Golßen

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Golßen
Golßen
Deutschlandkarte, Position der Stadt Golßen hervorgehoben
51.97111111111113.60444444444458Koordinaten: 51° 58′ N, 13° 36′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Dahme-Spreewald
Amt: Unterspreewald
Höhe: 58 m ü. NHN
Fläche: 63,29 km²
Einwohner: 2532 (31. Dez. 2012)[1]
Bevölkerungsdichte: 40 Einwohner je km²
Postleitzahl: 15938
Vorwahl: 035452
Kfz-Kennzeichen: LDS
Gemeindeschlüssel: 12 0 61 164
Stadtgliederung: 8 Ortsteile
Adresse der
Stadtverwaltung:
Hauptstraße 41
15938 Golßen
Webpräsenz: www.amt-golssener-land.de
Bürgermeister: Lars Kolan (SPD)
Lage der Stadt Golßen im Landkreis Dahme-Spreewald
Alt Zauche-Wußwerk Bersteland Bestensee Byhleguhre-Byhlen Drahnsdorf Eichwalde Golßen Groß Köris Halbe Heideblick Heidesee Jamlitz Kasel-Golzig Königs Wusterhausen Krausnick-Groß Wasserburg Lieberose Lübben Luckau Märkisch Buchholz Märkische Heide Mittenwalde Münchehofe Neu Zauche Rietzneuendorf-Staakow Schlepzig Schönefeld Schönwald Schulzendorf Schwerin Schwielochsee Spreewaldheide Steinreich Straupitz Teupitz Unterspreewald Wildau Zeuthen BrandenburgKarte
Über dieses Bild

Golßen (niedersorbisch Gólišyn[2]) ist eine amtsangehörige Stadt im Landkreis Dahme-Spreewald in Brandenburg (Deutschland) und Sitz des Amtes Unterspreewald.

Geographie[Bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten]

Sitz der Amtsverwaltung des Amtes Unterspreewald ist die Stadt Golßen.

Golßen liegt zwischen dem Glogau-Baruther Urstromtal, dem Niederen Fläming und dem Lausitzer Becken- und Heideland und wird von der Dahme durchflossen.

Stadtgliederung[Bearbeiten]

Die Stadt Golßen gliedert sich laut Hauptsatzung[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Entstehung von Golßen geht auf die Zeit der deutschen Ostsiedlung im 12. Jahrhundert zurück. Die älteste noch erhaltene Urkunde der Stadt datiert erst auf dem 21. Oktober 1276. Die Siedlungsstruktur von Golßen weist noch immer die typische zentrale um den Marktplatz gruppierte Form einer Angersiedlung auf.

1276 befand sich ein Rittergut Golssen im Besitz der Burggrafen aus dem Haus Wettin. 1346 findet sich als Besitzer des Gutes ein Heinrich de Damis. 1372 verpfändete Kaiser Karl IV. die „Veste Golssin“ an die Herren von Querfurt. 1395 wird der Markgraf Wilhelm „der Einäugige“ von Meißen, 1402 Wichard von Rochan und ab 1418 Caspar und Paul von Knobelsdorff als Eigentümer erwähnt. Nach den von Knobelsdorffs treten im weiteren Verlauf des 15. Jahrhunderts die Familien von Polentz und schließlich von Stutterheim als Besitzer des Gutes Golßen auf.

Die Familie von Stutterheim vereinigt in der Zeit von der Mitte des 15. Jahrhunderts bis in das 17. Jahrhundert die Güter Alt-Golssen, Sellendorf, Hohendorf, Schäcksdorf, Krossen, Drahnsdorf, Liedekahle, Jetzsch, Falkenhain, Zützen, Görsdorf, Landwehr, Priaro, Waldow, Rietzneuendorf, Briesen, Oderin, Sagritz, Pitschen, Krebitz und etliche weitere Güter in ihrer Hand und hielt damit ein Gebiet, welches weit über das Gebiet des heutigen Golßen hinausging. Im Laufe des Dreißigjährigen Krieges und in der Folge bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts ging der Familie stückchenweise der Besitz verloren oder wurde verkauft.

1647 etwa erlangt die Familie von Bredow den teilweisen Besitz am Gut Golssen und hält diesen bis 1718. 1718 wird dieser Besitz der Familie an den preußischen Kammerrat Johann-Peter von Koehler verkauft, über den das Gut 1721 an seinen Schwiegersohn Johann Just Vieth (später als Vieth von Golssen(au) geadelt, vgl. Ludwig Renn) übergeht. Dieser errichtet den Mittelteil des heutigen Schlosses. Über verschiedene Besitzer gelangt das Gut schließlich an die Grafen zu Solms-Baruth. Nach 1945 wurde das Gut im Zuge der Bodenreform enteignet.

