Gloria Steinem

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Gloria Steinem 2011

Gloria Marie Steinem (* 25. März 1934 in Toledo, Ohio) ist eine US-amerikanische Feministin, Journalistin und Frauenrechtlerin. Sie ist Gründerin und Herausgeberin des amerikanischen feministischen Magazins „Ms.“.

Leben[Bearbeiten]

Frühe Jahre[Bearbeiten]

Gloria Steinem wurde in Toledo (Ohio) geboren. Ihre Mutter, Ruth Nuneviller, hatte deutsche Vorfahren. Ihr Vater, Leo Steinem, war der Sohn jüdischer Auswanderer aus Deutschland und Polen.[1] Er arbeitete als fahrender Antiquitätenhändler und wurde von seiner Familie begleitet. Die Eltern trennten sich 1945. Der Vater ging nach Kalifornien, um dort Arbeit zu finden. Unterdessen blieb Gloria mit ihrer Mutter und ihrer Schwester Susanne in Toledo. Noch als Kind versorgte sie ihre kranke Mutter und trug zum Familienunterhalt bei.

Steinems Großmutter väterlicherseits, Pauline Perlmutter Steinem, war eine Suffragette und wurde als erste Frau in Ohio in einen Bildungsausschuss gewählt. Gloria Steinem erfuhr von den Errungenschaften ihrer Großmutter nicht von ihrer Familie, sondern aus einer Monografie, die eine feministische Historikerin über Pauline Perlmutter Steinem verfasst hatte. Steinem schrieb später, dass der Feminismus ihre Großmutter für sie wiederentdeckt habe.[2]

Steinem besuchte die Waite High School in Toledo und machte schließlich ihren Abschluss an der Western High School in Washington, D.C.. Während der Schulzeit tat sie sich mit vier Freundinnen in einer Chi Alpha Tau getauften Gruppe zusammen, die Mädchen versprachen sich gegenseitig gute Schulleistungen und Engagement in anderen Arbeitsgemeinschaften / Clubs der Highschool. Die Schwesternschaft gewann das Interesse anderer Mädchen. Steinem besuchte unter anderem auch Ballettunterricht.[3] Sie hatte exzellente Schulzeugnisse und bewarb sich an verschiedenen prestigeträchtigen Colleges. Aufgrund ihres sehr guten Ergebnis in Englisch (SAT 675 von 800 möglichen Punkten) und der bereits erfolgten Zulassung ihrer Schwester besuchte sie das Smith College, eines der berühmtesten Frauencolleges in den USA.[4] Steinem befürchtete dort aufgrund der dort anzutreffenden Studentinnen aus teilweise extrem reichen Familien nicht anerkannt zu werden.[4] Das Gegenteil war der Fall, Steinem war als begabte und engagierte Studentin sehr angesehen. Sie entschied sich für die Studentenverbindung Zeta Beta Psi.[5] Steinem hatte einmal scherzhaft angemerkt, sie würde gerne undercover als Playboybunny arbeiten, um das Hefnerimperium zu infiltrieren.[6] Ihr Umfeld traute es ihr zu und sie setzte den Vorsatz um. 1963 arbeitete sie als Playboy-Bunny im New Yorker Playboy Club. Der über die Erfahrungen dort veröffentlichte Artikel A Bunny's Tale war bahnbrechend [7] und machte sie umgehend berühmt. In dem 1985 gedrehten Fernsehfilm dazu wurde Steinem von Kirstie Alley verkörpert.

Politische Aktivitäten[Bearbeiten]

Nach einer Reihe von Interviews mit Berühmtheiten, erhielt Steinem den politischen Auftrag, die Präsidentschaftskandidatur George McGoverns zu unterstützen. 1962 veröffentlichte sie, noch ein Jahr vor Betty Friedans Buch „The Feminine Mystique“ (dt. „Der Weiblichkeitswahn oder die Mystifizierung der Frau“) einen Artikel im Magazin Esquire, in dem sie den Druck beschreibt, unter dem Frauen stehen, sich zwischen Karriere und Ehe zu entscheiden. 1968 wurde sie Redakteurin des Magazins New York. Sie engagierte sich in der feministischen Bewegung, und die Medien versuchten sie zu einer Art feministischen Anführerin zu stilisieren.

Steinem brachte andere bedeutende Feministinnen in die vorderen Reihen und zog mit der Anwältin Florynce Kennedy durch das Land. 1971 wurde sie Mitbegründerin der National Women's Political Caucus, sowie der Women's Action Alliance. 1972 hob sie das feministische Magazin „Ms.“ aus der Taufe und schrieb für das Magazin bis zu dessen Verkauf 1978. 1991 gründete Steinem das Magazin Choice USA, das 2001 an die Feminist Majority Foundation überging. Steinem bleibt allerdings als eine der sechs Gründungsherausgeberinnen im Impressum und arbeitet im Verwaltungsrat. Entgegen der weitläufigen Meinung hat Steinem nicht den feministischen Slogan geprägt: „Eine Frau braucht einen Mann so dringend wie ein Fisch ein Fahrrad.“ Gloria Steinem ist Mitbegründerin der Coalition of Labor Union Women und nahm 1977 an der »National Conference of Women« in Houston teil. Als das Magazin „Ms.“ 1991 wiederbelebt wurde, wurde sie beratende Herausgeberin. 1993 wurde sie in die amerikanische National Women's Hall of Fame aufgenommen.

