Gröden

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Dieser Artikel behandelt das Tal Gröden; zur gleichnamigen brandenburgischen Gemeinde siehe Gröden (Brandenburg).
Südtirol: Das Grödnertal und die angrenzenden Gemeinden sind hervorgehoben
Gehöft in Wolkenstein (im Hintergrund die Stevia und der Mont de Seura), Gemälde von Gustav Jahn

Gröden, auch Gröden- oder Grödner Tal genannt (ladinisch: Gherdëina?/i; italienisch: Val Gardena), ist ein Dolomitental in Südtirol (Italien). Zusammen mit dem Gader- und dem Fassatal, Buchenstein (Fodom) und Cortina d’Ampezzo (Anpezo) gehört es zum Rückzugsgebiet der ladinischen Sprache.

Geographie[Bearbeiten]

Kleine Liebesszene im Grödnertal um 1895

Das 25 km lange Seitental des Eisacktals beginnt bei Waidbruck und führt nach Osten hinauf bis zum Sellastock bzw. zu den Pässen Sella- und Grödner Joch, welche am Sellastock an der südlichen bzw. östlichen Seite anschließen. Durchflossen wird Gröden vom Grödner Bach (oder Derjon bzw. Dirschingbach), der mit einer Länge von etwa 26 km und einem Einzugsgebiet von 199 km² nach der Rienz den wichtigsten Zufluss des Eisacks bildet.

Das eigentliche sprachliche und touristische Gebiet Grödens beginnt bei der Enge von Pontives Porta Ladina genannt, ca. 9 km taleinwärts, wo auch die Sprachgrenze zwischen dem Deutschen und dem Ladinischen liegt. Hier beginnt also das ladinische Gröden, das die Gebiete der Gemeinden St. Ulrich (ladinisch: Urtijëi), St. Christina (ladinisch: Santa Cristina) und Wolkenstein (ladinisch: Sëlva) umfasst. Die Fraktionen an den Nordhängen der Seiser Alm gehören geographisch und sprachlich zu Gröden, sind aber seit alters her der Gemeinde Kastelruth (ehemaliger Gerichtssitz) einverleibt. Hier liegt auch die Ortschaft Pufels (Bula), die kirchlich eine eigene Pfarrei bildet.

Teile der nordseitigen Talflanken sind im Naturpark Puez-Geisler unter Schutz gestellt.

Ortschaften[Bearbeiten]

Gröden hat ca. 10.000 Einwohner, verteilt auf die drei Gemeinden St. Ulrich (ladinisch Urtijëi, italienisch Ortisei) mit 5635, St. Christina (S. Cristina) mit 1900 und Wolkenstein (Sëlva/Selva) mit 2570 Einwohnern, die sämtlich zur Bezirksgemeinschaft Salten-Schlern gehören. Fraktionen oder Weiler sind St. Jakob (Sacun/San Giacomo) in St. Ulrich, Soplajes in St. Christina, Pozza (La Poza/Pozza) und Plan in Wolkenstein. Die linke Talseite bis zum Jenderbach mit den Fraktionen Pufels (Bula), Runggaditsch (Runcadic/Roncadizza) und Überwasser (Sureghes/Oltretorrente) ist Teil der Gemeinde Kastelruth (Ciastel/Castelrotto).

Berge[Bearbeiten]

Gröden ist von einer Vielzahl von Almen und Bergen umgeben. Die Grödner Dolomiten sind die Geislerspitzen, die Puezgruppe, die Sellagruppe und die Langkofelgruppe. "Diese vier Gruppen können als die abwechslungsreichsten, malerischesten der gesamten Dolomiten bezeichnet werden. Mit Ausnahme des Langkofels und der Boèspitze an Wucht hinter den Sextner Dolomiten, der Marmolata und Palagruppe zurückstehend, übertreffen sie aber diese an Zerrissenheit, Vieltürmigkeit und kühnen Felsgestalten und sind beliebte Ziele der Dolomitenkletterer".[1]

Im Norden gliedern sich die Grödner Dolomiten in die Raschötz (2317 m s.l.m.) und Seceda (2519 m), den Pitschberg (2363 m), die Geislerspitzen (3025 m), das Stevia-Massiv mit dem Col da la Pieres (2759 m) und, getrennt durch das Langental, die Puezspitzen (2918 m).

