Gletschertopf

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Gletschertopf im Gletschergarten Luzern
Gletschertopf - schematische Skizze zur Entstehung
Gletschertopf in Maloja
Gletschertopf in Bad Gastein

Gletschertöpfe oder Riesentöpfe sind topf- oder schachtartige Vertiefungen in Felsgestein (Kolke), die durch fließendes Wasser im Bereich von Gletschereis entstehen.

Entstehung[Bearbeiten]

Gletschertöpfe bilden sich durch Schmelzwasser, das durch die Gletscherspalten und insbesondere Gletschermühlen zum Gletscherbett hin abfließt. Dieses Schmelzwasser vereinigt sich zu Strömen und bildet an gewissen Stellen Wirbel. In diesen Wirbeln herrschen Fließgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h und hoher Druck. Die Haupterosionsarbeit mit Aushöhlen des Felsbettes leisten dabei der mitgeführte Sand und die Kiespartikel. Die Theorie, dass ein im Wasser drehender Findling den Gletschertopf wie ein Mühlestein aus dem Felsen fräst, gilt als veraltet. Primär handelt es sich um den Auftreffpunkt einer Gletschermühle, oder lokale Wirbel im Basisstrom des subglazialen Wassers.

Vorkommen[Bearbeiten]

Die größten Gletschertöpfe findet man naturgemäß dort, wo es viele und große Gletscher gibt oder gab. In Europa ist dies besonders in Skandinavien oder in den Alpen und ihrem Vorland der Fall. Viele dieser Formen stammen aus der Eiszeit.

In den Alpen sind Gletschertöpfe weit verbreitet, Beispiele finden sich etwa im Gletschergarten Luzern, im Gletschergarten von Weißbach an der Alpenstraße, in dem diese Auswaschungen einen Durchmesser von bis zu einem Meter aufweisen oder in der Gemeinde Weiler im Allgäu, wo ein sehr gut erhaltener Topf 1911 bei Straßenbauarbeiten entdeckt wurde. Auch in Norddeutschland sind Gletschertöpfe der letzten Eiszeiten zu finden, zum Beispiel im Gesteinsgarten von Gommern in Sachsen-Anhalt. In den Quarzitsteinbrüchen waren Anfang des 19. Jahrhunderts mehrere Gletschertöpfe entdeckt und an das Naturkundemuseum Magdeburg gegeben worden.[1]

Im Zentrum von Bad Gastein in Österreich sind mehrere Gletschertöpfe zu sehen, darunter einer von ovaler Form mit Durchmessern von 4,5 bis 5,5 Metern und einer Tiefe von 5 bis 6 Metern.

Im finnischen Hiidenkirnut in der Nähe von Askola hat der größte Gletschertopf einen Durchmesser von vier und eine Tiefe von zehn Metern.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hartmann und Stahr: Landschaftsformen und Landschaftselemente im Hochgebirge Verlag Springer, Berlin 1999, ISBN 978-3-540-65278-6. S. 289

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gletschertopf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gesteinsgarten von Gommern
  2. http://www.hiidenkirnut.fi/