Gosplan

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Gosplan (Russisch: Госпла́н IPA: [gʌˈsplan]) war das Komitee für die Wirtschaftsplanung der Sowjetunion. Das Wort „Gosplan“ ist eine Abkürzung für Gossudarstwennyi Komitet po Planirowaniju (Russisch: Государственный комитет по планированию, Staatskomitee für Planung). Die Hauptaufgaben lagen in der Erarbeitung des Fünfjahrplanes der UdSSR.


Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geschichte

Das Gosplan wurde per Dekret des Rates der Volkskommissare der RSFSR am 22. Februar 1921 gegründet. Das ursprüngliche Ziel der neu geschaffenen Organisation war die Verwirklichung des Elektrifizierungsplans GOELRO und die Neustrukturierung der Volkswirtschaft. In den ersten Jahren kamen als Aufgaben noch die Erstellung von Plänen für die Entwickliung des Außenhandels und des Transportwesens. Mit der Zeit wurde aus einer nur als Provisorium gedachten Institution eine fest etablierte Struktur der Staatsverwaltung, deren Hauptaufgabe ab 1927 die Erarbeitung des Fünfjahrplans der UdSSR war. Zu diesem Zweck wurde innerhalb des Gosplan eine Zentralkommission für die künftigen Planungen gegründet, die von führenden Wirtschaftsfachleuten geleitet wurde. Im gleichen Jahr wurden dem Zentralgosplan in Moskau alle ähnlichen Organisationen anderer Sowjetrepubliken unterordnet.

Von 1930 bis 1948 übernahm Gosplan zusätzlich zu seinen übrigen Aufgaben die Durchführung von statistischen Erhebungen und ab 1939 bis 1948 die Kontrolle über die Innovation- und Rationalisierungsmaßnahmen in der Wirtschaft.

Während des Zweiten Weltkriegs leitet Gosplan alle Pläne zur Mobilisierung und Umstellung der Wirtschaft auf Kriegsproduktion und koordinierte die Verlegung von hunderten Betrieben aus den vom deutschen Vormarsch betroffenen Westgebieten der Sowjetunion in die östlichen Gegenden, nach Zentralasien und Sibirien . Gosplan war für die Verteilung von strategisch wichtigen Ressourcen zuständig und übernahm oft die direkte Kontrolle über besonders wichtige Fabriken und Werke. Ab August 1943 beschäftigte es sich mit den Plänen für die Rekonstruktion von zerstörten Gebieten und der Rückverlegung von evalkuierten Betrieben.

Seit 1957 war Gosplan die allein zuständige Behörde für die laufenden und künftigen Wirtschaftsplanungen. Während der Reformen, die Mitte der 1960-er Jahre vom damaligen Regierungschef der Sowjetunion Kossygin eingeleitet wurden, musste Gosplan sowohl die territorialen als auch die produktionsbezogenen Planungen durchführen und entwickelte ein Schema für die gleichmäßige Verteilung verschiedener Industriezweige über das ganze Gebiet der Sowjetunion. Gleichzeitig versuchte man eine wirtschaftlich langfristige Planung voranzutreiben, wobei man als Ziel die mögliche Vorhersehbarkeit für die nächsten 20 Jahre ausgab, und das besondere Augenmerk den in dieser Hinsicht "unterentwickelten" Gebieten des Landes zu widmen.

Innerhalb des Gosplan wurden in dieser Zeit mehrere halbautonome Kommissionen geschaffen wie z.B. die Staatliche Expertenkommission, in der alle führenden Ökonomen des Landes tätig waren, das Wirtschaftsinstitut, das Institut für Planierung und Normierung, das Institut für die komplexen Transportprobleme, das Zentrale Rechenzentrum, das die Planungskapazitäten für die ganze Sowjetunion ausrechente etc.

Das Bestreben, alles zu kontrollieren und bis ins kleinste Detail zu planen führte zu unnötiger Zentralisierung der Wirtschaft und nahm den Betriebsleitern vor Ort jegliche Initiative und Einflussmöglichkeit. Die Verbürokratisierung hatte die Ineffizienz und Ressourcenverschwendung zur Folge, was wiederum zu Engpässen bei der Versorgung mit Konsumgütern führte.

Gosplan änderte mehrere Male seine offizielle Bezeichnung. So fungierte es von 1921 bis 1923 unter der Bezeichnung "Staatliche gesamtplanerische Kommission beim Rat für Arbeit und Verteidigung" und von 1923 bis 1946 als "Staatliche Plankommission beim Rat der Volkskommissare". Zwischen 1955 und 1957 wurde Gosplan in zwei selbständige Organisationen geteilt: Das Staatswirtschaftskomitee für die laufende Planung der Volkswirtschaft und das Staatskomitee für die künftige Planung der Volkswirtschaft. Ab 1962 trug es den Namen "Gosplan", der bis zum Zerfall der Sowjetunion nicht mehr geändert wurde.

Die Vorsitzenden von Gosplan waren Mitglieder der jeweiligen Regierung der UdSSR und seit 1938 fast ausnahmslos auch Stellvertretende oder Erste Stellvertretende Vorsitzende des Rats der Volkskommissare oder des Ministerrats.

[Bearbeiten] Vorsitzende des Gosplans


[Bearbeiten] Institute beim Gosplan der UdSSR

  • Wirtschaftsinstitut 1955-1991
  • Rat für die Erforschung von Wirtschaftskräften 1960-1991
  • Institut für komplexe Transportprobleme 1954-1991
  • Institut für komplexe Energie- und Treibstoffprobleme 1974-1991
  • Institut für die Planung und Normierung 1960-1991
  • Institut für Wirtschaftsforschung 1929-1938
  • Zentralinstitut für technische Information der Kohleindustrie 1957-1959
  • Institut für die Projektierung von Betrieben der Buntmetallurgie "Giprozwetmet" 1957-1960


[Bearbeiten] Kommissionen des Gosplan

  • Sonderkommission für die Angelegenheiten der Trust-Verwaltung , 1923-1925
  • Staatliche Expertenkommission
  • Die interministerielle Kommission für die Wirtschaftsreformen
  • Das Komitee für die Konzessionsvergabe
  • Der Rat für technisch-wirtschaftliche Gutachten.

[Bearbeiten] Siehe auch

[Bearbeiten] Literatur

  • Artikel über Gosplan in: Große Russische Enzyklopädie (russ.: Bolschaja rossijskaja enziklopedija), Bd. 7, Moskau, 2008.
  • Spuler: Regenten und Regierungen der Welt, Minister-Ploetz Bd. 4 u. 5, 1964 und 1972, ISBN 3-87640-026-0
  • Michail Gorbatschow: Erinnerungen, Siedler-Verlag, Berlin, 1995, ISBN 3-88680-524-7:Glossar

[Bearbeiten] Weblinks

Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen