Glykogenspeicher
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Der Glykogenspeicher (auch Glykogendepot) des menschlichen Körpers bezeichnet die in Form von Glykogen gespeicherten Kohlenhydrate in den Zellen verschiedener Organe. Das gespeicherte Glykogen befindet sich, je nach Muskelmasse, zu einem Drittel in der Leber (bis zu 150 Gramm Glykogen, also 10% des Eigengewichts) und zu zwei Dritteln in der Muskulatur (bis zu einem Prozent des Eigengewichts). Das Leberglykogen dient der Aufrechterhaltung des Blutzuckerspiegels und damit der Versorgung des Gehirns, der roten Blutkörperchen und Nervenzellen mit Glucose. Die Glykogenspeicher in den Muskelfasern können nicht zur Blutzuckerregulation beitragen, aber ermöglichen durch die Bildung von Glucose-6-phosphat und die aerobe sowie anaerobe Glykolyse die Resynthese des „Zelltreibstoffs“ ATP, der zur Muskelkontraktion benötigt wird (vgl. Energiebereitstellung).
Glykogen ist als Polysaccharid, ähnlich wie Stärke, stark hygroskopisch und wird daher mit Hilfe von Wasser in den Zellen gespeichert. Die „Wunderwirkung“ von Low-Carb-Diäten, also der rapide Gewichtsabbau in den ersten Tagen der Diät, kann durch den Verlust dieses Wassers erklärt werden. Folgerichtig führen auch Carbo-Loading-Diäten (siehe unten) zu einem extrem schnellen Gewichtsanstieg von bis zu 2–3kg durch die Einlagerung von Wasser.
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[Bearbeiten] Die Bedeutung des Glykogenspeichers im Sport
Im Sport, besonders im Ausdauersport, ist der Glykogenspeicher von besonderer Bedeutung. Der für die Muskelarbeit nötige Energieträger ATP kann entweder durch Glykolyse, also den Abbau von Kohlenhydraten oder durch die Betaoxidation, den Abbau von freien Fettsäuren und die anschließenden Citratzyklus und Atmungskette resynthetisiert werden. Während die Fettdepots des Körpers so viel Energie umfassen, dass der Mensch mehrere Wochen ohne Nahrung auskommen könnte, ist der Glykogenspeicher nur für die Bewältigung eines Tages (bei normaler Belastung) ausgelegt. Ein Ausdauersportler könnte deshalb, würde er allein das gespeicherte Glykogen verbrauchen, nur etwa 90 Minuten bei hoher Belastung durchhalten. Für länger andauernde Aktivitäten ist man also gezwungen, neben den Glykogendepots auch die gespeicherten Fette zur Energiegewinnung heranzuziehen. Der entscheidende Nachteil der Betaoxidation ist aber, dass pro Zeiteinheit nur etwa 40% der Energie in Form von ATP geliefert werden kann als beim Kohlenhydratstoffwechsel[1]. Das führt notgedrungen zu einer niedrigeren Belastungsintensität (z.B. Lauftempo), außerdem versucht man, die Glykogen-Speicher zu schonen, indem man den Anteil des Fettstoffwechsels an der Energiebereitstellung erhöht. Dies geschieht durch umfangreiches, z.T. über Stunden andauerndes Training im Grundlagenausdauerbereich. Ist abzusehen, dass trotz gut trainierten Fettstoffwechsels die Glykogenvorräte nicht für die gewünschte Intensität über die volle Trainings- bzw. Wettkampfdauer ausreichen, müssen Kohlenhydrate während der Belastung zugeführt werden, um das angestrebte Tempo zu halten. Um die Glykogenspeicher zu schonen bzw. zu strecken, geschieht dies bereits von Beginn an (Beispiele: Langstreckenschwimmen, Marathon, Straßenradrennsport, Triathlon).
Ein normaler, untrainierter Mensch verfügt über einen Glykogenspeicher von ungefähr 300 bis 400 g Glykogen. Gut trainierte Ausdauersportler können aber durchaus über ein weit größeres Glykogendepot von bis zu 600 g verfügen.
[Bearbeiten] Maximierung der Glykogenvorräte vor Wettkämpfen
Um während eines Wettkampfes über möglichst große Vorräte an Glykogen zu verfügen, bedienen sich Sportler im Vorfeld des Wettkampfes verschiedener Diäten, die als „Saltin-Diät“, „Kohlenhydrat-Mast“ oder „Carbo-Loading“ bekannt sind. Die drei verschiedenen Formen dieser Diäten haben gemeinsam, dass sie am Abend vor dem Wettkampf durch exzessive Kohlenhydratzufuhr versuchen, eine große Menge an Glykogen aufzubauen. Die Wirksamkeit und die medizinische Ratsamkeit besonders der extremen Form der Saltin-Diät ist allerdings umstritten und oftmals „Glaubenssache“.
[Bearbeiten] Einfache Kohlenhydrat-Diät
Durch kohlenhydratreiche Nahrung an den Tagen vor dem Wettkampf sollen die Glykogendepots aufgefüllt werden.
[Bearbeiten] Kohlenhydrat-Diät bei vorheriger Leerung der Glykogendepots
Bevor wie bei der einfachen KH-Diät eine große Menge an Kohlenhydraten zugeführt wird, wird der Glykogenspeicher durch eine letzte intensive Trainingseinheit geleert, um ihn sofort danach wieder zu füllen. Im Sinne der Superkompensation soll so eine noch bessere Füllung des Glykogenspeichers erreicht werden.
[Bearbeiten] Saltin-Diät
Die Saltin-Diät ist die extreme Form des Carbo-Loading. Sie wird in drei Schritten durchgeführt:
- Die Glykogendepots (v.a. in der Muskulatur) werden durch Ausdauertraining bei gleichzeitig verminderter KH-Zufuhr geleert.
- In den folgenden „Fett-Eiweiß-Tagen“ wird auf eine kohlenhydratarme Ernährung geachtet, wodurch der Glykogenspeicher kaum noch gefüllt wird. Währenddessen wird das Ausdauertraining weiter geführt.
- Ein letzter Ausdauerlauf leert den Glykogenspeicher weiter. In den letzten zwei bis drei Tagen wird jetzt der Kohlenhydrat-Anteil in der Nahrung drastisch erhöht, um die Depots wieder maximal aufzufüllen.
Das Prinzip der Saltin-Diät ist die "Superkompensation" von KH. Durch die äußerste Reduzierung der KH-Aufnahme in den ersten beiden Schritten der Diät, versucht der Körper in der Endphase den Mangel an Glykogen zu kompensieren. Durch plötzliche Zunahme der Glykogenzufuhr, kommt es aber zu einer Superkompensation, das heißt dass der Körper nun über das normale Maß hinaus Kohlenhydrate einlagert. Dem Sportler stehen über einen längeren Zeitraum der Belastung hinaus KH zur Energiegewinnung bereit. Die Saltin-Diät führt jedoch zu einer starken Schwächung, da in den ersten beiden Tagen die Glykogenspeicher vollkommen geleert werden. Das Risiko von Infektionen erhöht sich dadurch überdurchschnittlich. Auch kann die "Wettkampfmoral" stark unter der Schwächung leiden.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Wastl, Energiebereitstellung, S.6

