Gottfried Wilhelm Lehmann

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Gottfried Wilhelm Lehmann

Gottfried Wilhelm Lehmann (* 23. Oktober 1799 in Hamburg; † 21. Februar 1882 in Berlin) gehört neben Johann Gerhard Oncken und Julius Köbner zu den Gründungsvätern der deutschen Baptisten.

Leben[Bearbeiten]

Lehmann wurde in Hamburg geboren, wuchs aber in Berlin auf. In der Hoffnung, einmal den Betrieb seines bis dahin kinderlosen Onkels übernehmen zu können, begann er in dessen Handwerksbetrieb im ostfriesischen Leer eine Sattlerlehre. Er fand in diesen Jahren Kontakt zu einem Konventikel junger Männer und besuchte erweckliche Erbauungsversammlungen, die in verschiedenen Privathäusern stattfanden. In seinem Notizbuch finden sich eine Reihe von Namen aus dem Freundes- und Mitgliederkreis der Brüdergemeine, darunter auch der des Herrnhuter Predigers Jakob Friedrich Plessing.[1] Dass Lehmann 1830 seinen späteren Täufer[2] Johann Gerhard Oncken in Berlin kennenlernte, geschah durch die Vermittlung gemeinsamer Freunde aus dem ostfriesischen Leer. Unter ihnen war wohl auch der spätere Mitbegründer der Ihrener Baptistengemeinde Christian Bonk.[3]

Die Hoffnung, den Betrieb seines Onkels zu übernehmen, zerschlug sich aus verschiedenen Gründen. Lehmann kehrte nach Berlin zurück und absolvierte eine zweite Berufsausbildung als Kupferstecher. Seine religiöse Heimat war zunächst die böhmisch-lutherische Kirche, die mit einer Gemeinde in der preußischen Hauptstadt vertreten war. Durch seine Ehefrau Maria Johanna Eleonora, geborene Eichner, die er am 26. Oktober 1827 geheiratet hatte,[4] lernte Lehmann die Herrnhuter Brüdergemeine kennen, deren gottesdienstliches Leben ihn sehr beeindruckte. 1837 wandte er sich dem baptistischen Tauf- und Gemeindeverständnis zu und ließ sich von Johann Gerhard Oncken taufen. Er gründete die erste preußische Baptistengemeinde in Berlin und wurde deren Pastor und Ältester.

Lehmann erhielt ein Ehrengrab auf dem Evangelischen Friedhof Luisenstadt I in Berlin-Kreuzberg.[5]

Bedeutung[Bearbeiten]

Gottfried W. Lehmann brachte in die noch junge deutsche Baptistenbewegung die pietistische Frömmigkeit ein. Noch heute ist Lehmanns Einfluss auf das Gemeinschaftsleben, das Liedgut und den Frömmigkeitsstil der Baptisten bemerkbar. Mit seiner lutherischen Sakramentsauffassung konnte sich Lehmann allerdings nicht gegen den calvinistisch geprägten Oncken durchsetzen. Auch die Außenmission der deutschen Baptisten hat ihre Wurzeln bei Lehmann. Die stärkste Bedeutung für die junge Freikirche gewann Lehmann allerdings dadurch, dass er sich an höchster Stelle für die religiöse Duldung seiner Kirche einsetzte. Erst 1875 wurde diese in Preußen gesetzlich verankert. Auch der erste regionale Zusammenschluss der deutschen Baptisten - die „Vereinigung Preußen“ - geht auf Lehmanns Arbeit zurück. Diese Vereinigung, gegründet 1848, wird zum Modell des 1849 gegründeten nationalen Baptistenbundes (heute: Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden).

Lehmann gehörte auch zu den Mitbegründern der Deutschen Evangelischen Allianz.[6]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Luckey: Gottfried Wilhelm Lehmann und die Entstehung einer deutschen Freikirche, Kassel 1939, S. 12f
  2. Lehmanns Taufe erfolgte am 13. Mai 1837; Hans Luckey: Gottfried Wilhelm Lehmann und die Entstehung einer deutschen Freikirche, Kassel 1939, S. 65; 67
  3. Rudol Donat: Wie das Werk begann. Entstehung der deutschen Baptistengemeinden, Kassel 1958, S. 108
  4. Hans Luckey: Gottfried Wilhelm Lehmann und die Entstehung einer deutschen Freikirche, Kassel o.J. (1939?), S. 53
  5. Verzeichnis der Ehrengräber auf der Homepage der Stadtentwicklung Berlin; eingesehen am 17. Mai 2010
  6. Erich Beyreuther: Der Weg der Evangelischen Allianz in Deutschland, Wuppertal 1969, S. 18f