Goldstandard

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Dieser Artikel behandelt den volkswirtschaftlichen Goldstandard, für die Qualitätsbezeichnung für Verfahren siehe Goldstandard (Verfahren).

Der Goldstandard ist eine Währungsordnung, bei der die Währung entweder aus Goldmünzen besteht oder aus Banknoten, die in Gold getauscht werden können. Im einfachsten Fall fungiert geprägtes Gold direkt als Geld (Warengeld, Kurantmünze). Ein Goldstandard besteht aber auch dann, wenn eine Notenbank einen festen Umtauschkurs ihrer Währung in Banknoten zu Gold garantiert und tatsächlich jederzeit zum Umtausch in der gesamten Menge in der Lage und bereit ist.

Bei dem reinen Goldstandard entspricht die Geldmenge eines Landes dem Wert des monetär genutzten Goldbestandes eines Landes. Zwischen Ländern, die einem reinen Goldstandard unterliegen, besteht grundsätzlich ein System fester Wechselkurse. Daneben gibt es u. a. das Proportionalsystem, bei dem nur für einen Teil der Geldmenge ein Goldbestand gehalten wird.

Das Währungsregime des Goldstandards war weltweit um das Jahr 1870 herum vorherrschend geworden. Mit der vermehrten Nutzung von Banknoten und Giralgeld entfernte sich die Geldmenge bereits Ende des 19. Jahrhunderts mehr und mehr vom reinen Goldstandard in Richtung auf ein Proportionalsystem. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Einlösungspflicht von Banknoten in Gold von vielen Staaten ausgesetzt. Spätestens während der Weltwirtschaftskrise ab 1929 wurde der Goldstandard in fast allen Ländern zugunsten eines Systems flexibler Wechselkurse aufgegeben. Im Juli 1944 beschlossen einige Staaten das System von Bretton Woods, das die Vorteile des Goldstandards als festem Wechselkurssystem mit den Vorteilen eines flexiblen Wechselkurssystems kombinieren sollte. Das System von Bretton Woods scheiterte 1973.

Formen des Goldstandards[Bearbeiten]

Bimetallismus[Bearbeiten]

Im Wahlkampf von 1900 warb William McKinley für einen klassischen Goldstandard und gegen den Bimetallismus.

Die Währungsbestimmungen vieler Länder im 19. Jahrhundert erlaubten eine gleichzeitige Prägung von Gold- und Silbermünzen als durch ihren Metallwert gedeckte Kurantmünzen – der sogenannte Bimetallismus. Nur in Großbritannien gab es eine uneingeschränkte Goldwährung. Eine nahezu reine Silberwährung war dagegen z. B. in Indien und China vorherrschend. Das Bindeglied zwischen Gold- und Silberblock waren daher die Staaten mit einer Doppelwährung.

Milton Friedman und andere Ökonomen vertraten beziehungsweise vertreten die Ansicht, dass das Preisniveau stabiler geblieben wäre, wenn das System des internationalen Bimetallismus nicht zugunsten des klassischen Goldstandards aufgegeben worden wäre. Im System des Bimetallismus wäre es einfacher gewesen, für die wachsende Warenmenge eine wachsende Geldmenge zu schaffen. Eine Deflation hätte so vermieden werden können.[1][2]

Klassischer Goldstandard[Bearbeiten]

20-Mark-Goldmünze

In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der klassische Goldstandard eingeführt und ersetzte den bis dahin dominierenden Bimetallismus. Der Goldstandard existierte zunächst als Goldumlaufwährung, das heißt die im Land kursierenden Kurantmünzen waren ausschließlich Goldmünzen.[3]

Später ging man zur Goldkernwährung über. Es wurden Banknoten und Scheidemünzen ausgegeben, welche bei der nationalen Währungsbehörde gegen Gold getauscht werden konnten. Im Deutschen Reich galt mit Einführung der Goldmark das Proportionalsystem mit Dritteldeckelung, d. h. die Notenbank musste einen Goldvorrat halten, dessen Wert einem Drittel der umlaufenden Geldmenge (Münzen und Banknoten) entsprach.[3]

