Google Apps

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Google Apps
Logo
offizielle Websiite
Beschreibung E-Mail und Office-Paket in der Cloud
Registrierung Google-Konto
Eigentümer Google
Erschienen 22. Februar 2007

Google Apps ist eine Webanwendung von Google Inc., die im Februar 2006 eingeführt wurde und im Wesentlichen ein E-Mail-Postfach sowie ein Office-Paket unter einer individuellen Domain beinhaltet.[1] Sie ist vergleichbar mit Office 365 von Microsoft oder der Zoho Suite. Ab August 2007 wurde Google Apps international in mehr als zwei Dutzend Sprachen bereitgestellt.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Frühjahr 2006 begann die Zusammenarbeit zwischen Google und dem City College in San José, im Rahmen derer Gmail als technologische Plattform für die Postfächer der Studenten eingeführt wurde. Im August desselben Jahres kündigte Google dann Google Apps for Your Domain an, das sozusagen die erste Version des Dienstes darstellt.[3] Kern des Angebots war es, eine individuelle Domain zur Verwendung mit diversen Google-Produkten freizuschalten.[4] Nur wenige Monate wurde Google Apps for Business vorgestellt, das sich erstmals gezielt an Unternehmen richtete. Es enthielt neben Gmail auch Google Kalender und Kontakte sowie eine Software für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Präsentationen unter dem Namen Google Docs, sowie 10 GB Speicher für jeden einzelnen Benutzer und eine garantierte Verfügbarkeit.[5]

Unter der Bezeichnung Google Apps for Education wurde eine Variante gestartet, die im Kern mit Google Apps for Business identisch ist – mit Ausnahme der Integration von Google Groups. Dieser Dienst ist für Universitäten und andere Bildungseinrichtungen standardmäßig aktiviert, was auf die Business-Variante nicht zutrifft. Im April 2010 wurde bekannt, dass Oregon als erster Bundesstaat der Vereinigten Staaten allen öffentlichen Schulen die Verwendung von Google Apps anbot, womit erstmals eine flächendeckende Installation des Online-Dienstes im Bildungswesen durchgeführt wurde.[6] Zuvor wurden bereits Schulen in Kenia und Ruanda auf Google Apps for Education migriert.[7] Im Juli erweiterte Google sein Portfolio um Google Apps for Government, das speziell auf Behörden zugeschnitten ist und deren Anforderungen an IT-Sicherheit und Datenschutz berücksichtigen soll.[8] Zunächst lag der Fokus auf den Vereinigten Staaten, später wurde der Dienst offiziell auf andere Länder ausgedehnt.

Im Dezember 2012 gaben die Entwickler bekannt, die kostenlose Variante von Google Apps einzustellen.[9] Als Grund wurde eine bessere Trennung zwischen privaten und geschäftlichen Nutzern genannt – der Schritt wurde jedoch trotzdem öffentlich kritisiert, obwohl er sich auf Bestandskunden nicht auswirkte. Seitdem ist der Dienst nur noch als Google Apps for Business und Google Apps for Government sowie Google Apps for Education erhältlich, wobei letztere Variante für Personen außerhalb der Verwaltung weiterhin kostenlos verfügbar ist.[10]

Funktionen[Bearbeiten]

Google Apps beinhaltet in allen Versionen mindestens Gmail, Google Kalender, Google Drive mit Office-Software, Google Talk, Google Sites sowie Google Mobile Sync. Letzterer Dienst ermöglicht Unternehmen und anderen Organisationen die Synchronisation mobiler Geräte über das Exchange-Protokoll, während die entsprechende Funktion für Privatpersonen eingestellt wurde.[11] Sämtliche Anwendungen aus Google Apps werden über die sogenannte Google Admin Console, die zuletzt im Mai 2013 überarbeitet wurde, konfiguriert und können dort einzeln aktiviert und deaktiviert werden.[12]

Optional kann mit Google Apps Vault die zentrale Archivierung bestimmter Inhalte gebucht werden, wodurch die Begrenzung des verfügbaren Speichers der Apps-Tarife praktisch aufgehoben wird.[13] Jedes Google-Konto, das über Google Apps verwaltet wird, kann theoretisch auch auf alle anderen Dienste des Unternehmens zugreifen, etwa Google AdSense oder YouTube. Auch eine Anmeldung in Google Chrome ist beispielsweise möglich. Jedoch betont Google, dass für diese Angebote das vertraglich vereinbarte Service-Level-Agreement nicht gilt, sondern nur für die Kerndienste.[14] Seit Ende 2011 haben Administratoren die Möglichkeit, auch die Verwendung des sozialen Netzwerkes Google+ für verwaltete Benutzerkonten zu gestatten oder zu blockieren.[15]

Im Frühjahr 2010 öffnete Google seine Infrastruktur für dritte Anbieter. Diese können im sogenannten Google Apps Marketplace Software bereitstellen, die Unternehmen und andere Organisationen mit einem bestehenden Konto bei Google Apps for Business erwerben und ohne zusätzliche Anmeldung einsetzen.[16] Der Erwerb mit der Education- oder Government-Variante ist eingeschränkt. Das Hosting dritter Dienste erfolgt in der Regel mit Hilfe der Google App Engine, über die sich auch eigene Anwendungen in einer Google Apps-Organisation verteilten lassen.[17]

Anwender[Bearbeiten]

Im Rahmen der Google I/O 2012 erklärten die Betreiber, Google Apps for Business werde weltweit von mehr als fünf Millionen Unternehmen genutzt.[18] Dazu gehören nach offiziellen Angaben beispielsweise Rocket Internet oder Hoffmann-La Roche.[19][20] Außerdem werde Google Apps for Education von 66 der 100 größten Universitäten der Vereinigten Staaten verwendet, bereits 2010 vermeldete Google zehn Millionen aktive Nutzer dieser Variante.[21] Über die Verbreitung von Google Apps for Government gibt es keine belastbaren Statistiken – jedoch verboten einige Staaten ausdrücklich den Einsatz des Dienstes, wie beispielsweise Schweden im Juni 2013.[22]

Im direkten Vergleich zu Office 365 wird Google Apps von Experten überwiegend positiv bewertet.[23][24] Gelegentlich wird aber auch Kritik am Datenschutz beziehungsweise der Sicherheit sowie dem Kundendienst von Google geäußert, die im Vergleich zu Microsoft nicht so ausgereift sei.[25][26] Zumindest die Bedenken betreffend der Sicherheit haben Google veranlasst, Google Apps schließlich Mitte 2012 durch Ernst & Young nach dem ISO-Standard 27001 zertifizieren zu lassen.[27]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Malte Helmhold: Google, Mail und Kalender. KnowWare, Osnabrück März 2011, ISBN 978-8791364945.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stephanie Hannon: Big mail on campus. In: Official Blog. Google, 10. Februar 2006, abgerufen am 8. August 2013 (englisch).
  2. Jan Christe: Google Apps werden international. In: t3n Magazin. 1. August 2007, abgerufen am 8. August 2013.
  3. Raju Gulabani: Get your people talking. In: Official Blog. Google, 28. August 2006, abgerufen am 8. August 2013 (englisch).
  4. Andreas Wilkens: Google bietet Unternehmen gehostete Kommunikationsdienste an. In: heise online. 28. August 2006, abgerufen am 8. August 2013.
  5. Google Introduces New Business Version of Popular Hosted Applications. In: News from Google. Google, 22. Februar 2007, abgerufen am 8. August 2013 (englisch).
  6. Christopher Dawson: Oregon makes Google Apps for Education available statewide. In: ZDNet. 28. April 2010, abgerufen am 8. August 2013 (englisch).
  7. Francoise Brougher: Google Apps now south of the Sahara. In: Official Blog. Google, 19. März 2007, abgerufen am 8. August 2013 (englisch).
  8. Hans-Peter Schüler: Google Apps wollen auf US-Behörden-Desktops. In: heise online. 27. Juli 2010, abgerufen am 8. August 2013.
  9. Lars Budde: Google Apps: Kostenlose Version wird eingestellt. In: t3n Magazin. 7. Dezember 2012, abgerufen am 8. August 2013.
  10. Kostenlose Version von Google Apps eingestellt. In: Die Presse. 7. Dezember 2012, abgerufen am 8. August 2013.
  11. Ingo Pakalski: Datenzugriff via Activesync wird für Neugeräte eingestellt. In: Golem. 17. Dezember 2012, abgerufen am 8. August 2013.
  12. Muzammil Esmail: New Google Admin console. In: Official Enterprise Blog. Google, 8. Mai 2013, abgerufen am 8. August 2013 (englisch).
  13. Jens Ihlenfeld: Virtueller Tresor für E-Mails und Chats. In: Golem. 29. März 2012, abgerufen am 8. August 2013.
  14. Google Apps Service-Level-Agreement. Google, abgerufen am 8. August 2013.
  15. Ronald Ho: Google+ is now available with Google Apps. In: Official Enterprise Blog. Google, 27. Oktober 2011, abgerufen am 8. August 2013 (englisch).
  16. Falk Hedemann: „Apps Marketplace“: Google startet Cloud App Store, 25 Mio. Kunden schon da. In: t3n Magazin. 10. März 2010, abgerufen am 8. August 2013.
  17. Ron Zalkind: Developing Enterprise-class apps on Google App Engine and the Google Apps Marketplace. In: Official Code Blog. Google, 10. Mai 2011, abgerufen am 8. August 2013 (englisch).
  18. Frederic Lardinois: Gmail Now Has 425 Million Users, Google Apps Used By 5 Million Businesses And 66 Of The Top 100 Universities. In: TechCrunch. 28. Juni 2012, abgerufen am 8. August 2013 (englisch).
  19. Rocket Internet vernetzt Start-Ups mit Google Apps for Business. Google, 11. März 2013, abgerufen am 8. August 2013 (PDF, 386 KB groß).
  20. Alan Hippe: The Roche Group goes Google. In: Official Blog. Google, 16. Februar 2012, abgerufen am 8. August 2013 (englisch).
  21. Strike up the band: over 10 million have gone Google with Apps for Education. In: Official Blog. Google, 14. Oktober 2010, abgerufen am 8. August 2013 (englisch).
  22. Jordan Novet: Swedes say no to Google Apps for government use. In: GigaOM. 13. Juni 2013, abgerufen am 8. August 2013 (englisch).
  23. Jörg Geiger: Cloud im Office-Einsatz. In: CHIP Online. 8. Januar 2010, abgerufen am 8. August 2013.
  24. Dieter Petereit: Office365: Microsofts untauglicher Versuch, Google Apps Konkurrenz zu machen. In: t3n Magazin. 29. Juni 2011, abgerufen am 8. August 2013.
  25. Woody Leonhard: Office 365 vs. Google Apps. In: InfoWorld. 28. Juni 2011, abgerufen am 8. August 2013 (englisch).
  26. Doug Barney: Face-Off: Google Apps vs. Office 365. In: Redmond Magazine. 3. Februar 2013, abgerufen am 8. August 2013 (englisch).
  27. Hans-Peter Schüler: Google Apps mit Sicherheitszertifikat. In: heise online. 28. Mai 2012, abgerufen am 8. August 2013.