Goldene Rose
Die Goldene Rose (auch Papstrose, Tugendrose, lateinisch Rosa aurea) ist eine päpstliche Auszeichnung. Die Rose ist ein aus vergoldetem Silber geschmiedeter Rosenstrauß aus sechs Rosenzweigen mit sechs Blüten, die mit wohlriechenden Essenzen (Balsame und Moschus) gefüllt sind.
Das Symbol der goldenen Rose steht für Jesus Christus. Das Gold deutet auf seine Auferstehung hin, die Dornen auf die Passion. Traditionell wird die Goldene Rose am 4. Fastensonntag (Laetare), der deshalb auch Rosensonntag genannt wird, einer Persönlichkeit, einem Staat, einer Stadt oder einer Organisation verliehen, die sich um die katholische Kirche besonders verdient gemacht hatte. Jährlich wurde durch einen Goldschmied eine neue Rose im Auftrag des Papstes angefertigt[1].
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Geschichte des Ehrenzeichens [Bearbeiten]
Eine der ersten Goldenen Rosen schenkte Papst Urban II. 1096 dem Grafen von Anjou. Die Anfang 14. Jahrhunderts von Papst Clemens V. dem Fürstbischof von Basel verliehene und im Musée de Cluny in Paris aufbewahrte Goldene Rose ist eines der frühesten erhalten gebliebenen Exemplare. Die 1417 an den Rat von Florenz verliehene Goldene Rose bestand aus neun mit Saphiren verzierten goldenen Blüten, die mit Balsam, Moschus und Myrrhe gefüllt waren. Papst Innozenz III. (1198-1216) verglich die Goldene Rose mit Jesus und sagte: „Wie die Rose aus Gold, Moschus und Balsam zusammengesetzt sei, so bestehe auch Jesus aus drei Substanzen, aus der Gottheit, der menschlichen Seele und dem menschlichen Körper.“
Mitunter wurde die Goldene Rose aber auch Persönlichkeiten geschenkt, um sie dem päpstlichen Einfluss geneigt zu machen. So überbrachte der päpstliche Kammerherr Karl von Miltitz Anfang Januar 1519 die Rose an den Kurfürsten Friedrich den Weisen, um diesen zur Unterdrückung der Lehre Martin Luthers anzuregen.
Ursprünglich war die Auszeichnung Männern vorbehalten. Als sie später aber auch auf Frauen überging, nannte man sie meist Tugendrose. Männer wurden seit dieser Zeit mit dem Papstschwert ausgezeichnet. Der Brauch, die Tugendrose an Frauen zu vergeben, reicht bis in unsere Zeit: 1925 wurde die belgische Königin Elisabeth vom Papst mit der Goldenen Rose geehrt. Die letzte regierende Person, die die Tugendrose erhielt, war Großherzogin Charlotte von Luxemburg im Jahr 1956. Die erste Tugendrose soll Königin Giovanna von Sizilien erhalten haben.
Papst Johannes Paul II. hat die besondere Auszeichnung an die großen Wallfahrtsorte Tschenstochau, Loreto, Knock in Irland und an Lourdes, sein Nachfolger Benedikt XVI. an die Wallfahrtsorte Mariazell, Aparecida, Altötting und Ta’ Pinu vergeben.
Träger der goldenen Rose [Bearbeiten]
Herrscher [Bearbeiten]
- Falcone, Graf von Angers (Urban II., 1096)
- Alfons VII., König von Kastilien (Eugen III., 1148)
- Ludwig VII., König von Frankreich (Alexander III. 1163)
- Ludwig I. von Ungarn (Klemens I. 1348)
- Albrecht II., Herzog von Bayern
- Ranuccio Farnese il Vecchio, Condottiere, Feudalherr und Senator von Rom
- Kaiser Sigismund (Eugen IV. 1435)
- Heinrich VI. von England (Eugen IV. 1444)
- Kasimir IV., König von Polen (Nikolaus V., 1448)
- Kaiser Friedrich III. und seine Gattin Eleonora (Nikolaus V. 1452)
- Karl VII., König von Frankreich (Kalixtus III. 1457)
- Eberhard I., Herzog von Württemberg (Sixtus IV. 1482)
- Jakob III. von Schottland (Innozenz VIII. 1486)
- Alexander, König von Polen (Julius II. 1505)
- Manuel I. von Portugal (Julius II. 1506 und Leo X. 1514)
- Friedrich III., Kurfürst von Sachsen (Leo X. 1519)
- Heinrich VIII. von England (Julius II., Leo X. und Klemens VII. 1524)
- Friedrich, Herzog von Mantua (Paul III. 1537)
- Heinrich IV., König von Frankreich und Navarra (Klemens VIII. 1598)
- Francesco Loredan, Doge von Venedig (Klemens XIII. 1759)
Herrscherinnen [Bearbeiten]
- Johanna I., Königin von Neapel (1368)
- Isabella, Königin von Kastilien (Alexander VI. 1493)
- Maria I. von England, Tochter Heinrichs VIII. (Paul IV. 1555)
- Margarethe von Österreich, Königin von Spanien (Klemens VIII. 1598) am Tag der Hochzeit mit Philipp III.
