Goldmaskenkolibri

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Goldmaskenkolibri
Goldmaskenkolibri Zeichnung von John Gould (1804–1881) & Henry Constantine Richter (1821–1902)

Goldmaskenkolibri Zeichnung von John Gould (1804–1881) & Henry Constantine Richter (1821–1902)

Systematik
Klasse: Vögel (Aves)
Ordnung: Seglervögel (Apodiformes)
Familie: Kolibris (Trochilidae)
Unterfamilie: Eigentliche Kolibris (Trochilinae)
Gattung: Maskenkolibris (Augastes)
Art: Goldmaskenkolibri
Wissenschaftlicher Name
Augastes lumachella
(Lesson, 1839)

Der Goldmaskenkolibri oder Kapuzenkolibri (Augastes lumachella) ist eine Vogelart aus der Familie der Kolibris (Trochilidae). Diese endemische Art kommt nur im südamerikanischen Land Brasilien vor. Der Bestand wird von der IUCN als „gering gefährdet“ (Near Threatened) eingestuft.

Merkmale[Bearbeiten]

Der männliche Goldmaskenkolibri erreicht eine Körperlänge von etwa 10,1 cm, während das Weibchen nur ca 8,9 cm groß wird. Dabei haben beide Geschlechter ein Gewicht ca 4 Gramm. Der gerade schwarze Schnabel wird bis zu 19,2  mm. Das Männchen hat eine glänzende goldgrüne Stirn und Kehle, wobei die Kehle eine goldenrote Verlängerung hat die am Ansatz weinrot ist. Der kappenartige Oberkopf ist samtschwarz mit einem bläulichen Ton. An den Halsseiten ist er samtschwarz. Die Oberseite, Unterseite sowie die Flügeldecken glänzen bronzegoldgrün. Zwischen der Kehle und der Brust ist das Untergefieder weiß. Die Flügel sind schwarzpurpurn und die Unterschwanzdecken rotgold. Der Schwanz funkelt dunkelkupferrot. Die Oberschwanzdecken sind blaugrün. Die Füße sind schwarz. Das Weibchen ähnelt dem Männchen im Aussehen ist aber etwas blasser gefärbt. Der Oberkopf ist schwärzlichblaugrün und die Halsseiten braun. In die Unterseite und den Unterschwanz mischen sich graue Farbtöne. Die Schwanzfedern sind goldrot, wobei die äußeren Steuerfedern eine graue Färbung aufweisen.

Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Verbreitung des Goldmaskenkolibris

Der Kolibri lebt in den zentralen Hochgebirgen der Serra do Sincorá des brasilianischen Bundesstaates Bahia. Hier findet man ihn immer in Höhen zwischen 950 und 1600 Metern, in Felsenregionen, die mit Kakteen und niedrigen Sträuchern bewachsen sind.

Verhalten[Bearbeiten]

Der Kolibri fliegt in Höhen von etwa 0,5 bis 1 Meter. Die Nester baut er nur 60 bis 100 cm über dem Boden. Sie werden sehr offen napfförmig in Astgabeln gebaut. Zum Bau verwendet er Flugsamen von Bromelien und Korbblütlern, zusätzlich den watteartigen Kakteenfilz und einige Blattstücke, die mit Spinnenfäden und Moos verkleidet werden. Das Nest wirkt gelblichgrau bis grau.

Etymologie und Forschungsgeschichte[Bearbeiten]

René Primevère Lesson beschrieb den Kolibri unter dem Namen Ornismya lumachella. Als Fundort gab er den Bundesstaat Bahia in Brasilien an. Das Typusexemplar stammte aus der Sammlung von Charles Parzudaki (1806–1889).[1] Es war John Gould, der ihn in seiner Lieferungen 1 seiner Kolibritafeln 1849 in der neuen Gattung Augastes einordnete.[2] Dieser Name ist griechischen Ursprungs und leitet sich von »augastēs, augē αυγαστης, αυγη« für »Lichtgeber, Radiant, Sonnenlicht« ab.[3] »Lumachella« bezieht sich auf einen ammolitfarbenen Marmor aus versteinerten Muscheln und Schnecken, der in Italien und Österreich gefunden wird. Das italienische »lumaca« bedeutet »Muschel«, was sich wiederum vom lateinischen »limaceus, limax« für »Wegschnecke« ableitet.[4]

Wiederentdeckung[Bearbeiten]

1957 besuchten Augusto Ruschi und der französische Ornithologe Jacques Berlioz das Natural History Museum in London, wo sich 14 Bälge von Augastes lumachella befanden. Sie stellten fest, dass die Art seit einem halben Jahrhundert nicht mehr gesammelt worden war. Während Berlioz schlussfolgerte, dass die Art ausgestorben sei, war Ruschi nicht davon überzeugt. Im American Museum of Natural History fand er einen Balg mit der Ortsangabe Morro do Chapeú in Brasilien. In Brasilien gab es drei Städte mit diesem Namen. 1961 beschloss Ruschi, diejenige zu besuchen, die am Fuß eines gleichnamigen Berges liegt. Nach acht erfolglosen Tagen wollte er aufgeben, dann gelang ihm die Wiederentdeckung der Art in einer fast 200 Meter tiefen Schlucht am Wasserfall Chachoeira do Ferro Doido. Er verlängerte seinen Aufenthalt um zwei Tage und sammelte 24 Männchen und Weibchen des für ausgestorben gehaltenen Vogels.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Rolf Karl-Heinz Grantsau: Die Wiederentdeckung der brasilianischen Kolibris Augastes scutatus und Augastes lumachellus. In: Journal of Ornithology. Bd. 109, Nr. 4, 1968, S. 434-437, doi:10.1007/BF01671577 (online, abgerufen am 16. Juli 2014).
  •  Rolf Karl Heinz Grantsau: Die Kolibris Brasiliens. Expressão e Cultura, Rio de Janeiro 1988, ISBN 978-8-5208-0101-7.
  •  Walter Scheithauer: Kolibris. Fliegende Edelsteine. BLV Buchverlag, München 1982, ISBN 978-3-4051-0684-3.
  •  James A. Jobling: Helm Dictionary of Scientific Bird Names. Christopher Helm, London 2010, ISBN 978-1-4081-2501-4.
  •  René Primevère Lesson: Espèces nouvelles d'oiseaux mouches. In: Revue Zoologique par La Société Cuvierienne. Bd. 1, 1838, S. 314-315 (online, abgerufen am 16. Juli 2014).
  •  John Gould: A monograph of the Trochilidæ, or family of humming-birds. Bd. 4, Nr. Lieferung 1, Taylor and Francis, London 1849 (online, abgerufen am 16. Juli 2014).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Goldmaskenkolibri – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Goldmaskenkolibri – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. René Primevère Lesson, S. 315. Auch wenn der Band das Jahr 1838 ausweist wurde der Artikel erst 1839 publiziert.
  2. John Gould (1849), Tafel 222, Volume 4. Diese entspricht der Lieferung 1, Tafel 18 aus dem Jahre 1849.
  3. James A. Jobling, S. 60
  4. James A. Jobling, S. 232