La Gomera
| La Gomera | ||
|---|---|---|
| Blick auf La Gomera von der Fähre nach Los Cristianos auf Teneriffa aus gesehen | ||
| Gewässer | Atlantischer Ozean | |
| Inselgruppe | Kanarische Inseln | |
| Geographische Lage | 28° 7′ N, 17° 14′ W28.116667-17.2333331487Koordinaten: 28° 7′ N, 17° 14′ W | |
|
|
||
| Fläche | 369,76 km² | |
| Höchste Erhebung | Garajonay 1487 m |
|
| Einwohner | 22 622 (2007) 61 Einw./km² |
|
| Hauptort | San Sebastián de la Gomera | |
La Gomera ist nach El Hierro die zweitkleinste der sieben Hauptinseln des Kanarischen Archipels im Atlantischen Ozean.
Inhaltsverzeichnis |
Geografie [Bearbeiten]
Die Insel La Gomera liegt rund 1300 Kilometer vom spanischen und 300 Kilometer vom afrikanischen Festland entfernt. Die Entfernung vom nächstgelegenen Fährhafen Los Cristianos auf Teneriffa beträgt 38 Kilometer. Bei einer Fläche von 369,76 km² hat die Insel einen Flächenanteil an der Gesamtfläche aller Kanaren von 4,94 Prozent. La Gomera hat 22.769 Einwohner (1. Januar 2009)[1], was einer Bevölkerungsdichte von 60,2 Einwohnern pro km² entspricht.
Landschaft und Natur [Bearbeiten]
La Gomera besitzt mehrere Vegetationszonen. Aufgrund ihrer Höhenlage und ihres Mikroklimas sind diese sehr unterschiedlich. Im Norden der Insel finden sich ab 500 Meter Höhe Lorbeerwälder und immergrüne Farne. Oberhalb einer Höhe von 1000 Metern gehen sie fließend in die Fayal-Brezal-Formation über, einem Heidemischwald aus Gagelstrauch (faya) und Baumheide (brezo). Im regenarmen Süden der Insel dominieren neben verschiedenartigen kargen Sträuchern der Phönizische Wacholder, Dickblattgewächse der Gattung Aeonium und die Kanarenpalme. In Küstennähe befinden sich vorwiegend Pflanzen, die auf die salzhaltige Brise des Meeres angewiesen sind, zum Beispiel der Strandflieder, diverse Wolfsmilchgewächse, Agaven und Feigenkakteen. Inmitten La Gomeras liegt der Nationalpark Garajonay, der circa 10 % der Inselfläche bedeckt. Sein Ökosystem steht seit 1986 als Weltnaturerbe unter dem Schutz der UNESCO. Die Wälder im Park sind Lorbeerwälder, die aufgrund der fehlenden Eiszeit hier noch existieren. Das Herzstück des Nationalparks besteht aus immergrünem Nebelwald mit bis zu zwei Meter hohen Farnen, von den Bäumen hängenden langen Bartflechten, Moos bewachsenen knorrigen Ästen und Bächen mit einigen wenigen Wasserfällen.
1984 kam es zu großflächigen Waldbränden, die mehrheitlich auf die Bestände der Kanarischen Kiefer beschränkt blieben, allerdings wegen der raschen Ausbreitung über 20 Todesopfer forderten. Im August 2012 betraf erneut ein Großbrand die Insel, begünstigt durch einen sehr trockenen Winter und Frühling, der etwa 40 km² zerstörte, dabei auch erhebliche Teile des Nationalparks und des Lorbeerbestandes.
Klima [Bearbeiten]
Klimatisch trennt sich die Insel in die trockene Süd- und die von Passatwinden mit feuchter Luft versorgte, fruchtbare Nordhälfte. Zur Wasserversorgung der in Treppen an den Berghängen angelegten Feldflächen wird der Regen und das per Kondensation entstehende Wasser in Reservoirs aufgefangen und an die Bewohner verteilt. Neben Kartoffeln werden auch Tomaten und Wein angebaut.
