Gloster Javelin

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Gloster Javelin
Gloster Javelin FAW.9 (XH903) am Gloucestershire Airport, Cheltenham, England
Typ: Zweistrahliges Jagdflugzeug
Entwurfsland: Vereinigtes KonigreichVereinigtes Königreich Vereinigtes Königreich
Hersteller: Gloster Aircraft Company
Erstflug: 26. November 1951
Indienststellung: 29. Februar 1956
Stückzahl: 436

Die Gloster Javelin (Javelin = Speer) war ein zweistrahliges Jagdflugzeug der Zeit des Kalten Krieges aus britischer Produktion. Hersteller war die Gloster Aircraft Company.

Geschichte[Bearbeiten]

Bereits 1947 hatten die Projektierungsarbeiten zu diesem ungewöhnlichen Muster begonnen. Im März 1948 entschied das Ministry of Supply, 4 Prototypen zu beschaffen, im April 1948 trat ein entsprechender Vertrag in Kraft. Auch von der konkurrierenden de Havilland D.H. 110 wurden 4 Prototypen beschafft. 1951 startete der Prototyp, das weltweit erste Jagdflugzeug mit Deltaflügeln und deltaförmigen T-Leitwerk unter der Bezeichnung G.A. 5 zu seinem Erstflug. 1952 konnte sich die Maschine gegen die D.H. 110 durchsetzen, da ihr Entwicklungspotential von der RAF und dem Verteidigungsministerium höher bewertet wurde. Der erste Prototyp verlor am 29. Juni 1952 während eines Hochgeschwindigkeitsversuches innerhalb von 2 Sekunden beide Höhenruder. Beim Versuch einer Notlandung zerbrach die Maschine auf der Piste und geriet in Brand. Der Testpilot Bill Waterton konnte sich aus der Maschine retten und auch die Flugdatenschreiber bergen. Dafür wurde er mit der George Medal ausgezeichnet.

1954 lieferte Gloster die erste von 40 serienmäßigen Javelin FAW.Mk.1 aus. 1955 flog dann der Prototyp der FAW.Mk.2, von der 25 Maschinen entstanden. 1956 erschien eine Trainerversion T.Mk.3, von der 21 Maschinen gebaut wurden. Wegen anhaltender Probleme war aber erst ab 1956 eine Einführung der Javelin in den Truppendienst bei der Royal Air Force möglich. Es folgten noch marginal verbesserte FAW.Mk.4, Mk.5 und Mk.6. Erst die letzten beiden Serienversionen Mk.7 und Mk.8 wiesen erhebliche Verbesserungen wie Nachbrennertriebwerke auf. Die Serienproduktion endete nach 436 Maschinen mit der Mk.8. Als Mk.9 wurden später aus der Mk.7 modernisierte Maschinen bezeichnet.

Javelins wurden Ende der 1950er/Anfang der 1960er Jahre als Allwetter-Abfangjäger auch bei der RAF Germany eingesetzt (siehe unten). Daneben waren Javelins außerhalb von Großbritannien auch in Zypern, Sambia, Singapur, Malaysia und Hongkong stationiert. 1964 wurden die letzten Javelin des Fighter Command durch Lightnings ersetzt. Die Außerdienststellung der letzten Javelin erfolgte 1968 in Singapur.

Die Javelin war das letzte von Gloster produzierte Flugzeug. Heute sind noch etwa 10 Exemplare in Museen zu finden.

Varianten[Bearbeiten]

Insgesamt wurden 435 Exemplare bei und Armstrong-Whitworth gebaut, beide Firmen gehörten damals schon zur Hawker Siddeley Gruppe (siehe auch die Informationen über das Bezeichnungssystem britischer Luftfahrzeuge).

GA.5
7 Prototypen
FAW.Mk.1
Ursprüngliche Version des Einsitzers mit Armstrong Siddeley Sapphire Sa.6 Triebwerken mit je 35.6 kN Schub, British AI.17 Radar, vier 30 mm ADEN Kanonen, 40 Stück neugebaut, zusätzlich wurden die sieben Prototypen zur FAW.1 umgerüstet
FAW.Mk.2
Anstelle des AI.17 Radar mit dem US-amerikanischen Westinghouse AN/APQ-43, bei der RAF als AI-22 bezeichnet, 30 gebaut.
T.Mk.3
Zweisitziger Trainer ohne Radar, aber mit den vier Kanonen, voll beweglichem Höhenruder, verlängertem Rumpf mit größerer interner Kraftstoffkapazität, 22 gebaut plus 1 Prototyp.
FAW.Mk.4
Ähnlich der FAW.1 mit AI.17 Radar, mit zusätzlichen Vortex Generatoren auf den Flügeln für verbesserte Stall-Eigenschaften, voll beweglichem Höhenruder, 50 gebaut.
FAW.Mk.5
Gegenüber der FAW.4 mit geändertem Flügelaufbau inklusive zusätzlicher Kraftstofftanks und der Vorbereitung von Aufnahmestationen für Luft-Luft-Rakete, 64 gebaut.
FAW.Mk.6
Variante der FAW.5, jedoch mit dem Westinghouse Radar, 33 gebaut.
FAW.Mk.7
Meistgebaute Javelin-Version. Verbesserte Sa.7 Treibwerke mit je 48.9 kN Schub, verlängertem hinteren Rumpf, bewaffnet mit zwei 30 mm ADEN plus vier Firestreak Luft-Luft-Raketen, einige FAW.7s (2 Staffeln) waren lediglich mit den vier Kanonen bewaffnet, 142 gebaut.
FAW.Mk.8
Nochmals verbesserte Sa.7R Treibwerke mit Nachbrenner und je 54.7 kN Schub oberhalb einer Flughöhe von 6,100 m, geänderte Flügelvorderkanten und automatischem Gier-Stabilisator. 47 Maschinen gebaut.
FAW.Mk.9
Ehemalige FAW.7 mit Flügeln und Triebwerken der FAW.8, 118 gebaut
FAW.Mk.9F/R
FAW.9 mit Luftbetankungsstutzen, 44 umgerüstet
FAW.Mk.9R
FAW.9F/R mit Aufnahmepunkten für Tragflächen-Zusatztanks für höhere Reichweite, 40 umgerüstet.

Technische Daten[Bearbeiten]

Kenngröße Daten der Javelin FAW.Mk.9
Länge 17,16 m
Spannweite 15,58 m
Höhe 4,88 m
Tragfläche 86,21 m²
Flächenbelastung 166 kg/m²
Leermasse 10.886 kg
Startmasse normal 17.420 kg
maximal 19.580 kg
Triebwerke 2 × Armstrong-Siddeley Sapphire 204
je 54,00 kN
Höchstgeschwindigkeit 1.140 km/h in 8.000 m
1.105 km/h in Bodennähe
Steiggeschwindigkeit 27.45 m/s
Steigzeit auf 15.250 m 9 min 24 s
Gipfelhöhe 15.865 m
Reichweite maximal 1.530 km
Bewaffnung 2 × 30 mm Aden Bordkanonen
4 Fairey Firestreak Luft-Luft-Raketen oder
4 Behälter mit ungelenkten Raketen
oder 4 Bomben à 454 kg
Radar Westinghouse AN/APQ-43
Besatzung 2

Stationierungsorte in Deutschland[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alle Wetter - Der erste Deltajäger der Welt im Einsatz, in: Klassiker der Luftfahrt 6/2014, S. 28-33
  • Karl-Heinz Eyermann: Strahltrainer, Deutscher Militärverlag 1971, S. 122f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gloster Javelin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien