Gojko Šušak

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Gojko Šušak (* 16. März 1945 in Mokro, zu Široki Brijeg, Unabhängiger Staat Kroatien; † 3. Mai 1998 in Zagreb, Kroatien) war ein kroatischer Politiker (HDZ) und vom 18. September 1991 bis zu seinem Tod Verteidigungsminister Kroatiens.

Seine Amtszeit fiel in die Zeit des Kroatien- und Bosnienkriegs. In diesem Zusammenhang wurde er mutmaßlicher Kriegsverbrechen (in Verbindung mit ethnischen Säuberungen an Serben) beschuldigt. Eine mögliche Anklage vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien kam durch seinen Tod nicht zustande.[1][2]

Biografie[Bearbeiten]

Šušak wurde am 16. März 1945 als eines von sechs Kindern von Ante und Stana Šušak in Mokro (Gemeinde Široki Brijeg) geboren. Drei Monate nach seiner Geburt wurde sein Vater, ein Offizier der faschistischen Ustascha-Miliz, von kommunistischen Tito-Partisanen ermordet. Ein älterer Bruder war ebenfalls Angehöriger der Ustascha-Miliz. Das Haus der Familie wurde niedergebrannt. In Mokro absolvierte er vier Schuljahre, in Široki Brijeg vier weitere, bis er 1959/60 auf das örtliche Gymnasium wechselte. Nachdem er 1963 seine Matura abgeschlossen hatte, besuchte er die pädagogische Akademie in Rijeka. Sein Studium konnte er aufgrund der Intervention der jugoslawischen Behörden nicht beenden. Nachdem er 1968 zur Musterung in die Jugoslawische Volksarmee (JNA) berufen worden war, beschloss Šušak in den Westen zu fliehen.

Sein Weg führte ihn 1969 nach Kanada, wo er in Ottawa bei zwei seiner Brüder unterkam. Šušak wurde unter den anderen kroatischen Auswanderern sehr aktiv und gründete kroatische Schulen und Diaspora-Organisationen. Beruflich begnügte er sich zunächst mit Gelegenheitsarbeiten (Pizzabäcker, Bauarbeiter, usw.), ehe er zu einem erfolgreichen Unternehmer aufstieg und zum Millionär wurde. 1989 kehrte er in seine Heimat zurück und wurde Mitglied der HDZ (Kroatische Demokratische Gemeinschaft), der er 4 Millionen US-Dollar spendete.

Im Jahr 1991 wurde er zum Verteidigungsminister Kroatiens ernannt und erhielt für seinen Posten das symbolische Monatsgehalt von umgerechnet gerade mal 750 Euro. Šušak selbst sagte in einem TV-Interview, dass er mit diesem verantwortungsvollen Amt niemals gerechnet hätte. Er selbst gab auch zu, überhaupt keine Kompetenzen im Bereich der Kriegsführung zu haben und erwähnte, wie er sich vor der jugoslawischen Armee obendrein gedrückt habe. Andererseits waren sowohl Šušak als auch der kroatischen Öffentlichkeit klar, dass er dieses Amt hauptsächlich aufgrund seiner finanziellen Mittel erhalten hatte. Seinen Stab setzte er aus kriegserfahrenen Bekannten und Verwandten zusammen (unter ihnen: der spätere General Ante Gotovina). Nach den Militäraktionen Oluja und Bljesak im Jahr 1995 war Gojko Šušak am Höhepunkt seiner Popularität angelangt.

Gojko Šušaks Grab (Mirogoj Friedhof, Zagreb)

Šušak wurde ein enger Freund des damaligen US-amerikanischen Verteidigungsministers William Perry. Nachdem bei Šušak Lungenkrebs festgestellt worden war, wurde er im März 1996 auf Perrys Initiative ins Walter-Reed-Militärkrankenhaus in Washington D. C. eingeliefert und operiert. Am 3. Mai 1998 um 21:30 Uhr erlag er im Krankenhaus Dubrava in Zagreb schließlich seiner Krankheit. Er hinterließ seine Ehefrau Đurđa, seine Töchter Katarina und Jelena, seinen Sohn Tomislav sowie seine Brüder Mile in Zagreb und Branko in Ottawa. Gojko Šušak wurde in einem Staatsbegräbnis in der „Allee der Verteidiger Kroatiens“ auf dem Mirogoj Friedhof in Zagreb beigesetzt.

Internationaler Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien[Bearbeiten]

In der Anklageschrift des ICTY gegen Ante Gotovina, Mladen Markač und Ivan Čermak wird Gojko Šušak als Mitglied einer kriminellen Vereinigung beschrieben, deren Ziel die dauerhafte Vertreibung der serbischen Bevölkerung aus dem Gebiet der Republik Serbische Krajina gewesen war.[3]

Nachleben[Bearbeiten]

In den kroatischen Städten Zagreb, Imotski, Slunj und Pakrac sind Straßen nach Šušak benannt. In seinem Heimatort Široki Brijeg wurde ein lebensgroßes Denkmal auf einem nach ihm benannten Platz aufgestellt und alljährlich findet ihm zu Ehren ein Fußballturnier statt.

Quelle[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Dunja Ujević: Ministar obrane : jedno sjećanje na Gojka Šuška [Der Verteidigungsminister : eine Erinnerung an Gojko Šušak]. 2. Auflage. Zagreb 2005, ISBN 9789531683869.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herald Scotland: Gojko Susak. Abgerufen am 3. Februar 2012.
  2. Jugoslawien-Tribunal - Ein Sturm von Kriegsverbrechen. Abgerufen am 3. Februar 2012.
  3. ICTY.org:Judgement Summary for Gotovina u. a. Abgerufen am 3. Februar 2012 (PDF; 90 kB).