Glinde (Elbe)

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52.00861111111111.85222222222249Koordinaten: 52° 0′ 31″ N, 11° 51′ 8″ O

Glinde
Stadt Barby
Wappen von Glinde
Höhe: 49 m ü. NN
Fläche: 4,59 km²
Einwohner: 304 (31. Dez. 2008)
Bevölkerungsdichte: 66 Einwohner je km²
Eingemeindung: 1. Januar 2010
Postleitzahl: 39249
Vorwahl: 039298
Breitenhagen Glinde Gnadau Groß Rosenburg Lödderitz Pömmelte Sachsendorf Tornitz Wespen Zuchau Barby SalzlandkreisKarte
Über dieses Bild

Lage von Glinde in Barby

Glinde ist ein Ortsteil der Stadt Barby im Salzlandkreis in Sachsen-Anhalt.

Geographie[Bearbeiten]

Glinde liegt am westlichen Elbufer („Elbe-Strom-Bogen“) zwischen Barby (Elbe) und Schönebeck (Elbe).

Geschichte[Bearbeiten]

Um 700 besteht hier wahrscheinlich eine slawische Siedlung, was durch Funde belegt ist. Der Name Glinde kann vom slawischen "Glina" hergeleitet sein, was "Lehm" bedeutet. Eine andere Deutung ist vom niederdeutschen "Glint" möglich, was Gehege oder Einzäunung bedeutet.

Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte in einer undatierten Urkunde des Kaisers Otto I. an das Moritzkloster zu Magdeburg, in der er seine Schenkungen von 937 und 939 bestätigt.

1150 wird in einer Urkunde, von Albrecht dem Bären ausgestellt, ein "Burchardus de Gline" als Zeuge genannt. Dieser ist somit der älteste erwähnte Vertreter des "altfreien Geschlechts der von Glinde".

Der bedeutendste Vertreter, der von Glinde, ist Heinrich von Glinde. Heinrich war, Propst des Stifts Sankt Sebastian (1187-1194), Propst des Stifts Bibra (1199), Propst der Propstei Hundisburg (1180-1184/86) und Domdekan in Magdeburg. Heinrich bemühte sich um das Amt des Kanzlers bei Philipp von Schwaben. 1199 wurde Heinrich in der Nähe von Haldensleben vom Bruder des derzeitigen Kanzlers (Konrad von Querfurt) Gerhard von Querfurt überfallen und geblendet. Durch diese Tat war Heinrich für das Kanzleramt unbrauchbar. Papst Innozenz III. gestattet Heinrich die Beibehaltung der Dignität und die Einstellung eines Vikars.

Das Briefsiegel Heinrichs von Glinde ist das älteste erhaltene Siegel eines Domherrn und, von Königs und Bischofssiegeln abgesehen, die älteste erhaltene Petschaft.

1221 wird Otto von Glinde ausdrücklich als "quidam liber homo" bezeichnet. Das Geschlecht ist demnach als edel und als schöffenbar frei anzusprechen.

Das Geschlecht "der von Glinde" erlischt zu Beginn des 14. Jahrhunderts.

Glinde war 1655/56 von Hexenverfolgung betroffen. Die über 50-jährige Elisabeth, Frau von David Ferckel, geriet in einen Hexenprozess, wurde der Folter unterzogen und dann freigelassen.[1]

Am 1. Januar 2010 schlossen sich die bis dahin selbstständigen Gemeinden Glinde, Breitenhagen, Groß Rosenburg, Lödderitz, Pömmelte, Sachsendorf, Tornitz, Wespen und Zuchau sowie die Stadt Barby (Elbe) zur neuen Stadt Barby zusammen.[2] Gleichzeitig wurde die Verwaltungsgemeinschaft Elbe-Saale, zu der Glinde bisher gehörte, aufgelöst.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Zu besichtigen ist in Glinde das Lichtmessarchivmuseum, das sich dem Brauchtum der Glinder Lichtmess widmet. Sehenswert ist die St. Mathäii Kirche und deren kostbare Bleiglasfenster, sowie das Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Auf dem Friedhofsgelände befinden sich zahlreiche historisch wertvolle Grabsteine und die Friedhofskapelle, die den Rest einer frühen dreischiffigen Basilika darstellt und eine Plastik aus dem 9. Jhd. enthält.

Zum kulturellen Angebot der Gemeinde gehört eine Gemeindebibliothek, die im ehemaligen Schulgebäude untergebracht ist.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Am Ort ansässig sind mehrere Landwirtschaftsbetriebe, ein Ziegenhof, eine Modellbautischlerei, eine Schmiede, eine Druckerei, ein Sportpark und die Gaststätte „Zum Goldenen Anker“, in der alle Lichtmessfeierlichkeiten begangen werden.

Vereine[Bearbeiten]

In Glinde beheimatet ist der Sportverein SG Eintracht Glinde. Besonders erfolgreich sind die Handballer: Die 1. Männermannschaft und die A-Jugend spielen jeweils in der Regionalliga Nord. Die D-Jugend erreichte im Jahr 2009 als Vize-Landesmeister den 10. Platz in der ostdeutschen Meisterschaft.
Der im Jahr 2010 gegründete Verein, Bibliothek-Glinde e.V., bereichert das kulturelle Geschehen mit zahlreichen Veranstaltungen. Außerdem ist in Glinde ein Angelverein ansässig.

Jährliche Höhepunkte im Gemeindeleben sind das traditionelle Lichtmessfest, das Lichtmesssommerfest, das Sandkuhlenfest, der Elbebadetag, der Volksangeltag, das Schulplatzfest und das Hoffest. Das Lichtmessfest, welches, einer alten Tradition folgend, immer an einem Sonntag um den 2. Februar herum stattfindet, ist im Reigen der Glinder Feierlichkeiten das höchste Fest.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfred Wilde: Die Zauberei- und Hexenprozesse in Kursachsen, Köln, Weimar, Wien 2003, S. 504
  2. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2010

Weblinks[Bearbeiten]