Im Osten stehen die Cirspitzen (2592 m), das Grödner Joch, die Sellagruppe mit der Boespitze (3152 m), das Sellajoch.

Im Süden stehen die Langkofelgruppe (höchster Gipfel der Langkofel mit 3181 m), die Ciampinoialm, der Monte Pana, die Seiser Alm, die Schlerngruppe mit den Rosszähnen (2653 m), der Roterdspitze (2655 m) und dem Schlern (2564 m) sowie das westlich vorgelagerte Schlerngebiet.

Im Westen schließt die Puflatscher Alm (2174 m) das Tal ab.

Geologie Grödens[2][3][4][5][6][Bearbeiten]

Grödens Gebirge ist Teil der Südlichen Kalkalpen. Der ältere Aufbau ähnelt der Geologie des Bletterbaches.

Geologische Periode Karbon

Geologische Periode Perm

Geologische Periode Trias

Geologische Periode Jura

Geologische Periode Kreide

Seen[Bearbeiten]

Der sagenumwobene Gletschersee Lech dl Dragon auf dem Meisulesplateau im Sellamassiv

In Gröden liegen einige kleine Bergseen, die meisten auf einer Meereshöhe über 2000 m. Der Lech dl Dragon (2680 m) auf dem Sellastock, der See Lech de Crespëina (2380 m) im Puezgebiet, die Seen Lech Sant (2096 m), Lech da Iman (2208 m), Lech da Rijeda (2135 m) und Lech dla Scaies (2050) auf der Mastlè Alm, und Lech Lagustel (1826 m) unter dem Pitschberg.[7]

Waldbestand[Bearbeiten]

Der Grödner Wald besteht fast nur aus Nadelbäumen. An den Südhängen des Tales wachsen hauptsächlich Fichten und Lärchen, über der Raschötzer Porphyrplatte Föhren als Pionierpflanzen und in den Höhenlagen über 1700 m fast ausschließlich Zirbelkiefer und Latschenkiefer.

Geschichte[Bearbeiten]

Urgeschichte[Bearbeiten]

Über die Vorzeit im Dolomitengebiet ist heute nicht viel bekannt. Manche Funde bekunden zwar eine frühe Besiedlung dieser Landstriche, doch im Allgemeinen kann man über die genaueren Lebensformen nur Vermutungen anstellen. Ein Fund in Gröden ließ vor Jahren die Archäologen aufhorchen: Am Plan de Frea wurden bei Ausgrabungsarbeiten Gegenstände aus grauer Urzeit gefunden. Archäologen datierten diese Funde mit 6000 Jahren vor Christi Geburt. Bei den Pfeilspitzen, Nadeln und übrigen Geräten handelt es sich dabei um die erwiesenermaßen ältesten prähistorischen Funde im gesamten Dolomitengebiet. Waren es nun Jäger, die auf ihren Streifzügen unter dem riesigen Felsblock am Plan de Frea (unterhalb des Grödner Joches) eine provisorische Unterkunft - zumindest in den Sommermonaten - suchten? Wahrscheinlich trifft diese Vermutung zu, denn an eine fixe Besiedlung des Ortes ist in den Wintermonaten wohl nicht zu denken. Die zweitältesten Funde stammen aus der La-Tène-Zeit. Am Col de Flam bei St. Ulrich wurden bronzene Fibeln, Schmuckstücke, eiserne Äxte, gallische Langschwerte und primitive Bauerngeräte gefunden. 400 v. Ch. soll es solche Gegenstände gegeben haben.[8]

Die erste Urkunde über Gröden stammt aus dem Jahr 999: In diesem Jahre übergibt der bajuwarische Gaugraf Otto von Andechs dem Bischof Gotschalk vom Stifte Freising unter anderem das Forestum ad Gredine (Waldgebiet in Gröden).