1998 wurde Steinem in einem Zeitungsinterview zum Amtsenthebungsverfahren gegen Bill Clinton gefragt, ob Clinton seines Amtes wegen Meineides enthoben werden solle, und wurde mit der Antwort zitiert: „Clinton sollte wegen Meineides bezüglich Lewinsky in der Paula-Jones-Anhörung verurteilt werden; vielleicht auch wegen der Dummheit, überhaupt zu antworten.“[8]

Weiteres Leben[Bearbeiten]

Steinem im November 2008

In den 1980er- und 1990er-Jahren musste sich Gloria Steinem mit einigen persönlichen Schicksalsschlägen auseinandersetzen, vor allem damit, dass bei ihr 1986 Brustkrebs[9] und 1994 Trigeminusneuralgie diagnostiziert wurden. In zwei Fernsehreportagen des amerikanischen Magazins Frontline und im Magazin „Ms.“ wandte sich Steinem gegen den Missbrauch von Kindern durch Personal in Kindertagesstätten (vgl. z. B. den Fall McMartin).[10][11][12]

Am 3. September 2000 heiratete sie, im Alter von 66 Jahren, David Bale, den Vater des Schauspielers Christian Bale. Die Hochzeit fand bei ihrer Freundin Wilma Mankiller statt, dem ersten weiblichen Stammeshäuptling der Cherokee-Indianer. Die Ehe dauerte erst drei Jahre, als David Bale an einem Gehirn-Lymphom am 30. Dezember 2003 im Alter von 62 Jahren verstarb.

2005 trat Gloria Steinem in der Dokumentation „I had an abortion“ (dt. „Ich hatte eine Abtreibung“) von Jennifer Baumgardner und Gillian Aldrich auf. Dort beschreibt sie die Abtreibung, die sie als junge Frau in London hatte, wo sie kurze Zeit vor ihrem Studium in Indien lebte.

Steinem war auch Mitglied der Democratic Socialists of America (Sozialdemokraten) und Mitglied des Beirates der Organisation „Women's Voices. Women Vote“.

Der kanadische Songschreiber David Usher verarbeitete in seinem Lied »Love Will Save The Day« Mitschnitte aus Reden von Gloria Steinem. Den Anfang des Liedes stellt ihr Ausspruch dar: „It really is a revolution“ („Es ist wirklich eine Revolution“). Das Lied endet mit dem Zitat: „We are talking about a society in which there will be no roles other than those chosen or those earned; we are really talking about humanism.“ („Wir reden über eine Gesellschaft, in der keine anderen Rollen existieren werden als die, die man sich gewählt oder verdient hat; wir reden ernsthaft über Menschlichkeit.“) Dieses Zitat findet auch im Abspann des Films „V for Vendetta“ Verwendung.

Auszeichnungen (Auswahl)[Bearbeiten]

Werke[Bearbeiten]

  • „Was heißt schon emanzipiert. Meine Suche nach einem neuen Feminismus“; Hamburg: Hoffmann und Campe, 1995; ISBN 3-426-65094-0 (orig. „Revolution from within“ - 1992).
  • „Unerhört. Reportagen aus ‚Ms.‘“; Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1984; ISBN 3-499-15368-8 (orig. „Outrageous acts and everyday rebellions“ - 1983).

Literatur[Bearbeiten]

  • Carolyn Heilbrun: The Education of A Woman. The Life and Times of Gloria Steinem; London: Virago Press Ltd, 1995; ISBN 978-1860492693.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ancestry of Gloria Steinem. Compiled by William Addams Reitwiesner. Abgerufen am 3. Februar 2013.
  2. Gloria Steinem. In: Jewish Women's Archive. Abgerufen am 4. Februar 2013.
  3. Marcello, a.a.O. S. 28
  4. a b Gloria Steinem: A Biography, Patricia Cronin Marcello, Greenwood Publishing Group, 2004, S. 33 ff
  5. Marcello, a.a.O. S. 28
  6. Marcello, a.a.O. S. 79ff
  7. Gloria Steinem's 'a bunny's tale' – 50 years later Steinem's groundbreaking article exposing the 1960s world of Playboy Bunny clubs is as fresh and relevant as ever, Nicolaus Mills, guardian.co.uk, 26. Mai 2013.
  8. Steinem Wants Clinton Censured, Not Impeached. Reuters: September 28, 1998. Abgerufen am 8. Juni 2007.
  9. [1]
  10. [2]
  11. [3]
  12. [4]
  13. Gloria Steinem: 2006
  14. President Obama Names Presidential Medal of Freedom Recipients | The White House: Empfänger der Freiheitsmedaille 2013 (engl.). Website The White House. Abgerufen am 21. November 2013.