Gräfenberg-Zone

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Drawing of the female internal sexual anatomy.
Die G-Zone (4) soll etwa fünf Zentimeter vom Scheideneingang entfernt an der Vorderwand der Scheide liegen.
Legende: 1) Eileiter, 2) Harnblase, 3) Schambein, 4) Scheide, 5) Klitoris, 6) Harnröhre, 7) Vulva, 8) Eierstock, 9) Dickdarm 10) Gebärmutter, 11) Scheidengewölbe, 12) Gebärmutterhals, 13) Rektum, 14) Anus

Bei der Gräfenberg-Zone, auch G-Zone, G-Punkt oder G-Spot, handelt es sich um eine erogene Zone in der Vagina, deren Existenz allerdings nicht nachgewiesen ist. Bei manchen Frauen führt ihre Stimulation sehr schnell zu einem Orgasmus, andere empfinden diese jedoch als wenig oder nicht erregend. Sie ist nach Ernst Gräfenberg benannt, einem deutschen Arzt, der 1950 in einem Artikel von einer „erogenen Zone in der vorderen Vaginalwand, entlang der Harnröhre, die bei sexueller Stimulation anschwillt“ schrieb. Die Prostata des Mannes gilt als männlicher G-Punkt.

Anatomie[Bearbeiten]

Die Zone liegt etwa fünf Zentimeter vom Scheideneingang entfernt an der Vorderwand der Scheide, zur Bauchdecke hin, unmittelbar hinter dem Schambein. Sie hat die Form einer abgeflachten Halbkugel von etwa zwei Zentimeter Durchmesser und eine Vertiefung in der Mitte. Ein Merkmal des G-Punkts ist, dass sich das Gewebe an dieser Stelle gerippt oder hart anfühlt, während die übrige Scheidenwand glatt ist. Die Form, Größe und Empfindlichkeit kann stark variieren. Im Bereich der G-Zone liegt nach Gräfenberg die „Prostata feminina“, deren Drüsengewebe bei sexueller Stimulation Sekrete produziere und in der Folge zur weiblichen Ejakulation führen könne, einem mehrschübigen pulsierenden Ausstoß. Üblicherweise werden jedoch die Paraurethraldrüsen als Prostata feminina bezeichnet. Die Art der notwendigen Genitalstimulation hängt nicht nur von dem physiologischen Körperbau, der Morphologie und Anatomie, sondern auch von den erlernten Reaktionsschablonen ab.

Für den Orgasmus spielt bei Frauen vor allem die Stimulation der Klitoris (auch „C-Punkt“) eine wesentliche Rolle. Stimulationen weiterer erogener Zonen wie des G-Punkts, des A-Punkts oder des Gewebes um die weibliche Harnröhrenmündung („U-Punkt“) dienen ebenfalls dem Lustgewinn. Der allein durch Stimulation der erogenen Zonen innerhalb der Vagina erreichte Orgasmus wird „vaginaler Orgasmus“ genannt. Es ist umstritten, ob er sich vom „klitoralen Orgasmus“ unterscheidet.

Kritik[Bearbeiten]

Die Auffassung, der G-Punkt sei eine anatomisch klar umschriebene und regelhafte Struktur, wird von Wissenschaftlern diskutiert. In die meisten Anatomie-Lehrbücher hat die Gräfenberg-Zone keinen Eingang gefunden.

Terence M. Hines, Psychologe an der New Yorker Pace University, kommt in einem Artikel mit dem Titel The G-Spot: a modern gynecological myth, der 2001 im American Journal of Obstetics and Gynaecology publiziert wurde, zu dem Ergebnis:

“The evidence is far too weak to support the reality of the G-spot. Specifically, anecdotal observations and case studies made on the basis of a tiny number of subjects are not supported by subsequent anatomic and biochemical studies.”