Kirchengeschichte[Bearbeiten]

1027 gelangte Gröden unter die Grafschaft des Bischof von Brixen. Ursprünglich wurde Gröden von Albeins aus betreut, im 12. Jahrhundert ging die kirchliche Betreuung an die Pfarre Lajen über. 1342 wird ein Ulrichskirchlein urkundlich genannt. 1418 entstand die erste Kuratie in Gröden in St. Christina und hatte damit ihren ersten Seelsorger. 1655 wurde in St. Ulrich eine Kuratie errichtet und 1735 entstand in Wolkenstein ein Benefizium. Die linke Talseite war seelsorgerisch von Kastelruth abhängig bis 1637 in Pufels eine Kuratie errichtet wurde. 1778 wurde die Fraktion Überwasser der Kuratie St. Ulrich zugeordnet. Erst 1902 wurde St. Ulrich zur Pfarre erhoben wodurch Gröden nicht mehr von Lajen abhängig war.[9]

Tirol 1809[Bearbeiten]

Grödner Trachten in einer Skizze von Josef Moroder Lusenberg

Im Zuge der Tiroler Revolte von 1809 zogen an die 1200 Mann unter der Führung des napoleonischen Generals Luis Peyri zwischen 2. und 4. November 1809 durch Gröden. Die französischen Bataillone waren zunächst in Plan bei Wolkenstein und anschließend am Antoniboden in St. Ulrich stationiert, wo sie laut Josef Moroder-Lusenberg einen geschlachteten Stier am Lagerfeuer verzehrten. Demselben Bericht zufolge ritt Andreas Moroder, Vorsteher von St. Ulrich, Sturmkommandant der Grödner Schützen, Kaufmann und Großvater des Malers, den Soldaten in Wolkenstein entgegen. Mit einem eleganten spanischen Anzug bekleidet und eine weiße Fahne mit sich führend wollte er die Franzosen besänftigen, indem er ihnen freies Geleit durch das Tal zusicherte. Er wurde jedoch gefangen genommen und als Geisel nach Mühlbach in das Pustertal verbracht. In der Folge überlebte er die Schlacht, die am 4. November 1809 zwischen dem Lajener Ried und der Starzerbrücke bei Waidbruck stattfand und bei der etwa 400 französische Soldaten von den Tiroler Freiheitskämpfern getötet wurden.

Die Grödner Schützen beteiligten sich 1809 an zahlreichen Kämpfen, doch ist aufgrund der geringen Zahl an Grödner Gefallenen anzunehmen, dass die Abordnungen des Tales über keine großen Mannschaftsstärken verfügten, da viele junge Grödner im Ausland (Italien, Frankreich und Spanien) in den über 300 Handelsstationen Grödens tätig waren.[10] Auch in Gröden selbst mussten die französischen Soldaten bei ihrem Durchzug keinen nennenswerten Widerstand gewärtigen.

Ende 1809 äußerte das Gericht Wolkenstein in einer Resolution den Wunsch, mit Deutschtirol, also dem damaligen Königreich Bayern, vereinigt zu bleiben.[11] Im Vertrag am 7. Juli 1810 wurde der südliche Teil Tirols an Italien und Illyrien abgetreten. Die Grenze verlief an den Hauptkämmen der Langkofel- und Schlerngruppe.[12]

Die Überschwemmungen in Gröden[Bearbeiten]

Im Spätsommer und wiederum im Herbst 1882 wurde Südtirol und Gröden von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht.[13][14][15] Es waren ein Dutzend Tote, ein Bergrutsch in Wolkenstein, die Zerstörung vieler Häuser, Kornmühlen, Waldflächen zu verzeichnen. Die Zerstörung von zahlreichen Drechselstuben und der Talstraße fügte der florierenden Grödner Holzindustrie einen schweren Schaden zu. Erst am 4. Januar 1883 konnte die provisorische Wiederherstellung der Grödnerstraße gemeldet werden. Im gesamten Tal blieben nur 2 Brücken übrig und 19 mussten wieder gebaut werden. Friedrich Borgfeldt, ein norddeutscher Kirchspielvogt 1875 nach Meran umgesiedelt, startete eine erfolgreiche Spendenaktion in Schleswig-Holstein und konnte einige Tausend Gulden an die in Not geratenen Grödner verteilen. Dafür erhielt er von den Gemeinden Grödens als Zeichen der Dankbarkeit sechs bemalte Holzstatuen, die Grödner Tracht darstellend, des Malers und Bildhauers Josef Moroder Lusenberg.[15]

