Gordon Banks

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Gordon Banks (2007)

Gordon Banks (* 30. Dezember 1937 in Sheffield, England) ist ein ehemaliger englischer Fußballtorwart, der von der Statistikervereinigung IFFHS zum weltweit zweitbesten Torhüter des 20. Jahrhunderts gewählt wurde.[1] Sein größter Erfolg war 1966 der Gewinn der Fußball-WM im eigenen Land. Größere Bekanntheit erlangte „Banks of England“ vier Jahre später zudem durch eine erfolgreiche Parade gegen den brasilianischen Weltstar Pelé, die von der Weltfußballorganisation FIFA als eine der besten Rettungstaten in der Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaften ausgezeichnet wurde. In der Fachwelt galt er in der Zeit von 1966 bis 1970 als bester Torwart der Welt.

Sportliche Laufbahn[Bearbeiten]

Frühzeit seiner Karriere[Bearbeiten]

Der in Sheffield geborene Gordon Banks interessierte sich früh für die Spielweise der damals aktiven Torhüter und kam als Junge in einer einheimischen Mannschaft aus Kohlegrubenarbeitern zum Einsatz. Nach seinem Schulabschluss arbeitete er zunächst im Bergbau und später als Maurer.

Banks spielte fortan zunehmend in Jugendvereinsmannschaften und stieg schnell in die Reserveteams im Erwachsenenbereich auf, bevor es ihn mit der britischen Fernmeldetruppe („Royal Corps of Signals“) in die Bundesrepublik Deutschland verschlug. Während seiner Stationierung im niedersächsischen Langeleben spielte er für den SV Viktoria Königslutter. Er besucht diesen Verein noch heute regelmäßig und ist Ehrenmitglied des SV Viktoria Königslutter.[2] Mit der Regimentsmannschaft gewann er den „Rhine Cup“. Unmittelbar nach seiner Rückkehr bot ihm Ted Davison - damals Trainer des FC Chesterfield - einen Vollzeitvertrag bei dem von ihm betreuten Klub an.

Der junge Torhüter erreichte 1956 mit dem FC Chesterfield das Endspiel des wohl wichtigsten englischen Nachwuchswettbewerbs FA Youth Cup und unterlag dort nach Hin- und Rückspiel gegen die berühmten „Busby Babes“ von Manchester United nur knapp mit 3:4 Toren. Im November 1958 debütierte Banks in der neu formierten Third Division für die Profimannschaft, wechselte aber zum Saisonende - nach nur insgesamt 23 Einsätzen - für eine Ablösesumme von 7.000 britischen Pfund zum Erstligisten Leicester City.

Es folgte ein schneller Aufstieg und nach nur vier Spielen in der Ersatzmannschaft kam Banks zu seinem Einstand in der obersten englischen Spielklasse. Am 9. September 1959 ersetzte er beim 1:1 gegen den FC Blackpool erstmals den verletzten Dave McLaren und kam auch drei Tage später beim 2:0-Sieg gegen Newcastle United zum Einsatz. Zwar konnte McLaren nach seiner Genesung seinen Widersacher zunächst wieder auf die Ersatzbank verdrängen, aber die anschließenden 14 Gegentore in nur fünf Spielen sorgten dafür, dass Banks auf die Torhüterposition zurückkehrte und auch für den Rest der Spielzeit die erste Wahl seines Trainers bleiben sollte.

Ein erster Erfolg war für Banks mit Leicester City 1961 nach dem Sieg gegen Sheffield United das Erreichen des FA-Cup-Endspiels im Wembley-Stadion - der ersten von insgesamt drei Finalteilnahmen des Vereins in den 1960er Jahren. Als Gegner warteten 1961 die Tottenham Hotspurs, die zu dieser Zeit den englischen Fußball dominierten und mit deutlichem Vorsprung die Meisterschaft gewonnen hatten. Obwohl Banks in diesem Endspiel eine gute Leistung bot, stellte sich der verletzungsbedingte Ausfall des rechten Verteidigers Len Chalmers als eine zu große Schwächung heraus und die Spurs gewannen nach zwei Toren in der zweiten Halbzeit durch Bobby Smith und Terry Dyson den Pokal und somit das erste englische „Double“ des 20. Jahrhunderts.

