Golgi-Sehnenorgan

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Golgi-Sehnenorgan
Aus Grays Anatomie, 1918

Das bei allen Wirbeltieren vorhandene Golgi-Sehnenorgan, benannt nach Camillo Golgi, ist ein Sinnesorgan der Tiefensensibilität. Es ist eine Art Nervengeflecht, das der Messung und Regelung der Muskelspannung dient.[1] Es befindet sich am Übergang zwischen Muskel und Sehne und ist zusammen mit den Muskelspindeln für die Propriozeption der Muskulatur zuständig.

Die Golgi-Sehnenorgane leiten über Nervenfasern der Klasse Ib dem Zentralnervensystem Informationen über den Spannungszustand der jeweiligen Muskeln zu. Dabei spielen auch Haut- und Gelenkafferenzen eine Rolle, sowie Ia und II Afferenzen der Muskelspindeln. Die Wirkung dieses multimodalen Signals ist vor allem hemmend auf das Motoneuron des eigenen Muskels (autogene Hemmung). Außerdem wird über erregende Interneurone der Antagonist aktiviert.[2]

Aufbau[Bearbeiten]

Das Golgi-Sehnenorgan besteht aus einer von Sehnenfasern durchzogenen Bindegewebskapsel (Perineuralkapsel), welche das aufgezweigte Ende einer afferenten Nervenfaser vom Typ Ib umgibt. Die sensiblen Endigungen des Nervs durchziehen die Sehnenfasern.

Funktion[Bearbeiten]

Eine Erhöhung der Muskelspannung bewirkt eine Anspannung der Sehne. Dadurch werden die Nervenfaserenden, welche die Sehnenfasern durchziehen, komprimiert und ein Aktionspotential ausgelöst. Dieses wird über Ib Nervenfasern ins Rückenmark übermittelt, wo es auf mehrere Interneurone im Vorderhorn übertragen wird.

Inverser Dehnungsreflex[Bearbeiten]

Der inverse Dehnungsreflex ist ein Eigenreflex. Durch die Aktivierung des Golgi-Sehnenorgans wird u.a. ein inhibitorisches Interneuron im Rückenmark aktiviert, welches eine hemmende Wirkung auf das α-Motoneuron und somit auf die Muskelspannung hat. Ziel dieses Reflexes ist es, die Spannung des Muskels in einem optimalen Bereich zu halten. In Extremsituationen schützt er den Muskel vor Überlastung.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Antje Hüter-Becker, e.a.: Biomechanik, Bewegungslehre, Leistungsphysiologie, Trainingslehre, Thieme Verlag, 2005, S.104, ISBN 3131368616, hier online
  2. Silbernagl, S., Despopoulos, A.: Taschenatlas der Physiologie, 7. Aufl., Thieme 2007. ISBN 978-3-13-567707-1, hier online

Literatur[Bearbeiten]

  • Mark F. Bear, Barry W. Connors, Michael A. Paradiso: Neurowissenschaften. Aus dem Englischen von Andreas Held, Catherine Hornung u.a. 3. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2009. ISBN 978-3-8274-2028-2, S. 492-493
  • Renate Lüllmann-Rauch: Taschenlehrbuch Histologie 2. Auflage. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2006. ISBN 978-3-13-129242-1, S.548