Gewerbliche Tätigkeiten und Hausindustrie[Bearbeiten]

Der Tiroler Landreim[16] bezeugt schon 1558, dass der Grödner Loden bekannt war: Bestaunt sind Layener Weizen ... und Grödner Loden steif[17] Weizen und Obst oder Wein konnten wegen der Höhenlage in Gröden nicht angebaut werden deshalb mussten schon von jeher die Grödner sich um weitere Einnahmequellen außer der Landwirtschaft und Viehzucht kümmern. Das Holzschüsselndrehen scheint im 16. und 17. Jahrhundert (Größere Schüsseln wurden schon im Wald gedreht) eine größere Bedeutung gehabt zu haben. Ab dem 17. Jahrhundert war das Spitzenklöppeln ein sehr wichtiger Tätigkeitszweig. Aus dieser Zeit stammt die Sprachwendung Ji cun l puntl was auf den Brauch zurückführt, dass Frauen sich zur Klöpplerei versammelten, um Gespräche zu führen. Die Klöpplerei fand um 1830/1840 in Gröden ein rasches Ende, als die heimische Herstellung von Holzspielzeug und Kleinplastiken sich in jeder Familie verbreitete und ein wichtiger Ertragszweig der Grödner Wirtschaft wurde. In Gröden wurden bis zu einer Million Holzpuppen jährlich hergestellt.[18]

Hausierhandel[Bearbeiten]

Buckelkrämer in Gröden mit einer Ladung von holzgeschnitzten Pferden

Ende des 17. Jahrhunderts verbreitete sich unter den Grödnern und besonders Grödnerinnen der Hausierhandel wohl um die selbst erzeugte Ware zu veräußern. Schon Ende des 18. Jahrhunderts reichten die Handelsbeziehungen der Grödner weit über Tirol hinaus. In vielen Städten Europas wurden Handelsniederlassungen errichtet und viele Grödner betätigten sich auch als Makler und Geldwechsler wie z. B. die Familie Perathoner in Florenz. Ein Mitglied dieser Familie, Gian Domenico Bruno Perathoner, schenkte 1807 der Pfarrkirche St. Ulrich eine Madonna aus Alabaster von Luigi Colli, die im Museum Gröden ausgestellt ist. Anfang des 19. Jahrhunderts führte Gröden schon über 400 Niederlassungen in Europa, einschließlich Russland, bis Alexandrien in Ägypten und Nordamerika.[18] Um 1800 war etwa zwei Drittel der Grödner Bevölkerung im Ausland unterwegs. Ein neues Wehrgesetz, das die längere Abwesenheit der Männer vom Tal verhinderte, und die Verbesserung des Verkehrs, unter anderem durch die Entstehung der Eisenbahnen, förderte das Verlagssystem, wobei dieses Verkaufsnetz sich allmählich auflöste.

1856 wurde eine befahrbare Straße (Grödner Straße) ins Tal gebaut.

Das Tal wurde ab 1916 von der Grödnerbahn bis zu ihrer Einstellung im Jahr 1960 befahren.

Grödner Familiennamen[Bearbeiten]

Die am häufigsten vorkommenden Familiennamen sind: Senoner, Demetz, Perathoner, Runggaldier, Insam, Mussner, Moroder, Kostner, Prinoth, Stuffer, Comploi, Bernardi, Kasslatter, Ploner, Vinatzer, Hofer, Rabanser, Schenk, Pitscheider, Malsiner, Lardschneider, Pitschieler, Delago, Sotriffer. [19]

Sprache und Volkstum[Bearbeiten]

Im äußeren („unteren“) Grödnertal von Waidbruck im Eisacktal bis zum Boden von Pontives auf einer Höhe von 1200 m spricht man mehrheitlich Deutsch. Lajen weist beispielsweise einen Anteil der Ladinischsprachigen von knapp vier Prozent auf. Hinter der Talenge der Porta Ladina dominiert in den Hauptgemeinden St. Ulrich, St. Christina und Wolkenstein bis über das Grödner Joch hinaus das Ladinische. Die Grödner sprechen jedoch neben ihrer Muttersprache auch Deutsch und Italienisch. Für das Ladinische und das Grödner Volkstum setzten sich u. a. Tresl Gruber, Franz Prugger, Bruno Moroder, Amalia Obletter, Frieda Piazza, Christian Moroder, Max Tosi und Alex Moroder ein.

Bekannt sind die Grödner Trachten, die zu besonderen, meistens kirchlichen Anlässen noch gern getragen werden. Siehe hier.

Gröden ist reich an Sagen, die teilweise von Karl Felix Wolff in den Dolomitensagen verarbeitet wurden (s. auch hier[20]). Viele Sagen sind jedoch nicht veröffentlicht bzw. niedergeschrieben worden.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Teilstück der Saslong in Gröden

Tourismus[Bearbeiten]

Der wichtigste Wirtschaftszweig ist der Tourismus, insbesondere der Tourismus für den Wintersport.

Grödner Holzschnitzkunst[Bearbeiten]

Besonders in St. Ulrich ist die Holzschnitzkunst mit Erstellung von Holzstatuen, Holzfiguren und Kircheneinrichtungen und einst das Holzspielzeug ein wichtiger Wirtschaftszweig.

Die Grödner Holzschnitzkunst entstand im beginnenden 17. Jahrhundert mit den Künstlerfamilien Trebinger und Vinazer, deren Mitglieder besonders im Eisacktal, in Brixen bei Adam Baldauf und vielleicht Hans Reichle, aber auch in Venedig und Rom, ihre Ausbildung erhielten. Schon im 18. Jahrhundert waren in ganz Gröden über vierzig Holzschnitzer tätig. Einen besonderen Aufschwung erreichte die sakrale Holzschnitzkunst in Gröden durch die Gründung der Zeichenschule in St. Ulrich. Der Ausbildung von Grödner Holzschnitzern an den Kunstakademien in München und Wien begründete Grödens führende Stellung in der sakralen Holzschnitzkunst. Über die Grödner Straße im Jahr 1856 und die Brennerbahn, die 1859 Verona und 1867 Innsbruck anband, konnten aus Gröden Spielzeug und Kircheneinrichtungen, hauptsächlich aus Holz, leichter und rascher exportiert werden. Die meisten Grödner Holzschnitzereien werden aus Zirbelholz geschnitzt.

Sehenswertes[Bearbeiten]

Museum[Bearbeiten]

  • Das Museum Gröden in der Cësa di Ladins in St. Ulrich verfügt über eine reiche Sammlung von Grödner Holzschnitzereien vom 17. bis zum 20. Jahrhundert. Außerdem werden hier altes Grödner Holzspielzeug, Fossilien und Mineralien aus den Dolomiten, eine Sammlung archäologischer Funde aus dem Grödner Raum von der Stein-, Bronze- und Eisenzeit bis zur Römerzeit und über 30 Werke des Grödner Kunstmalers Josef Moroder Lusenberg gezeigt. Einmalig im Alpenraum sind die Rötelzeichnungen auf einer spätmittelalterlichen Täfelung und das barocke Fastentuch von St. Jakob. Bekannt ist das Museum auch wegen des Nachlasses des Grödner Filmproduzenten, Bergsteigers und Architekten Luis Trenker.
Pfarrkirche von St. Christina in Gröden

Kirchen[Bearbeiten]

Die Pfarrkirchen in Gröden zeigen viele Exemplare guter grödner Holzschnitzkunst.

  • Die St.-Jakobs-Kirche ist die älteste Kirche mit spätgotischen Fresken der Brixner Schule und dem barocken Altar der Vinazer-Bildhauer.
  • Die Kapelle des Architekten Franz Baumann auf Monte Pana, mit dem Kruzifix von Vinzenz Peristi und einem Fresko von Albert Stolz (1936), und das anliegende Hotel Monte Pana sind ein Beispiel moderner alpiner Architektur der 1930er Jahre.

Burgen[Bearbeiten]

In Gröden bestehen zwei mittelalterliche Burgruinen, Burg Stetteneck in St. Ulrich und die Burgruine Wolkenstein im Langental.

In St. Christina/Wolkenstein steht die Fischburg, ein barocker Bau im Stil eines Schlosses. Sie ist im Besitz der venezianischen Adelsfamilie Franchetti.

Geologensteig[Bearbeiten]

Ein Wandersteig (Geotrail) in den Grödner Dolomiten zwischen dem Panider Sattel und Pufels ermöglicht es, die Entwicklungsgeschichte der Dolomiten (mithilfe auch von acht Schautafeln in vier Sprachen) zu erleben.[21]

Film[Bearbeiten]

Zahlreiche Spielfilme von Luis Trenker wurden in Gröden aufgenommen. 1967 drehte Roman Polański die Außenaufnahmen zu seinem Kinofilm Tanz der Vampire in Gröden.

Sport[Bearbeiten]

Der Skisport wurde in Gröden gegen Ende des 19. Jahrhunderts eingeführt. Siehe dazu einen Artikel von Emil Terschak hier. So findet neben dem Breitensportbetrieb in Gröden auf der Saslong, einer Skipiste vom Ciampinoi nach Ruacia (Gemeinde Wolkenstein) hin, ein Herren-Abfahrts- und Super-G-Weltcuprennen statt. Auch wurde in Gröden die Alpine Skiweltmeisterschaft 1970 ausgetragen. Gröden liegt auch an der Sellaronda, einer Ski-Tour rund um das Sella-Massiv. Des Weiteren ist es Bestandteil des Skigebiets Dolomiti Superski.

Seit dem Sommer 2007 stehen Langläufern auf dem Monte Pana mehrere Loipen zur Verfügung und nebenbei auch zwei Sprungschanzen in der Gemeinde St. Christina.

Auch der Eishockeysport hat in Gröden Tradition und entwickelte sich im Laufe der Jahre zum Volkssport schlechthin. Die Grödner Mannschaft (HC Gherdëina), die ihre Heimspiele im Eisstadion von St. Ulrich austrug, zählte jahrelang zu den besten Mannschaften Italiens. Der HC Gherdëina wurde viermal italienischer Eishockeymeister. Nach dem von einem Erdrutsch verursachten Einsturz des Stadions im Jahre 1998 wurde die Mannschaft mit dem Verein HC Selva vereint und nach Wolkenstein verlegt, wo sie heute noch spielt, jedoch nicht mehr auf dem Niveau alter Zeiten. Dieser Verein heißt nach der Zusammenlegung der beiden Vereine weiterhin HC Gherdëina und spielt in der Serie A2.

Im Sommer wird in Gröden hauptsächlich Wandern Mountainbiken und Bergsteigen betrieben.

Klettersteige[Bearbeiten]

Von Gröden aus sind viele Klettersteige in den umliegenden Bergen leicht erreichbar:

Persönlichkeiten des Grödnertals[Bearbeiten]

Künstler[Bearbeiten]

Grödner Holzschnitzerei: Christusfigur im Halbrelief von Martin Vinazer, signiert MVF 1727
Marterl in St. Ulrich: Darstellung eines Arbeitsunfalles beim Holzführen 1874, Zeugnis der harten Arbeit der Bergbauern damals in Gröden
Letzte Bauernidylle in Gröden: der Hof Peza in St. Ulrich

Musiker[Bearbeiten]

Sportler[Bearbeiten]

Bergsteiger[Bearbeiten]