Nur indirekt an den Goldstandard angeschlossen waren solche Länder, die statt Goldreserven Währungsreserven von in Gold konvertierbaren Währungen anlegten (Golddevisenstandard). Der Vorteil von Devisenreserven gegenüber Gold war die Möglichkeit der Zinsziehung. In Indien und einem Großteil Lateinamerikas wurden Währungsreserven in Form von Devisen oder Forderungen gegenüber Ländern angenommen, deren Währungen in Gold konvertierbar waren. In Russland, Japan, Niederlande, Österreich-Ungarn, Skandinavien und den britischen Kolonien wurden die Devisen in Form von britischen Schatzwechseln oder Bankeinlagen gehalten. Japan, Russland und Indien waren die größten Länder, die diese Devisengeschäfte betrieben. Diese drei Länder hielten nahezu zwei Drittel der gesamten Währungsreserven. Die wichtigste Währungsreserve war das britische Pfund Sterling. In der Zeit kurz vor dem Ersten Weltkrieg entfielen zirka 40 % aller Devisenreserven auf das Pfund Sterling. Weitere 40 % entfielen zusammen auf den französischen Franc und die deutsche Mark.[1][4]

Theoretische Funktionsweise[Bearbeiten]

Theorie des Goldautomatismus[Bearbeiten]

Hauptartikel: Goldautomatismus

Im 18. Jahrhundert entwickelte David Hume den Goldautomatismus. Dieses Modell basiert auf vereinfachenden Grundannahmen. Es wird nur die Zirkulation der Goldmünzen betrachtet und die Rolle der Banken wird vernachlässigt. Wenn ein Exporteur für seine ausgeführten Waren mit Gold bezahlt wurde, brachte er es in eine Münzanstalt zum Prägen von Münzen. Sobald ein Importeur Waren ins Land einführte, bezahlte er die Waren mit Gold. Dies wurde als Export von Gold betrachtet. Ein Land, welches mehr Gold für importierte Waren exportiert als es Waren importiert, generiert einen Abfluss an Gold und daher ein Zahlungsbilanzdefizit. Da in solch einem Land weniger Goldmünzen im Umlauf waren, hatte dies fallende Preise zur Folge. Im Ausland hatte dies den Effekt, dass die Preise auf Grund des erhöhten Goldumlaufs stiegen; der Goldmünzenzufluss bedingte eine Änderung der relativen Preise. Diese Preiserhöhung hatte zur Folge, dass die importierten Güter im Defizitland teurer wurden und ihr Absatz zurückging. Für andere Länder verbilligten sich die Waren aus dem Defizitland, so dass der Konsum erhöht werden konnte. Das hatte für das Defizitland einen steigenden Export zur Folge und im Gegenzug gingen die Importe zurück. Der Automatismus sollte mittel- bis langfristig zu einem Ausgleich von Handelsbilanzungleichgewichten führen.[1][3]

Aufgabe der Zentralbanken unter dem Goldstandard[Bearbeiten]

Eine wichtige Aufgabe der Zentralbanken im späten 19. Jahrhundert bestand darin, Goldreserven in dem Umfang zu halten, wie es zur Deckung von Einlösungsverpflichtungen erforderlich war. Währungsrisiken bei Auslandsgeschäften wurden als sehr gering angesehen und daher selten abgesichert.

Hatte eine Zentralbank den Zinssatz erhöht, so floss ihr kurzfristig ausländisches, ebenfalls goldgedecktes Finanzkapital zu. Ihre Goldreserven erhöhten sich. Die Zahlungsbilanz des Gold abgebenden Landes wurde belastet, die des aufnehmenden Landes entlastet. Wegen solcher Ungleichgewichte in der Zahlungsbilanz konnte eine Kettenreaktion von Diskontsatzerhöhungen in Gang kommen. Die Zentralbanken des Blocks von Ländern mit Goldstandard kamen daher überein, dass alle Zentralbanken an die Weisungen einer einzigen Zentralbank gebunden sein sollten. Diese weisungsbefugte Zentralbank sollte die britische Bank of England sein, die damals einflussreichste Bank. Diese Übereinkunft ließ jedoch außer Acht, dass es zu unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklungen in den verschiedenen Ländern kommen kann. In so einem Fall, wird für national unterschiedliche Diskontsätze argumentiert.[1][5]

Festes Wechselkurssystem[Bearbeiten]

Zwischen den Ländern, die dem Goldstandard unterlagen und zwischen denen Gold frei bewegt werden durfte, führte die Goldumtauschverpflichtung der Zentralbanken dazu, dass die Wechselkurse faktisch fixiert wurden. Es entstand also ein festes Wechselkurssystem mit allen Vor- und Nachteilen.[3] Der Wechselkurs entsprach dabei „automatisch“ dem rechnerischen Verhältnis der Goldmengen pro Nominal der beiden Währungen. Durch Unterschiede in der Ausgestaltung des Goldstandards und in der Kreditwürdigkeit der Staaten konnten die realen Wechselkurse von den rechnerischen Kursen abweichen.

