Goethes Erben

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Dieser Artikel behandelt die Band Goethes Erben. Zu ihrem gleichnamigen Album siehe Goethes Erben (Album).
Goethes Erben
Allgemeine Informationen
Genre(s) Neue Deutsche Todeskunst (1989–1994)
Avantgarde, Rock, Electropop (1995–2007)
Gründung 1989
Website www.goetheserben.de
Gründungsmitglieder
Oswald Henke
Musik
Peter Seipt (bis 1990)
Aktuelle Besetzung
Gesang
Oswald Henke
Keyboard, Programmierung
Mindy Kumbalek (seit 1991)
Violine, Viola
Susanne Reinhardt (seit 1995)
Gitarre
Tim Hofmann (seit 2004)
Gitarre
Frank Zeutschel
Schlagzeug, Percussion
Markus Köstner
Bass
Michael Wollersheim (seit 2002)
Ehemalige Mitglieder
Gitarre
Conny R. (1991–1992)
Gitarre
Troy
Cello
Harald Lindemann
Geige
Rose Bihler Shah (1993)
Bass, Gitarre
Matthias Konrad (1996, 1998–2004)
Bass
Cornelius Sturm (1999–2003)
Gitarre
Carsten Klatte (2002–2004)

Goethes Erben sind eine deutsche Band, die im Jahre 1989 von Oswald Henke und Peter Seipt gegründet wurde. Die Gruppe zählte in den frühen 1990er Jahren zu den stilprägenden Bands im Rahmen der deutschen Dark-Wave- und Gothic-Bewegung. In der Mitte der 1990er erfolgte ein Stil- und Imagewechsel. Seitdem veröffentlichen Goethes Erben eher rock- und avantgarde-inspirierte Werke.

Bei der Gründung der Band stand die Idee, deutsche, gesprochene Texte in Musik zu fassen, im Mittelpunkt, was auch den Bandnamen erklärt, der die Idee symbolisieren soll. Ihre Auftritte – von Goethes Erben selbst „Musiktheater“ genannt – sind musikalische, avantgardistische Inszenierungen.

Geschichte[Bearbeiten]

Goethes Erben wurden von Oswald Henke und Peter Seipt 1989 gegründet, die sich während ihrer Ausbildung zum Krankenpfleger kennengelernt hatten, als sie im selben Krankenhaus arbeiteten. Im Gegensatz zu Henke, der bis dato nur mit Theater Erfahrung hatte, war Seipt musikalisch schon in diversen Bands aktiv gewesen.

Henke lernte 1989 über eine befreundete Band schließlich Bruno Kramm und Stefan Ackermann kennen, die gerade das Label Danse Macabre Rec. ins Leben gerufen hatten und später die Band Das Ich gründen würden. Mit Kramms Unterstützung nahmen Henke und Seipt das Tape Der Spiegel, dessen Weg durch stumme Zeugen zum Ende führt und ein Live-Tape auf, das 1990 erschien.

Am 25. Mai 1990 trat die Band das erste Mal live auf einer Bühne auf. Am selben Tag gab dort auch die Band Das Ich ihr Bühnendebüt im Jugendzentrum Schongau.

Jedoch gab Seipt schon vor dem ersten Konzert von Goethes Erben bekannt, dass er aussteigen wolle, da ihm die Leute, die das Konzert besuchten, zu unheimlich waren. Mit seiner Folkrock-Band The Seer erreichte Seipt nach seinem Ausstieg im Juli 1990 eine hohe Bekanntheit. Henke arbeitet danach nur noch im Studio, wobei es schließlich auch zu einem Bruch mit Danse Macabre Rec. kam, nach Henkes Aussage aufgrund "musikalischer und menschlicher Differenzen".

In der inzwischen geschlossenen Bayreuther Diskothek Etage lernte Henke schließlich Mindy Kumbalek und Conny R. kennen, die beide von Goethes Erben begeistert waren und mit denen Henke die aufgelöste Formation reformierte, womit sie schließlich auch wieder live-tauglich war. Am 31. August 1991 traten Goethes Erben erstmals wieder live auf einer Bühne auf.

Nach den nicht den Erwartungen der Band entsprechenden Verkaufszahlen des Albums Schach ist nicht das Leben, stand die Existenz von Goethes Erben längere Zeit auf der Kippe. Henke führte das auf die zunehmende Zahl von Schwarzkopien zurück, die im Internet verbreitet werden. Die Erstauflage des nächsten Album Nichts bleibt wie es war wurde daher mit einem Kopierschutz herausgegeben, die nicht am Computer abgespielt werden konnte. Es blieb jedoch bei dieser einen Veröffentlichung mit Kopierschutz, da die Band nicht glaubte, dass dies für viele Schwarzkopierer ein Hindernis darstelle, die Daten trotzdem zu kopieren.

