Gleb Olegowitsch Pawlowski

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Gleb Pawlowski

Gleb Olegowitsch Pawlowski (russisch Глеб Оле́гович Павло́вский; * 5. März 1951 in Odessa) ist ein russischer Politikwissenschaftler.

Pawlowski studierte von 1968 bis 1973 Geschichte an der Universität Odessa und zog später nach Moskau um. Dort war er zeitweise in der sowjetischen Dissidentenszene aktiv. 1982 wurde er wegen „antisowjetischer Tätigkeit“ zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, bekannte sich aber im Laufe des Strafverfahrens für schuldig und wurde stattdessen in die Verbannung geschickt, aus der er im Dezember 1985 zurückkehrte. Pawlowskis Angaben zu diesem Teil seiner Biografie sind umstritten.

Zusammen mit Marat Gelman gründete Pawlowski 1995 die Organisation Фонд эффективной политики (Stiftung für effektive Politik), die sich als „Institut für Meinungsforschung und Wahlkampfmanagement“ bezeichnete und sich schnell zu einem wichtigen Akteur in der sich etablierenden russischen Internetszene entwickelte. Die Stiftung für effektive Politik war maßgeblich an der Entwicklung und der Durchführung verschiedener Wahlkampagnen in Russland beteiligt. So wird ihr ein großer Anteil am Sieg von Boris Jelzin im Präsidentschaftswahlkampf 1996 zugeschrieben, auch zum Wahlsieg von Wladimir Putin bei den Präsidentschaftswahlen 2000 soll sie entscheidend beigetragen haben. Pawlowski wird auch ein erheblicher Beitrag bei der Etablierung des Systems der Gelenkten Demokratie In Russland zugeschrieben. Pawlowski gehörte zeitweise zu den bekanntesten aber auch zu den umstrittensten Personen der russischen Medienlandschaft.[1] In westlichen Medien wurde er wiederholt als „Die graue Eminenz des Kreml“ oder als „Russlands prominentester Spin-Doctor“ bezeichnet.[2][3]

Bei den Präsidentschaftswahlen in der Ukraine 2004 unterstützte Pawlowski den Kandidaten Wiktor Janukowytsch, eine ihm zeitweise zugeschriebene Rolle bei der Dioxinvergiftung des späteren Wahlsiegers und Präsidenten Wiktor Juschtschenko hat er stets entschieden dementiert.[4]

Zwischen 2005 und 2009 moderierte Pawlowski die Sendung Большая политика (Große Politik) auf dem Fernsehsender NTW.[5]

Pawlowski forderte im Frühjahr 2011 offen eine weitere Amtszeit des damaligen Präsidenten Dmitri Medwedew ein, er verlor daraufhin seinen Status als Berater der russischen Präsidialverwaltung. Kurz darauf verkündete er die Auflösung der Stiftung für Effektive Politik. Seitdem äußert sich Pawlowski in der Öffentlichkeit zunehmend ablehnend über Putin und über die Politik der russischen Regierung.[6]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gleb Olegowitsch Pawlowski – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webseite der Universität Bochum, Porträt der Stiftung für effektive Politik und von Pawlowski, Stand Oktober 2004
  2. Die graue Eminenz des Kreml spielt mit dem Internet, Die Welt, Januar 2001
  3. Frankfurter Rundschau, November 2009
  4. Ein Tonband als Anklage: Befahl Ex-Putin- Berater Anschlag auf Juschtschenko?, news.at, Februar 2005
  5. Große Politik- Der einst rebellische russische Sender NTW startet ein Magazin, FAZ vom 20. August 2005
  6. Putin hat den Bezug zur Wirklichkeit verloren, Die Welt, September 2011