Gottfried Schramm

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Gottfried Schramm (* 11. Januar 1929 in Heidelberg) ist ein deutscher Historiker. Schramm wurde für seine Veröffentlichungen über die Frühzeit der osteuropäischen Geschichte bekannt.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Schramm ist der Sohn des Historikers Percy Ernst Schramm. Gottfried Schramm studierte von 1948 bis 1952 an der Georg-August-Universität Göttingen Altgermanistik und Geschichte. Seine Promotion schrieb er in Altgermanistik. 1964 wurde er Privatdozent an der Universität Marburg. Von 1965 bis 1994 war er Inhaber des Lehrstuhls für Neuere und Osteuropäische Geschichte an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. Von 1971 bis 1994 leitete er „das Studium Generale“, seit 1974 ist er Herausgeber der „Freiburger Universitätsblätter“. 1990 ist ihm die Universitätsmedaille verliehen worden. 2009 erhielt er den Reuchlin-Preis der Stadt Pforzheim, der auf Vorschlag der Heidelberger Akademie der Wissenschaften in zweijährigem Rhythmus für herausragende deutschsprachige Arbeiten auf dem Gebiet der Geisteswissenschaften verliehen wird.[1]

Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt in den Bereichen der Verfassungs- und Kirchengeschichte der frühen Neuzeit in Ostmitteleuropa und die Entwicklungschancen des Zarenreiches zwischen dem Krimkrieg und 1917. Aufsehen erregte er mit seiner Theorie über die Dako-romanische Kontinuitätstheorie, nach der die Volksgruppen der Albaner und Rumänen ein gemeinsamen Ursprung hätten, sich aber durch Wanderungsbewegungen voneinander entfernt hätten. Schramm vertritt zudem die Auffassung, dass die aus Skandinavien stammenden germanischen Waräger maßgeblich an der Begründung des russischen Reichs beteiligt waren. Diese Auffassung wurde von russischen Historikern kontrovers beurteilt.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Namenschatz und Dichtersprache. Studien zu den zweigliedrigen Personennamen der Germanen. (Dissertation), Göttingen 1957, 198 S.
  • Der polnische Adel und die Reformation 1548–1607. (Habilitation), Wiesbaden 1965, X, 380 S.
  • Nordpontische Ströme. Namenphilologische Zugänge zur Frühzeit des europäischen Ostens. Göttingen 1973, 254 S.
  • Eroberer und Eingesessene. Geografische Lehnnamen als Zeugen der Geschichte Südosteuropas im ersten Jahrtausend n. Chr. Stuttgart 1981, X, 467 S.
  • Handbuch der Geschichte Russlands. Band 3: 1856–1945. Von den autokratischen Reformen zum Sowjetstaat. 1. Halbband, unter Mitarbeit von Dietrich Beyrau u. a. hrsg. v. Gottfried Schramm, Stuttgart 1983 (Neuauflage Stuttgart 1992).
  • Ein Damm bricht. Die römische Donaugrenze und die Invasion des 5.–7. Jahrhunderts im Lichte von Namen und Wörtern. München 1997, 397 S.
  • Anfänge des albanischen Christentums. Die frühe Bekehrung der Bessen und ihre langen Folgen. 2. überarbeitete Auflage, Freiburg 1999, 284 S.
  • Altrußlands Anfang. Historische Schlüsse aus Namen, Wörtern und Texten zum 9. und 10. Jahrhundert. Freiburg 2002, 569 S.
  • Fünf Wegscheiden der Weltgeschichte. Ein Vergleich. Göttingen 2004, 391 S.
  • Slawisch im Gottesdienst. Kirchenwortschatz und neue Schriftsprachen auf dem Weg zu einem christlichen Südosteuropa. München 2006, 207 S.
  • Von Puschkin bis Gorki. Dichterische Wahrnehmungen einer Gesellschaft im Wandel. Freiburg 2008, 372 S.
  • (Gesammelte Aufsätze zur polnischen Geschichte) Polska w dziejach Europy środkowej. Studia [Polen in der Geschichte Mitteleuropas. Studien.] Übers. v. Ewa Płomińska-Krawiec, Poznań 2010, 291 S.
  • Versäumte Begegnungen. Rombach, Freiburg/Berlin/Wien 2012, ISBN 978-3-79309683-2.

Literatur[Bearbeiten]

  • Gottfried Schramm: Ein Philologe als Historiker, in: Erzählte Erfahrung. Nachdenkliche Rückblicke Freiburger Professoren aus den Jahren 1988 bis 2007, Freiburg 2007, S. 515-528 (autobiographisch).

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pressemitteilung der Uni Freiburg
  2. Vgl. http://www.pforzheim.de/kultur-bildung/geschichte/johannes-reuchlin/reuchlinpreis-die-preistraeger/2009-gottfried-schramm.html