Entwicklung[Bearbeiten]

Der Ursprung der weltweiten Einführung eines Goldstandards im 19. Jahrhundert basiert auf zwei Ursachen. Die erste Ursache ist darin zu sehen, dass der im Jahre 1717 letztmals korrigierte offizielle Kurs der goldenen Guinee im Verhältnis zum silbernen Pfund Sterling im bimetallischen Währungssystem Großbritanniens, gemessen an den Marktpreisen von Gold und Silber, auf Dauer zu hoch festgesetzt war. Der festgesetzte Zwangskurs bewertete Goldmünzen über und Silbermünzen unter. Dies hatte zur Folge, dass Silber aus dem Geldumlauf verschwand (siehe Greshamsches Gesetz). Es lohnte sich nämlich, die unterbewerteten Silbermünzen einzuschmelzen und als Metall zu verkaufen, weil die Silbermenge einer Münze einen Marktwert hatte, der höher als der Nennwert der Münze war. Eine zweite Ursache war, dass in England die industrielle Revolution begann und Großbritannien damit zu einer führenden Finanz- und Handelsmacht aufstieg. Für alle Länder, die mit Großbritannien Handel trieben und Kredite in Anspruch nehmen wollten, war der britische Goldstandard eine Alternative zum bisher verbreiteten System der Silberwährung. Das führte dazu, dass die wichtigsten Handelsmächte dazu übergingen, ihre Währung in Gold zu definieren und damit in Gold zu konvertieren. Aus den Entscheidungen der nationalen Regierungen konnte ein fester Wechselkurs entstehen. Nach 1870 war der Goldstandard das dominierende Währungssystem.[1][6]

Die Einführung des Goldstandards[Bearbeiten]

Großbritannien beziehungsweise die Bank of England führte mit dem Bank Charter Act von 1844 den klassischen Goldstandard ein. Laut Gesetz durften Banknoten nur noch ausgegeben werden, wenn ihr nomineller Wert zu 100 % durch Gold oder Staatsanleihen gedeckt war. Portugal band sich 1854 an den Goldstandard, weil es den Großteil seiner Außenhandelsgeschäfte mit Großbritannien abwickelte. Es wurde befürchtet, dass sich die Welt in einen Goldblock, einen Silberblock und einen Bimetallblock spalten könnte.

Eine Folge des Abbaus der Zollschranken nach 1860 und eine Ausdehnung internationaler Transaktionen hatte die Vermischung der verschiedenen europäischen Münzen zur Folge. Da die verschiedenen landestypischen Münzen einen unterschiedlichen Feingehalt an Edelmetall zu ihrem Nennwert besaßen, kam es zu erheblichen Problemen. Die ausländischen Münzen, welche einen geringeren Edelmetallanteil besaßen, verdrängten die einheimischen Münzen im Zahlungsverkehr; die wertvolleren einheimischen Münzen wurden gehortet („schlechtes Geld verdrängt das gute Geld aus dem Umlauf“). Oft wurden unrealistische Umtauschkurse festgesetzt oder akzeptiert. Die betroffenen Länder waren sich ihrer gegenseitigen Abhängigkeit bewusst und beriefen 1865 eine internationale Konferenz ein, deren Ergebnis die Lateinische Münzunion war. Frankreich, Belgien, Italien, die Schweiz und Griechenland bildeten am 23. Dezember 1865 die Lateinische Münzunion, eine Währungsunion. Diese stellte ihr Währungssystem auf eine reine Goldwährung um; ebenso Dänemark, die Niederlande, Schweden und Norwegen.

Die Reparationszahlungen, die nach dem Deutsch-Französischen Krieg ab 1871 vom besiegten Frankreich an Deutschland flossen, waren die Grundlage der neuen deutschen Goldwährung, der Mark (auch Goldmark genannt). Frankreich musste Reparationen in Höhe von fünf Milliarden Franc in Gold zahlen. In Deutschland wurde dieses Gold geschmolzen und zu eigenen Münzen geprägt beziehungsweise als Goldreserve der Reichsbank hinterlegt. Gleichzeitig verkaufte Deutschland seine Silberbestände und kaufte weiteres Gold auf dem Weltmarkt zu. Um einer Abwertung der Silberwährungen durch die hohe Silbermenge auf dem Markt entgegenzuwirken, limitierte Frankreich die Prägung von Silbermünzen.

In den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts führten die Vereinigten Staaten, Russland und Japan den klassischen Goldstandard ein. 1898 wurde die indische Rupie an das Pfund Sterling gebunden, darauf folgten auch Ceylon und Siam. In Lateinamerika gab es eine Lobby der Silberminenbetreiber, aber trotz deren Aktivitäten führten auch Mexiko (damals unter Porfirio Díaz), Peru und Uruguay den Goldstandard ein.[7]

Erster Weltkrieg[Bearbeiten]

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs wurde die Noteneinlösungspflicht in Gold in den kriegführenden Staaten aufgehoben, weil die Kriegsfinanzierung zum Teil durch Geldschöpfung erfolgen sollte. Das rein fiskalisch motivierte Geldmengenwachstum übertraf den Zuwachs an produzierten Gütern und Dienstleistungen und führte daher zu Inflation (siehe z. B. Deutsche Inflation 1914 bis 1923). Aber auch nicht kriegführende Staaten wie Dänemark setzten die Goldeinlösepflicht rasch aus.

Wiederherstellung des Goldstandards[Bearbeiten]

Der US 100-Dollar Schein von 1922 konnte jederzeit gegen Goldmünzen eingetauscht werden.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Goldstandard in den meisten Ländern insofern wiederhergestellt, als die Einlösungsverpflichtung der Notenbanken wieder eingeführt wurde. Den Ländern, welche eine Hyperinflation erlebten, gelang es als ersten, die Konvertibilität ihrer Währung wiederherzustellen. Zu diesen Ländern gehörten 1923 Österreich, 1924 Deutschland und Polen sowie 1925 Ungarn. Mit der Ausgabe neuer Zahlungsmittel wurde diese Stabilisierung erreicht, wobei die Menge der ausgegebenen, neuen Zahlungsmittel an die Regeln des Goldstandards gebunden war. Die Reserven der Zentralbanken wurden mittels ausländischer Kredite gedeckt und mit der Bedingung verknüpft, dass die Zentralbanken unabhängige Institutionen zu werden hatten. In den Ländern, in denen eine mäßige Inflation herrschte, gelang die Stabilisierung der eigenen Währung ohne Währungsreform. Dazu gehörten Belgien, Frankreich und Italien.[1][8][9]

Länder, in denen der Inflation rechtzeitig entgegengewirkt wurde, konnten zum Vorkriegsgoldpreis und dem damaligen Wechselkurs des US-Dollars zurückkehren. Mit diesem Schritt begann 1924 Schweden, das nicht aktiv am Krieg teilgenommen hatte. Auch Großbritannien stellte die Vorkriegsparität wieder her. 1925 entschloss sich der damalige britische Finanzminister Winston Churchill, zum Goldstandard zurückzukehren, welcher 1914 ausgesetzt worden war. Die Einführung des Goldstandards zur Vorkriegsparität kam dabei einer starken Aufwertung des Pfund Sterlings gleich, da auch England einen Teil der Kriegskosten über die Geldschöpfung finanziert hatte. John Maynard Keynes wies darauf hin, dass sich – bei einem nominal identischen Wechselkurs aus Vorkriegszeiten – die britischen Güter im Vergleich zu ausländischen Gütern um etwa 10 % verteuerten. Diese Entscheidung Churchills, den Goldstandard zur Vorkriegsparität wiedereinzuführen, wurde daher in England äußerst kontrovers diskutiert. Wirtschaftshistoriker haben kalkuliert, dass das Pfund um 10 % überbewertet in den Goldstandard eingetreten war, was zu einer Erhöhung der Arbeitslosenzahl um 721.000 führte. Im Nachhinein bezeichnete Churchill diese Entscheidung als den größten Fehler seines Lebens.[10]

Auch Australien, die Niederlande und Schweiz sowie Südafrika kehrten zum Goldstandard zurück.[1][8][9]

Die Abkehr vom Goldstandard[Bearbeiten]

Entwicklung des Pro-Kopf-Einkommens verschiedener Volkswirtschaften während der Weltwirtschaftskrise. Der Zeitpunkt der Abkehr vom Goldstandard ist mit einem kleinen Dreieck markiert.

Anders als in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg lief das System des Goldstandards in der Zeit zwischen den Weltkriegen nicht mehr stabil. Die Vereinigten Staaten erzielten während des Ersten Weltkriegs und in den Goldenen 1920er Jahren im Welthandel große Leistungsbilanzüberschüsse. Unter dem Goldstandard führten die Leistungsbilanzdefizite bei vielen Ländern, vor allem dem Deutschen Reich, zu einem beständigen Abfluss an Gold. Die Leistungsbilanzdefizite wurden durch eine großzügige Kreditvergabe der Vereinigten Staaten ausgeglichen. Für das Deutsche Reich kam die destabilisierende Wirkung der Reparationszahlungen nach dem Ersten Weltkrieg hinzu. Zur Jahreswende 1928/1929 wurde die Zahlungsschwäche vieler Länder offenbar. Die amerikanische Notenbank ging zur Dämpfung der überhitzten Konjunktur zu einer Hochzinspolitik über, was einen Goldzufluss aus Ländern mit niedrigeren Zinsen verursachte. Gleichzeitig kaufte Frankreich massiv Gold auf, um die Geldmenge des Franc entsprechend dem Bedarf der französischen Wirtschaft zu erhöhen.[11] Der so verursachte Goldabfluss in die Vereinigten Staaten und nach Frankreich bedrohte in vielen Ländern die zur Aufrechterhaltung der Goldkonvertibilität notwendigen Mindestreserven. Diese Staaten waren gezwungen die amerikanische Hochzinspolitik noch zu überbieten, wodurch die Kreditvergabe der Banken drastisch zurückging. Gleichzeitig mussten öffentliche Ausgaben drastisch gekürzt werden (Austeritätspolitik). Die so verursachte weltweite Kontraktion der Geldmenge war der Impuls, welcher die Weltwirtschaftskrise beginnend 1929 auslöste. Eine weitere Ursache war die schwere Bankenkrise Anfang der 1930er Jahre, die zu Kreditklemme und massenhaften Firmenpleiten führte. Zur Bekämpfung der Bankenkrise, insbesondere der Bank Runs, hätte den Banken Liquidität bereitgestellt werden müssen. Für eine solche Politik stellte der Goldstandard aber ein unüberwindliches Hindernis dar. Auch unilaterale wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Bekämpfung der Wirtschaftskrise erwiesen sich unter dem Goldstandard als unmöglich. Die Initiativen zur Ausweitung der Geldmenge und/oder zu antizyklischer Fiskalpolitik (Reflation) in Großbritannien (1930), den Vereinigten Staaten (1932), Belgien (1934) und Frankreich (1934–35) scheiterten daran, dass die Maßnahmen eine defizitäre Leistungsbilanz verursachten und damit den Goldstandard gefährdeten.[11][12]

Wirtschaftshistoriker sind sich einig, dass der Goldstandard ein Transmissionsmechanismus zur Verbreitung der Weltwirtschaftskrise war und zu Entstehung und Länge der Großen Depression maßgeblich beitrug.[13] Mit der Zeit wurde der Fehler der Geldpolitik offenbar. Nach und nach suspendierten alle Staaten den Goldstandard und gingen zu einer Reflationspolitik über. Nach fast einhelliger Ansicht besteht ein klarer zeitlicher und inhaltlicher Zusammenhang zwischen der weltweiten Abkehr vom Goldstandard und dem Beginn der wirtschaftlichen Erholung.[14]

Reichsmark und Österreichischer Schilling (1931)[Bearbeiten]

Hauptartikel: Deutsche Bankenkrise

Im Deutschen Reich und in Österreich wurde der Goldstandard nicht offiziell aufgegeben. Aber bereits im Sommer 1931 erreichte Österreich und Deutschland eine Bankenkrise (unter anderem Zusammenbruch der Creditanstalt im Mai 1931), bei der die Goldreserven abflossen. Die Regierungen waren gezwungen, die Konvertibilität der Währungen auszusetzen und zur Devisenbewirtschaftung überzugehen.

Sterlingblock (1931)[Bearbeiten]

Die Überbewertung des Pfund Sterlings hatte jahrelang hohe Leistungsbilanzdefizite verursacht, was eine Verringerung der Goldbestände der britischen Notenbank zur Folge hatte. Es wurde für die Bank von England immer schwieriger, die definierte Goldparität zu halten.[3] Die Grundlagen für einen Angriff auf das Pfund Sterling waren somit gegeben. Die Bank von England setzte sich dagegen mit einer Diskontsatzerhöhung zur Wehr und nahm dabei eine Arbeitslosenquote von 20 % in Kauf. Das Misstrauen der Spekulanten wuchs und ein Angriff auf das Pfund Sterling konnte nicht mehr aufgehalten werden. Die Aussetzung der Goldkonvertibilität des Pfund Sterlings am 19. September 1931 markierte den Beginn des Zerfalls des internationalen Goldstandards. Mit der Abkehr vom Goldstandard kam es zu einer gewollten Abwertung des Pfund Sterlings um 25 % (Kompetitive Abwertung), welche die Wettbewerbsposition Großbritanniens auf Kosten der Goldstandardländer erheblich verbesserte (beggar-thy-neighbour policy).[15]

Viele andere Länder lösten sich ebenfalls vom Goldstandard. Da viele dieser Länder mit Großbritannien Handel trieben und von dort Kredite bezogen, war es für diese Länder sinnvoll, ihre eigene Währung an das britische Pfund zu koppeln.

