2007 gibt es die BBC Introducing Stage, auf der junge oder ungesignte Bands einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt werden, wie etwa Gabby Young & The Other Animals, The Ting Tings, The Brute Chorus, Two Door Cinema Club sowie Jake Bugg, der beim darauffolgenden Festival bereits auf der Hauptbühne auftrat.

Begleitumstände[Bearbeiten]

King's Meadow
LOVE

Aufgrund seines Bekanntheitsgrades sorgen immer wieder auch die Umstände des Festivals für Aufmerksamkeit. Während der 1990er wurde die Veranstaltung berüchtigt für massive Überfüllung und Kriminalität. Die Übung, sich ohne Karte Eintritt zu verschaffen, hatte sich etabliert und sorgte für massive Probleme. 2002 fand die Wiedereröffnung mit einem erheblich verstärkten Außenzaun statt, 2003 schließlich hatten die Leute akzeptiert, dass es kaum mehr möglich war, schwarz auf das Gelände zu kommen. Die Karten waren innerhalb von 20 Stunden nach Eröffnung des Vorverkaufs ausverkauft. 2004 schließlich war es wieder innerhalb von 24 Stunden ausverkauft, unter heftigen Beschwerden von potenziellen Besuchern, die in dieser Zeit weder eine Internet-Verbindung herstellen noch eine der Telefonzentralen erreichen konnten. Die Internetverbindung hatte zwei Millionen Hits in den ersten fünf Minuten nach der Aufschaltung; auf den Telefonleitungen waren in diesen 24 Stunden im Schnitt 2.500 Anrufe pro Minute. Zahlen, mit denen die Organisation offensichtlich überfordert war. Für 2005 wurden 150.000 Besucher erwartet. Aufgrund starker Regenfälle stand zu Beginn des Festivals jedoch ein Großteil der aufgebauten Zelte knietief unter Wasser, die ersten Auftritte mussten verschoben werden. 2005 wurde auch die John-Peel-Bühne eingeweiht. Der im Vorjahr verstorbene prominente DJ (BBC Radio 1) war regelmäßiger Präsentator auf dem Festival. 2008 geriet das Festival in die Kritik, als Michael Eavis im britischen Boulevardblatt The Sun verkündete, dass David Gilmour das Angebot machte, auf dem Festival zu spielen. Doch Eavis lehnte mit der Begründung ab, Gilmour wäre zu alt für das junge Publikum.[3]

Literatur[Bearbeiten]

Candace Bahouth, Venetia Dearden: Glastonbury: Another Stage, Kehrer, Heidelberg, 2010, ISBN 978-3868280463

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Glastonbury Festival – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Glastonbury Festival: Glastonbury Festivals – History – 2008 (27th–29th June)
  2. Glastonbury Festivals – History – 1970 (19th September)
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatThomas Zeidler: Gilmour erhielt Absage für Glastonbury! 3. Juni 2008, abgerufen am 24. März 2009 (deutsch).