| Jan | Feb | Mär | Apr | Mai | Jun | Jul | Aug | Sep | Okt | Nov | Dez | |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Durchschnittliche Höchsttemperatur (°C) | 21 | 21 | 22 | 23 | 24 | 25 | 27 | 29 | 28 | 26 | 24 | 22 |
| Durchschnittliche Tiefsttemperatur (°C) | 15 | 15 | 15 | 16 | 17 | 18 | 20 | 21 | 20 | 19 | 18 | 16 |
| Durchschnittlicher Niederschlag (mm) | 18 | 24 | 14 | 7 | 2 | 0 | 0 | 0 | 10 | 13 | 18 | 27 |
| Durchschnittliche Anzahl Regentage | 6 | 4 | 3 | 2 | 2 | 1 | 0 | 0 | 2 | 5 | 6 | 7 |
| Durchschnittliche Wassertemperatur (°C) | 19 | 18 | 18 | 18 | 19 | 20 | 21 | 22 | 23 | 23 | 21 | 20 |
Geschichte [Bearbeiten]
La Gomera war vermutlich schon den Phöniziern bekannt. Die Ureinwohner (Guanchen) der Kanarischen Inseln sollen mit den nordafrikanischen Berbern (Imazighen) kulturgeschichtlich verwandt sein. Es ist bekannt, dass sie eine Pfeifsprache El Silbo verwendeten, um sich über lange Strecken zu verständigen. Der Name Gomera könnte auf den alten Berberstamm Ghomara zurückgehen. Eindeutige Belege gibt es allerdings nicht. Der Stamm der Ghomara war Teil der in Südmarokko ansässigen großen Berber-Föderation der Masmoudâ, diese Stammesföderation gründete zur Zeit der Islamisierung Marokkos den Staat Al-Barghwat’a und bildete später die ethnisch-kulturelle Basis der berberischen Dynastie der Almohaden. Die Almohaden regierten von Marrakesch aus ganz Nordafrika und Andalusien.
Die Spanier eroberten 1404 mit Jean de Béthencourt die Insel. Die Guanchen ergaben sich zunächst, reagierten aber auf ungerechte Behandlungen seitens der Eroberer mit zahlreichen Aufständen. Im weiteren Verlauf des 15. Jahrhunderts folgte der Graf Hernán Peraza, der als besonders grausam verschrien war, er herrschte von 1477 bis 1488. Nach seiner Ermordung durch den Rebellen Hautacuperche folgte ihm seine Frau Beatriz de Bobadilla, die auf die Hilfe des Feudalherren Pedro de Vera von Gran Canaria zählen konnte, nach.
Christoph Kolumbus machte hier seine letzte Zwischenstation, bevor er am 6. September 1492 zu seiner Reise nach Indien aufbrach, bei der er Amerika entdeckte. Gerüchte besagen, er sei in Beatriz de Bobadilla verliebt gewesen, weshalb er seine Abreise länger als notwendig hinausgezögert haben soll. Jedenfalls unterstützte sie ihn finanziell bei der Reparatur eines seiner Schiffe. Angeblich wurde außerdem für die spätere „Taufe“ des amerikanischen Kontinents Quellwasser aus einem Brunnen in San Sebastián de la Gomera verwendet.
Nach der Eroberung wurden viele Einheimische als Sklaven auf das spanische Festland verkauft oder innerhalb des Archipels umgesiedelt, um etwaigen Aufständen vorzubeugen. Die übrigen Einheimischen arrangierten sich mit den Eroberern und übernahmen weitgehend deren Kultur und die spanische Sprache. Heute findet man nur noch wenige Reste der Ur-Sprache Guanche wieder. 1514 wurden die Einheimischen mit den Spaniern rechtlich gleichgestellt. Es etablierte sich ein Feudalsystem. Zuckerrohr und Wein waren im 16. Jahrhundert die wichtigsten Exportartikel.
1837 wurde die Insel anstelle der einheimischen Grafenfamilie direkt der spanischen Krone unterstellt. Die meisten Gomeros blieben weiterhin schlecht bezahlte Pächter oder Tagelöhner auf den grundherrschaftlichen Plantagen. 1852 wurden die Kanaren zur Freihandelszone erklärt und damit als internationaler Warenumschlagplatz interessant.
Die auf den Opuntien lebenden Cochenille-Schildläuse lieferten begehrte und hoch gehandelte rote Farbstoffe. Mit der Erfindung synthetischer Farbstoffe brach kurze Zeit später die viel aufwendigere Cochenille-Produktion zusammen. Vor diesem Hintergrund wirtschaftlicher Not kam es Ende des 19. Jahrhunderts zur zweiten Auswanderungswelle, vor allem nach Kuba und Venezuela.
1974 gab es ersten regelmäßigen Fährverkehr zwischen Los Cristianos auf Teneriffa und San Sebastian de la Gomera.
1975 kam es nach dem Tod des spanischen Diktators Francisco Franco zu einer Demokratisierung unter dem spanischen König Juan Carlos. Die Canarios wählten erstmals ein regionales Parlament und erhielten eine eigene regionale Regierung. Im Jahr 1982 erhielten die Kanaren den Autonomiestatus, unterteilt in die Provinzen Las Palmas und Santa Cruz de Tenerife, zu der La Gomera gehört.