Das internationale Währungssystem war 1932 in drei Blöcke gespalten. Den einen Block bildeten die Staaten mit Goldstandard unter Führung der USA. Den zweiten Block bildete der Sterlingblock. Dieser Block bestand aus Großbritannien und allen Staaten, die sich an das Pfund gebunden hatten. Der dritte Block bestand in der Devisenzwangsbewirtschaftung. Zu diesem Währungssystem gehörten die Länder Mittel- und Osteuropas.

Dollar (1933)[Bearbeiten]

1933 lösten sich die Vereinigten Staaten vom Goldstandard, um die Geldmenge auszuweiten und die Deflation zu beenden. Dies trug dazu bei, die dortige Bankenkrise einzudämmen, und verhalf der US-Wirtschaft den USA wieder zu einem Wirtschaftswachstum.

Franklin Delano Roosevelt (US-Präsident von 1933 bis zu seinem Tod 1945) beschloss, die Goldkonvertibilität des US-Dollar auszusetzen (im Rahmen seines Kampfes gegen die Great Depression). Es wurde ein Gesetz verabschiedet, das es erlaubte, Silber zur Münzprägung zu verwenden. Der private Goldbesitz wurde ab dem 1. Mai 1933 in den USA verboten, soweit er den Wert von 100 US-Dollar überstieg (Executive Order 6102 vom 5  April 1933). Das gesamte private Gold (Münzen, Barren und Zertifikate) musste bei staatlichen Annahmestellen innerhalb von 14 Tagen zum festen Goldpreis abgegeben werden. Die Regierung drückte den Kurs des Dollar, indem sie Gold zu höheren Preisen kaufte. Mit dem Gold Reserve Act von 1934 wurde der Goldpreis (weit über dem Marktpreis) bei 35 US-Dollar je Unze festgesetzt. Da die Unze Gold nun mehr Dollar kostete, führte die Erhöhung des Goldpreises zu einer Abwertung des Dollar auf 59 % seines letzten offiziellen Wertes. Diese Abwertung bewirkte, dass Ausländer 15 % mehr amerikanische Güter kaufen konnten und somit der Export gefördert wurde (Kompetitive Abwertung).[16][17]

Die Abkehr der USA vom Goldstandard setzte eine Kettenreaktion in Gang: Kanada (Kanadischer Dollar), Kuba (Kubanischer Peso), ein Großteil der Staaten Mittelamerikas, Argentinien (Argentinischer Peso) und die Philippinen (Philippinischer Peso) lösten sich ebenfalls vom Goldstandard. Diese Maßnahmen verschlechterten die Wettbewerbsposition der letzten verbliebenen Mitglieder des Goldblocks und es kam zu einer Abwertungsspirale.[1][18]

Bretton Woods (1944–1973)[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Bretton-Woods-System als internationales Währungssystem mit Wechselkursbandbreite geschaffen, das vom teilweise goldhinterlegten US-Dollar als Ankerwährung bestimmt war.[1] Die Architekten des Bretton-Woods-Systems hatten versucht, die Vorteile des Goldstandards als fixes Wechselkurssystem (Wechselkursstabilität und Verhinderung von kompetitiven Abwertungen) mit den Vorteilen eines flexiblen Wechselkurssystems (v. a. die Möglichkeit, unilateral auf makroökonomische Schocks mit einer passenden Geldpolitik zu reagieren) zu kombinieren.[19]

Das Bretton-Woods-System litt von Anfang an unter einem als Triffin-Dilemma bezeichneten Konstruktionsfehler. Der wachsende Welthandel führte zu einem steigenden Bedarf an Dollar-Währungsreserven. Diese Währungsreserven konnten aber nur durch konstante Leistungsbilanzüberschüsse gegenüber den USA erwirtschaftet werden. Die USA als Reservewährungsland unterlagen dabei nicht dem Leistungsbilanzanpassungszwang anderer Länder, weil die Verschuldung in eigener Währung vom Ausland finanziert wurde, solange ausländische Staaten ein Interesse daran hatten, Währungsreserven anzulegen. Ständige US-Leistungsbilanzdefizite mussten jedoch irgendwann das Vertrauen in den Dollar untergraben.[3] Dieses System endete 1973. Am 15. August 1971 kündigte US-Präsident Richard Nixon die Bindung des Dollar an Gold auf (Nixon-Schock). 1973 wurden die Wechselkurse frei gegeben.

Heute[Bearbeiten]

1976 empfahl der Internationale Währungsfonds seinen Mitgliedern die Aufhebung der Goldbindung der Währungen. Nach wie vor unterhalten viele Staaten Goldreserven, ein bestimmter Goldwert der Währung wird aber nicht mehr garantiert.

