Gonnardit

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Gonnardit
Gonnardit.jpg
Nierige GonnarditKruste auf Matrix aus Klöch, Steiermark, Österreich (Größe: 1,8 × 1,2 × 0,8 cm)
Chemische Formel

(Na,Ca)2[(Si,Al)5O10]·3H2O[1]

Mineralklasse Silikate und Germanate - Gerüstsilikate (Tektosilikate)
9.GA.05 (8. Auflage: VIII/J.21) nach Strunz
77.01.05.07 nach Dana
Kristallsystem tetragonal
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin tetragonal-skalenoedrisch; 42m[2]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) I42d (Raumgruppen-Nr. 122)
Farbe weiß, gelblich bis lachsrot
Strichfarbe weiß
Mohshärte 5
Dichte (g/cm3) gemessen: 2,25 bis 2,36; berechnet: 2,33[3]
Glanz Seidenglanz
Transparenz durchscheinend
Spaltbarkeit
Habitus faserige Kristalle; sphärolitische, nierige, massige Aggregate
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,514 nβ = 1,515 nγ = 1,520[4]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,006[4]; zweiachsig positiv
Optischer Achsenwinkel 2V = gemessen: 52°, berechnet: 50°[4]

Gonnardit ist ein eher selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Silikate und Germanate“. Es kristallisiert im tetragonalen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung (Na,Ca)2[(Si,Al)5O10]·3H2O[1], ist also ein wasserhaltiges Natrium-Silikat. Die in den runden Klammern angegebenen Elemente Natrium und Calcium bzw. Silicium und Aluminium können sich in der Formel jeweils gegenseitig vertreten (Substitution, Diadochie), stehen jedoch immer im selben Mengenverhältnis zu den anderen Bestandteilen des Minerals. Strukturell gehört Gonnardit zu den Gerüstsilikaten (Tektosilikaten) und dort zur Gruppe der Zeolithe.

Gonnardit entwickelt faserige bis prismatische Kristalle, die meist in radialstrahligen bis kugeligen oder nierigen Mineral-Aggregaten angeordnet sind. Auch in derben Massen kann er auftreten.

In reiner Form ist Gonnardit farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund der überwiegend polykristallinen Ausbildung erscheint er jedoch meist weiß, zudem kann er durch Fremdbeimengungen eine gelbliche bis lachsrote Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt. Die seltenen, grobkristallinen Formen zeigen einen glasähnlichen Glanz auf den Kristallflächen. In dichten, faserigen Aggregatformen schimmert Gonnardit meist seiden- oder perlmuttartig.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Gonnardit am La Chaux de Bergonne nahe der Gemeinde Gignat im französischen Kanton Saint-Germain-Lembron (Auvergne) und beschrieben 1896 durch Antoine Lacroix, der das Mineral nach Ferdinand Gonnard (1833–1923) benannte.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Gonnardit zur Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate), mit Zeolithen“, wo er zusammen mit Mesolith, Natrolith, Paranatrolith, Skolezit, Thomsonit-(Ca) und Thomsonit-(Sr) die Gruppe der „Faserzeolithe I“ mit der System-Nr. VIII/J.21 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Gonnardit dagegen in die bereits feiner unterteilte Abteilung der „Gerüstsilikate (Tektosilikate) mit zeolithischem H2O; Familie der Zeolithe“ ein. Diese ist zudem weiter unterteilt nach der Kristallstruktur, so dass das Mineral entsprechend seinem Aufbau in der Unterabteilung „Zeolithe mit Vierer-Ring Ketten über ein fünftes Si verbunden“ zu finden ist, wo es nur noch zusammen mit Mesolith, Natrolith, Paranatrolith und Skolezit die „Natrolithgruppe“ mit der System-Nr. 9.GA.05 bildet.

Auch die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Gonnardit in die Klasse der „Silikate und Germanate“ und dort in die Abteilung der „Gerüstsilikate: Zeolith-Gruppe“ ein. Hier ist er in der „Natrolith und verwandte Arten“ mit der System-Nr. 77.01.05 innerhalb der Unterabteilung „Echte Zeolithe“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Drusenfüllung aus faserigen Gonnardit-Büscheln aus dem Steinbruch „Blackhead“, Dunedin, Neuseeland (Sichtfeld 5 mm)

Gonnardit bildet sich hydrothermal in Hohlräumen von Vulkaniten wie beispielsweise Basalt, Tephrit oder verwittertem Skarn, wo er meist mit anderen Zeolithen, aber auch Calcit vergesellschaftet auftritt.

Als eher seltene Mineralbildung kann Gonnardit an verschiedenen Fundorten zum Teil zwar reichlich vorhanden sein, insgesamt ist er aber wenig verbreitet. Insgesamt gelten bisher (Stand 2013) rund 160 Fundorte als bekannt.[5] Seine Typlokalität La Chaux de Bergonne ist dabei der bisher einzige bekannte Fundort in Frankreich, allerdings konnte das Mineral noch auf der zum französischen Hoheitsgebiet gehörenden Insel Réunion, genauer am Vulkan Piton des Neiges[6], sowie in basaltischen Gesteinsproben von der zum französischen Süd- und Antarktisterritorium gehörenden Insel Grande Terre nachgewiesen werden.[7]

In Deutschland fand man das Mineral unter anderem am Wartberg bei Selb in Bayern; in den Steinbrüchen „Roßberg“ nahe Roßdorf (bei Darmstadt), „Hochberg“ bei Nieder-Ofleiden und „Gaulsberg“ bei Ortenberg in Hessen; im Steinbruch „Bramburg“ bei Adelebsen in Niedersachsen; im Steinbruch Weilberg nahe Königswinter in Nordrhein-Westfalen; am Arensberg nahe Zilsdorf und am Schellkopf nahe Brenk in der rheinland-pfälzischen Eifel sowie in einem Phonolith-Steinbruch nahe Hammerunterwiesenthal in Sachsen.

In Österreich konnte Gonnardit bisher nur in einem unbenannten Basalt-Steinbruch bei Klöch und im Steinbruch „Steinberg“ nahe Mühldorf bei Feldbach in der Steiermark entdeckt werden und in der Schweiz kennt man das Mineral bisher nur vom Fornogletscher und vom Piz dei Rossi im Kanton Graubünden.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Argentinien, Australien, Belgien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Costa Rica, Kanada, Frankreich, Grönland, Indien, Italien, Japan, Kenia, Lesotho, Neuseeland, Norwegen, Polen, Portugal, Tschechien, Grönland, Rumänien, Russland, auf den Salomonen, in Spanien, der Türkei, Ungarn, dem Vereinigten Königreich (UK) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[8]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Gonnardit kristallisiert tetragonal in der Raumgruppe I42d (Raumgruppen-Nr. 122) mit den Gitterparametern a =   Å; b =   Å; c =   Å; α =  °; β =  ° und γ =  ° sowie Formeleinheiten pro Elementarzelle.[9]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 911.
  •  Hans Jürgen Rösler: Lehrbuch der Mineralogie. 4. durchgesehene und erweiterte Auflage. Deutscher Verlag für Grundstoffindustrie (VEB), Leipzig 1987, ISBN 3-342-00288-3, S. 617.
  •  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 274 (Dörfler Natur).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gonnardite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b IMA/CNMNC List of Mineral Names; August 2013 (PDF 1,3 MB)
  2. Webmineral - Gonnardite
  3. Gonnardite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF kB)
  4. a b c Mindat - Gonnardite
  5. Mindat - Anzahl der Fundorte für Gonnardit
  6. Mindat - Gonnardite from Piton des Neiges, Réunion Island
  7. Mindat - Gonnardite from Grande Terre island, Kerguelen Islands, French Southern and Antarctic Lands
  8. Fundortliste für Gonnardit beim [ Mineralienatlas] und bei [ Mindat]
  9.  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 701.