Gottfried Hermann

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Philologen Gottfried Hermann. Zu anderen Personen siehe Gottfried Herrmann.
Gottfried Hermann

Johann Gottfried Jakob Hermann (* 28. November 1772 in Leipzig; † 31. Dezember 1848 ebenda) war ein deutscher klassischer Philologe.

Leben[Bearbeiten]

Gottfried Hermann, privatim vorgebildet durch Karl David Ilgen, bezog schon 1786 die Universität Leipzig, um Jurisprudenz zu studieren, wandte sich aber immer mehr, besonders unter dem Einfluss des mit ihm verwandten Friedrich Wolfgang Reiz, der Philologie zu, ging auf ein Semester nach Jena (1793/94), um unter Reinhold sich der Kantschen Philosophie zu widmen, habilitierte sich im Oktober 1794 in Leipzig durch Verteidigung der Schrift „De poeseos generibus“. 1796 veröffentlichte er die Schrift „De metris poetarum graecorum et romanorum“, in der er auf die später nach ihm als Hermannsche Brücke benannte metrische Regel hinwies[1], derzufolge sich im homerischen Hexameter nach der ersten Kürze des vierten Metrums ein Wortende äußerst selten sei, sich dort also eine Brücke befinde (Schema: —◡◡◡◡◡◡—◡⏜◡—◡◡—×). Diese Regel wurde allerdings bereits vor Hermann von Johann Heinrich Voß beschrieben.[2]

1798 wurde er außerordentlicher Professor der Philosophie, 1803, nachdem er 1802 die Berufung als Rektor der Schulpforta abgelehnt hatte, ordentlicher Professor der Beredsamkeit, 1809 auch der Poesie und starb als Senior der Universität am 31. Dezember 1848.

Hermann war das anerkannte Haupt der kritisch-grammatischen Schule (der sogenannten Wortphilologen), die in dem Verständnis der antiken Schriftwerke das Ziel der Philologie, in der Erforschung der Sprache das erste und unerlässlichste Mittel zur Erreichung desselben erkannte, und trat dadurch in einen gewissen Gegensatz zu der universalen Richtung August Boeckhs und dessen Schüler wie Karl Otfried Müller, von der aus ihm eine einseitige Auffassung zum Vorwurf gemacht wurde. Der Streit hierüber veranlasste ihn zu der Schrift Über Böckhs Behandlung der griechischen Inschriften (Leipzig 1826) und der Rezension von Herrn K. O. Müller Eumeniden des Äschylos (Leipzig 1835) nebst Rezension einer Antikritik und zweier Rezensionen von Herrn K. O. Müller (Leipzig 1839); doch hat auch diese Fehde allmählich gegenseitiger Anerkennung Platz gemacht. Auf einem mehr freundschaftlichen Austausch verschiedener Ansichten über Mythologie beruhte sein Schriftwechsel mit Friedrich Creuzer: die Briefe über Homer und Hesiodus (Heidelberg 1817) und Über das Wesen und die Behandlung der Mythologie (Leipzig 1819).

Seine Vorlesungen, meist exegetischer Natur, zeichneten sich durch seltene Lebendigkeit des Vortrags, Klarheit und Bestimmtheit der Darstellung, eine unübertroffene Methode aus; durch die 1799 gestiftete „Griechische Gesellschaft“ sowie seit 1834 als Direktor des philologischen Seminars suchte er das Urteil seiner Schüler auch im engeren Kreis zu wecken und zu schärfen. Von seinen schriftstellerischen Arbeiten sind gleich die ersten über antike Metrik bahnbrechend, indem er eine wissenschaftliche Theorie derselben auf Grund der Kantschen Lehre von den Kategorien, allerdings unter Übergehung der alten Rhythmiker und Musiker, aufstellte.

Hermann wurde am 31. Mai 1846 in den preußischen Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste aufgenommen.[3] Er war bekannt als ein so starker Tabakraucher, dass er für seine Leistungen einen silbernen „Rauchaltar“ geschenkt bekam.

Werke[Bearbeiten]

  • De metris poetarum graecorum et romanorum (Leipz. 1796)
  • Handbuch der Metrik (das. 1799)
  • Elementa doctrinae metricae (das. 1816)
  • Epitome doctrinae metricae (das. 1818, 4. Aufl. 1869) (ein im Einzelnen bereicherter und berichtigter Auszug aus den Elementa für Vorlesungen. Vgl. Freese, De Hermanni metrica ratione (Halle 1820), und Geppert, Über das Verhältnis der Hermannschen Theorie der Metrik zur Überlieferung (Berl. 1835))

Ferner war Hermann der Begründer einer rationelleren Behandlung der griechischen Grammatik, die auf eine bessere Gestaltung der Grammatik überhaupt, namentlich auch der deutschen, nicht ohne wesentlichen Einfluss geblieben ist. Hierher gehören:

  • De emendanda ratione graecae grammaticae pars I (Leipz. 1801)

die gehaltreichen Zusätze und Exkurse zu Vigers

  • De praecipuis graecae dictionis idiotismis liber (das. 1802, 4. Aufl. 1834)

und die

  • Libri IV de particula ἄν (das. 1831; auch "Opuscula", Bd. 4)

Erst nach seinem Tod erschien seine Ausgabe der Bukoliker Bion und Moschos (Leipz. 1849) sowie die schon ein halbes Jahrhundert vorher von ihm beabsichtigte, nie aus den Augen gelassene

  • Rezension des Äschylos (von seinem Schwiegersohn M. Haupt besorgt, das. 1852, 2 Bde.; 2. Aufl. 1859).

Seine kleineren Aufsätze über die verschiedensten Gegenstände, meist in musterhafter lateinischer Darstellung, nur selten in der Muttersprache, sowie seine Oden und übrigen lateinischen, auch griechischen Gedichte und Nachbildungen, die einen wahrhaft klassischen Geist atmen, sind gesammelt in den

  • Opuscula (Bd. 1-7, Leipz. 1827–39 von ihm selbst, Bd. 8, das. 1877 von seinem Enkel Theodor Fritzsche herausgegeben).
  • G. Hermanns lateinische Briefe an seinen Freund Volkmann gab A. B. Volkmann (Heidelb. 1882) heraus. Vgl. O. Jahn, Gottfr. H. Eine Gedächtnisrede (Leipz. 1849); Köchly, Gottfr. H. Zu seinem hundertsten Geburtstag (das. 1874).

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gottfried Hermann: De metris poetarum graecorum et romanorum. Leipzig 1796, S. 273.
  2. Rudolf Kassel: Kleine Schriften. de Gruyter, Berlin u.a. 1991, ISBN 3-11-012757-1, S. 106f.
  3. Der Orden Pour le Mérite für Wissenschaften und Künste. Die Mitglieder des Ordens. Band 1: 1842–1881. Gebr. Mann-Verlag, Berlin 1975, ISBN 3-7861-6189-5, S. 126.