Inhalt einer Infotafel im Inneren der Insel [Bearbeiten]
Eine Infotafel im Inselinneren sagt über die Geschichte folgendes aus:
- Wir befinden uns an einem der geschichtsträchtigsten Orte La Gomeras mit Namen Degollada de Peraza. Hier töteten die Ureinwohner La Gomeras den Feudalherrn der Insel, den bekannten Hernán Peraza el Joven, „der Junge“.
- Vor der Ankunft der Europäer war die Insel in vier Bezirke aufgeteilt (Ipalán, Mulagua, Orone und Agana). Hernán Peraza el Viejo, „der Alte“, ließ sich in der heutigen Inselhauptstadt San Sebastián nieder und schloss einen Bruderschaftspakt mit den Stämmen Ipalán und Mulagua. Dieses Abkommen wurde besiegelt, indem die Beteiligten Milch aus einem „gánigo“ (Krug) tranken. Was die Europäer als Akt von Vasallentum ansahen, wurde von den Ureinwohnern der Insel La Gomera als Freundschaftspakt ausgelegt.
- Im Jahr 1477 ratifizierte Hernán Peraza el Joven, verheiratet mit Beatriz von Bobadilla, den Pakt seines Großvaters. Aber Hernán verletzte den Pakt nicht nur, weil er einen Großteil der einheimischen Bevölkerung als Sklaven hielt und menschenunwürdig behandelte, sondern auch weil er eine Beziehung zu einer jungen Frau namens Iballa einging, die seinem Stamm angehörte und deswegen als seine „Schwester“ angesehen wurde.
- Im Winter 1488 beschlossen die Inselbewohner zu rebellieren. Die Inselkönige, zu denen Hupalupo gehörte, wurden in La Baja del Secreto zusammengerufen, wo sie beschlossen, den bisherigen Regierungspakt zu annullieren. Bei diesem Aufstand wurde Hernán Peraza von dem jungen Krieger Hautacuperche in der Guahedum-Höhle, in der er sich mit seiner Geliebten Iballa traf, ermordet. Danach versuchten die Guanchen, den von den Besatzern errichteten Turm des Grafen zu erobern. Hautacuperche starb bei diesem Eroberungsversuch. Der Gouverneur von Gran Canaria, Pedro de Vera, beendete diese Rebellion durch einen grausamen Schlag, der als größte Tragödie in die Eroberungsgeschichte der Kanaren einging. Durch diese blutige Niederschlagung mussten sich die Einheimischen endgültig der herrschaftlichen Macht unterwerfen. Aus diesem Grund wird dieser Aufstand der ursprünglichen Inselbewohner von La Gomera als das wichtigste Ereignis in der Geschichte von La Gomera angesehen.
Verwaltung [Bearbeiten]
La Gomera gehört zur spanischen Provinz Santa Cruz de Tenerife in der seit 1982 bestehenden Spanischen Autonomen Gemeinschaft Kanarische Inseln, und damit seit 1986 zur EU. Die Hauptstadt der Insel ist San Sebastián de la Gomera, die Landessprache ist Spanisch. La Gomera besitzt einen eigenen Inselrat, den cabildo insular, und ist in die sechs Gemeinden Agulo, Alajeró, Hermigua, San Sebastián de la Gomera, Valle Gran Rey und Vallehermoso gegliedert. Präsident des Inselrates ist seit 1991 Casimiro Curbelo Curbelo von der Partei PSOE (zuletzt 2007 wiedergewählt).
Allgemeines [Bearbeiten]
La Gomera gehört mit etwa 12 Millionen Jahren zu den älteren der Kanarischen Inseln. Der vulkanische Ursprung ist noch sehr gut sichtbar. Die Entstehungsgeschichte ist im Artikel Kanarische Inseln ausführlich beschrieben. Inmitten der Insel gedeiht der größte noch zusammenhängende Lorbeerwald der Erde. Mit den eng zusammenstehenden Vulkanschloten gehört er zum Nationalpark Garajonay, der UNESCO-Weltnaturerbe ist. Höchste Erhebung der Insel ist der gleichnamige Garajonay mit 1.487 Metern Höhe.
Zu den Besonderheiten La Gomeras gehört die weltweit nur hier existierende Pfeifsprache der Gomeros, El Silbo, die schon von den Ureinwohnern zur Verständigung genutzt worden sein soll. Sie hat den Vorteil, auch über große Distanz gehört zu werden, was den Gomeros zu einer einfachen Verständigung über ihre weiten Täler (Barrancos) verhalf und verhilft. Die UNESCO hat El Silbo 1982 auf die Liste der zu schützenden Weltkulturgüter gesetzt. Im September 1999 hat die kanarische Inselregierung an allen Grundschulen der Insel La Gomera El Silbo als Pflichtfach eingeführt, vorher war die Pfeifsprache Wahlfach.
