Homel

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Homel | Gomel
Гомель | Гомель
(weißrus.) | (russisch)
Wappen
Wappen
Flagge
Flagge
Staat: Weißrussland Weißrussland
Woblasz: Flag of Homyel Voblast.svg Homel
Gegründet: 1142
Koordinaten: 52° 27′ N, 30° 59′ O52.44527777777830.984166666667Koordinaten: 52° 27′ N, 30° 59′ O
Fläche: 113 km²
 
Einwohner: 515.325 (2013[1])
Bevölkerungsdichte: 4.560 Einwohner je km²
Zeitzone: Kaliningrader Zeit (UTC+3)
Telefonvorwahl: (+375) 232(2)
Postleitzahl: 246001-246050
Kfz-Kennzeichen: 3
 
Bürgermeister: Alexander Beljew
Webpräsenz:
Homel (Weißrussland)
Homel
Homel

Homel bzw. Gomel (weißrussisch Гомель/Homel: russisch Гомель/Gomel) ist mit über 500.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt in Weißrussland. Sie ist der administrative Sitz der Homelskaja Woblasz und des Rajons Homel.

Geografie[Bearbeiten]

Homel liegt im Südosten der Republik Weißrussland nahe der Grenze zur Ukraine, am Fluss Sosch. Die Stadt befindet sich 300 km südöstlich von Weißrusslands Hauptstadt Minsk, 534 km östlich von Brest, 213 km südlich von Mahiljou, 279 km westlich von Brjansk und 111 km nördlich von Tschernihiw. Homel nimmt ein Territorium von 113 km² ein.

Geographische Zugehörigkeit[Bearbeiten]

Homel liegt im nördlichen Teil der Dnepr-Tiefebene. Gemäß der geographischen Einteilung liegt der Großteil des zur Stadt gehörenden Territoriums im nordöstlichen Teil der historischen Region Gomeler Polesien, welcher ein Teil des Weißrussischen Polesien ist. Im Nordwesten liegt ein Teil des Stadtgebietes in der Tschetschersker Ebene, die zum historischen Vorderen Polesien gehört.[2]

Geologie[Bearbeiten]

Homel liegt an den südwestlichen Ausläufern des Woronescher Mittelgebirges, einer leicht erhobenen tektonischen Struktur, die Teil des Russischen Schildes im Osteuropäischen Kraton ist. Das kristalline Fundament lagert in einer Tiefe von 450 bis 550 Metern unter dem Meeresspiegel, auf diesem Fundament sind Ablagerungsschichten mit einer Höhe von 600 bis 700 Metern vorhanden:

  • eine Schicht mit Ablagerungen aus dem Paläozoikum, Dicke 100 bis 120 Meter, bestehend aus Lehm, lehmigem Sand, Mergel und Dolomit aus dem mittleren Devon
  • eine Schicht aus dem Mesozoikum, Dicke 400 bis 420 Meter, mit Sand-Lehm-Formationen aus dem Trias, Lehm, Sand und Kalk aus der Jura sowie Mergel-, Kreide-, Sand- und Lehmablagerungen aus der Kreidezeit
  • eine Schicht aus dem Känozoikum, Dicke 30 bis 50 Meter, mit Quarzsandablagerungen aus dem Paläogen und Sand, Lehm und Kies aus dem Quartär.

Das Territorium, in dem sich Homel befindet, war bis zum mittleren Devon Land. Im mittleren Devon wurde das Gebiet überflutet, verlandete und wurde erneut von einem flachen Meer bedeckt. Im oberen Devon gab es vulkanische Aktivität. Das Quartär brachte dem gesamten heutigen Weißrussland eine Eiszeit mit Gletschern, wobei das Gebiet des heutigen Homel von der Beresinsker und Dnepr-Vereisung betroffen war. Während des Pleistozän entstand auch das Tal es Flusses Sosch. Die Schmelzwässer der Gletschervereisung lagerten das Material ab, welches die weitläufige, sandige und waldreiche Ebene von Polesien hervorbrachte.[2]

Bodenschätze und Relief[Bearbeiten]

Auf dem Gebiet der Stadt Homel gibt es große Vorkommen an süßen Wasser mit Hydrokarbonaten (es ist in den Schichten aus der Kreidezeit und des Känozoikum zu finden) und mineralisiertem Wasser mit Sulfaten, Chloriden und Natrium (aus den Schichten des Devon und Trias). Die letzteren werden gewonnen und als Heilwasser genutzt. Im südwestlichen Zipfel von Homel gibt es bei Osowzowsk große Sandvorkommen.[2]

Das Relief ist im Großen und Ganzen eben. Es besteht aus einer leicht welligen Grundmoränenlandschaft und Hügeln entlang der rechten Uferseite des Flusses Sosch, auf dem linken Ufer ist eine niedrige Schwemmebene. Das Relief ist von Norden nach Süden leicht geneigt. Der höchste Punkt liegt mit 144 m über dem Meeresspiegel auf der Nordgrenze Homels, der niedrigste befindet sich mit 115m am Ufer des Sosch. Der Nowobelizkier Rajon, der auf dem linken Ufer des Sosch liegt, liegt durchschnittlich um 10 bis 15 Meter tiefer als die nördlichen und mittleren Gebiete. Am linken Ufer des Sosch befinden sich kilometerlange Strände.[2]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerung Homels
1775–2006,
in Tausend

1775 5,0
1858 13,7
1880 23,6
1897 36,8
1913 104,5
1925 81,9
1931 109,9
1939 139
1943 < 15,0
1959 168,3
1965 218,0
1970 272,3
1975 337,0
1979 383,0
1985 465,0
1989 497,4
1992 517
1999 475
2006 479,9

Die Bevölkerung betrug am 1. Januar 2006 479 935 Personen, wovon etwa 259 000 erwerbstätig waren. Die Bevölkerung wuchs im Vergleich zur Volkszählung davor (1999) um fast 5000 Menschen, was der erste Zuwachs seit 1993 ist und auf eine langsame Überwindung der Bevölkerungskrise hindeutet.

