Gowanuskanal

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Der Gowanuskanal - auf engl. Gowanus Canal oder Gowanus Creek Canal genannt - ist ein Kanal im Stadtteil (Borough) Brooklyn der Stadt New York City in den Vereinigten Staaten.

Geographie[Bearbeiten]

Der Kanal liegt im äußersten Westen von Long Island und ist durch die Gowanus Bay mit der Upper New York Bay verbunden. Die umliegenden Stadtviertel von Brooklyn sind im Westen und Norden Red Hook sowie im Westen South Brooklyn, im Osten Park Slope. Der Kanal wird von fünf Straßenbrücken von Osten nach Westen überquert, ebenso queren die Stadtautobahn Gowanus Expressway (Interstate 278) und die IND Culver Line der New York City Subway mit der höchsten Station über Grund den Kanal.

Die Umgebung des heutigen Kanals war ursprünglich Teil eines, durch die bis zu zwei Meter hohen Gezeiten beeinflussten, Meeresarms (Priels) Gowanus Creek mit angrenzenden Marschen und Salzwiesen, der für seinen Artenreichtum an Fischen und Säugetieren bekannt war.

Geschichte[Bearbeiten]

Aus dem Jahre 1639 ist der erste noch erhaltene Vertrag zwischen der Regierung der niederländischen Kolonie von Nieuw Nederland und den in Long Island lebenden Canarsee-Indianern über den Erwerb von Ackerland für die Anlage einer Tabakpflanzung. Der Sachem der zum Volk der Lenape gehörenden Indianer war Gouwane. Von diesem Namen wurde der Name des Meeeresarms Gowanus Creek und der heutige Name Gowanus Bay abgeleitet.

1645 erhielt Adam Brouwer, ein ehemaliger Soldat der Niederländisch-Westindischen Kompanie, das Patent zur Einrichtung der ersten Gezeitenmühle des Dorfes Breukelen zur Produktion von Mehl und Schrot am Gowanus Creek. Eine zweite Gezeitenmühle konnte erst nach dem Ausbaggern eines Zuleitungskanals durch die Sklaven der Betreiber als Gezeitenmühle in Betrieb gehen.

Nach dem Übergang von Nieuw Nederland an das Vereinigte Königreich errichtete der Bauer Nicholas Vechte sein Old Stone House aus Ziegeln und Bruchsteinen, welches heute (2011) noch als Kopie aus dem Jahre 1930 an der alten Stelle zu sehen ist. Diese Gebäude spielte später im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg im Jahre 1776 eine Rolle während der Schlacht von Long Island, da amerikanische Soldaten die britischen Truppen so lange zurückhalten konnten, bis George Washington sich nach Staten Island zurückziehen konnte.

Im 18. Jahrhundert befassten sich die holländisch-stämmigen Bauern in der Marsch der Gowanus-Bucht mit dem Fang von Austern, die sich in dem Brackwasser hervorragend entwickelten. Die Schalentiere wurden bis nach Europa exportiert. Die heute noch im Stadtgebiet geernteten Austern sind, wahrscheinlich durch negative Selektion bedingt, erheblich kleiner als vor 300 Jahren.

Industrielle Entwicklung[Bearbeiten]

An den Getreidemühlen am Gowanus entwickelten sich mit der Zeit Kais, an denen Personen und Waren für die sich entwickelnde Gowanusstraße landeten oder aus Long Island kommend auf Schiffe gingen. Im 19. Jahrhundert wurden Vorschläge gemacht, einen Kanal zu schaffen, das Land zu beiden Seiten zu entwässern und so Bauland für eine weitere, auch industrielle, Entwicklung zu gewinnen. Die Gesetzgebung des Staates New York brauchte jedoch fast 20 Jahre bis 1867 mit der Planung durch das United States Army Corps of Engineers begonnen werden konnte. Der Kanal war im Jahre 1869 fertig. Seine Finanzierung erfolgte über Umlagen, die die Anlieger zu entrichten hatten und Mittel des Bundesstaats New York.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen für den Süden Brooklyns waren enorm. Die Anbindung an das Wasser und die jetzt mögliche Anlandung von Rohstoffen über den Kanal sorgten für die Errichtung von Lagerhäusern, Fabriken, Gerbereien, Kohlelagern und Gasfabriken. Der Kanal wurde auch wichtig für die Entladung der Sandsteins (brownstone), der in New Jersey und im Staate New York gebrochen wurde und ein typischer Bestandteil der Architektur in den Bezirken Caroll Gardens, Cobble Hill und Park Slope wurde. Die sich weiter entwickelnde Industrie, zu der jetzt auch Farb-, Tinten- und Seifenfabriken sowie Unternehmen der chemischen Industrie und Gaswerke gehörten, war die Ursache für die zunehmende Luft- und Wasserverschmutzung.