Im bekanntesten Tal der Insel, dem Valle Gran Rey (Tal des großen Königs), gab es über viele Jahre Hippie-Kommunen, die zum Teil in Höhlen an einem Strand wohnten, der so genannten Schweinebucht. Heute wird die Schweinebucht noch zeitweise von einigen Aussteigern für einen günstigen Urlaub genutzt.
Wirtschaft [Bearbeiten]
In den flachen Gebieten der Küstenregionen herrschen Bananenplantagen vor, deren kleine, schmackhafte Früchte aber nicht für den Export bestimmt sind. Weitere Landwirtschaft war weit verbreitet, da in höheren Lagen die in den Wintermonaten häufigen Regenfälle genutzt werden konnten, und im Frühjahr geerntet wurde. Viele Anbauflächen liegen inzwischen brach, da in den 1960er und 1970er Jahren eine Landflucht stattfand. Auch einige entlegenere Dörfer sind teilweise völlig verlassen.
Bei Spaniens Eintritt in die Europäische Gemeinschaft 1986 räumte man den Kanarischen Inseln einen Sonderstatus mit Absatzgarantie bei Bananen ein, der Ende 1995 auslief. Heute spielt die Landwirtschaft für den Eigenbedarf in den Tälern und auf wenigen der Terrassen zwar noch eine Rolle, aber meist bringt der noch sanfte Tourismus, besonders in Form von Wandertouren, einen akzeptablen Wohlstand.
Verkehr [Bearbeiten]
- Straßennetz
Bis in die 1960er Jahre existierten zwischen den zumeist an der Küste gelegenen Orten kaum Straßenverbindungen. Alle Waren und Personen gelangten nur per Schiff in die Inselhauptstadt. Seitdem wurde das Straßennetz umfangreich ausgebaut. Linienbusse, auf den Kanaren Guaguas genannt, bieten eine preisgünstige Verbindung aller größeren Gemeinden mit der Hauptstadt San Sebastián de la Gomera. Die Busse fahren relativ selten, halten jedoch auf Handzeichen zum Ein- und Aussteigen an beliebigen Punkten entlang der Strecke. Dennoch sind viele Orte oft nur schwer per Bus zu erreichen: Direktverbindungen per Bus vom Valle Gran Rey beispielsweise nach Vallehermoso, Hermigua oder Agulo im Norden, oder nach Playa Santiago bzw. Alajero im Süden, gibt es nicht. Eine Fahrt per Bus vom Valle Gran Rey nach Hermigua dauert etwa drei Stunden.
- Fähren
La Gomera kann mit der Schnellfähre der Reederei Fred. Olsen Express von Los Cristianos oder einer Autofähre der Reederei Naviera Armas erreicht werden. Ab März 2009 übernahm die Reederei Fred. Olsen auch die bis November 2008 von der Reederei Garajonay Expres bediente Schnellbootlinie zwischen Los Cristianos und Vueltas im Valle Gran Rey auf La Gomera, mit Zwischenstopps in San Sebastián de la Gomera und Playa Santiago im Süden der Insel. Seit 1. Februar 2012 ist diese Linie eingestellt.
- Flugverkehr
Der erst im Jahr 1999 neu eröffnete Flughafen La Gomera liegt bei Playa Santiago in der Gemeinde Alajeró. Die Landebahn ist zu klein für internationale Chartermaschinen. Der Flughafen dient daher nur dem regionalen Verkehr. Aktuell (Sommer 2012) werden jeweils zwei tägliche Flüge zwischen La Gomera und Teneriffa-Nord angeboten.
- Wanderwege
Für Wanderer gibt es ein ausgedehntes, überwiegend beschildertes Wanderwegenetz, das alle Inselteile – teils mit beträchtlichen Höhenunterschieden – miteinander verbindet.
Quellen [Bearbeiten]
Weblinks [Bearbeiten]
- Seite der Inselverwaltung (spanisch)
- La Gomera. Die Olsenbande, mare, Nr. 80, Juni 2010 (zur wirtschaftlichen Situation)
- Plan der ÖPNV-Verbindungen auf der Insel (zzgl. Flugverbindungen) (PDF; 432 kB)
Hauptinseln: Fuerteventura | Gran Canaria | La Gomera | El Hierro | Lanzarote | La Palma | Teneriffa
Nebeninseln: Alegranza | La Graciosa | Lobos | Montaña Clara | Roque del Este | Roque del Oeste