Gorouol (Niger)

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Landgemeinde Gorouol
Landgemeinde Gorouol (Niger)
Landgemeinde Gorouol
Landgemeinde Gorouol
Koordinaten 14° 48′ N, 0° 22′ O14.7919444444440.37277777777778Koordinaten: 14° 48′ N, 0° 22′ O
Basisdaten
Staat Niger

Region

Tillabéri
Departement Téra
Einwohner 64.258 (2010)

Gorouol (auch: Goroual) ist eine Landgemeinde im Departement Téra in Niger.

Geographie[Bearbeiten]

Gorouol befindet sich in der südlichen Sahelzone und ist die am weitesten westlich gelegene Gemeinde Nigers. Sie grenzt im Westen an den Nachbarstaat Burkina Faso und im Norden an den Nachbarstaat Mali. Die Nachbargemeinden in Niger sind Ayérou im Osten und Bankilaré im Süden. Gorouol liegt am Fluss Niger und am Fluss Gorouol, nach dem die Gemeinde benannt ist. Gorouol ist ein Fulfulde-Wort, das „Wasserlauf“ bedeutet.[1]

Das Gemeindegebiet ist in 28 administrative Dörfer, ein traditionelles Dorf, 34 Weiler, und neun Lager gegliedert.[2] Der Hauptort der Landgemeinde ist das administrative Dorf Kolmane.[3] Ein weiteres bedeutendes administratives Dorf in Gorouol ist Yatakala.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Herrscher von Gorouol waren Nachfolger der Dynastie Askiya des 1591 untergegangenen Songhaireichs. Der erste namentlich bekannte Herrscher von Gorouol hieß der Überlieferung nach Fonékori. Seine Nachfolger waren Alzouleyni, Manga, Arkoussou und Foni, unter dessen Herrschaft Gorouol Kriege gegen Fulbe und Tuareg führte. Foni wurde auf Veranlassung eines seiner Söhne ermordet. Aus den Konflikten um die Nachfolge Fonis ging dessen ältester Sohn Alazi als Sieger hervor. Nachdem der Eroberung des Dorfs Kolmane durch die Tenguéréguédech, einer Untergruppe der Tuareg, schloss Alazi mit dem Tenguéréguédech-Anführer Elou Frieden. Die Regierungszeit von Alazis Sohn und Nachfolger Moussa Ende des 19. Jahrhunderts fiel mit der Ankunft der Franzosen zusammen.[4] 1899 gelangte Gorouol als Teil des neu geschaffenen Kreises Sinder (cercle de Sinder) unter französische Militärverwaltung. 1905 wurde der Ort dem neuen Militärterritorium Niger (Territoire militaire du Niger) angeschlossen.[5]

Die Landgemeinde Gorouol ging 2002 bei einer landesweiten Verwaltungsreform aus dem Kanton Gorouol/Yatakala hervor. Im Zuge dessen wurde Bankilaré als eigene Landgemeinde aus Gorouol herausgelöst. Yatakala ist seitdem ein administratives Dorf im Gemeindegebiet von Gorouol. Bei der Hungerkrise in Niger 2005 gehörte Gorouol zu den am stärksten betroffenen Orten. Hier hatte die Bevölkerung weniger als eine Mahlzeit am Tag zur Verfügung.[6] Bei der Flutkatastrophe in West- und Zentralafrika 2010 wurden 6097 Einwohner von Gorouol als Katastrophenopfer eingestuft, so viele wie in sonst keiner Gemeinde im Departement Téra.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bei der Volkszählung 2001 hatte Gorouol 48.570 Einwohner. Für das Jahr 2010 wurden 64.258 Einwohner berechnet.[8] Das Dorf Wanzerbe im Gemeindegebiet von Gorouol zählt neben der Stadt Tillabéri und der Gemeinde Méhana zu den Hauptsiedlungsgebieten der Songhai in Niger.[9]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Gorouol liegt in einer Zone, in der Agropastoralismus vorherrscht.[10] Die Nationalstraße 5 verbindet die Gemeinde mit der Departementshauptstadt Téra.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Jean Marc Bellot: Les femmes dans les sociétés pastorales du Gorouol. In: Cahiers d’Outre-Mer. 33, Nr. 130, April–Juni 1980, S. 145–165.
  • Seyni Zoumari Issa: Le Soney (Songhay) après la conquête marocaine, 1592–1900, formation des provinces historiques (Tera, Gooro (Goruol), Namaro, Kokoru, Gothey). Contribution à l’histoire du Soney post-impérial et précolonial (République du Niger). Dissertation, Universität Paris 1 1982.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 21.
  2. Répertoire National des Communes (RENACOM). Website des Institut National de la Statistique, abgerufen am 8. November 2010.
  3. Republik Niger: Loi n° 2002-014 du 11 JUIN 2002 portant création des communes et fixant le nom de leurs chefs-lieux (Online-Version; PDF; 108 kB).
  4. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 75–76.
  5. Edmond Séré de Rivières: Histoire du Niger. Berger-Levrault, Paris 1965, S. 234–235.
  6. OCHA: Niger Food Crisis 2005: Humanitarian Situation Report No. 1 (Online-Version), veröffentlicht am 26. Juli 2005, abgerufen am 16. Januar 2012.
  7. Situation des besoins des populations victimes d’inondations (2010). Website des Centre d’Information et de Communication, veröffentlicht am 23. September 2010, abgerufen am 31. März 2012.
  8. Institut Nationale de la Statistique du Niger (Hrsg.): Annuaire statistique des cinquante ans d’indépendance du Niger. Niamey 2010 (Online-Version; PDF; 3,1 MB), S. 56.
  9. Tunde Adeleke: Songhay. Rosen, New York 1996, ISBN 0-8239-1986-2, S. 11.
  10. Comprendre l’économie des ménages ruraux au Niger. Save the Children UK, London 2009 (Online-Version; PDF; 2,6 MB), S. 8.