Glaziokarst

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Ausgeprägter Glaziokarst. Dinariden, Orjen
Karwanne im Borovi do. Bijela gora, Orjen
Schichttreppen, Reovačka greda, Orjen

Glaziokarst ist eine wesentliche Abwandlung von Karsterscheinungen, die zumeist in Hochgebirgen in Karstgebieten der temperierten und subtropischen Breiten auftritt.

Entwickeln sich in extrem verkarsteten Gebieten (Holokarst) Gletscher, so passen sich diese nicht nur dem Karstrelieff an, sie entwickeln sich in diesen, was zu sogenannten Karstgletschern führt. Karstgletscher wurden erstmals 1913 von Jovan Cvijić aus dem Prokletije in den Dinariden beschrieben. Bekannt unter den rezenten Karstgletschern sind diejenigen des Dachsteingebirges.

Von Glaziokarst spricht man, wenn ein Karstgebiet im Pleistozän großflächig vergletscherte und zumeist erst nach Abschmelzen der Gletscher die Verkarstung aktiviert wurde. Damit sind Mischformen aus glazialen Erosions- und Karstlandschaften entstanden, die weitflächig in den Kalkalpen Karwendel, den Hochdinariden Orjen, dem Taurus, im Picos de Europa, den Pyrenäen oder dem Kaukasus auftreten.

Da Glaziokarst überwiegend in stark reliefiertem Hochgebirge auftritt, sind typische Erscheinungsformen zumeist in alpinen Stufen anzutreffen. Wenn wie im subtropischen Orjen auch Bereiche unterhalb 1000 m Erscheinungen des Glaziokarstes zeigen, sind diese durch tief liegende Schneegrenzen im Pleistozän verursacht, die zu weit herabreichenden Glazialerscheinungen geführt haben. Kennzeichen des Glaziokarstes sind flache Dolinen, Schichttreppen, große vertikale Schächte (durch Gletscherschmelze) und vielfältige Kleinformen auf typischen Glazialformen.

In Nordeuropa finden sich Glaziokarstlandschaften aber auch auf verebneten Kalkflächen, die vorher vom Inlandeis bedeckt waren.