- Henrietta Maria von Frankreich, Königin von England und Schottland, in Amiens empfangen (Urban VIII. 1625)
- Maria Anna von Spanien, Königin von Ungarn (Urban VII 1630)
- Maria Theresia von Spanien, Königin von Frankreich, für ihren minderjährigen Sohn, dessen Taufpate Papst Alexander VII. war (1668)
- Eleonora Maria Józefa, Königin von Polen (Klemens X. 1672)
- Marie Casimire Louise de la Grange d’Arquien, Gattin von Johannes III. Sobieski, dem Retter von Wien (Innozenz XI. 1684)
- Amalia Wilhelmine von Braunschweig-Calenberg, Kaiserin (Innozenz XII. 1699)
- Marie Louise von Savoyen, Königin von Spanien (Klemens XI. 1701)
- Maria Christina, Erzherzogin von Österreich (Pius VI. 1776)
- Maria Theresia von Österreich-Este, Königin von Sardinien-Piemont (Leo XII. 1825)
- Maria Anna von Sardinien, Königin von Ungarn, dann Kaiserin (Gregor XVI. 1832)
- Maria II., Königin von Portugal (Gregor XVI. 1842)
- Maria Pia von Savoyen, Königin von Portugal am Tag ihrer Taufe (Pius IX. als ihr Taufpate 1849)
- Eugenie, Kaiserin der Franzosen (Pius IX. 1856)
- Isabella II. von Spanien (Pius IX. 1868)
- Maria Christina von Österreich, Königliche Regentin von Spanien (Leo XIII. 1886)
- Isabel, Kaiserliche Prinzessin von Brasilien (Leo XIII. 1889)
- Amélie d’Orléans, letzte Königin von Portugal (Leo XIII. 1892)
- Marie Henriette von Österreich, Königin der Belgier (Leo XIII. 1893)
- Elisabeth, Königin der Belgier (1925)
- Charlotte von Luxemburg (1956)
Städte [Bearbeiten]
- Rat der Stadt Florenz (1417)
- Republik Venedig durch Papst Sixtus IV. (1476)
Kirchen und Wallfahrtsorte [Bearbeiten]
- Sankt Peter in Rom (fünfmal)
- St. Johann im Lateran in Rom (zweimal)
- Kapelle Sancta Sanctorum in St. Johann im Lateran (zweimal)
- Santa Maria Maggiore in Rom (zweimal)
- Santa Maria sopra Minerva in Rom (einmal)
- Kollegiatstift St. Ansgarii, Bremen, vor 1363 [2]
- Wallfahrtskirche Andechs, (Nicolaus V., um 1455 [3]
- Sant’Antonio (Nationalkirche der Portugiesen in Rom) (einmal)
- Erzbruderschaft von Gonfalone (einmal)
- Basilika Unsrer Lieben Frau von Loreto (Johannes Paul II., 1997)
- Hl. Therese von Lisieux in Frankreich (Benedikt XV. 1920)
- Unserer Liebe Frau von Fátima in Portugal (Paul VI. 1965)
- Unserer Liebe Frau von Guadelupe (Paul VI. 1966)
- Aparecida in Brasilien (Paul VI. 1976 und Benedikt XVI. 2007)
- Nuestra Señora de Luján in Argentinien (Johannes Paul II. 1982)
- Nuestra Señora de la Evangelización in Lima in Perú (Johannes Paul II. 1988)
- Unsere Liebe Frau von Sameiro bei Braga in Portugal (Johannes Paul II. 2003)
- Jasna Gora in Tschenstochau in Polen (Johannes Paul II. und Benedikt XVI. 2006)
- Knock in Irland (Johannes Paul II.)
- Lourdes in Frankreich (Johannes Paul II. 2004)
- St.-Josephs-Oratorium in Montreal in Kanada (Johannes Paul II. 2004)
- Mariazell in Österreich (Benedikt XVI. 2007)
- Nationalheiligtum Basilika der Unbefleckten Empfängnis in Washington D.C. (Benedikt XVI. 2008)
- Gnadenkapelle Altötting (Benedikt XVI. 2008)
- Unsere Liebe Frau von Bonaria in Cagliari auf Sardinien (Benedikt XVI. 2008)
- Unsere Liebe Frau vom Rosenkranz in Pompei (Benedikt XVI. 2008)
- Unsere Liebe Frau von Europa in Gibraltar (Benedikt XVI. 2008)
- Unsere Liebe Frau von Ta' Pinu auf der Insel Gozo, Malta (Benedikt XVI. 2010)
- Unsere Liebe Frau von Scherpenheuvel in Scherpenheuvel-Zichem, Brabant am 2. Februar 2011 durch Benedikt XVI.
- Virgen de la Caridad del Cobre in El Cobre, Kuba am 27. März 2012 durch Benedikt XVI.
Literatur [Bearbeiten]
- Golden Rose. In: Charles George Herbermann (Hrsg.): The Catholic Encyclopedia. An international work of reference on the constitution, doctrine, discipline and history of the Catholic church. The Encyclopedia Press, New York 1913.
- Elisabeth Cornides: Rose und Schwert im päpstlichen Zeremoniell. Wien 1967
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Manfred Becker-Huberti, Feiern, Feste, Jahreszeiten. Lebendige Bräuche im ganzen Jahr, Freiburg-Basel-Wien 2001, ISBN 3-451-27702-6, 262
- ↑ Schatzverzeichnis von 1363, in: Bremer Urkundenbuch III, Nr. 221 und 222
- ↑ Ausstellungskatalog Bayerische Frömmigkeit, Stadtmuseum München 1960, Nr. 253 mit Abb.