Neben der Veröffentlichung von reinen Musik-CDs nahm in den vergangenen Jahren die visuelle Umsetzung der Musiktheater einen immer größeren Raum ein. So wurde das Album Nichts bleibt wie es war durch eine DVD mit Videos ergänzt und die Umsetzung des Musiktheaters „Schattendenken“ auf DVD ist angekündigt.

Im April 2004 wurden – nach dem Programm „Schattendenken“ – die Bandaktivitäten bis auf weiteres eingestellt, ohne jedoch die Band aufzulösen. Es folgten jedoch vereinzelte Auftritte auf Festivals.

Am 10. Oktober 2005 erschien mit Dazwischen ein Teil des Musiktheaterstücks „Schattendenken“ auf CD.

Im Juli 2006 kündigte die Band an, am 14. und 15. September 2007 zwei Konzerte in Berlin zu geben. Nachdem bekannt wurde, dass es sich bei diesen Konzerten um die letzten Auftritte für lange Jahre handeln wird, waren die Konzerte sehr schnell ausverkauft, so dass ein Zusatzkonzert am 13. September gegeben wurde. Wie im Vorfeld angekündigt, sollte das Konzert am 15. September 2007 das letzte Konzert der Erben für eine längerfristige Zeit sein. Am 15. Dezember verfassten Mindy Kumbalek und Oswald Henke einen offenen Brief auf ihrer Homepage und über ihre Newsgroup, mit der Information, dass die Band für unbestimmte Zeit pausiert - jedoch ausdrücklich nicht aufgelöst wird.

Am 17. Juli 2012 gab die Band auf ihrer Homepage bekannt, dass Goethes Erben nicht mehr auf die Bühne zurückkehren werden, da Mindy Kumbalek sich aus privaten Gründen inzwischen komplett aus der Musik zurückgezogen hat.[1] 2013 kehrte die Band aufgrund des 25-jährigen Bandjubiläums 2014 live auf die Bühne zurück.

Stil[Bearbeiten]

Im Laufe der Zeit hat sich der Stil von Goethes Erben stark gewandelt. Anfang der 1990er Jahre war eine erhebliche Affinität zur Dark-Wave- und Gothic-Szene kaum zu übersehen und die oft als Neue Deutsche Todeskunst klassifizierte Musik war minimalistisch, abstrakt und depressiv. Die Tonqualität der Aufnahmen befand sich auf eher durchschnittlichem Niveau.

Speziell das 1994 erschienene Album „Tote Augen sehen Leben“ war in der Presse umstritten. Das „blaue Album“ von 1995 dagegen erhielt auch positive Rezensionen – obwohl die Stilrichtung avantgardistisch bis bizarr genannt wird.

Bei dem Titel Absurd aus der EP Der Die Das von 1995 handelt es sich um ein Noise Stück.

In den späteren Werken trat jedoch zunehmend eine positivere Grundstimmung hervor und die Band entfernte sich von ihrem düsteren Image. Seit dem 1997 erschienenen Album Schach ist nicht das Leben war eine Einstufung in ein bestimmtes Genre nicht mehr möglich. Eine kurze Rückbesinnung auf die musikalischen Wurzeln fand auf dem 2001 veröffentlichten Album Nichts bleibt wie es war statt, welches dennoch kaum Ähnlichkeiten mit den frühen Werken aufweist.

Besetzung[Bearbeiten]

Die Besetzung der Band wechselte nach Seipts Weggang mehrfach, bis sie sich um den Kern aus Oswald Henke und Mindy Kumbalek stabilisierte.

Zusätzlich gab es zeitweilig verschiedene Live-Musiker, u. a. Cornelius Sturm, Carsten Klatte, Matthias Konrad, Harald Lindemann, Christian Jarothe, Frank Zeutschel, Tim Hofmann und Michael Wollersheim.

Diskografie[Bearbeiten]

Chartplatzierungen
Erklärung der Daten
Singles
Glasgarten (mit Peter Heppner)
  DE 62 05.11.2001 (3 Wo.) [2]

siehe auch Liste der Lieder von Goethes Erben

MCs[Bearbeiten]

  • 1990: Der Spiegel, dessen Weg durch stumme Zeugen zum Ende führt
  • 1990: Goethes Erben live
  • 1991: Das schwarze Wesen
  • 1991: Live – Festival d'Etage

Alben[Bearbeiten]

Singles und EPs[Bearbeiten]

  • 1993: Die Brut
  • 1995: Der Die Das
  • 1997: Sitz der Gnade
  • 1998: Marionetten
  • 2001: Der Eissturm
  • 2001: Glasgarten (mit Peter Heppner)
  • 2005: Alptraumstudio (lim. 500 Exemplare)
  • 2006: Tage des Wassers (lim. 500 Exemplare)

