Gliederzug (Schiene)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Oben: Konventioneller Zug
Mitte: Gliederzug mit Jakobs-Drehgestellen
Unten: Gliederzug System Talgo
Wagen des Euromed, die mit Jakobs-Drehgestellen miteinander verbunden sind
Doppelstockgliederzug der Deutschen Reichsbahn (DR) von 1971

Ein Gliederzug ist ein Zug, dessen Wagen sich auf gemeinsame Laufwerke abstützen. Sie können im normalen Eisenbahnbetrieb nicht voneinander getrennt werden und finden heute im Personenverkehr sowohl im Hochgeschwindigkeitsverkehr wie im Nahverkehr Verwendung. Gegenüber Zügen aus konventionellen Reisezugwagen haben Gliederzüge ein geringeres Leergewicht, da für die gleiche Zuglänge weniger Laufwerke benötigt werden und Teile der Bremsausrüstung für den ganzen Zug nur einmal angeordnet werden müssen. Die meisten Gliederzüge sind mit Jakobs-Drehgestellen ausgeführt, welche gleichzeitig auch die Wagenkasten miteinander verbinden. Bei Zügen, welche kurze Wagenkasten verwenden, können diese gegenüber herkömmlichen Reisezugwagen breiter gebaut werden, so dass das Lichtraumprofil besser ausgenutzt wird. Nachteilig sind die im Vergleich zu konventionellen Zügen höheren Achslasten[1] und die fehlende Möglichkeit, den Zug an das Verkehrsaufkommen anzupassen. Im Schienengüterverkehr wird das Prinzip bei zweiteiligen Flachwagen und mehrteiligen Doppelstock-Containertragwagen angewendet.

Geschichte[Bearbeiten]

Die ersten Gliederzüge wurden in den 1930er Jahren gebaut. Frühe Beispiele waren in Deutschland die Doppelstock-Stromlinien-Wendezüge der Lübeck-Büchener Eisenbahn oder der Fliegende Hamburger, in Amerika der von Goodyear gebaute Comet der New York, New Haven and Hartford Railroad.

In den 1940er Jahren wurde in Spanien die Gliederzüge der Bauart Talgo entwickelt. Bei diesem System weisen die Zwischenwagen an einem Ende ein Losradsatz auf, während sich das andere Ende auf dessen Nachbarwagen abstützt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg folgten die doppelstöckige Gliederzüge der Deutschen Reichsbahn. Sie bestanden aus zunächst zwei, dann vier- bis fünfteiligen, fest miteinander verbundenen Wagen und wurden mit Wendezugsteuerung eingesetzt. Die Bahn bezeichnete die Einheiten DB13 (DBv) und DB7 (DBz, dann DBx) als Doppelstockzüge, nur die ursprünglich fünfteiligen DGB12 (DGBe und DGBge) mit den Regeldrehgestellen unter den Zwischenwagen DGBZ wurden als Doppelstockgliederzüge bezeichnet.

Bei der Deutschen Bundesbahn wurden in den 1950er Jahren zwei Gliederzüge der Baureihe VT 10.5 beschafft, denen kein Erfolg beschieden war. Die Züge mit sechs Dieselmotoren pro Zug waren zu wartungsintensiv und störungsanfällig.

In Frankreich wurden die im Hochgeschwindigkeitsverkehr eingesetzten TGVs als Gliederzüge ausgeführt. Ihre Wagenkasten sind kürzer und breiter im Vergleich zu normalen Reisezugwagen.

Beispiele[Bearbeiten]

Gliederzüge mit Jakobs-Drehgestellen:

Gliederzüge anderer Bauarten:

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schienenfahrzeugtechnik. Bahn Fachverlag, 2008, ISBN 978-3-9808002-5-9, S. 522–.