Die sich ständig vergrößernde Bevölkerung im Süden Brooklyns sorgte für eine weitere Quelle der Verschmutzung, da alle Abwässer und das Oberflächenwasser nach Regen- oder Schneefällen ungeklärt in den Gowanuskanal geleitet wurden. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts erhielt der stinkende Wasserlauf den Spitznamen „Lavendelsee“. Nach dem Ersten Weltkrieg war der Kanal mit 6 Millionen Jahrestonnen der wichtigste Kanal der USA und der am meisten verschmutzte. Durch den Eintrag von Sedimenten mittels der nicht getrennten Abwasserkanäle versandete er sehr schnell und musste häufig ausgebaggert werden. Im Jahre 1955 stellte das Corps of Engineers die Nassbaggerarbeiten ein, da sich unter anderem die Arten der Nutzung des Kanals geändert hatten: Kohle und Koks wurden durch Öl und Erdgas ersetzt.

Umweltverschmutzung[Bearbeiten]

Bei der Planung des Kanals waren verschiedenen Schleusensysteme erwogen worden, die eine kontinuierliche Reinigung durch Fluten des Kanals ermöglicht hatte. Diese wurden jedoch als zu teuer abgelehnt, sodass man auf die Selbstreinigung des ca. 3 km langen Kanals durch die Gezeiten vertraute, die jedoch nicht funktionierte. Bei Untersuchungen stellte man einen Sauerstoffgehalt von lediglich 1,5 ppm fest. Ein Leben im Wasser ist jedoch erst ab 4 ppm möglich. Der Geruch des Kanals wird ferner durch den hohen Eintrag von Nitraten und anderen Schadstoffen und die dadurch ermöglichte bessere Entwicklung von geruchserzeugenden Lebewesen unangenehmer.

Bereits im Jahre 1890 wurden die ersten großen Abwasserleitungen mit Auslässen am Kanal vorbei direkt ins Meer gebaut. Diese Maßnahmen erwiesen sich jedoch nicht als ausreichend. Ein weitere großer Abwasserkanal aus dem Bezirk Prospect Heights sollte einmal den immer wieder bei Regenfällen überfluteten Bezirk schützen und zweitens durch die Einleitung dieser Wässer am Oberlauf des Gowanuskanals zur Reinigung des Kanals beitragen. Im Jahre 1911 wurde dann ein großer Tunnel vom Buttermilk Channel zum Gowanuskanal gebaut, der Flusswasser vom East River zum Oberlauf des Kanals bringen sollte. Dieser Flushing Tunnel lag jedoch 40 Jahre lang ungenutzt unter der Erde und wurde erst nach Einbau starker Pumpen am 3. Mai 1999 wieder in Betrieb genommen. Die technischen Probleme dieser Maßnahme und der Verbesserungen sind nach 100 Jahren noch immer nicht gänzlich gelöst. Die Investition kann nur während 11 Stunden in der Zeit der Flut genutzt werden. Die Wasserqualität des Kanals hat sich jedoch in den Zeiten der zusätzlichen Wasserzufuhr gebessert.

Eine in Red Hook im Jahre 1987 errichtete Abwasserbehandlungsanlage dient jedoch bisher nur teilweise der Behandlung von Abwässern aus den alten Kanalsystemen, sondern eher aus neuen Industrie- und Wohnvierteln. Der Wasserüberschuss älterer Kanalsysteme fließt auch im Jahre 2011 weiterhin an 14 errichteten Überlaufstellen aus dem kombinierten Regen- und Schmutzwassersystem in den Gowanuskanal.

Neuere Entwicklungen[Bearbeiten]

Der Gowanuskanal wird seit 2010 von der US-Bundesbehörde für Umweltschutz (EPA) in einem mit Sondermitteln dotierten Fonds geführt. Die Behörde wird in den nächsten Jahren in Zusammenarbeit mit Planern und lokalen Vereinigungen eine Verbesserung der Umweltbedingungen durchsetzen. Die Behörde warnt zur Zeit jedoch noch davor, mit dem Wasser des Kanals in Berührung zu kommen, weil die Konzentrationen an polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen, die zum Teil krebserregend sind, zu hoch sind.

Bei archäologischen Untersuchungen der Behörde im Kanal wurden durch Sonartechnik die Überreste von vier Schiffen entdeckt, von den eines noch aus dem 17. Jahrhundert stammen könnte.[1]

Im Jahre 2013 bestanden mehrere Pläne, die Verschmutzung des Gowanuskanals in den Griff zu bekommen. Der erste sah eine Ausbaggerung des Kanals und seiner Ufer vor. Im zweiten Plan sollte durch eine Abdeckung des Kanals und des darin liegenden Mülls das Umweltrisiko versteckt werden. Für beide Maßnahmen waren eine Ausführungszeit von mehreren Jahren geplant.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweis[Bearbeiten]

  1. Archäologie. Wracks im Giftschlamm in Der Spiegel 8/2011