Die Güter Zützen und Wendisch-Gersdorff gehörten im 17. Jahrhundert der Familie von Klitzing. 1651 erheiratete sie der kurfürstlich-sächsische Oberleutnant Herbert von Droste zu Möllenbeck (aus einer Seitenlinie der westfälischen Adelsfamilie Droste zu Hülshoff). Sein Sohn, der sächsische General Johann Eberhard von Droste-Zützen, erheiratete zusätzlich die Güter Reddern (wo er die Flachskirche erbaute) und Grebendorf. Sein überlieferter Besuch auf dem Familien-Stammgut Hülshoff wurde literarisch durch die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff verarbeitet. Mitte des 18. Jahrhunderts verkaufte ein Nachfahr das Gut der Familie Kleist, die durch Georg Wenzeslaus von Knobelsdorff das prächtige Barockschloss Zützen errichten ließ, das im Mai 1945 – vermutlich infolge von Brandstiftung – bis auf die Grundmauern niederbrannte.

Eingemeindungen[Bearbeiten]

Die ehemals selbstständigen Orte Landwehr und Prierow gehören seit dem 1. Juli 1950 zur Stadt Golßen. Altgolßen folgte am 1. Januar 1973.[4]

Mahlsdorf wurde am 1. Mai 1998 eingemeindet.[5] Am 31. Dezember 2002 wurde der heutige Ortsteil Zützen eingegliedert.[6]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung in den heutigen Grenzen
Jahr Einwohner
1875 2994
1890 3243
1925 2998
1933 2893
1939 2840
1946 4263
1950 4175
1964 3400
1971 3349
1981 3115
Jahr Einwohner
1985 3112
1989 3103
1990 3125
1991 3092
1992 3056
1993 3053
1994 3015
1995 2995
1996 3003
1997 2956
Jahr Einwohner
1998 3005
1999 3025
2000 2994
2001 2938
2002 2923
2003 2868
2004 2852
2005 2817
2006 2746
2007 2730
Jahr Einwohner
2008 2661
2009 2627
2010 2616
2011
2012

Quellen: Die detaillierten Quellen des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg finden sich unter Population Projection Brandenburg in den Wikimedia Commons.

Politik[Bearbeiten]

Kommunalwahl 2008[7][8]
Wahlbeteiligung: 56,58 % (2003: 55,03 %)
 %
60
50
40
30
20
10
0
58,73 %
31,58 %
9,69 %
keine
Sonst.d
Gewinne und Verluste
im Vergleich zu 2003
 %p
 10
   8
   6
   4
   2
   0
  -2
  -4
  -6
  -8
-10
-12
+3,15 %p
-0,89 %p
+9,69 %p
-11,96 %p
Sonst.d
Vorlage:Wahldiagramm/Wartung/Anmerkungen
Anmerkungen:
d 2003: WG OT Zützen - Golßen
Gemeindeverwaltung Golßen
Amt Golßener Land
Schloss Golssen um 1860, Sammlung Alexander Duncker

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten]

Die Stadtverordnetenversammlung besteht aus 16 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Seit der Kommunalwahl am 28. September 2008 setzt sie sich folgendermaßen zusammen:

  • SPD: 9 Sitze (±0)
  • CDU: 5 Sitze (±0)
  • LINKE: 2 Sitze (+2)

Wappen[Bearbeiten]

Das Wappen wurde am 12. Juni 1992 genehmigt.

Blasonierung: „Von Rot über Silber geteilt; oben eine durchgängige silberne Mauer mit drei Türmen bedeckt, die mit schwarzen Fenstern und blauen Spitzdächern versehen sind, sowie einem offenen roten Tor, unten ein auf grünem Boden linkshin schreitender schwarzer Eber.“[9]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Golßen sowie in der Liste der Bodendenkmale in Golßen stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburgs eingetragenen Kulturdenkmale.

Bauwerke[Bearbeiten]

Im Stadtkern wird Golßen geprägt durch die in der Zeit des Fin de siècle erbauten Bürgerhäusern. Nennenswert ist etwa das zwischen 1904 und 1906 im Stile der Neugotik erbaute Rathaus, eine 1845 vollendete klassizistische Kirche, sowie die Kirche im Ortsteil Altgolßen, die als eine der ältesten Kirchen der Niederlausitz gilt, die 1899 fertiggestellte Kirche von Mahlsdorf, die mittelalterliche Kirche Zützens und insbesondere das Schloss. Im Ortsteil Sagritz steht an der Dahme eine alte Wassermühle, welche 1815 von einem Mitglied der jetzigen Eigentümerfamilie erworben wurde.

Das Rathaus zwischen 1904 und 1906 nach Plänen des Baurates Tieffenbach errichtet und bestimmt bis heute die Silhouette der Stadt. Es handelt sich um ein dreigeschossiges Gebäude mit einem 1992 bis 1995 restauriertem Turm.

Das Schloss ist im Mittelteil ein 1723 von Johann Just Vieth erbauter zweistöckiger Putzbau, zu dem ein Landschaftspark mit seltenen Baumarten und einem künstlich angelegten Teich gehören. Die Parkanlage wurde um 1838–1840 vom neuen Besitzer des Schlosses, Heinrich Ludwig zu Solms-Baruth in seiner heutigen Form angelegt. Der 1852 nach den Plänen von Eduard Knoblauch angebaute Flügel geht ebenfalls auf Friedrich Heinrich Ludwig zu Solms zurück. Im Inneren weist das Schloss Züge des Barock und des Klassizismus auf.