In der englischen Nationalmannschaft war zu dieser Zeit Ron Springett der Stammtorhüter. Nach der WM 1962 in Chile jedoch wurden durch die Verpflichtung des ehemaligen englischen Rechtsverteidigers Alf Ramsey zum neuen Nationaltrainer zahlreiche Veränderungen eingeleitet. Ramsey erhielt als erster englischer Nationaltrainer die alleinige Kontrolle über die Mannschaft und bereitete das Team auf die kommende Weltmeisterschaft des Jahres 1966 im eigenen Land vor. Da sich der Gastgeber für die Endrunde des Turniers nicht qualifizierten musste, sah sich Ramsey einer vierjährigen Vorbereitungszeit gegenüber. Auf der Torwartposition vertraute er im April 1963 gegen Schottland im Wembley-Stadion erstmals dem damals 25-jährigen Torhüter von Leicester City. Obwohl England die Partie mit 1:2 verlor, erhielt Banks Leistung eine überwiegend positive Resonanz in den öffentlichen Medien und auch Ramsey äußerte sich sehr zufrieden. Banks agierte in 13 der nächsten 15 Länderspiele, darunter auch bei einem 1:1 gegen den amtierenden Weltmeister aus Brasilien.

Einen Monat nach seinem ersten internationalen Einsatz kehrte Banks nach Wembley zurück, um dort mit Leicester City ein weiteres FA-Cup-Endspiel zu bestreiten. Der Gegner war in diesem Fall Manchester United. Fünf Jahre nach dem Flugzeugunglück von München und dem Tod von acht „Busby Babes“ - gegen die Banks noch als Jugendlicher gespielt hatte - versuchte United mit der neu aufgebauten Mannschaft seinen ersten Titel zu gewinnen. Banks konnte einen Schuss von Bobby Charlton nicht festhalten und ermöglichte damit David Herd den Treffer zum 0:1 per Nachschuss. Auch das Tor zum 0:2 verlief für Banks unglücklich, als ihn Denis Law mit einem Schuss auf dem falschen Fuß erwischte. Obwohl Leicester mit einem Kopfballtor von Ken Keyworth auf 1:2 verkürzen konnte, sorgte ein Fehler von Banks für den 1:3-Endstand. Banks griff sich eine von Johnny Giles in seinen Strafraum geschlagene Flanke, konnte den Ball aber nicht festhalten, ließ ihn direkt vor Herd fallen, der somit das dritte Tor für Manchester erzielte.

Seinen ersten Titel gewann Banks schließlich im Jahre 1964, als er mit seinem Team im Endspiel des Ligapokals nach Hin- und Rückspiel mit 4:3 Stoke City besiegte. Eine erfolgreiche Titelverteidigung misslang im darauf folgenden Jahr, als einer 2:3-Hinspielniederlage gegen den FC Chelsea an der Stamford Bridge nur ein 0:0 an der heimischen Filbert Street folgte.

Das Weltmeisterschaftsjahr 1966[Bearbeiten]

Bis zum Jahre 1965 war Banks unumstritten die erste Wahl auf der Position des englischen Nationaltorhüters und hatte sich auf ein Leistungsniveau fortentwickelt, das in den folgenden rund sieben Jahren als „Form seines Lebens“ bezeichnet werden kann. Seine Stärken lagen in einer außergewöhnlichen Beweglichkeit und Aufmerksamkeit. Er zeichnete sich dabei häufig durch spektakuläre Paraden und ein nahezu fehlerloses Stellungsspiel aus. Durch die letztgenannte Fähigkeit war es ihm überdurchschnittlich gut möglich gegnerische Angriffszüge zu antizipieren.

Mit Banks im englischen Tor gewann das Gastgeberteam die Gruppenphase gegen Uruguay, Mexiko und Frankreich, wobei nach einem 0:0-Remis im ersten Spiel zwei 2:0-Siege gegen die beiden zuletzt genannten Nationen gelangen. Obwohl Banks in diesen Spielen weitestgehend beschäftigungslos blieb, sorgte die Bilanz von drei Partien ohne ein einziges Gegentor für große Sicherheit in der Defensive, die sich auch schließlich beim 1:0 (Geoff Hurst erzielte den einzigen Treffer) in einem zeitweise unfairen Viertelfinalspiel gegen Argentinien manifestierte.

Nach zwei Toren von Bobby Charlton führte England im Halbfinale gegen Portugal mit 2:0, bevor ein von Jack Charlton verschuldeter Elfmeter dafür sorgte, dass Banks durch den Treffer von Eusébio zum 1:2 erstmals in dem Turnier bezwungen werden konnte. Im Finale sollte schließlich das Team der Bundesrepublik Deutschland auf England warten.

Obwohl der Gastgeber zunächst spielbestimmend war, kassierte Banks das erste Tor in der Partie. Nach einem schwachen Kopfball von Ray Wilson erzielte Helmut Haller mit einem Rechtsschuss den Führungstreffer, wobei der platzierte - aber nicht sonderlich harte - Schuss durch ein Missverständnis zwischen Jack Charlton und Banks begünstigt wurde. Sechs Minuten später köpfte Hurst den Ausgleich, worauf in der zweiten Halbzeit der 2:1-Führungstreffer von Martin Peters folgte.

Nachdem sich Banks in der zweiten Hälfte weitestgehend nicht auszeichnen konnte, gelangte er durch einen Freistoß aus fast 30 Metern wieder in das Zentrum der Ereignisse. Lothar Emmerich schoss den Ball zunächst in die von Banks organisierte Mauer. Der Ball prallte jedoch mit großer Geschwindigkeit unvorhersehbar ab und der deutsche Abwehrspieler Wolfgang Weber rutschte in den Ball am Fünfmeter-Raum und erzielte somit kurz vor dem Spielende den Ausgleich zum 2:2.

In der Verlängerung schoss Hurst das berühmte und umstrittene Wembley-Tor zum 3:2 und erst kurz vor Ende der regulären Spielzeit musste Banks wieder eine große Chance von Siggi Held abwehren. Bei dem anschließenden Nachschuss von Uwe Seeler konnte er nicht eingreifen, profitierte aber davon, dass dieser das Gehäuse verfehlte. Als Hurst seinen dritten Treffer erzielte, war das Spiel endgültig entschieden und Banks mit seinem 33. Länderspiel Fußball-Weltmeister. Binnen kürzester Zeit sollte aber danach seiner Karriere im Vereinsfußball eine unerwartete und überraschende Änderung widerfahren.

1966–1970[Bearbeiten]

Aus der Jugendabteilung von Leicester City strebte ein junger Torhüter aus der Region mit dem Namen Peter Shilton auf, der im Mai 1966 im Alter von nur 16 Jahren seinen Einstand in der ersten Mannschaft gab. Es wurde schnell deutlich, dass Shilton ein außergewöhnlicher Spieler sein würde, wobei aber sein direkter Konkurrent kein Geringerer war als der Mann, der zu diesem Zeitpunkt als der weltweit beste Torhüter angesehen wurde. Als Shilton darauf bestand, einen Profivertrag erst dann zu unterschreiben, wenn ihm ein Stammplatz in der ersten Mannschaft zugesichert werden konnte, fand sich plötzlich Banks in der Situation vor, dass er nur ein Jahr nach dem Weltmeistertitel die Freigabe für einen Wechsel erhielt.

Er schloss sich dem Verein Stoke City an und blieb in der englischen Nationalmannschaft weiterhin erste Wahl auf der Torhüterposition - Shilton erreichte in der Folge das dritte FA-Cup-Endspiel von Leicester City in den 1960er Jahren, verlor dieses zwar, machte sich jedoch einen immer größeren Namen im Fußball. Obwohl Ramsey gelegentlich Banks durch Peter Bonetti (vom FC Chelsea), Gordon West (vom FC Everton) oder Alex Stepney (von Manchester United) ersetzte, vertraute er in den wichtigen Spielen weiterhin auf seinen Weltmeistertorhüter, der zwischenzeitlich seinen Heimatsitz nach Madeley in Staffordshire verlegt hatte.

England erreichte mit Banks die Runde der letzten vier Mannschaften bei der EM 1968 und unterlag dort in Florenz gegen Jugoslawien. Im folgenden Jahr feierte Banks sein Jubiläum mit dem 50. Länderspiel und schlug dabei die schottische Auswahl im Wembley-Stadion mit 4:1. Vor Beginn der WM 1970 in Mexiko - für die sich England als Titelverteidiger erneut nicht qualifizieren musste - kam er in neun weiteren Partien zum Einsatz.

Kurz nach seiner Ankunft in Mexiko erhielt Banks die Nachricht, dass er mit dem Order of the British Empire als „OBE“ ausgezeichnet werden sollte und spielte seine 60. Partie beim Sieg im ersten Gruppenspiel gegen Rumänien. Es folgte das mit hohen Erwartungen besetzte Duell gegen Brasilien, in dem sich Banks nach nur zehn Spielminuten durch eine spektakuläre Aktion seinen eigenen Platz in der Fußballgeschichte sicherte.

Die große Rettungstat 1970 gegen Pelé[Bearbeiten]

In einer temporeichen Anfangsphase setzte das brasilianische Team England unter enormen Druck und leitete durch den Kapitän Carlos Alberto einen weiteren Angriff ein, indem er mit einem Flachpass auf die rechte Seite den schnellen Jairzinho anspielte. Der Flügelspieler überlief den gegnerischen Linksverteidiger Terry Cooper, erreichte den Ball anschließend noch kurz vor der Grundlinie und schlug eine hohe Flanke, die sich rasch in Höhe des langen Pfostens absenkte. Banks hatte dabei - wie bei Torhütern in derartigen Situationen üblich - den kurzen Pfosten abgedeckt und musste mit einem schnellen Antritt - dem Flug des Balles folgend - zum gegenüberliegenden Pfosten eilen.

Währenddessen war Pelé bereits mit einem perfekten Timing zur Stelle, setzte kraftvoll zu einem Sprung an - wobei er das Duell gegen den rechten Außenverteidiger Tommy Wright gewann - und platzierte mit einem harten und schnellen Kopfball die untere Ecke knapp neben dem Pfosten. Der weltberühmte Stürmer schrie - in der sicheren Annahme des bevorstehenden Treffers - bereits „Tor!“, nachdem der Ball seinen Kopf verlassen hatte. Banks befand sich zu diesem Zeitpunkt noch auf dem Weg von dem anderen Pfosten an den Ort des Geschehens und es schien daher unmöglich für den Torhüter, an den Ball gelangen zu können, zumal er sich bei der Abwehraktion noch ein wenig rückwärts orientieren musste. Mit einem Hechtsprung warf er seinen Körper dennoch spektakulär rückwärts zu Boden und wehrte den Ball im Moment seines Fallens mit der rechten Hand ab. Er hörte zunächst den Jubel seines Mannschaftskameraden und Kapitän Bobby Moore und sah dann den Ball außerhalb des Spielfeldes, wie er auf einer Werbebande zurollte, wodurch Banks erst zu diesem Zeitpunkt erkannte, dass er den Ball über die Torlatte gelenkt haben musste und dass dieser nicht - wie er zunächst vermutet hatte - den Weg trotz seiner Abwehr ins eigene Gehäuse gefunden hatte. Obwohl das englische Team - vornehmlich wegen kritischer Kommentare von Ramsey im Vorfeld des Turniers - in Mexiko einen sehr mäßigen Zuspruch bei den Zuschauern fand, brandete großer Jubel im Stadion in Guadalajara auf, als Banks wieder seine Position einnahm, um den daraus resultierenden Eckball zu erwarten. Pelé sollte später diese Aktion als die größte Torhüterparade beschreiben, die er in seiner Karriere gesehen hatte.

Trotz allem gewann Brasilien die Partie durch einen Treffer von Jairzinho in der zweiten Halbzeit mit 1:0, wobei England einige Chancen zum Ausgleich vergab, vor allem Jeff Astle, dessen Schuss das leere Tor verfehlte und Alan Ball, der nur die Querlatte traf. Nach einem Sieg im letzten Gruppenspiel gegen die Tschechoslowakei zog England schließlich dennoch - an der Seite von Brasilien - ins Viertelfinale ein und stand dort in einer Neuauflage des Endspiels von vier Jahren zuvor dem Team aus Deutschland gegenüber.

England gegen Deutschland (1970)[Bearbeiten]

Am Tag vor dem Duell gegen Deutschland erhielten die englischen Hoffnungen auf einen weiteren positiven Turnierverlauf einen Rückschlag, als Banks aufgrund einer Magenverstimmung seine Einsatzfähigkeit in Frage stellen musste. Trotz intensiver medizinischer Behandlung und Erholungsphasen schien es unmöglich, dass er rechtzeitig zum Spiel genesen konnte. Als er sich am Spieltag jedoch besser fühlte, absolvierte er einen Fitnesstest, in dem er einige Sprints und Fangübungen absolvierte. Ramsey entschloss sich dennoch, in dieser wichtigen Partie kein Risiko einzugehen und nominierte den Ersatztorhüter Peter Bonetti anstelle von Banks.

Diese Entscheidung schien zunächst keinen spielentscheidenden Einfluss zu haben, da sich Bonetti als eine gute Vertretung in den ersten 60 Minuten erwies, in denen England eine 2:0-Führung nach Toren von Alan Mullery und Martin Peters ausarbeitete. Es folgte ein Flachschuss von Franz Beckenbauer, den der etwas langsam reagierende Bonetti nicht abwehren konnte und somit zum 2:1-Anschlusstreffer führte. Als Ramsey dann noch Charlton in einer später immer wieder kontrovers diskutierten Entscheidung auswechselte und damit Beckenbauer seines vorgesehenen Gegenspielers entledigte, schöpfte die deutsche Mannschaft Hoffnung. Kurz vor Ende des Spiels (82.Minute) erzielte der Routinier Uwe Seeler mit dem Hinterkopf über Bonetti hinweg den Ausgleichstreffer und erzwang somit die Verlängerung, in der Gerd Müller die 2:3-Niederlage Englands besiegelte.

Nachträglich kursierten Verschwörungstheorien darum, dass Banks möglicherweise von einer Person im englischen Mannschaftshotel absichtlich außer Gefecht gesetzt wurde und dass sein Essen in einer bestimmten Weise mit einer schädlichen Substanz versetzt worden war. Diese Theorie wurde jedoch von Banks - der sich die Partie bis zum Stand von 2:0 nur auf dem Fernsehschirm im Hotel ansehen konnte - selbst deutlich verneint.

Die letzten Jahre als „englische Nummer 1“ (1970-1972)[Bearbeiten]

Im ersten Länderspiel nach der Weltmeisterschaft kam Banks nicht zum Einsatz, da Ramsey in der Partie gegen die DDR Banks 12 Jahre jüngerem Rivalen Peter Shilton zu seinem Nationalmannschaftsdebüt im Wembley-Stadion verhalf. Dieser Vorbote auf die künftige Ausrichtung auf der Torhüterposition wurde aber zunächst noch nicht dauerhaft umgesetzt und Banks absolvierte während der Qualifikationszeit zur EM 1972 zehn der nächsten zwölf Begegnungen für England. Vor dem Erreichen der Endrunde unterlag man dabei erneut dem alten Rivalen aus Westdeutschland. Während dieser Zeit war Banks an einer weiteren legendären Szene in einem Länderspiel gegen Nordirland beteiligt, als ihm während eines Torabschlags der Ball von George Best - ebenfalls eine berühmte Fußballerpersönlichkeit und damals Stürmer von Manchester United - weggespitzelt wurde, der dann selbst das anschließende Laufduell gegen den Torhüter gewann und ins Tor einköpfte. Obwohl der Treffer wegen Foulspiels formal nicht anerkannt wurde und England die Begegnung mit 1:0 für sich entschied, konnte Banks eine gewisse Verlegenheit in dieser Situation nicht verbergen. Anders im EM-Qualifikationsspiel gegen Malta am 12. Mai 1971 in Wembley: Während der 90 Spielminuten war Banks genau viermal am Ball, jedes Mal nach einem Rückpass eines Mannschaftskameraden – nicht einen Schuss der Malteser musste er abwehren. Das Spiel endete 5:0 für England.[3]

Auf der Vereinsebene gelang Banks die wohl zweitberühmteste Parade in seiner Karriere, als er 1972 beim Ligapokalhalbfinalsieg von Stoke City gegen West Ham United einen vom Nationalmannschaftskollegen Hurst getretenen Elfmeter über die Querlatte lenkte. Im weiteren Verlauf des Wettbewerbs erreichte Banks sein drittes Finale und gewann dieses nach einem 2:1-Endspielsieg gegen den FC Chelsea im Wembley-Stadion zum zweiten Male. Nach bereits zwei FA-Cup-Endspielniederlagen mit Leicester City zuvor konnte Banks auch für Stoke in diesem Pokalwettbewerb keine Erfolge feiern und scheiterte sowohl 1971 als auch 1972 im Halbfinale jeweils am FC Arsenal.

Am 27. Mai 1972 kam Banks beim 1:0-Auswärtssieg gegen Schottland im Hampden Park zu seinem 73. Länderspiel und erhielte von der Vereinigung englischer Fußballjournalisten Football Writers' Association (FWA) die Auszeichnung zu Englands Fußballer des Jahres. Dabei hatte er mit seiner Mannschaft in 35 Begegnungen zu Null gespielt und insgesamt nur 57 Gegentore zugelassen. Der mittlerweile 34-jährige Banks war am Höhepunkt seiner Leistungsfähigkeit angekommen und bereitete sich in seiner typisch ruhigen Weise auf eine weitere Spielzeit mit Stoke City vor, als seine Karriere im Hochleistungssport ein plötzliches und unerwartetes Ende fand.

Ein neues Leben[Bearbeiten]

Auf der Rückfahrt von einer physiotherapeutischen Behandlung beim Mannschaftsarzt verlor Banks am 22. Oktober 1972 die Kontrolle über sein Fahrzeug und fuhr in einen Graben. Banks verlor das Bewusstsein und wurde schnell in ein Krankenhaus eingeliefert. Als er dort wieder zu sich kam, erhielt er die Nachricht, dass er zwar keine lebensbedrohende Verletzung davongetragen, dafür aber die Sehfähigkeit in seinem rechten Auge verloren hat. Dennoch versuchte er fortan seine Torwartkarriere fortzusetzen, aber der Verlust des binokularen Sichtfeldes stellte sich als eine zu große Behinderung heraus, um weiterhin auf höchstem Niveau spielen zu können. Shilton ersetzte Banks auf der Position des englischen Nationaltorhüters und 1974 auch bei dem Verein Stoke City.

Banks beschäftigte sich fortan im Bereich Scouting und betätigte sich zudem im Fußballbereich in den heimischen Medien. Im Oktober 1977 kam Banks für den irischen Verein St. Patrick’s Athletic in der League of Ireland zu einem kurzen Comeback, absolvierte aber mit dem 1:0-Heimsieg am 2. Oktober im Richmond Park gegen die Shamrock Rovers - obwohl er dort ohne Gegentor blieb - nur eine einzige Partie.[4] Anschließend zog es Banks in die nordamerikanische Profiliga NASL, wo er als Superstar angekündigt wurde und für die Fort Lauderdale Strikers an der Seite seines alten Gegners Best in einem gemeinsamen Team agierte. Im Jahre 1980 trainierte er kurzzeitig den Amateurverein Telford United.

Gordon Banks: A Hero Who Could Fly[Bearbeiten]

Im Jahre 2006 veröffentlichte der nordirische Bestseller-Autor Don Mullan einen Roman mit dem Titel „GORDON BANKS: A Hero Who Could Fly“, in dem er den Einfluss des englischen Weltmeistertorhüters auf sein Leben verarbeitete. Im Alter von 38 Jahren stellte Mullan seine eigene Legasthenie fest, wobei er kurz nach dem 1966er Weltmeisterschaftsfinale und seiner Faszination für Gordon Banks damit begann, Lesen und Schreiben in einem von ihm erstellen 500-seitigen Scrapbook zu lernen. Mullan wuchs in einer republikanischen Hochburg im nordirischen Derry/Londonderry auf und war als Schüler Zeuge der tragischen Ereignisse des berüchtigten Blutsonntags am 30. Januar 1972. In seinem Roman beschreibt Mullan, dass seine Bewunderung für den englischen Torhüter dafür sorgte, dass er nie der Versuchung erlag, den Weg der Gewalt zu beschreiten. Gordon Banks selbst präsentierte im Sommer 2006 das Buch in Dublin, Derry und im Britannia Stadium und beschrieb Mullan als seinen „größten Fan“. Der Sender „BBC Drama“ sicherte sich die Rechte an einer Verfilmung für das Jahr 2008.

Darüber hinaus arbeitet Mullan an einer Dokumentation über Gordon Banks und ist aktiv an den Plänen beteiligt, für den ehemaligen Torhüter vor dem Britannia Stadium - Heimstätte von Stoke City - ein Denkmal zu errichten.

Trivia & Privates[Bearbeiten]

  • Banks lernte seine spätere Ehefrau Ursula während seiner Dienstzeit in Deutschland kennen. Er diente u.a. beim 101. Drahtlosen Fernmeldezug der Britischen Rheinarmee und war zu diesem Zeitpunkt in der Nähe von Königslutter stationiert. Die beiden heirateten kurz nach der Rückkehr nach England. [5]
  • In einer Umfrage des britischen Fernsehsenders Channel 4 wurde Banks in die beste englische Nationalelf gewählt und damit als bester englischer Torhüter aller Zeiten ausgezeichnet.
  • Banks wurde im Jahre 2002 in die neu errichtete englische Football Hall of Fame aufgenommen.
  • Im Februar 2006 ernannte die Universität Keele Banks zum Ehrendoktor.[6]
  • Am 9. Mai 2006 erhielt Gordon Banks als erste „Legende“ eine Plakette aus Bronze als Teil des in Sheffield neu errichteten „Walk-of-Fame“-Gehwegs vor dem städtischen Rathaus.

Statistische Daten[Bearbeiten]

Erfolge[Bearbeiten]

  • Fußball-Weltmeister: 1966
  • Englischer Ligapokalsieger: 1964, 1972
  • Englands Fußballer des Jahres: 1972

Vereinsstationen[Bearbeiten]

  • FC Chesterfield (1955–1959)
  • Leicester City (1959–1967)
  • Stoke City (1967–1972)
  • St. Patrick's Athletic (1977)
  • Fort Lauderdale Strikers (1977–1978)
  • Telford United (1980, Trainer)

Quellen[Bearbeiten]

  1. IFFHS' Century Elections (engl.)
  2. Was macht Gordon Banks in Königslutter? bei 11freunde.de, abgerufen am 3. August 2014
  3. Virtual Spectator, in: The England Football Miscellany, Carlton Books, London 20082, S. 109
  4. STIGonline.com - They played here too! (engl.)
  5. Auszüge aus dem Festschrift Farewell to Langeleben: Gordon heiratete eine Frau aus Königslutter
  6. Online-Presseerklärung der Universität Keele: Gordon Banks to receive honorary degree at Keele (engl.)

Weblinks[Bearbeiten]