Von der erwerbstätigen Bevölkerung waren 191 019 Menschen in der Primärproduktion beschäftigt und 69 441 Menschen in der Industrie.

Homels Bevölkerung setzt sich zu 76,7 % aus Weißrussen, zu 16,9 aus Russen und zu 5,1 aus Ukrainern zusammen.[3] Frauen stellen 55 %, Männer 45 % der Einwohner.

Peter-und-Paul-Kathedrale

Nach der Teilung Polen-Litauens (Rzeczpospolita Obojga Narodow) durch Preußen, Österreich und Russland und der Angliederung Homels in das Russische Reich und der Gründung eines Ansiedlungsrayons wurde Homel zu einem der Zentren jüdischer Bevölkerung in Russland. Gemäß dem Zensus von 1897 lebten 20 385 Juden in Homel und machten etwa 55 % der Gesamtbevölkerung aus.[4] 1903 kam es in Homel zu einem Pogrom. 1926 lebten 37 475 Juden in Homel, etwa 44 % der Bevölkerung. Nahezu die gesamte jüdische Bevölkerung der Stadt wurde im Zweiten Weltkrieg von den Deutschen ermordet. Im Jahre 1979 waren es 26 416 Menschen. Am Ende der 1980er Jahre und zu Beginn der 1990er Jahre kam es zu einer massenweisen Abwanderung der Juden aus Homel, so dass ihre Anzahl bis 1999 auf 4029 Personen schrumpfte.

Die Mehrzahl der Menschen in Homel bekennen sich zum orthodoxen Glauben. Im Jahre 2006 existierten in der Stadt 19 Gemeinden der russisch-orthodoxen Kirche,[5] zwei Gemeinden der Altorthodoxen (eine Altritualistische und eine Altorthodoxe), eine römisch-katholische Gemeinde und eine islamische Gemeinde, wenngleich es keine Moschee gibt. Auch Protestanten leben in Homel. Die Stadt ist das Zentrum einer Eparchie der Russisch-Orthodoxen Kirche und verfügt über ein Männer- und ein Frauenkloster.

Geschichte[Bearbeiten]

In der Stadt bestand das Kriegsgefangenenlager 189, Gomel, für deutsche Kriegsgefangene des Zweiten Weltkriegs.[6] Schwer Erkrankte wurden im Kriegsgefangenenhospital 3903, Retschyza, versorgt.

Wappen[Bearbeiten]

Beschreibung: In Blau ein ruhender goldener Luchs mit schwarzen Ohrenbüscheln.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Homel ist erst nach dem Zweiten Weltkrieg stark angewachsen, nachdem hier viel Industrie (v.a. im Zusammenhang mit Homels Funktion als Eisenbahnknotenpunkt) angesiedelt wurde.

Bedeutende Unternehmen sind:

Belastung durch Tschernobyl[Bearbeiten]

Die Region Homel gilt als eines der durch die Katastrophe von Tschernobyl am meisten kontaminierten Gebiete.

Heute zeigt sich, dass in vielen Gebieten die innere Strahlenbelastung der Bevölkerung deutlich auf Werte zurückgegangen ist, die keine Gesundheitsgefährdung mehr darstellen. Selbst in Sperrgebieten scheint eine legale Wiederansiedlung möglich. „Unter Beachtung von einigen Schutzmaßnahmen, wie Reduzierung von Wildfleisch, Vorbehandlung mit Salzlake bei Pilzen und Ortswahl der Waldgebiete nach Kontaminationskriterien, ist ein eingeschränkter Genuss von Waldnahrungsmitteln möglich.“[7]

Edmund Lengfelder baute dort ein Schilddrüsenzentrum auf und behandelt den immer noch weit verbreiteten Schilddrüsenkrebs.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Partnerstädte[Bearbeiten]

Homel ist Partnerstadt von Aberdeen, Clermont-Ferrand und Budweis.

Bilder[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Homel – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Belstat.gov.by (PDF; 269 kB)
  2. a b c d Гомель. Энециклопедический справочник. — Мн.: БелСэ, 1991. — 527 с.
  3. www.gomel-prazdnik.com/gomel.html.
  4. Гомель // Электронная еврейская энциклопедия.
  5. mygomel2007.narod.ru/cifri.htm.
  6. Maschke, Erich (Hrsg.): Zur Geschichte der deutschen Kriegsgefangenen des zweiten Weltkrieges. Verlag Ernst und Werner Gieseking, Bielefeld 1962–1977.
  7. Herbert Dederichs, Jürgen Pillath, Burkhard Heuel-Fabianek, Peter Hill, Reinhard Lennartz: Langzeitbeobachtung der Dosisbelastung der Bevölkerung in radioaktiv kontaminierten Gebieten Weißrusslands – Korma-Studie. Verlag Forschungszentrum Jülich 2009, S. 33, ISBN 978-3-89336-562-3. PDF, 5,71 MB, zuletzt abgerufen am 22. März 2011.