Gnome (Dichtung)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Die Gnome (griechisch γνώμη gnōmē) ist ein kurzer Sinnspruch.

Sie enthält in kurzer prägnanter Form eine praktische Lebensweisheit, eine allgemeine Bemerkung, eine Erfahrung, eine Regel oder einen Grundsatz (meist in Form von Distichon oder Hexametern).

Beispiel: Der Starke ist am mächtigsten allein. (Friedrich Schiller, Wilhelm Tell)
Beispiel für moderne Gnome:
Niemand als Riese ist fähig zu dichten die prägnanten Gnomen.
Und diese Gnomen sind völlig verständlich sogar für stupide Gnomen[1]
(Wolodymyr Knyr)

Verbreitung[Bearbeiten]

Gnomen finden sich in gebundener und ungebundener Rede in vielen Literaturen, so bei den Hebräern, Indern, Persern, Arabern, Skandinaviern usw.

Griechenland[Bearbeiten]

In Griechenland blühte insbesondere im 6. Jahrhundert v. Chr. eine reiche gnomische Poesie. Gnomen wurden in elegischen Distichen vorgetragen und so dem Gedächtnis überliefert. Die berühmtesten Gnomendichter waren Solon, Theognis und Phokylides. Darüber hinaus ist die griechische Literatur reich an Gnomen, so bei Homer und Hesiod.

Als literarische Kleinformen benötigten die Gnome einen Ordner, in dem sie gesammelt vorlagen, das so genannte Gnomologium. Platon erwähnt Sammlungen der Sieben Weisen in Delphi sowie für Schüler angefertigte Dichtergnomologien. Xenophon erwähnt, wie Sokrates eine Rolle mit Sprüchen von weisen Männern aufschlägt.

Zu den bekanntesten Sammlungen gehören die Monostichoi des Dichters Menander oder die Goldenen Worte des Pythagoras.

Rom[Bearbeiten]

Aus der römischen Literatur ist besonders die Sammlung der Disticha des so genannten Dionysius Cato hervorzuheben.

Deutschland[Bearbeiten]

Zu den Gnomen gehören auch die deutschen Priameln. Gnomiker sind Gnomendichter, Gnomologen Spruchsammler.

Gnomen der Sieben Weisen[Bearbeiten]

Von den Sieben Weisen sind eine Anzahl von Gnomen überliefert, die ihnen zugeschrieben wurden. Der Altphilologe Bruno Snell weist darauf hin, dass man bei den Sieben Weisen vor allem an ihre Aussprüche dachte. Die älteste und am meisten anerkannte Verteilung scheint die Folgende zu sein:

Weiser Griech. Original Übersetzung
Chilon von Sparta Γνῶθι σεαυτόν. Erkenne dich selbst!
Solon von Athen Μηδὲν ἄγαν. Nichts zu sehr!
Thales von Milet Ἐγγύα, πάρα δ᾽ ἄτα. Bürgschaft, — schon ist Unheil da.
Pittakos von Mytilene Γίγνωσκε καιρόν. Erkenne den passenden Augenblick!
Bias von Priene Οἱ πλεῖστοι κακοί. Die Meisten sind schlecht.
Kleobulos von Lindos Μέτρον ἄριστον. Maß ist das Beste.
Periander von Korinth Μελέτη τὸ πᾶν Habe das Ganze im Sinn.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Bruno Snell: Leben und Meinungen der Sieben Weisen. Griechische und lateinische Quellen erläutert und übertragen. München: 1938

Weblinks[Bearbeiten]

  1. http://www.aphorism.ru/author/a7870.shtml