Wirtschaftshistorische Einordnung[Bearbeiten]

Die verbreitete Vorstellung, der Goldstandard führe zu einer besonderen „Stabilität“, muss vor dem geistigen Horizont der damaligen Zeit betrachtet werden. Arbeitslosigkeit wurde überhaupt erst Anfang des 20. Jahrhunderts als ökonomisches Problem wahrgenommen. In der viktorianischen Zeit war es international üblich Arbeitslose als Faulenzer oder Vagabunden zu bezeichnen. Diese Wortwahl verrät, dass Arbeitslosigkeit als Persönlichkeitsschwäche wahrgenommen wurde und noch keine makroökonomischen Einflüsse hinter dem Ansteigen und Fallen der Zahl der Arbeitslosen erkannt wurden. Eine wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dem Thema Arbeitslosigkeit begann erst langsam in den 1880er Jahren.

Anfang des 20. Jahrhunderts wuchs der politische Einfluss der Arbeiter, Gewerkschaften wurden mächtiger und in vielen Ländern wurden Wahlrechtsbeschränkungen (Dreiklassenwahlrecht, Zensuswahlrecht) langsam abgebaut. In zeitlicher Koinzidenz setzte sich auch die Erkenntnis durch, dass hohe Zentralbankzinsen Investitionen abschrecken und somit das Wirtschaftswachstum abschwächen. Gleichwohl zwang der Goldautomatismus die Politiker oftmals dazu, entgegen dieser Erkenntnis zu handeln.[11]

Um 1917 herum wurden Wahlrechtsbeschränkungen zuungunsten der Mittel- und Unterschicht in den meisten Ländern weitgehend aufgehoben. Als Folge davon wurde die Angst der Arbeiter vor Arbeitslosigkeit ein bedeutsamer politischer Faktor. In der Folgezeit wurde auch von ökonomischen Pionieren der Zusammenhang zwischen Geldmenge, Kredit, Wirtschaftswachstum und Arbeitslosigkeit entdeckt. Allerdings setzten sich diese Erkenntnisse erst nach der Weltwirtschaftskrise im ökonomischen Mainstream durch (Keynesianische Geldtheorie, Monetarismus). Dies alles schwächte den bis dahin vorhandenen Konsens zugunsten des Goldstandards. Unter dem Goldstandard wurde die Volkswirtschaft von dem prozyklisch wirkenden Goldautomatismus gelenkt, eine autonome Geldpolitik war faktisch nicht möglich. Eine Expansive Geldpolitik zur Stabilisierung der Geldmenge und Bekämpfung einer Rezession war nur möglich, wenn alle Länder des Goldstandards in gleichem Umfang eine expansive Geldpolitik verfolgten. Diese fatale Starrheit des Goldstandards konnte vor dem Ersten Weltkrieg durch internationale Kooperation gedämpft werden, nach dem Ersten Weltkrieg kam eine solche Kooperation nicht mehr zustande. In den 1920er Jahren zeigte sich, dass der Goldstandard tatsächlich kein Stabilitätsanker war, sondern eine große Gefahr für die finanzielle Stabilität und den wirtschaftlichen Wohlstand. Unter dem Goldstandard mussten die Regierungen zu Beginn der Weltwirtschaftskrise machtlos zusehen, wie die Geldmenge kontrahierte, Schuldenkrisen entstanden und das Bankensystem zum großen Schaden der Realwirtschaft zusammenbrach. Alle Staaten, die das Instrumentarium einer autonomen Geldpolitik nutzen wollten (z. B. Expansive Geldpolitik, Kompetitive Abwertung), mussten den Goldstandard aufgeben.[11] Nach fast einhelliger Ansicht besteht ein klarer zeitlicher und inhaltlicher Zusammenhang zwischen der weltweiten Abkehr vom Goldstandard und dem Beginn der wirtschaftlichen Erholung.[14]