Sonstige[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Benesch: Bergfahrten in den Grödner Dolomiten. Bruckmann, München 1899.
  • Wilhelm Moroder-Lusenberg: Die Marktgemeinde St. Ulrich in Gröden. Eigenverlag, Innsbruck 1908.
  • Franz Moroder: Das Grödner Tal. 2. Auflage. Hrsg. von der Section Gröden des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. St. Ulrich in Gröden 1914.
  • Wilhelm Lutz: Gröden: Landschaft, Siedlung und Wirtschaft eines Dolomitenhochtales. Wagner, Innsbruck 1966.
  • Edgar Moroder: Die Moroder, ein altladinisches Geschlecht aus Gröden-Dolomiten vom 14. bis zum 20. Jahrhundert. Ursprung – Geschichte – Biographien – Anhang. Beitrag zur tirolischen Familienforschung. Eigenverlag, St. Ulrich in Gröden 1980.
  • Marina Demetz: Hausierhandel, Hausindustrie und Kunstgewerbe im Grödental vom 18. bis zum beginnenden 20. Jahrhundert. Wagner, Innsbruck 1987, ISBN 3-7030-0186-0.
  • Edgar Moroder, Bruno Flaim: Gröden in den Dolomiten. Manfrini, Calliano 1991, ISBN 88-7024-435-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Julius Gallhuber (bearbeitet von): Dolomiten. Ein Führer durch die Täler, Orte und Berge der gesamten Dolomiten, III. Band Westliche Dolomiten. Artaria, Wien 1929. S. 17.
  2. Geologische Exkursion in die Dolomiten
  3. Gianluca Cotz; Geologische und geotechnische Verhältnisse der Massenbewegungen bei Pontives (Grödnertal, Südtirol). Universität Wien Diplomarbeit 2009 (PDF; 11,0 MB)
  4. Claudio Neri; Arenarie Val Gardena (Grödner Sandstein). Commissione italiana di stratigrafia, Carta geologica d'Italia - Catalogo delle formazioni (Italienisch)
  5. Maria Ogilvie Gordon, Julius P i a; Zur Geologie der Langkofelgruppe in den Südtiroler Dolomiten. (PDF; 7,4 MB)
  6. Georg Mutschlechner; Geologie der Langkofelgruppe. Jahrbuch der Geot. Bundesanstalt 1935. (PDF; 2,5 MB)
  7. C.M. (Christian Moroder): Nosc lec. Calënder de Gherdëina 1978, Union di Ladins de Gherdëina, St. Ulrich 1977, S. 93.
  8. Reimo Lunz, Archäologische Streifzüge durch Südtirol. Athesia 2004, ISBN 88-8266-258-6, S. 330.
  9. Karl Wolfsgrube: Die Seelsorge in den ladinischen Tälern. In Ladinien. Land und Volk in den Dolomiten. Südtiroler Kulturinstitut, Bozen 1963/1964 S. 440–467.
  10. Josef Steiner: Der Sammler für Geschichte und Statistik von Tirol. Innsbruck: Wagner 1807 - abgerufen am 10. Januar 2011.
  11. Edgar Moroder: Tirol 1809 in Ladinien, insbesondere in Gröden. Ein Beitrag zum Tiroler Gedenkjahr 2009 aus Ladinien. St. Ulrich in Gröden: Eigenverlag 2009.
  12. Kalender Ladin per l ann 1915. Liber per la familia ladina. Innsbruck: Kinderfreund 1915
  13. Catarina Perathoner (Tina de Val): Dla gran eghes de l'an 1882. (4 Folgen) Nos Ladins, 1. November, 15. November und 15. Dezember 1956, 1. Jänner 1957 (Ladinisch).
  14. L'an dal'eghes 1882 te Gherdeina. Coche anda Madalena Linder de Fujeron y anda Catarina Perathoner de Val à scrit de chësc an. Calënder de Gherdëina 1959, Union di Ladins de Gherdëina 1958. S. 46–49.
  15. a b Hans H. Reimer: Grödner Dank für norddeutsche Spenden. Friedrich Borgfeldt und die Hochwasserkatastrophe 1882 in Südtirol. Der Schlern, 85.Jahrgang, Heft 2,2011, Athesia, Bozen 2011, S. 4–23.
  16. Tiroler Landreim - abgerufen am 9. Januar 2011.
  17. Tiroler Landreim Zeile 719 - abgerufen am 9. Januar 2011.
  18. a b Rita Stablein, Robert Moroder: Altes Holzspielzeug aus Groden. Die Entwicklung einer Heimindustrie. Athesia 1980 ISBN 88-7014-176-4.
  19. Sieglinde Strickner: Nachnamen in Südtirol 2004. Autonome Provinz Bozen-Südtirol Landesinstitut für Statistik - ASTAT Bozen 2005
  20. Ladinische Sagenwelt - abgerufen am 9. Januar 2011.
  21. Geologensteig auf Pufels - abgerufen am 23. Juli 2011

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gröden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Panorama in Gröden, genauer St. Christina mit Langkofel und die Weltcuppiste Saslong im Hintergrund

46.5611.704722222222Koordinaten: 46° 34′ N, 11° 42′ O