Goalkeeper

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt ein Nahbereichsverteidigungssystem. Dieses Wort wird teilweise in der Schweiz für einen Torwart verwendet, siehe dort.
Goalkeeper auf der niederländischen Fregatte De Zeven Provinciën.

Goalkeeper (engl. für Torwart) ist ein Nahbereichsverteidigungssystem (engl. close-in weapon system, CIWS) für Schiffe, das in den Niederlanden von der Firma Thales Naval Nederland produziert wird. Es wurden bisher über 50 Stück produziert und an verschiedene Marinen verkauft. Goalkeeper kann auch für den Schutz von Flugplätzen eingesetzt werden.

Es ist ein voll automatisiertes und autonomes Waffensystem, das schnell auf das Schiff zukommende Flugkörper, Flugzeuge und Oberflächenfahrzeuge auf kurze Reichweite zerstören soll. Das System durchläuft den gesamten Prozess der Luftraumüberwachung, Zielerfassung und Zerstörung des Zieles bis hin zur Auswahl des nächsten Ziels mit größter Priorität vollkommen eigenständig, kann jedoch auch durch die Operationszentrale (OPZ) des Schiffes gesteuert werden.

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Entwicklung des Goalkeeper CIWS begann im Jahre 1975 durch die Firma Signaal (heute Thales Nederland) in Zusammenarbeit mit General Electric, welche die GAU-8-Gatlingkanone zur Verfügung stellten. 1979 wurde der erste Prototyp namens „EX-83“ von der niederländischen Marine demonstriert und im Jahr darauf von ihr in Dienst gestellt.

1990 wurden auch von der United States Navy Erprobungen durchgeführt, bei denen drei verschiedene Flugkörper erfolgreich abgefangen wurden.

Beschreibung[Bearbeiten]

Goalkeeper erfasst das Ziel über das 2D-X-Band-Suchradar, das bis zu 18 Ziele gleichzeitig erfassen kann. Das Gefechtsradar wird daraufhin auf die durch das Suchradar ermittelte Flugrichtung des Ziels eingestellt. Das Gefechtsradar nutzt X- und Ka-Band, was dem Radar erlaubt, die Signale des Suchradars schnell und ohne eigenen Suchvorgang zu übernehmen. Außerdem können die Signale des Suchradars genutzt werden, um diese zu vergleichen, und eventuelle Störsignale (ECM) zu überwinden (ECCM). Zusätzlich wird das Radar von einem optischen System unterstützt.

Goalkeeper nutzt die 30-mm-Gatlingkanone GAU-8/A Avenger, die auch im Angriffsflugzeug A-10 eingesetzt wird. Die Kanone wurde ausgewählt, da sie bei ähnlicher Mündungsgeschwindigkeit und Reichweite schwerere Geschosse verschießt als die M61 Vulcan (430 g anstatt 100 g). Das Geschossgewicht ist ein bedeutender Faktor, da Fragmente des zerstörten Flugkörpers noch genug Wucht haben könnten, um das Schiff zu erreichen und zu beschädigen. Daher ist es erforderlich, entweder den Gefechtskopf des Flugkörpers zu treffen oder den Flugkörper vollkommen zu vernichten.

Die Reaktion des Systems auf einen tieffliegenden (engl. sea-skimming) Flugkörper mit einer Geschwindigkeit von Mach 2 dauert von der automatischen Zielerfassung bis zur Zerstörung laut Hersteller 5,5 Sekunden. Das Ziel wird bei einer Entfernung von 1500 m vom Schiff erfasst und bei ungefähr 300 m zerstört.

Es wird vermutet, dass China ein dem Goalkeeper sehr ähnliches System entwickelt hat, das „Type 730“ genannt wird. Ein weiteres sehr ähnliches System ist das von Raytheon produzierte Phalanx CIWS, das sich auch heute noch auf vielen Schiffen im Einsatz befindet.

Nutzerstaaten[Bearbeiten]

Technische Daten[Bearbeiten]

Goalkeeper:
Kenngröße Daten
Höhe    3,71 m über Deck, 6,2 m (insgesamt)
Gewicht    6372 kg (Kanone mit Munition), 9902 (insgesamt)
Waffe    30-mm-Gatlingkanone GAU-8/A Avenger/77
Mündungsgeschwindigkeit    1109 m/s
Schussrate    70 oder 75 Schuss pro Sekunde (4200 Schuss/min.)
Schusswinkel    +85° bis −25° (verstellbar 80°/s)
Schussrichtung    360° (verstellbar 100°/s)
max. Schusszahl/Salve    300 Schuss
Nachladezeit    9 Minuten (Nachladen findet unter Deck statt)
Reichweite    350 bis 1500–2000 Meter (abhängig von der verwendeten Munition)
Abfangreichweite    500 m
Kosten    11,7 Mio. €

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Goalkeeper – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. W. Harnack: Die Zerstörerflottille der Deutschen Marine von 1958 bis heute. Köhlers Verlagsgesellschaft, 2001, ISBN 3-7822-0816-1.