Der Goldautomatismus wird heute als Geldmengen-Preismechanismus bezeichnet und gilt auch heute noch als grundsätzlich funktionierender Zahlungsbilanzausgleichsmechanismus. Der Geldmengen-Preismechanismus verursacht allerdings beim Abbau von Zahlungsbilanzüberschüssen erhöhte Inflation und beim Abbau von Zahlungsbilanzdefiziten eine Depression und erhöhte Arbeitslosigkeit.[20]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Giulio M. Gallarotti: The Anatomy of an International Monetary Regime. The Classical Gold Standard, 1880–1914. Oxford University Press, New York NY u. a. 1995, ISBN 0-19-508990-1.
  • Gerd Hardach, Sandra Harting: Der Goldstandard als Argument in der internationalen Währungsdiskussion. in: Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 1998/1, S. 125-144 (Digitalisat)
  • Jörg Lichter: Goldwährung oder Doppelwährung. Der Bimetallismusstreit im Deutschen Reich 1880 bis 1895. In: Bankhistorisches Archiv. Zeitschrift für Bankengeschichte. Bd. 22, 1996, ISSN 0341-6208, S. 86–107.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h i  Barry Eichengreen: Vom Goldstandard zum Euro. Die Geschichte des internationalen Währungssystems. Wagenbach, Berlin 2000, ISBN 3-8031-3603-2.
  2. Michael North: Kleine Geschichte des Geldes. Vom Mittelalter bis heute, Beck (Beck’sche Reihe, Bd. 1895), München 2009, S.370
  3. a b c d e f Gerhard Rübel: Grundlagen der monetären Außenwirtschaft, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, 2009, ISBN 978-3-486-59081-4, S.157 ff
  4. Christoph Herrmann: Währungshoheit, Währungsverfassung und subjektive Rechte, Mohr Siebeck (Jus publicum, Bd. 187), Tübingen 2010, ISBN 978-3-16-150008-4, S.18 ff. (Zugleich: München, Universität, Habilitations-Schrift, 2008/2009)
  5. Moritz Schularick: Finanzielle Globalisierung in historischer Perspektive, Mohr Siebeck (Die Einheit der Gesellschaftswissenschaften, Bd. 134), Tübingen 2006, ISBN 3-16-148862-8, S.134 ff, (Zugleich: Berlin, Freie Universität, Dissertation, 2005)
  6. Guido Thiemeyer: Die deutschen Liberalen, die Reichsgründung und die Entstehung des internationalen Goldstandards 1870–1873,
    in: Eckart Conze, Ulrich Lappenküper, Guido Müller (Hrsg.): Geschichte der internationalen Beziehungen. Erneuerung und Erweiterung einer historischen Disziplin, Böhlau, Köln u. a. 2004, ISBN 3-412-06704-0, S.139–168
  7. Ralph Dietl: USA und Mittelamerika. Die Außenpolitik von William J. Bryan, 1913–1915, Franz Steiner Verlag Stuttgart, ISBN 3-515-06914-3, S.231 (Google books)
  8. a b Olivier Blanchard, Gerhard Illing: Makroökonomie, Pearson Studium, 5. aktualisierte und erweiterte Auflage, München u. a. 2009, ISBN 978-3-8273-7363-2, S.627
  9. a b Michael D. Bordo, Anna J. Schwartz (Hrsg.): A Retrospective on the Classical Gold Standard, 1821–1931, University of Chicago Press, 1984, ISBN 0-226-06590-1
  10. Samantha Heywood, Churchill, Routledge, 2003, ISBN 0-415-23016-0, S.36
  11. a b c d Barry Eichengreen: Golden Fetters: The Gold Standard and the Great Depression, 1919–1939, Oxford University Press, 1992, ISBN 0-19-510113-8, S.4 ff
  12.  Wolfgang Waldner: Warum die Geldpolitik 1929–33 die Weltwirtschaftskrise verursacht hat. Books on Demand, Norderstedt 2009, ISBN 978-3-8370-9391-9, S. 88 ff.
  13. Peter J. Montiel, International Macroeconomics, John Wiley & Sons Ltd., 2009, ISBN 9781405183864, S.154
  14. a b Randall E. Parker: Reflections on the Great Depression, Elgar Publishing, Cheltenham/Northampton 2003, ISBN 1-84376-335-4, S.22
  15. Barry Eichengreen: Elusive Stability. Essays in the History of International Finance, 1919–1939, Cambridge University Press, 1990, ISBN 0-521-36538-4, S.145–147
  16. Peter Clemens: Prosperity, Depression and the New Deal: The USA 1890–1954, Hodder Education, 4. Auflage, 2008, ISBN 978-0-340-965887, S. 134 f
  17. Stephanie Fitzgerald, Derek Shouba und Katie Van Sluys: The New Deal. Rebuilding America, Compass Point Books, 2006, ISBN 978-0756520960, S. 56
  18. Russell Napier: Anatomie der Bärenmärkte… und was wir daraus lernen können, Finanzbuch-Verlag, München 2009, ISBN 978-3-89879-332-2, S.129 ff.
  19. Michael D. Bordo: The Bretton Woods International Monetary System. An Overview,
    in: Michael D. Bordo, Barry Eichengreen, A Retrospective on the Bretton Woods System, University of Chicago Press, 1993, ISBN 0-226-06587-1, S.5
  20. Rainer Fischbach: Volkswirtschaftslehre II, Oldenbourg Verlag, München 2002, ISBN 3-486-25870-2, S.212