Grödner Joch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Grödner Joch
Blick zum Grödner Joch mit dem Sellastock von den Cirspitzen aus

Blick zum Grödner Joch mit dem Sellastock von den Cirspitzen aus

Himmelsrichtung West Ost
Passhöhe 2121 m s.l.m.
Provinz Bozen Bozen
Wasserscheide Grödner BachEisack GaderRienzEisack
Talorte Wolkenstein (Gröden) Corvara (Gadertal)
Ausbau Strada Statale 243 Italia.svg Strada statale 243 del Passo Gardena
Erbaut 1915
Gebirge Dolomiten
Karte
Grödner Joch (Südtirol)
Grödner Joch
x x
Koordinaten 46° 33′ 0″ N, 11° 48′ 34″ O46.5511.8094444444442121Koordinaten: 46° 33′ 0″ N, 11° 48′ 34″ O

k

Das Grödner Joch (Gadertal-ladinisch Ju de Frara, Gröden-ladinisch Jëuf de Frea; italienisch Passo Gardena) ist ein 2121 m hoher Gebirgspass in Südtirol. Er verbindet Gröden bei Wolkenstein mit Corvara im Gadertal.

Lage[Bearbeiten]

Das Grödner Joch ist ein Sattel zwischen dem Sellastock im Süden und den Cirspitzen, die das Tor zum Naturpark Puez-Geisler bilden, im Norden. Nach Westen beeindruckt der Blick auf den 3181 m hohen Langkofel mit seiner charakteristischen langgestreckten Südwand, die dem Massiv seinen Namen gab; nach Osten öffnet sich die Aussicht zu den Berggipfeln des Gadertals (Sass Songher, die Fanesgruppe mit Heiligkreuzkofel, Cunturines-Spitze und Lavarela) sowie die noch weiter östlich befindlichen Tofanagipfel.

Auf der Grödner Seite entspringt unterhalb des Passes der Rio Frea, ein Zufluss des Grödner Bachs. Auf Seiten des Gadertals entspringen verschiedene Bäche der Sella- und der Cir-Gruppe, die sich zur Gader vereinigen.

Geschichte[Bearbeiten]

Die steinzeitlichen Funde vom Grödner Joch - verkohlte Holzreste, Tierknochen und Feuersteingeräte - gehören zu den ältesten im Bereich der Sella. Über die Besiedlung wissen wir aber ebenso wenig Genaues wie über die Nutzung des Übergangs in der Antike, im Mittelalter und in der frühen Neuzeit.

In die Anfänge des Tourismus in den Dolomiten war das Grödner Joch kaum einbezogen, da es noch keine befahrbare Straße gab. Franz Moroder, Gemeindevorsteher von St. Ulrich, bemühte sich 1895/96 um das erste Grödner-Joch-Hospiz, welches von der Sektion Bozen des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins erbaut wurde.

Ein Fahrweg wurde erst im Ersten Weltkrieg 1915 für Zwecke des Frontnachschubs und zur Versorgung der Truppen angelegt. Die deutsch-österreichische Front stand bei Arabba im Buchensteintal (Verteidigungsstellung Col di Lana), die Verbindungsstrecke verlief von Bozen durch Gröden mit einer Schmalspurbahn bis Plan (Umladestation). Von hier ging es weiter mit einer Seilbahn über das Grödner Joch nach Corvara und anschließend über den Passo Campolongo oder alternativ über das Sellajoch und Pordoijoch zur Front.

Das Grödner Joch war am 5. Mai 1920 Treffpunkt von Vertretern der fünf ladinischen Täler Tirols, die gegen die Verweigerung des Selbstbestimmungsrechts protestierten und die Anerkennung als eigene ethnischen Gruppe forderten.

Für touristische Zwecke gewann das Grödner Joch erst um die Mitte des 20. Jahrhunderts an Bedeutung. Eine asphaltierte Straße neben dem alten Jochfahrweg gibt es erst seit 1960. Ein verzweigtes Wanderwegenetz und Skipisten sowie Liftanlagen entstanden auf beiden Seiten des Passes. Neben dem historischen Hospiz wurden weitere Unterkünfte und Geschäfte errichtet.

Toponomastik[Bearbeiten]

Siehe dazu die Karte der ladinischen Namen der Umgebung.[1]

Touristische Infrastruktur / Sport[Bearbeiten]

Zusammen mit dem Sellajoch, dem Pordoijoch und dem Passo Campolongo bildet das Grödner Joch für Radfahrer die Vierpässefahrt Sella Ronda rund um die Sella; im Winter kann diese Runde in einer Kombination von Liften und Abfahrten auf Skiern bewältigt werden.

Wanderwege führen abwärts nach Corvara sowie nach Wolkenstein entweder über den Plan de Frea oder durch das Dantercepies-Tal unterhalb des Lifts. Diese Hänge sind im Winter Skigebiete.

In die Sella hinein führt der Dolomiten-Höhenweg Nr. 2, teilweise als Klettersteig ausgelegt. Eine viel begangene Route für erfahrene Kletterer ist der Pisciadù-Steig (Via ferrata Brigata Tridentina) mit einer Hängebrücke am Exnerturm.

Durch die Cirspitzen setzt sich der Dolomiten-Höhenweg Nr. 2 auf der Nordseite des Grödner Jochs fort und führt zur Crespeina-Hochfläche mit Crespeina-See und weiter in die Puezgruppe hinein.

Wanderkarte[Bearbeiten]

Grödnertal / Val Gardena, 1:25.000, mapgraphic Bozen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Josef Kostner, Gilo Prugger: Cherta de Frea y ujinanza. Calënder de Gherdëina 1970, Union di Ladins, St. Ulrich 1969, S. 92

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Passo Gardena – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien