Gori

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Dieser Artikel behandelt den Ort Gori in Georgien. Für andere Bedeutungen von Gori siehe Gori (Begriffsklärung).
Gori
გორი
Wappen
Wappen
Flagge
Flagge
Staat: GeorgienGeorgien Georgien
Region: Innerkartlien
Munizipalität: Gori
Koordinaten: 41° 58′ N, 44° 6′ O41.96666666666744.1588Koordinaten: 41° 58′ N, 44° 6′ O
Höhe: 588 m. ü. M.
Fläche: 16,9 km²
 
Einwohner: 47.059 (2009)
Bevölkerungsdichte: 2.785 Einwohner je km²
 
Zeitzone: Georgian Time (UTC+4)
 
Gemeindeart: Stadt
Gori (Georgien)
Gori
Gori
Rathaus von Gori mit Stalin-Denkmal, das im Juni 2010 entfernt wurde.
Blick über Gori von der Festung Goris-Ziche aus, Juli 2013
Ein Obus in Gori

Gori (georgisch გორი) ist die Hauptstadt der Region Innerkartlien in Zentralgeorgien.

Sie liegt nordwestlich von Tiflis am Zusammenfluss der Kura und dem Großen Liachwi. Gori hat 46.680 Einwohner (Stand 1. Januar 2005). Die Stadt ist ein administratives, industrielles und kulturelles Zentrum in einem ausgedehnten landwirtschaftlichen Gebiet.

Klima[Bearbeiten]

Das Klima in Gori ist gemäßigt. Die Temperatur beträgt im Jahresdurchschnitt 11 °C, die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge 585 mm.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Name der Stadt stammt von der bis heute erhaltenen Festung Goris-Ziche (dt. „Festung auf dem Hügel“), die unter dem Namen Tontio bereits seit dem 7. Jahrhundert in georgischen Urkunden bekannt war. Archäologische Forschungen ermittelten, dass sich unter der mittelalterlichen Festung Reste einer noch älteren Befestigungsanlage befinden, die im 3. bis 2. Jahrhundert v. Chr. angelegt wurden. Während der Regierungszeit König David IV. des Erbauers wuchs und erstarkte die Stadt. Seitdem gehört sie zu den wichtigsten Städten Georgiens.

1818 wurde in Gori eine der ersten theologischen Hochschulen Georgiens gegründet. 1920 wurde die Stadt durch ein starkes Erdbeben zerstört. Das Rathaus wurde von deutschen Kriegsgefangenen des Zweiten Weltkriegs erbaut und wird wegen seiner Kuppel im Volksmund auch Reichstag genannt.

Die Stadt liegt nur etwa 25 km von Südossetien entfernt und an der strategisch wichtigen Ost-West-Fernstraße S1. Vom 9. bis 12. August 2008 war sie im Zusammenhang mit dem georgisch-russischen Konflikt um dieses Gebiet Ziel russischer Luftangriffe, die auch Opfer unter der Zivilbevölkerung forderten. Laut der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch wurden in Gori 11 Zivilisten durch russische Streubomben getötet und dutzende verletzt.[1] Später rückten russische Truppen in die Stadt ein und besetzten sie, was zuerst von der russischen Armeeführung dementiert, später aber bestätigt wurde.[2] Art und Ausmaß der Zerstörungen der Stadt durch die Kriegshandlungen wurden in den Medien sehr unterschiedlich beschrieben. UNOSAT hat bislang 33 Hauszerstörungen dokumentiert.[3] 2010 wurde der Oberleitungsbus-Betrieb in Gori stillgelegt.

Wirtschaft und Kultur[Bearbeiten]

Hauptarbeitgeber in der Stadt sind die Baumwollindustrie und der Apparatebau. Außerdem werden Gemüse und Obst verarbeitet.

Gori verfügt über das 1856 gegründete Staatliche Eristawi-Theater, ein Kulturzentrum mit zwei Folklore-, einem Pantomime- und einem Kindertheater-Ensemble sowie ein Historisch-Ethnographisches Museum. 1998 wurde die Staatliche Universität Gori gegründet. Daneben gibt es eine pädagogische und eine landwirtschaftliche Fachhochschule sowie eine Kunst- und eine Musikhochschule.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Gori ist die Geburtsstadt Josef Stalins. Das Haus, in dem er geboren wurde und in dem er bis 1883 lebte, ist ein staatliches Museum. Vor dem Rathaus stand seit 1952 ein 17 Meter hohes Stalin-Denkmal, das im Juni 2010 abgerissen wurde. 2010 wurde außerdem durch den georgischen Kulturminister Nuka Rurua angekündigt, das Museum in Stalins Geburtshaus werde nicht länger dessen Verherrlichung dienen.[4] Derzeit gibt es Pläne das Stalin-Denkmal erneut aufzustellen.[5]

Nahe Gori befinden sich die Ruinen der im 16. Jahrhundert als Schutz gegen die Türkenüberfälle errichteten Festung Ksanis-Ziche, die alte Georgische Heerstraße, die den Nordkaukasus mit Tiflis verbindet, die Atheni-Sioni-Kirche (7. Jahrhundert) sowie das Höhlendorf Uplistsiche (6. Jahrhundert v. Chr.), das eine Handelsstation an der Seidenstraße war.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gori – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Georgia: Russian Cluster Bombs Kill Civilians HRW, 16. August 2008
  2. phw/dpa/AP/AFP/Reuters: Zwei-Fronten-Krieg drängt Georgien in Defensive. Spiegel Online, 12. August 2008
  3. Karte: Overview of Satellite Damage Assessment for Gori, UNOSAT, 28. August 2008, PDF-Datei, 4,04 MB
  4. Stalins Geburtsstadt verbannt Denkmal des Diktators. auf: Spiegel online. 25. Juni 2010.
  5. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-Format Friedrich Zimmermann: Georgien: Täglich grüßt der Diktator. In: zeit.de. 25. September 2013, abgerufen am 2. Dezember 2014.