Goßfelden

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50.86258.7463888888889217Koordinaten: 50° 51′ 45″ N, 8° 44′ 47″ O

Goßfelden
Gemeinde Lahntal
Höhe: 217 m
Einwohner: 2387 (1. Jun. 2008)
Eingemeindung: 31. Dezember 1970
Eingemeindet nach: Lahnfels
Postleitzahl: 35094
Vorwahl: 06423

Goßfelden ist der größte Ortsteil der Gemeinde Lahntal im hessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf mit rund 2400 Einwohnern.

Geschichte[Bearbeiten]

Kirche in Goßfelden

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Goßfelden im Jahr 850 in einer Schenkungsurkunde an das Kloster Fulda. 1601 wurde im Ort ein Rathaus erbaut. Unter Anleitung des landgräflichen Baumeisters Giovanni Ghezzy entstand 1749 die Kirche in Goßfelden, neben der 1809 eine Schule erbaut wurde. Nach dem von 1900 bis 1922 in Goßfelden lebenden Otto Ubbelohde wurde 1964 eine neu erbaute Schule benannt. Goßfelden und der Nachbarort Sarnau schlossen sich am 31. Dezember 1970 zur Gemeinde Lahnfels zusammen, die jedoch am 1. Juli 1974 im Rahmen der Gebietsreform wieder aufgelöst wurde.[1] Beide Ortsteile bildeten gemeinsam mit fünf weiteren Orten die seinerzeit neue Großgemeinde Lahntal.

Grenzgang Goßfelden[Bearbeiten]

Alle sieben Jahre wird, wie in weiteren Gemeinden Mittelhessens, ein Grenzgangsfest in Goßfelden begangen. Meist Ende Juni gibt es ein fünftägiges Dorffest mit Grenzbegang, historischem Festzug sowie Vereins- und Tanzabenden mit Partybands. Das Fest geht zurück auf einen 600 Jahre alten Brauch. Die Grenzen der Gemarkung von Goßfelden waren in damaliger Zeit öfter umstritten. Um sie den Einwohnern und ihren Kindern einzuprägen, wurden die Gemeindelandgrenzen gemeinsam abgeschritten. An den wichtigsten Orten gab man angeblich den Kindern Ohrfeigen, damit das Schmerzerlebnis ihnen die Bedeutung „einbläute“. Auf den Frühstücksplätzen dieser mehrere Kilometer langen Prozession gab es Süßigkeiten. Dokumentiert finden sich solche Details laut Bericht der Oberhessischen Presse in alten Gerichtsprotokollen. Anlässlich der 1200-Jahr-Feier der Gemeinde wurde 1953 die wegen der Weltkriege fortgefallene Tradition wiederbelebt. Erstmals war 1889 der wegen verlorengegangener Notwendigkeit eingestellte Brauch folkloristisch neu aufgelegt worden.[2]

Zum Grenzgangsfest vom 25. bis 29. Juni 2009 hatte der Grenzgangsverein Goßfelden eine 200 Seiten starke Festschrift mit vielen Bildern herausgegeben. In einem historischen Teil geht es um die Figur des peitschenschwingenden Grenzläufers, um den Gründer Arnfried, das Festspiel zur 1200-Jahr-Feier und die Entstehung des Ortsnamens sowie um Ordensritter. Ein solcher in Plattenrüstung vor der Wahrzeichen-Brücke Goßfeldens dekoriert auch das Wappen des Vereins. Im volkskundlichen zweiten Teil der Schrift geht es um Brauchtum und ländliches Handwerk. Viele historische Fotos von früheren Festzügen und Ortsansichten sind enthalten. Der siebenköpfige Festschrift-Ausschuss hatte das Material aus Kirchenbüchern, privaten Quellen und Dokumenten des Hessischen Staatsarchivs in Marburg zusammengetragen. Seit 1953 ist anlässlich des Grenzgangs jedes Mal eine Festschrift erschienen.

→ siehe auch: Grenzgang Biedenkopf, Grenzgang Buchenau, Schnadegang

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten]

  • 1788: 0365
  • 1939: 0788
  • 1949: 1193
  • 1961: 1090
  • 1970: 1202
  • 1990: 2260
  • 2003: 2266
  • 2008: 2387

Verkehr[Bearbeiten]

Goßfelden ist über die Bundesstraße 62 zu erreichen, die weiter nach Siegen und Marburg führt. Außerdem gibt es Landesstraßen nach Wetter (Hessen) und Wehrda. Über die Obere Lahntalbahn gibt es stündliche Bahnverbindungen nach Marburg und über Biedenkopf und Bad Laasphe nach Erndtebrück. Der Bahnsteig des Haltepunktes wurde Mitte der 2000er Jahre erneuert und ist nun auch für mobilitätseingeschränkte Personen problemfrei erreichbar. Er ist mit Fahrkartenautomat, Beleuchtung, Wetterschutzhäuschen und taktilen Blindenleitstreifen ausgestattet. Die Bahnsteighöhe beträgt seit der Modernisierung 55 Zentimeter.

Ansichten und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Zu den Sehenswürdigkeiten Goßfeldens zählen die 1802 erbaute alte Brücke über die Lahn, die Kirche, sowie das als Museum eingerichtete ehemalige Wohnhaus des Malers und Grimms-Märchen-Illustrators Otto Ubbelohde, das Ubbelohde-Haus.

Blick von der Weinstraße auf Goßfelden, die Wetschaft-Senke und das Rothaargebirge;
gut erkennbar von links nach rechts der Wollenberg (474 m), der Kohlenberg (583 m), die Ziegenhelle (816 m), der Heidekopf (704 m), der Bollerberg (757 m), der Reetsberg (792 m), der Schloßberg (790 m) und der Burgwald mit Burg Mellnau

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27. 5. 1970 bis 31. 12. 1982. W. Kohlhammer GmbH, Stuttgart und Mainz 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 402 und 404.
  2. Oberhessische Presse vom 23. Juni 2009, S. 9