Sonstige Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • 1996: Live im Planetarium (semi-offiziell, lim. 1.000 Exemplare, Live-Mitschnitt vom 15. September 1995 im Zeiss-Planetarium, Jena)
  • 1998: Kondition: Macht! – Das Musiktheaterstück (Live-DoCD, lim. 2.000 Exemplare)
  • 1999: Epochenspiel (VHS)
  • 1999: Goethes Erben - 10 Jahre (3-CD-Box-Set, lim. 1000 Exemplare, handnummeriert und signiert)
  • 2000: Bittersüß und schmerzvoll (Vinyl, lim. 500 Exemplare)
  • 2000: Königlich und doch rebellisch (Vinyl, lim. 500 Exemplare)
  • 2000: Gewalttätige Gedanken (Vinyl, lim. 500 Exemplare)
  • 2001: 1302km Island – Auf der Suche nach dem Glasgarten (DVD, lim. 1.000 Exemplare)
  • 2002: Was war bleibt (DVD, alle Videos zu Nichts bleibt, wie es war ausser Fleischschuld)
  • 2002: Iphigenies Tagebuch
  • 2003: Leibhaftig (DVD/CD)
  • 2004: Blau Rebell & Gewinn für die Vergangenheit (DVD)
  • 2006: Traumaspiele (DVD)
  • 2010: Zeitlupe (Best-Of-Compilation)
  • 2014: Rückkehr ins Niemandsland 1998 (auf 1000 Stk. limitierte Jubiläums-CD mit 2 Bonus-Titeln und neuem Booklet)
  • 2014: Rückkehr ins Niemandsland (DVD im Eigenvertrieb)

Sampler[Bearbeiten]

Zudem sind Goethes Erben auf diversen Samplern, wie z. B. der Nachtschwärmer- oder Gothic Complication-Reihe, vertreten.

Nebenprojekte[Bearbeiten]

Das erste Nebenprojekt wurde von Mindy mit Still Silent gestartet, was inzwischen jedoch auf Eis gelegt wurde.

Henke startete 1996 ein Soloprojekt namens Erblast, wobei er Unterstützung von alten Bekannten erhielt, wie zum Beispiel von Susanne Reinhardt. Außerdem stieg er bei Artwork ein. Einige Zeit nach der Auflösung von Erblast und Artwork gründete er die Band Fetisch: Mensch, die vor allem aus Mitgliedern der beiden genannten Gruppen besteht. 2009 gründete er Henke als reine Liveband, die zuerst auf einigen Festivals auftrat um altes Material von Henkes bisherigen Projekten zu präsentieren, mittlerweile aber auch eigene Konzerte gibt.

Sonstiges[Bearbeiten]

  • In den Liedern Koma und Fünf Jahre verarbeitete Henke Erlebnisse aus seiner Zeit als Krankenpfleger. [3]
  • Das Lied Sitz der Gnade, das als Single herausgegeben wurde und später auf Gewaltberechtigt? erneut veröffentlicht wurde, ist eine deutschsprachige Coverversion von Nick Caves The Mercy Seat.
  • Das namenlose vierte Studio-Album von Goethes Erben, das meistens nur "Goethes Erben" genannt wird und Henkes persönliches Lieblingsalbum darstellt, ist auch unter dem Namen "Blau" bekannt. Oswald Henke schrieb im Booklet zum Album Schach ist nicht das Leben „Im Speziellen grüßen wir jene, die das Blaue Album von Goethes Erben lieben (…)“, womit diese Bezeichnung gebräuchlich wurde.
  • Das gesangsfreie Lied Barschel ist eine Anspielung auf Uwe Barschel, der unter ungeklärten Umständen tot in der Badewanne gefunden wurde. In dem Lied hört man Wasser laufen sowie Geplätscher.
  • Der Song Glasgarten ist Namensgeber für die 2005 gegründete, gleichnamige Rockband aus Köln.
  • Das Video zu Fleischschuld wäre von der FSK ab 18 freigegeben worden. Da Oswald Henke dann eher eine Freigabe ab 12 bevorzugte, ließ er dieses Stück weg und bekam die Freigabe ab 12.
  • Das Video zu Fleischschuld ist neben 2 Erblast Videos auf der DVD Debilitas enthalten. Ein Kurzfilm mit Oswald Henke in der Hauptrolle.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Mindbreed.de: Goethes Erben sind Geschichte
  2. Goethes Erben | Single-Chartverfolgung bei musicline.de
  3. Amboss-Magazin.de: Die Kraft der Sprache: Goethes Erben