Glockenfriedhof

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Glockenfriedhof im Innsbrucker Stadtteil Wilten im Ersten Weltkrieg, um 1917
Hamburger Glockenfriedhof 1947
Hamburger Glockenfriedhof im Freihafen

Glockenfriedhof ist die Bezeichnung für Sammelplätze von Kirchenglocken während des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Von den Sammelplätzen aus gelangten die Glocken zur industriellen Weiterverarbeitung.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte[Bearbeiten]

Kirchenglocken waren wegen ihrer Bronze kriegswichtiges Material und wurden während des Ersten und Zweiten Weltkrieges zwangsweise eingezogen, um eingeschmolzen vor allem in der Rüstungsindustrie Verwendung zu finden.

Im Ersten Weltkrieg wurden die Glocken wahllos abgenommen und in Glockenfriedhöfen gesammelt. Im Zweiten Weltkrieg klassifizierte die NS-Administration die Glocken in die Typen A, B, C und D. Die Typen C und D repräsentierten historisch wertvolle Glocken. Während A und B sofort hergegeben werden mussten, war Typ C in „Warteposition“, wohingegen Typ D geschützt war. Für den „Endsieg“ ließ manch ein Bürgermeister auch die historisch wertvolle Glocke (Typ D) vom Turm nehmen.[1]

Die jeweils nach Kriegsende in den Glockenfriedhöfen verbliebenen (noch nicht eingeschmolzenen) Glocken wurden nach Möglichkeit zurückgestellt, was aber mangels Zuordenbarkeit nicht immer möglich war. Schätzungen gehen davon aus, dass im Ersten Weltkrieg rund 65.000 Glocken eingeschmolzen wurden, im Zweiten Weltkrieg rund 45.000 in Deutschland, überdies noch weitere 35.000 in den besetzten Gebieten. Alleine auf dem Glockenfriedhof in Hamburg-Veddel warteten bei Kriegsende noch weit über 10.000 Glocken auf den Schmelzofen.[2][3]

Geschichte des Glockenfriedhofes in Hamburg-Veddel[Bearbeiten]

Beim Glockenfriedhof in Hamburg-Veddel (auch Glockenlager genannt) handelte es sich um ein großes Gelände in der Nähe des Hamburger Hafens, das zur Zwischenlagerung von Kirchenglocken aus dem gesamten Deutschen Reich und den damals besetzten Gebieten diente.

Zwischen 1939 und 1945 wurden zahlreiche, zum Teil auch berühmte Glocken und Bronzedenkmäler eingeschmolzen und gingen damit für immer verloren. Insgesamt wurden etwa 90.000 Glocken nach Hamburg geschafft, von denen etwa 75.000 eingeschmolzen wurden. Nach Schätzungen sollen sich am Ende des Zweiten Weltkriegs zwischen 10.000 und 16.000 Glocken auf dem Glockenfriedhof befunden haben.

Nach aufwändigen, teilweise Jahre dauernden Identifizierungsmaßnahmen des Ausschusses für die Rückführung der Glocken wurden die meisten dieser Glocken wieder an ihre Heimatgemeinden zurückgegeben.

Glocken aus Kirchen in den für Deutschland verlorenen Ostgebieten wurden Anfang der 1950er-Jahre an Kirchen in Westdeutschland verteilt. So befinden sich in westdeutschen Kirchen etwa 120 Glocken aus dem ehemaligen Ostpreußen.

Gerettete Glocken[Bearbeiten]

In den Ursprungskirchen[Bearbeiten]

Patenschaften[Bearbeiten]

Sofern die Ursprungskirchen nicht mehr stehen, erreichbar oder umgewidmet sind, werden die geretteten Glocken in Patengemeinden oder in Museen aufbewahrt.

  • Im Hof des Museums Haus Hansestadt Danzig in Lübeck sind Glocken aus Wotzlaff und Danzig aufbewahrt.
  • Im Ostpreußischen Landesmuseum in Lüneburg befinden sich vier gerettete Glocken aus Ostpreußen als Leihgabe.
  • Eine weitere ostpreußische Glocke klingt bis heute in der Kirche St. Martin in Augsburg-Oberhausen.
  • In der Kreuzkirche in Eschenbach in der Oberpfalz: Die Gnadenglocke (2,5 Zentner, gegossen 1735 in Görlitz) aus der Frauenkirche in Lubań (früher Lauban) sowie die Friedensglocke (8 Zentner, gegossen 1761 in Görlitz) aus der Kreuzkirche in Lubań (früher Lauban).

Zerstörte Glocken[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Johann Werfring: Die triste Zeit der Glockenfriedhöfe. In: „Wiener Zeitung“ vom 6. Juni 2012, Beilage „ProgrammPunkte“, S. 7. Abgerufen am 12. Juni 2012.
  2. Kanonenfutter. Warum Kriegszeiten auch für Glocken schlechte Zeiten waren (Artikel auf philippuskirche.de). Abgerufen am 12. Juni 2012
  3. Noch einmal davongekommen. Heimkehr aus dem Glockenfriedhof In: „Der Spiegel“ 15/1947. Abgerufen am 12. Juni 2012
  4. Glocken der Stephanuskirche in Dresden-Zschachwitz
  5. Nikolaikirche
  6. St.-Rochus−Glocken
  7. Ausstellung Glocken der St.-Johannis-Kirche