Naturschutz[Bearbeiten]

Im Gebiet von Golßen wurde mit Beschluss Nr. 75/81 des Bezirkstages von Cottbus vom 25. März 1981 zum 26. März 1981 das Naturschutzgebiet „Pierow bei Golßen“ eingerichtet. Ferner wurde durch die „Verordnung über das Naturschutzgebiet ‚Zützener Busch‘“ vom 17. März 2003 (Brandenburgisches GVBl. II/03, [Nr. 14], S. 290) ein 91 Hektar großes Naturschutzgebiet eingerichtet. Das Naturschutzgebiet umfasst ein grundwassergeprägtes Feuchtgebiet mit repräsentativen Waldgesellschaften mit Beständen von Auen-Wäldern mit Alnus glutinosa (Schwarzerle) und Fraxinus excelsior (Gemeine Esche).

Vereinsleben[Bearbeiten]

An Sportvereinen bestehen die SG Eintracht Kasel-Golzig, der SV 1885 Golßen, die Schützengilde 1836 Golßen sowie die SG Einheit Drahnsdorf. Ferner gibt es den Golßener Carnevals Club (GCC) und den Verein der Freiwilligen Feuerwehr 1902 Golßen e. V.

Kulinarische Spezialitäten[Bearbeiten]

Das Gebiet um Golßen ist für die Spreewalder Gurken bekannt.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Verkehr[Bearbeiten]

In Golßen zweigt die Bundesstraße 115 von der Bundesstraße 96 ab. Über die B 115 erreicht man von Golßen aus, über die Bundesautobahn 13 die Anschlussstelle Freiwalde die Kreisstadt Lübben im Spreewald. Die B 96 verbindet Zittau im Süden über Berlin mit Sassnitz auf Rügen im Norden.

Der Bahnhof Golßen liegt an der Berlin-Dresdner Eisenbahn. Die Züge der RE-Linie 3 (Elsterwerda–Berlin–Stralsund) bedienen den Bahnhof im 2-Stunden-Takt.

Ansässige Unternehmen[Bearbeiten]

In Golßen werden als bekannteste Produkte Spreewälder Gurken und sonstige Konservenprodukte im „Spreewaldhof Golßen“ sowie die Erzeugnisse der örtlichen Fleisch- und Wurstwarenfabrik hergestellt. Der „Spreewaldhof Golßen“ bietet eine geführte Besichtigung an. Außerdem gibt es am Bahnhof Golßen eine Fabrik zur Stärke- und Fischfutterproduktion.

Öffentliche Einrichtungen[Bearbeiten]

Das Schloss steht seit 2005 leer.[10] Früher wurde es als Kindertagesstätte genutzt. Ebenfalls beheimatete das Schloss früher die Bibliothek und das Gartenbauamt. Daneben bestehen zwei weitere Kindergärten.

Bildung[Bearbeiten]

Golßen verfügt über eine Grundschule mit Schulhort und die Förderschule „Hans-Christian-Andersen“ in Altgolßen. Die Gesamtschule wurde 2006 geschlossen. Es gibt eine Stadtbibliothek und ein Schwimmbad. Für die Jugend gibt es einen Jugendklub, er wird vom DRK betrieben, und befindet sich in der Gartenstraße 17/18 in Nähe des Marktes.

Söhne und Töchter Golßens[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Geschichte und Geschichten von Golßen, aus Anlaß des 700jährigen Bestehens. Hrsg.: Rat der Stadt Golßen. Golßen, 1976, 69 S.
  • Lars Rose und Michael Bock: Golßen in historischen Ansichten. Horb am Neckar: Geiger, 2001, 168 S., ISBN 3-89570-718-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2012 (XLS-Datei; 83 KB) (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu)
  2. Liste der niedersorbischen Ortsnamen Abschnitt E–G, → Golßen (niedersorbisch Gólišyn)
  3. Hauptsatzung der Stadt Golßen vom 15. Dezember 2008 PDF
  4. Gemeinden 1994 und ihre Veränderungen seit 01.01.1948 in den neuen Ländern, Verlag Metzler-Poeschel, Stuttgart, 1995, ISBN 3-8246-0321-7, Herausgeber: Statistisches Bundesamt
  5. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 1998
  6. StBA: Änderungen bei den Gemeinden Deutschlands, siehe 2002
  7. http://www.statistik-berlin-brandenburg.de/Publikationen/Stat_Berichte/2008/SB_B7-3-5_j05-08_BB.pdf
  8. http://www.wahlen.brandenburg.de/kw2003/kg/ergebnisse/gemeinde/119.html
  9. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  10. http://www.lr-online.de/regionen/luckau/Im-Golssener-Schloss-stuerzen-Decken-ein;art1062,3066624

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Golßen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien