Gottfried von Einem

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Gottfried von Einem (* 24. Januar 1918 in Bern; † 12. Juli 1996 in Oberdürnbach, Niederösterreich) war ein österreichischerComponist“ (gemäß eigener Bezeichnung). Er wurde postum im Yad Vashem als Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet.

Leben[Bearbeiten]

Der Zerrissene nach Nestroy. Besetzungszettel der Uraufführung 1964 an der Hamburgischen Staatsoper. Inszenierung: Oscar Fritz Schuh, Dirigent: Wolfgang Sawallisch, Kathi: Edith Mathis

Von Einem wurde am 24. Januar 1918 in Bern als Sohn des österreichischen Militärattachés und späteren Generals William von Einem geboren. Er entstammte einer konservativ-monarchistischen Familie mit militärischer Tradition. Seine Eltern hatten Kontakt zu vielen bedeutenden Personen und Institutionen. Seine Mutter, Baronin Gerta Louise, wurde von von Einem als „eine ungemein tatkräftige, engagierte und dabei mit großem Charme operierende Frau“ beschrieben. Sie war seit ihrer Kindheit mit Olga und Paula Göring, den beiden Schwestern Hermann Görings befreundet. Andererseits traf Gerta Louise von Einem bei einem Besuch in London Winston Churchill und half deutschen und österreichischen Juden bei der Auswanderung in die Schweiz. Gerta Louise von Einem wird als elegante Frau von Welt beschrieben. Ihr Leben lang war sie ruhelos auf Reisen. Sie verkehrte in den sogenannten höchsten Kreisen – unter Künstlern, Wirtschaftsleuten und Staatsmännern. 1889 als Gerta-Luise Riess von Scheurnschloss geboren, heiratete sie 1911 den österreichischen Nachrichtenoffizier William von Einem. Der mittlere der drei Söhne ist der Komponist Gottfried von Einem, nach eigenen Angaben Kind einer Affäre seiner Mutter mit dem ungarischen Grafen Laszlo Hunyady, der in den 1920er Jahren bei der Jagd von einem angeschossenen Löwen zerrissen wurde [1].

1921 zog die Familie nach Malente-Gremsmühlen in Schleswig-Holstein. Von Einem sah seine Eltern nur etwa sechs Wochen im Jahr, er wurde von Bediensteten erzogen: „Meine Kindheit war ziemlich schlimm. (...) Drei Knaben in einem Haus von 22 Zimmern, mit Hauslehrer, Hausdame und allem was sonst noch gut und teuer ist, und die Eltern nie da.“ Mit sechs Jahren erhielt er ersten Klavierunterricht beim damaligen Dorfschullehrer Kahl. Seit seinem siebten Lebensjahr hatte er den Wunsch Komponist zu werden. Von 1928 an besuchte er zunächst die Staatliche Bildungsanstalt in Plön, wo er ein Schüler des Musikpädagogen Edgar Rabsch war.[2]

Nach der Umwandlung der Plöner Schule in eine Napola besuchte er bis 1937 ein Gymnasium in Ratzeburg. Er erhielt professionellen Unterricht von einer Absolventin des Konservatoriums zu Kiel namens Käthe Schlotfeldt (später Kieckbusch). Sie habe ihm „gezeigt, was ein Künstler sein kann“. Der junge Gottfried erhielt von seinen Eltern Noten und andere musikalische Utensilien im Überfluss. So wurde er angeregt, selbst zu komponieren.

1937 kam er nach Berlin. Statt an die Hochschule für Musik, wie vorgesehen, ging er 1938 als Korrepetitor an die Staatsoper Berlin und nahm ab 1941 Kompositionsunterricht bei Boris Blacher, der später ständiger Berater und sein Librettist wird. Aus der Berliner Zeit stammt sein Opus 1, Prinzessin Turandot, das auf Anregung seines Freundes Werner Egk entstand. Mit der Oper Dantons Tod nach Georg Büchner, die 1947 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt wurde, gelang ihm der internationale Durchbruch.

Ab 1953 lebte von Einem in Wien. Von 1948 bis 1951 und 1954 bis 1964 war er Mitglied des Direktoriums der Salzburger Festspiele. Von 1963 bis 1972 war er Professor für Komposition an der Wiener Musikhochschule. Nach 1973 verbrachte er die meiste Zeit in der ländlichen Umgebung des Waldviertels.

Von Einems Musiksprache ist gemäßigt modern und weitgehend tonal. Der Schwerpunkt seines Schaffens liegt im Bereich der Musikdramatik und der Oper, sein Werkverzeichnis umfasst aber auch symphonische Werke, Konzerte, Kammermusik und Lieder. Zu seinen größten Erfolgen zählen die Opern Der Prozess (nach Franz Kafka, 1953 in Salzburg uraufgeführt) und Der Besuch der alten Dame (nach dem gleichnamigen Schauspiel von Friedrich Dürrenmatt, 1971 in Wien uraufgeführt). Viele seiner späteren Werke basieren auf Texten seiner zweiten Frau, der Schriftstellerin Lotte Ingrisch, darunter auch die Mysterienoper Jesu Hochzeit, deren Uraufführung 1980 in Wien ebenso wie die bundesdeutsche Erstaufführung in Hannover einen Theaterskandal auslöste.

Sein Ehrengrab befindet sich auf dem Friedhof Hietzing (Gruppe 60, Reihe 7, Nummer 18).

Einems Sohn aus erster Ehe ist der Politiker Caspar Einem.

Auszeichnungen und Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Gerechter unter den Völkern[Bearbeiten]

Gottfried von Einem wurde am 12. August 2002 vom Yad Vashem postum als Gerechter unter den Völkern ausgezeichnet.[3] Von Einem hatte, neben Anderen, den jüdischen Berliner Musiker Konrad Latte während der letzten zwei Kriegsjahre unterstützt. Nachdem er den untergetauchten Musiker Latte 1943 als Korrepetitor bei den Proben zu seinem Ballett Prinzessin Turandot unter Decknamen engagiert hatte, versorgte er ihn mit Lebensmittelkarten und einem Ausweis der Reichsmusikkammer.[3] Durch die Bemühungen seiner Freunde und von Einems wurde Latte vor der Deportation bewahrt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. so bei Michael H. Kater: The Twisted Muse. New York 1997.
  2. Alfred Baumgartner: Der große Musikführer. Musik des 20. Jahrhunderts. - Salzburg: Kiesel 1985. ISBN 370234005X, Eintrag zu Gottfried von Einem, S. 554.
  3. a b Israel Gutman, Sara Bender, Daniel Fraenkel und Jakob Borut (Hrsg.): Lexikon der Gerechten unter den Völkern. Deutsche und Österreicher. - Yad Vashem und Wallstein-Verlag 2005, S. 108−109.

Literatur[Bearbeiten]

  •  Dominik Hartmann: Gottfried von Einem. Verlag Lafite, Wien 1967 (Komponisten unserer Zeit, Bd. 11), S. 84, ISBN 978-3-85151-048-5.

Weblinks[Bearbeiten]