„Die Beweislage für die Existenz des G-Punktes ist viel zu schwach. Insbesondere wurden Einzelbeobachtungen und Fallstudien mit einer kleinen Anzahl von Personen gemacht, die nachfolgend nicht durch anatomische und biochemische Studien bestätigt wurden.“

Eine Studie des King’s College der Londoner Universität an Zwillingen kommt beispielsweise zu folgendem Ergebnis:

„Der Mythos G-Punkt ist nur ein Produkt der Medien und Sexualtherapeuten. Wenn, dann existiert er nur im Kopf, abhängig vom Charakter der Frau. Und das hat auch nichts mit Ernährung oder Übung zu tun.“

Tim Spector[1]

Die Existenz des G-Punktes diente lange Zeit als wichtige Begründung für den vaginalen Orgasmus als den moralisch einzig vertretbaren, da er allein durch die Stimulation des Penis beim Geschlechtsverkehr erreicht werden sollte. Entgegen früherer Annahmen sprechen aktuellere wissenschaftliche Untersuchungen dafür, dass 70–80 % der Frauen ausschließlich durch Stimulation der Klitoris einen Orgasmus erreichen können. Es ist von empirischem Standpunkt davon auszugehen, dass die Mehrheit der Frauen durch bloße Penetration des Penis in die Vagina keinen Orgasmus erreichen kann. Orgasmen, die durch klitorale Stimulation ausgelöst werden, sind leichter zu erreichen, da die Glans clitoridis weit mehr als jeder andere Teil des menschlichen Körpers sensorische Nervenenden besitzt. Die Akzeptanz des klitoralen Orgasmus und die explizite äußere Stimulation war ein wichtiger Meilenstein bei der Emanzipation der Frau.

G-Spot amplification[Bearbeiten]

Mit der „G-Spot amplification“[2] (auch „G-Spot augmentation“ oder „G-Shot“) wird der G-Punkt mit Kollagen vergrößert und sensibilisiert, um dadurch zeitweilig das Lustempfinden sexuell aktiver Frauen zu steigern. Die Wirkung soll sechs Monate andauern. Der Nutzen ist allerdings nicht untersucht, und der Eingriff ist mit Risiken, wie z. B. Infektionen, Dyspareunie oder Vernarbung verbunden.[3] Risikolos als Alternative ist das Tragen von "Love Balls", die die Scheidenmuskulatur stärken und ebenfalls die Orgasmusfähigkeit erhöhen.

Literatur[Bearbeiten]

  • E. Gräfenberg: The Role of the Urethra in Female Orgasm. In: International Journal of Sexology. Band 3, 1950, S. 145 [1]
  • T. M. Hines: The G-spot: A modern gynecologic myth. In: American Journal of Obstetrics and Gynecology, Band 185, 2001, S. 359–362
  • M. Zaviacic, R. J. Ablin: The female prostate and prostate-specific antigen. Immunohistochemical localization, implications of this prostate marker in women and reasons for using the term "prostate" in the human female. In: Histol. Histopathol. Band 15 (1), 2000, S. 131–142
  • Cabello Santa Maria Paco: Communication au XVème congrès mondial de sexologie. Paris 2001
  • C. A. Darling, J. K. Davidson, C. Conway-Welch: Female ejaculation, perceived origins, the Gräfenberg spot/area, and sexual responsiveness. In: Archives of sexual behavior. Band 19, 1990, S. 29–47
  • F. Addiego, E. G. Belzer, J. Comolli, W. Moger, J. D. Perry, B. Whipple: Female ejaculation: A case study. In: The Journal of Sex Research. Band 17. 1981, S. 13–21
  • Clint Arthur: 9 Free Secrets of New Sensual Power. 2004
  • Nicola Jones: Bigger is better when it comes to the G spot. In: New Scientist. 3. Juli 2002. Abgerufen am 29. Juni 2006.
  • Deborah Sundahl: Weibliche Ejakulation und der G-Punkt. Hans-Nietsch-Verlag, Freiburg 2006, ISBN 3-934647-95-2

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Forscher können den G-Punkt nicht finden. In: Welt Online Online vom 5. Januar 2010, zuletzt abgerufen am 13. Januar 2010
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatTHE G-SHOT. TESS, May 7, 2003, abgerufen am 4. Mai 2012.
  3. Committee on Gynecologic Practice, American Congress of Obstetricians and Gynecologists: ACOG Committee Opinion No. 378: Vaginal "rejuvenation" and cosmetic vaginal procedures.. In: Obstetrics and Gynecologz. 110, Nr. 3, September 2007, S. 377–378. PMID 17766626. Abgerufen am 27. April 2012.